Selbstbildnis im Alter von 20 Jahren (1) |
Nicht von ungefähr nannte man die Zeit, in der die Kunst, insbesondere die Malerei und Grafik, die Bildschnitzerei
und Steinplastik neue Dinge hervorbrachte, die Dürer bevorzugte die graphischen Techniken. Er erreichte damit breitere Schichten in der Bevölkerung und blieb doch dabei individuell mit dem Betrachter. Es ist nicht die Kunst vor versammelter Menge, es ist mehr die stille Betrachtung und das Erkennen, das jeder einzelne für sich gewinnen konnte. Zugleich entstand mit der neuen Verbreitungsform durch den Druck eine neue Form der Kunst mit der speziellen Anforderung nach aktueller Sicht auf die Dinge! Da mußte man schon Partei ergreifen, Stellung beziehen oder wenigstens Abscheu zeigen. Das konnte nicht nur Dürer, das beherrschten viele andere seiner Zeitgenossen auch. Aber Dürer blieb immer als Dürer erkennbar. heute noch, selbst nach fünfhundert Jahren! |
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| Michael besiegt den Drachen, aus der Apokalypse Holzschnitt (2) |
Das Thema der Apokalypse ist ein Thema dieser Zeit. Es hatte sich eine Art Weltuntergangsstimmung verbreitet, heute nennt
man es Krisenstimmungen. Selbst die Kirche wird vom Antichristen beherrscht, was kann man da noch hoffen.
Aber statt Untergang sieht Dürer ein Kräfte-Ringen! Dürer hat mehr gesehen als nur Häßliches. Er ist weitgereist und nicht von lokaler Borniertheit blockiert. Er kennt mehr als nur dumpfe Armut. Er weiß auch mehr als nur blanke Theologie. Und darum kämpft sein Michael mit dem Drachen. Aber wie! Es ist kein leichter Kampf mehr - der heilige Michael, der Stärkste seiner Zunft siegt nicht spielend, es ist ihm kein leichter Sieg gegönnt. Das Gegenteil ist hier der Fall: selbst der Erzengel muß sich anstrengen, um der Bestie Herr zu werden! Und er muß es mit seiner ganzen Kraft! Im Lied der Bauern wird es heißen: Drauf und dran! Dieser Kampf ist einer auf Leben und Tod - ein Kampf zwischen der alten und der neuen Zeit! |
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Holzschnitt von Albrecht Dürer aus Sebastian Brants Narrenschiff 1494 (3) |
Der Drachen, der bekämpft wird von dem Michael der neuen Zeit, hat leider viele Köpfe. Einen davon sehen wir hier: den Wucherer oder Fürkäufer. Breite Schichten in der Bevölkerung machen sogenannte "Fürkäufer" für die anhaltenden Teuerungen mit verantwortlich. Ein zeitgenössischer Chronist berichtete über die Praktiken dieses "Handels", die voraussetzte, das der Kaufmann bereits im Vorfeld des Handels über eine große Menge Geld verfügte: die Waren wurden zuerst zu überhöhten Preisen aufgekauft (!), zu Preisen, die andere Kaufleute nicht aufbringen konnten. Wurde schließlich das Monopol zu der Ware erreicht und dazu eine entsprechende Menge gesichert, begann der umgekehrte Prozeß: jetzt konnte der Verkauf der Ware mit diktierenden Preisen erfolgen. Dabei wurden die Preise so hochgetrieben, das sich maximale Gewinne einstellten. Selbst die Reichsstände fühlten sich damit in ihren Interessen verletzt und so stellte sich ihre Mehrheit auf dem Reichstag zu Trier und Köln 1512 auf die Seite der Monopolgegner. Der Reichstag erließ ein striktes Monopolverbot und stellte die Form des "Fürkaufs" unter Strafe! Die damaligen Auseinandersetzungen hinsichtlich unredlichen Handels gleichen den heutigen. Der Tübinger Professor und "Berater" des Herzogs von Württemberg Konrad Summenhart gab um 1500 in seinem Werk "Septipertitum opus de contractibus" ("siebenteiliges Werk über Verträge") eine Beschreibung verschiedener Wirtschaftsanschauungen. Er akzeptierte (entgegen christlichem Gebot!) eine fünfprozentige Verzinsung von Kapitaleinlagen, hielt aber Monopole für "vernunftwidrig". Der Leipziger Jurist Christoph Küppener verfaßte dagegen 1508 eine Schrift gegen den Wucher und forderte die Bestrafung der Monopolisten. Ganz anders der Augsburger Stadtschreiber (und Humanist!) Konrad Peutinger, der in seinem Gutachten von 1507 das erste Mal den "Wettbewerb" in der Wirtschaft als "gottgewollt" darstellt, der nur dem Prinzip von Angebot und Nachfrage unterworfen sei, etwas, das die Praxis des "Fürkaufs" gerade nicht bestätigte! |
