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| 1861 | Allein 1861 registrierten die zaristischen Behörden 1176 Bauernrevolten
und Meutereien. Das Manifest vom 19.Februar ("Bauernreform") hob formell die Leibeigenschaft auf und ermöglichte eine scheinbare Befreiung von über 22 Millionen Bauern aus der personellen Abhängigkeit. Der zugeteilte Boden mußte durch Ablösezahlungen und Abarbeit erworben werden. Bis zur Beendigung dieser Zwangszahlungen blieben die Bauern "Zeitverpflichtete". Gleichzeitig wurde als Zahlungsmodus die von den Bauern bearbeitet und zugewiesenen Fläche um 18% verringert, in fruchtbaren Gebieten sogar um bis zu 40%. |
"Verlesung des Manifestes von 1861" Gemälde von G.G.Mjassojedow Die räuberische Reform von 1861, von den fronherrlichen Gutsbesitzern durchgeführt, beseitigte nicht das feudale Grundeigentum. Realistisch betrachtet "befreite" dieses Gesetz die Bauernschaft von einem Teil ihres besten Bodens, indem sie diesen zugunsten des Gutsbesitzers abtrennte (sogenannte "Obreski-Bodenabschnitte"). Im Lauf eines Menschenalters führte die Reformpolitik, in die die Bauern sehr viele Hoffnungen gesetzt hatten, zur Landlosigkeit der bäuerlichen Millionenemassen! In einem Land, das über riesige Ländereien verfügte, kam akuter Bodenmangel auf. Im Jahr 1905 galten von den insgesamt 85 Millionen Bauern mindestens 70 Millionen als landlos oder landarm. |
| 1864 | Semstwo-Reform und Justiz-Reform |
Bildung von ländlichen und städtischen Verwaltungseinheiten für
den Unterhalt von Verkehrswegen, Schulen und Gesundheitseinrichtungen. Kreisgerichte und Appelationsinstanzen entstehen, Friedensrichter werden zugelassn. |
| 1870 | Städteordnung reformiert | Auf Basis des Besitz-Zensus können in größeren Städten Stadt-Parlamente gewählt werden, die Stadtverwaltungen einberufen dürfen. |
| 1891 bis 1892 | Hungersnot in Rußland | Die immer häufiger und schlimmer werdenden Hungersnöte im rückständigen Rußland sind nicht
allein Folgen von Wetterbedingungen, sondern langfristige Wirkungen der zaristischen Reformen. Siehe dazu auch: Reformen und Pauperismus in Deutschland |
| 1897 | Ein Gesetz beschränkt den Arbeitstag auf 11,5 Stunden. | Ab der Krise 1900-1903 wird gegen das Gesetz von 1897 durch die kleine und mittelständische Unternehmer
verstoßen / Verlängerung des Arbeitstages auf 13-14 Stunden. Q:((1) S.14) |
| 1902 | 340 bäuerliche Kampfaktionen werden gezählt. In den Gouvernements Poltawa und Charkow werden von März bis April rund 100 Gutshöfe demoliert. |
((1) S.23 u.LitHW:Nr.23) |
| 1903 | Politischer Generalstreik im Süden Rußlands im Juli und August, an dem sich rund 200000 Arbeiter beteiligten. |
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| 1904 | In den fünf Jahren (1900 bis 1904) kam es in Rußland zu
670 Bauernrevolten. Die spontanen und nicht organisierten Meutereien ändern ihren Charakter: aus passiven Widerstand (Verweigerung von Abgaben und Dienstpflichet) wird zunehmend aktive Revolte (eigenmächtiges Aufpflügen von Gutsherrenland, Einäscherung und Demolierung von Gutshöfen, bewaffneter Widerstand gegen Polizei und Armee). |
