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Lieben Brüder, ihr sehent, daß die Tyrannen unsere Feind so da seind, und unterstehen sich,
uns zu erwürgen, und seind doch so forchtsam, daß sie uns nicht dorfen angreifen, und fordern,
daß ihr sollt abziehen, sollt die Anfenger dieser Sach uberantworten. Nun, lieben Brüder, ihr wüßt,
daß ich solche Sach aus Gottes Befehl hab angefangen und nicht aus eignem Fürnehmen oder Kühnheit,
denn ich kein Krieger mein Tag nie gewesen bin. Dieweil aber mir Gott mündlich geboten hat auszuziehen,
bin ich schuldig, und ihr alle, dazubleiben und des Ends zu warten. Es gebote Gott Abraham, seinen Suhn zu opfern;
nun wüßt Abraham nicht, wie es gehn sollt, dannoch folgt er Gott und fuhre fort, wollt das fromm Kind opfern und töten.
Da errettet Gott Isaak und erhielt ihn beim Leben. Also auch wir, dieweil wir Befehl von Gott haben, sollen wir des Ends warten und Gott für uns lassen sorgen. Darüber aber hab ich nicht Zweifel, es werde wohl geraten und wir diesen heitigen Tag Gottes Hilf sehen und unsere Feind alle vertilgen; denn Gott spricht oft in der Schrift, er woll den Armen, den Frommen helfen und die Gottlosen ausrotten. Nun seind wir je die Armen und die Gott sein Wort begehren zu erhalten, darum sollen wir nicht zweiflen. Es würd Glück auf unser Seiten sein. Was seind aber die Fürsten? Sie seind nichts dann Tyrannen, schinden die Leut, unser Schweiß und Blut vertön sie mit Hoffieren, mit unnützen Pracht, mit Huren und Buben. Es hat Gott geboten in Deuteronomio, es soll der König nicht viel Pferd bei sich haben und einen großen Pracht führen; auch soll ein König das Gesatzbuch täglich in Händen haben. Was tun aber unsere Fürsten? Sie nehmen sich des Regiments nicht an, hören die armen Leute nicht, sprechen nicht Recht, halten die Straßen nicht rein, wehren nicht Mord und Raub, strafen kein Frevel und Mutwill, vertedingen nicht Witwen und Waisen, helfen nicht den Armen zu Recht, schaffen nicht, daß die Jugend recht erzogen würd zu Guten, fürdern nicht Gottes Dienst, so doch um solcher Ursach willen Gott Oberkeit eingesetzt hat, sonder verderben allein die Armen je mehr und mehr mit neuen Beschwerden, brauchen ihrs Macht nicht zu Erhaltung Friedens, sonder zu eignem Trutz, daß je einer seim Nachbauren stark genug sei, verderben Land und Leut mit unnötigen Kriegen, Rauben, Brennen, Mörden. Das seind die fürstlichen Tugend, damit sie jetzt umgehen. Ihr sollt nicht gedenken, daß Gott solches lenger leiden wölle; dann wie er die Cannaneos vertilget hat, so würd er auch diese Fürsten vertilgen. Und ob schon solches zu leiden wäre, so kann doch Gott das nicht leiden, daß sie den falschen Gottsdienst der Pfaffen und Münche vertedingen wöllen. Wer weiß nicht, was greulicher Abgötterei geschieht mit dem Kaufen und Verkaufen in der Messe. Wie Christus die Kremer aus dem Tempel stieße, so würd er diese Pfaffen und was an ihn hanget verderben. Und wie Gott Phenees gelobet hat, daß er die Hurerei mit Cosbi strafet, so würd uns Gott Glück geben, der Pfaffen Hurerei zu strafen. Darum seid getrost und tut Gott den Dienst und vertilget diese untüchtige Oberkeit. Dann was hilfts, ob wir schon Frieden machten mit ihnen, denn sie wollen doch fortfahren, uns nicht freilassen, treiben uns zu Abgötterei. Nun seind wir schuldig, lieber zu sterben, denn in ihr Abgötterei zu verwilligen. Es were je besser, daß wir Merterer wurden, dann daß wir leiden, daß uns das Evangelium entzogen werd und wir zu der Pfaffen Mißbrauche gedrungen werden. Darüber weiß ich gewißlich, daß Gott uns helfen würd und uns Sieg geben, denn er hat mir mündlich solches zugesagt und befohlen, daß ich alle Stend soll reformieren. Es ist nicht Wunder, daß Gott wenigen und ungerüsten Leuten Sieg gebe wider viel tausend; denn Gedeo mit wenig Leuten, Jonathas mit seim eigenen Knaben viel tausend geschlagen haben, David ungerüst den großen Goliath umbracht. Also hab ich nicht Zweifel, es werd jetzund dergleichen geschehen, daß wir, wiewohl ungerüst, werden obliegen. Es müßt ehe Himmel und Erden endern, dann wir verlassen sollten werden, wie sich des Meers Natur endert, auf des Hilf den Israelischen geschah, da Pharao nacheilt. Laßt euch nicht erschrecken das schwach Fleisch und greift die Feind kühnlich an, dörft das Geschütz nit förchten, dann ihr sollt sehen, daß ich alle Büchsenstein in Ärmel fassen will, die sie gegen uns schießen. Ja ihr sehent, daß Gott auf unser Seiten ist, denn er gibt uns jetzund ein Zeichen. Sehent ihr nicht den Regenbogen am Himmel? Der bedeut, daß Gott uns, die wir den Regenbogen im Banner führen, helfen will und dreuet den mördrischen Fürsten Gericht und Strafe. Darum seind unerschrocken und tröstet euch göttlicher Hilf und stellt euch zu Wehre. Es will Gott nicht, daß ihr Fried mit den gottlosen Fürsten machet. |
"Entwurf einer Gedächtnissäule für den Bauernaufstand" |
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