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| Was die unredliche Art des Handels und die unverblümte Habgier des Adels, der Kirche und der Wucherer den Bauern antat, sehen wir in der Darstellung der Heimkehr des verlorenen Sohnes. Dieser verlorene Sohn sieht aus wie ein gebeugter Bauer, der um den Erhalt seines Hofes nur noch beten kann...Sein "Tisch"-Gebet deutet auf den Schweinetrog, als bliebe selbst ihm nichts anderes mehr. .... |
Der verlorene Sohn Kupferstich (4) |
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| Marktbauern Kupferstich 1519 (5) |
Man kann nicht sagen, das Dürer dem Leben fremd gegenüber stand. Er zeichnete hier auch keine Idealbilder seiner Helden, er nimmt sie als das, was sie sind: Bauern auf dem Markt, ein bischen Schlitzohrigkeit findet sich da auch... | |
Tanzendes Bauernpaar (6) Aber Schlüssel und Geldbeutel behält SIE sicher in IHRER Hand - wer sonst? |
Wer schwadroniert hier? |
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| Drei Bauern im Gespräch Kupferstich (8) Und das sind Dürers wirkliche Helden, selbstbewußt und wenn es darauf ankommt, mit Schwert - nicht gramgebeugt, sondern stark! |
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Turnier (9) |
Wer genau hinschaut,entdeckt nicht nur Spott, sondern auch Selbstironie, kann sehen das der "Ritter" Dürer am stürzen ist, aber beide Ritter fallen- eben wie alle Ritter zu dieser Zeit, deren Standesstern im Sinken begriffen ist...
Dürers Serlbstbildnisse lassen noch heute darauf schließen, das er nicht unbedingt seinen Ehrgeiz darin sah, ein Ritter zu werden - was ihm gesellschaftlich ohnehin versagt geblieben wäre. Auch war er viel zu sehr Künstler, Wissenschaftler und Humanist. Außerdem war bereits damals für jeden denkenden Zeitgenossen erkennbar, das die Zeit der Ritter ablief.
Eine alte Erfindung aus China hatte endlich den Weg nach Europa gefunden und das Schwarzpulver trieb die Entwicklung der Feuerwaffen voran. Ritter mit schwerfälligen Rüstungen wurden nicht mehr so dringend benötigt wie geschultes Fußvolk, das mit Kanonen umzugehen wußte! Das waren die wirklichen Bestimmer in einer Schlacht und sie waren käuflich. Man konnte Kanonen inclusive Bedienung mieten und selbst die Bauernheere machten davon Gebrauch! Die Ritter von einst waren nicht nur nicht mehr gefragt, sie waren auch oft verschuldet oder gar verarmt, litten wie die Bauern unter dem sinkenden Geldwert und schließlich hatten die fehlgeschlagenen Kreuzzüge mit dazu beigetragen, das sie auch noch den letzten Glauben an die Kirche verloren. So finden wir durchaus manche Ritter auf Seiten der Bauern und das waren nicht die schlechtesten darunter. Viele aber wurden weiter nichts als Söldner, sich verkaufend an die unterschiedlichsten Armeen, gleich für welche Ziele da gekämpft wurde. Es gab für Dürer keinen Grund, neidisch auf Ritter zu sein, aber eine gewisse Sympathie flackert manchmal auf, beispielsweise, wenn er ihre Todesverachtung darstellt... |
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| Die Bauernsäule Dürers Entwurf zu einem Denkmal des Bauernkrieges Holzschnitt (10) |
Albrecht Dürer arbeitete in seinen letzten beiden Lebensjahren an kunsttheoretischen Problemen. Dazu verfaßte er sein Buch über die Proportionslehre.