Der russ.-japan. Krieg (Jan.1904-Aug.1905) brachte Rußland für das Jahr 1904 einen materiellen Verlust von rund 2 Milliarden Goldrubel, deren Last vor allem den Bauern auferlegt wurde. Mobilmachungen verschlechterten die soziale Situation der Bauernfamilien. Geldstrafen wurden erhöht, der Arbeitstag verlängert, die Konsumgüterpreise stiegen. ((1)S.23-35) |
| Januar 1905 | 3.Januar: 12600 Putilow-Arbeiter treten in Petersburg in den Streik. 4.Januar: 15000 Arbeiter im Streik, da sich weitere Betriebe im Land beteiligen. 5.Januar: 26000 Arbeiter im Streik. 7.Januar: 107000 Streikende. 8.Januar: 150000 Streikende, es herrscht Generalstreik. Das Militär besetzt Bahnhöfe, Kraftwerk, Fernsprechamt, Bahndepots und Brücken. 9.Januar: Blutsonntag. Der Zar läßt auf die mehr als einhunderttausend Demonstranten schießen und setzt anschließend Kavallerie zur Niedersäblung der festlich gekleideten Teilnehmer der Prozession ein. Bei dem Blutbad werden über fünftausend Menschen getötet oder verwundet, einschließlich Frauen und Kinder! Bei der zaristischen Polizei gehen für den Monat Januar Meldungen über 17 Bauernrevolten ein |
Aus der Petition an den Zaren: Wir haben geduldet, aber wir werden immer tiefer in den Sumpf der Armut, der Rechtlosigkeit und Unwissenheit gestoßen, werden von Despotie und Willkür gewürgt, und wir ersticken. Wir halten es nicht länger aus, Herr. Die Geduld hat ihre Grenze erreicht. Für uns ist jener furchtbare Augenblick eingetreten, wo der Tod besser ist als die Fortdauer der unerträglichen Leiden." ((1) S.44) |
| Februar 1905 | Auf den Ukas des Zaren Nikolaus II. vom 18.Februar reagierten die
Bauern immer noch in dem naiven Glauben, das ihre Stimme vom Zaren erhört würde. Diese "Februar"-Manifest forderte die Menschen auf, Beschwerden einzureichen. Die Bauern trugen in Dorfversammlungen ihre Forderungen vor und reichten sie dann als Petitionen an den Zaren ein. Die wichtigsten Forderungen der Bauern: - Enteignung des Großgrundbesitzes ohne Gegenleistung; - Abschaffung der "Ablösezahlungen", die nach 1861(!) zusätzlich zu den Steuern und Abgaben zu leisten waren; - allgemeine und unendgeldliche Volksschulbildung - freie Wahlen und Bürgerrechte auch für die Bauern Im Februar meldet die Polizei 109 Bauernerhebungen. |
Die erste Forderung der Bauern ist die nach Land! Der Boden sollte dem gehören, der ihn bearbeitet! Zitat aus der Resolution der Bauern im Kreis Wolokolamsk: "Es ist wichtig, den Privatbesitz an Land anzuschaffen... und allen Menschen zur Verfügung zu stellen. Land sollte nur von denen genutzt werden, die es in ihren Familien oder in Genossenschaften bearbeiten..."((2) S.449) Forderung nach Bildung! Zitat aus einer Dorf-Petiton im Gouvernement Kursk: "Einer der Hauptgründe dafür, daß wir keine Rechte haben, ist unsere Unwissenheit und unser Mangel an Bildung, der aus dem Mangel an Schulen und aus dem schlechten Unterricht an ihnen resultiert; deshalb ist es wichtig, die allgemeine Schulbildung auf Kosten des Staates einzuführen."((2) S.450) Forderung nach Bürgerrechten: "Alle Beamten, vom niedrigsten bis zum höchsten, sollen vom Volk gewählt werden und den Volksdelegierten gegenüber verantwortlich sein. Die Beamten, die wir jetzt haben, erhalten Geld, das bei uns eingtrieben wird, schaden uns aber nur."((2) S.450) |
| März 1905 | Am 30.3. verkündet Nikolaus II. die Auflösung der Landwirtschafts-Kommission
und ermahnt die Bauern, auf eine Reform zu warten! ((1) S.109) Die Polizei erhält Bericht über 103 Bauernerhebungen. |
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| April 1905 | Am 10.April werden provisorische Kommissionen aus Gutsherren und Beamten
gebildet, die die "Verluste" der Gutsbesitzer feststellen sollen. Demzufolge
werden später 8 Millionen Rubel als "Beihilfe" bewilligt, die von den
Bauern auf Grundlage der Gemeinschaftshaftung eingetrieben werden sollen. Die Polizei registriert 144 Bauernrevolten. |
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| Mai 1905 | Die Polizei meldet 299 Bauernaktionen. | ((1) S.100) |
| Juni 1905 | Die Polizei meldet 492 Bauernrevolten. | ((1) S.100) |
| Juli 1905 | Registrierung von 248 Bauernmeutereien. | ((1) S.100) |
| August 1905 | Zählung von 155 Bauernrevolten. | ((1) s.100) |
| September 1905 | Registrierung von 71 Bauernrevolten. ((1) S.189) |
Die umfassenden Streik-Aktionen in den Städten und Fabriken erforderten eine völlig neue Form der Solidarität: die Sowjets wurden einfach benötigt, um vielfältige Streik-Angelegenheiten zu klären, Verhandlungen mit Unternehmern und Polizei zu führen, Ordnung zu wahren und nicht zuletzt um die Verbindungen mit den Streik-Komitees anderer Fabriken aufzunehmen und aufrecht zu erhalten. Der Generalstreik, der nicht nur den Verkehr lahm legte sondern auch die Gasversorgung in den Städten, die Stromversorgung betraf und die Wasserlieferungen abschaltete, zwang zu völlig neuen Ausschüssen, in denen die dazu erforderlichen Absprachen getroffen werden konnten! Dabei bildete sich eine Organisationsform, deren Zustandekommen durch die Arbeiter zunehmend beherrscht wurde und schließlich die professionelle Grundlage für spätere Kampfaktionen bilden wird, wie zwölf Jahre später in der Oktoberrevolution 1917! |
| Oktober 1905 | Auf das "Oktober-Manifest" der Regierung reagierten die Bauern mit verstärkten
Anstrengungen, sich die ökonomische und politische Macht im Dorf zu sichern. In den Gouvernements Saratow und Tschernikow begannen sie, die Herrenhäuser in Brand zu stecken. Die Entscheidungen zu der Kampfmaßnahme wurden auf Dorfversammlungen beschlossen(!) und sofort in die Tat umgesetzt. Diese Welle der Revolten erfaßte das Schwarzerdegebiet und die mittlere Wolgaregion. Schätzungen zufolge wurden etwa 3000 Herrenhäuser niedergebrannt, wobei ein Sach-"Schaden" von 40 Millionen Rubel entstanden sein soll. ((2) S.451-452) Es wurden 219 Bauernrevolten registriert. ((1) S.189) Am politischen Massenstreik beteiligen sich über 2 Millionen Werktätige.((3) S.391) |
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| Oktober bis Dezember 1905 | "Bauernrepubliken" Obrigkeit der Amtsbezirke abgelöst, neue Behörden gewählt, bewaffnete Miliz aufgestellt Boykott gegen den Gutsherren, Organisation von Massenkungebungen, Herausgabe einer eigenen Bauernzeitung |
Über die Bauernrepubliken sind nur sehr wenige Zeugnisse erhalten geblieben: Nikolajewski Gorodok im Landkreis Saratow (13.Oktober bis 23.Oktober) Rupublik Stary Bujan (13. bis 26. November) Republik Markowo im Landkreis Wolokolamsk im Gouvernement Moskau Bauernsowjet Nowinsk Bauern von 30 Dörfern wählen den ersten "Amtsbezirkssowjet" mit direkter Verbindung zum Twerer Sowjet der Arbeiterdeputierten (bis Mitte Dezember 1905) |