Noch während der Drucklegung nahm er darin den Entwurf einer Gedächtnissäule für den Bauernkrieg auf.
Zu dem Holzschnitt heißt es : "Welicher ein Victoria aufrichten wollt, darum daß er die aufrührerischen Bauern überwunden hätt,
der möcht sich eins solichen Gezeugs darzu gebrauchen, wie ich hernach lehren will". Die Säule besteht aus
landwirtschaftlichem Gerät, Hausrat und Vieh eines bäuerlichen Hofes, gewissermaßen jetzt die herrenlose Beute der Sieger.
Aber nicht ein strahlender Sieger krönt die Stele, sondern "ein traureter Bauer...,der mit seinem Schwert durchstochen sei".
Es ist sicher nicht unangemessen, diesen Entwurf als Dürers mutiges Bekenntnis zur Sache der Bauern zu interpretieren, zumal Dürer sich damit auf die Seite der "Verlierer" stellte. Die wirklichen Verlierer, die nachkommenden Generationen der aufrührerischen Bauern, stieß man jedenfalls in zweifelhafte religiös gefärbte aber in Realität völlig unzivilisierte Raubkriege des Adels, die Europa lange Zeiten überziehen sollten. |
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Weinende Bäuerin (11) |
Ein Berner Chronist schätzte die Zahl der Todesopfer des Bauernaufstandes und dessen blutige Niederschlagung auf 130 000, wahrlich ein Grund zum weinen. Bei jedem dieser Kämpfe hatten die Bauern eine friedliche Alternative vorgeschlagen! Die Anerkennung ihrer Rechte hätte eine gesellschaftliche Entwicklung gestattet, die mit realem ökonomischem Wachstum einhergegangen wäre. Allein die primitive Habgier und unfähige Herrschsucht der Fürsten und der Kirche ließen eine humane Entwicklung nicht zu. So kostete die blutige Niederschlagung der Bauernaufstände und Revolten wahrscheinlich über 130 000 Bauern das Leben. Die Rachsucht der Sieger ließ Landstriche für Jahre veröden und große Gebiete wirtschaftlich für lange Zeit rückständig bleiben. Statt mit kluger Hand die wirtschaftlichen Geschicke ihrer Frongebiete zu steuern, brachten die Unterwerfungsstrategien der Herrschenden politischen, wirtschaftlichen und sozialen Rückschritt, der letztendlich hundert Jahre später die Katastrophe des Dreißigjährigen Krieges herbeiführen wird! |
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| Diesen schien der Chronist Jakob Holzwart im 16. Jahrhundert vorauszuahnen, als er über die Folgen der Niederschlagung der Bauern schrieb: "Es besteht mit Sicherheit die Gefahr, daß einmal eine solche Barbarei entsteht, wie sie niemals in Deutschland bestanden hat. Aber es wäre noch kein Anlaß, über den Untergang der Wissenschaften zu klagen, wenn nicht zugleich mit Wissenschaften und Künsten auch alle heiligen, ehrbaren und bürgerlichen Gesetze, die guten Sitten, Gebräuche und Gewohnheiten und die Kenntnis aller Kräfte der Natur und der Heilmittel zu Grunde gingen ..." | ||
| Großer Deutscher Bauernkrieg 1524 bis 1526 (einschließlich der Ereignisse in den fünf Jahrzehnten vor dem Großen Deutschen Bauernkrieg 1476 bis 1523) |
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| Die Zwölf Artikel geschrieben und beschlossen Februar / März 1525 Darum erfindt sich mit der Geschrift, daß wir frei seien und wöllen sein. |
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| Die Bundesordnung der oberschwäbischen Bauernhaufen vom 7.März 1525 (und Zitat aus dem Brief vom Bundesrat Kanzler Eck an seinen Herzog Wilhelm von Bayern) |
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| Thomas Müntzers Predigt auf dem Schlachtfeld bei Frankenhausen am 15.Mai 1525: "Die Feldpredigt" "Es will Gott nicht, daß ihr Fried mit den gottlosen Fürsten machet!" PDF-Version v. 28.12.2006 |
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| Michael Gaismmairs Tiroler Landesordnung Februar/März 1526 ... man soll Auen und andere unfruchtbare Ort im Land fruchtbar machen ... |
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