| November 1905 | Registrierung von 796 Bauernaufständen. | ((1) S.189) |
| Dezember 1905 | Die Revolution erreicht ihren Höhepunkt. Nach der Niederschlagung des bewaffneten Aufstandes ebbte die Revolution allmählich ab. Registrierung von 575 Bauernrevolten. |
((1) S. 189); ((3) S.391-393) |
| Sommer 1906 | Anlaß für die neue Welle der Revolten ist das Scheitern der Bemühungen in der Duma
die Enteignung der Großgrundbesitzer durchzusetzen. Die ziegerichteten Brandstiftungen der adligen Landsitze verbindet sich jetzt mit gewaltsamen "Übergriffen" gegen die Gutsbesitzer. |
Die Regierung setzt die aus dem russ.-japanischen. Krieg zurück kehrenden Truppen gegen die Bauern ein. Englische Schiffe brachten die Mandschurische Armee (aus japan. der Kriegsgefangenschaft entlassen) nach Rußland zurück. Die britische Regierung erwog gleichzeitig die Entsendung von Flotteneinheiten zum Schutz des Zaren. ((1) S.364) |
| Juni 1907 | Staatsstreich durch P.A.Stolypin. Stolypin löste am 3.Juni die Duma auf, ließ die sozialdemokratische Fraktion verhaften und ein neues Wahlgesetz verabschieden. |
Das Wahlgesetz garantierte nur Vertretern der herrschenden Klassen in der Duma politische Aktivität. Das Wahlrecht wurde zugunsten der Gutsbesitzer und der russischen Nationalität geändert.((2) S.467 ff.) |
| Deutschland | Ruhrbergarbeiterstreik 1905 Der Streik wurde ausgelöst durch die Ankündigung von Arbeitszeit-Verlängerungen und gleichzeitigen Zechen-Stilllegungen! Ab 16.Januar traten täglich rd. 215000 Bergarbeiter in den Streik und ignorierten damit die Abwiegelungstaktik der Gewerkschaftsführer! Besonderes Merkmal dieses Streiks war die Aktionseinheit der Ruhrkumpeln unterschiedlicher Religiösität, verschiederner Organisationen und unterschiedlicher Nationalität! Kampfziele waren u.a. Verbot von Sonntagsarbeit und Festsetzung eines Mindestlohnes! Große praktische Solidarität und Unterstützung kam von französischen Bergarbeitern, von der britischen Miners Federation und von belgischen Bergleuten! Unter diesem Druck und Angesichts der Ereignisse in Rußland sah sich die preußische Regierung gezwungen, am 26.Mai ein neues Berggesetz zu verabschieden! Hamburger Streik 1906 Erster politischer Massenstreik in der deutschen Geschichte. Protest gegen das Vorhaben des Senats, das Drei-Klassen-Wahlrecht einzuführen, um den Einfluß der sozialdemokratischen Abgeordneten zu verringern. Auf Bitten der Hamburger schrieb Rosa Luxemburg die Broschüre "Massenstreik,Partei und Gewerkschaften". |
((1) S.368 ff);((3) S.393, S.424-425, S.770) |
| Frankreich, Großbritannien, Östreich-Ungarn, Rumänien |
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| Persien, Türkei, Afghanistan, Indien, Indonesien, China |
zu China: Im Exterritorialstreifen der Ostchinesischen Eisenbahn leisteten russische Bolschewiki revolutionäre Arbeit bei Massenstreiks russ. und chinesicher Arbeiter, beim Kampf um die Munizipalrechte und in den ersten Munizipal-Wahlen. Agitation in der Bevölkerung der Städte Charbin (Harbin) u.a. Der Sieg der Revolution von 1911 führte zum Sturz der Quing-Monarchie und brachte die Republik China mit Sun Yat-sen als Präsidenten. |
(zu Cina: ((1) S.382) |
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