Michael Gaismairs Tiroler Landesordnung
Februar / März 1526


Das ist die Landsordnung, so Michel Gaismair gmacht hat im 1526.Jahr.

Anfenglich so werdt ihr geloben und schwörn, Leib und Gut zusammensetzen, voneinander nit weichen, sonder miteinander heben und legen, doch allzeit nach Rat zu handlen, eur furgesetzten Öbrigkeit treu und gehorsam zu sein und in allen Sachen nit eignen Nutz, sonder
zum ersten die Ehr Gottes und darnach den gemeinen Nutz zu suchen, auf daß uns der allmechtig Gott (wie er dann allen denen, so ihm in seinen Geboten gehorsam sein, vielfeltig geheißen hat) Gnad und Beistand tue, darauf wir genzlich vertrauen sollen, dann er ganz wahrhaft ist und niemand betrügt.

Zum andern, daß ihr alle gottlosen Menschen, die das ewig Wort Gottes verfolgen, den gemein armen Mann beschwären und den gemeinen Nutz verhindern, ausreiten und dannen tuen wellet.

Zum dritten, daß ihr daran sein wöllet, und ein ganz christenliche Satzung, die allein in allen Dingen aus dem heiligen Wort Gottes gegründt ist, aufrichten und daran genzlichen geleben wellet.

Zum vierten sollen alle Freiheiten abgetan, dann sie wider das Wort Gottes seind und das Recht fälschen, darin niemand für den andern gevorteilt werden soll.

Zum funften sollen alle Ringmauren an den Stedten, dergleichen alle Geschlösser und Befestigung im Land niederbrochen werden und hinfur nimmer Stedt, sonder Dorfer sein, damit [kein] Unterscheid der Menschen, also daß einer höher oder besser weder der ander sein wölle, werde, daraus dann im ganzen Land Zerruttlichkeit, auch Hoffart und Aufruhr entstehn mag, sonder ein ganze Gleichheit im Land sei.

Zum sechsten sollen alle Bilder, Bildstock, die Kapellen, so nit Pfarrkirchen sein, und die Meß im ganzen Land abgetan werden, dann es ein Greul vor Gott ist und ganz unchristlich ist.

Zum siebenten soll man das Wort Gottes treulich und wahrhaftiglich ins Gaismairs Land allenthalben predigen und alle Sophisterei und Juristerei ausreiten und dieselben Bücher verbrennen.

Zum achten sollen die Gericht allenthalben im Land auf das gelegenlichest, desgleichen die Pfarren ausgezehlt werden, also daß man die mit wenigstem Kosten versehen mag.

Zum neunten soll ein jede ganze Gmein eins jeden Gericht alle Jahr ein Richter und acht Geschworen erwöhlen, die sollen dasselbig Jahr den Gerichtzwang versehen.

Zum zöhenten soll alle Montag Recht gehalten werden und alle Sachen nicht über das ander Recht aufgezogen werden, sonder zu End bracht auf den andern Tag. Sollen die Richter, Geschworn, Schreiber, Redner und Gerichtsleut, Boten, sollen in den Gerichtshändlen von niemand nicht nehmen, sonder vom Land besoldt werden und demnach in ihrem Kosten alle Montag bei der Gerichtsstatt erscheinen und dem Gericht gewertig sein.

Zum einliften soll ein Regiment im Land besetzt werden (darzu Brichsen der gelegentlichst Platz wer, außerdem viel Pfaffenheuser und andere Notdurft und mitten im Land were) und sollten die Regenten aus allen Vierteilen des Lands, auch etlich vom Bergwerk erkiest werden.

Zum zwölften soll die Appellation von stundan für die Regierung und nimmer gen Meran, dann es ein Unkosten und kein Nutz ist darin gebracht worden, und von stundan dasselb erledigt und zu End ohn ferrer Wägerung gehn.

Zum dreizehenten soll an dem Ort, da die Regierung des Lands ist, ein Hohe Schul aufgericht werden, da man allein das Wort Gottes innen lernen soll, und sollen allweg drei gelehrte Männer von der Hohen Schul, die das Wort Gottes kundig und der Göttlichen Geschrift (aus welcher die Gerechtigkeit Gottes allein erleutert werden mag) wohl erfahren sein, in der Regierung sitzen und alle Sachen nach dem Befehl Gottes als christenlich Volk zugehörend richten und urteilen.

Der Zins halben soll ein ganze Landschaft nach Rat miteinander beschließen, ob dieselben von stundan ab sein sollen, oder ob man ein frei Jahr nach dem Gesatz Gottes berufen wölle und die Zins mittlerweil zu gemeiner Landsnotdurft einziehen; dann es ist zu bedenken, daß gmeine Landschaft eins Kriegs Kostung ein Zeitlang brauchen wurd.

Der Zöll halben seh mich dem gmein Mann Nutz sein [für] gut an, man tet dieselben im Land allenthalben ab, aber an Konfinen richtet man sie auf und hielts also, was ins Land ging, das zollet nicht, was aber aus dem Land ging, das zollet.

Zehents halben, den soll jedermann geben nach dem Gebot Gottes und soll also verbracht werden: In jeder Pfarr soll ein Priester sein nach der Lehr Pauli, der das Wort Gottes verkundt; der soll mit ehrbarer Notdurft vom Zehent unterhalten werden, und der übrig Zehent soll armen Leuten geben werden; aber ein solche Ordnung soll mit den Armen gehalten werden, es soll niemand von Haus zu Haus bettlen gehn, damit Lotterei, viel unnutz Volk, das wohl arbeiten mag, abkehrt werd.

Die Klöster und Deutschen Heuser sollen in Spitäler gmacht werden. In etlichen sollen die Kranken beieinander sein, den mit aller Zaff und Erznei wohl gewart werden soll, in den anderen die alten Personen, so Elters halben nimmer arbeiten mugen, und die armen, unerzogen Kinder, die man lernen und zu Ehren ziehen soll. Und wo aber hausarm Leut weren, den soll man nach Rat eins jeden Richters in seiner Verwaltung, da sie am besten erkannt werden, nach Gelegenheit ihrer Notdurft vom Zehent oder Almosen Hilf tun.

Wo aber der Zehent zu Unterhaltung der Pfarrer und Armen nit erklecken möchte, so soll menniglich sein Almosen nach seinem Vermugen treulichen darzugeben, und wo uber das Mangel wer, so sollt vom Einkommen völlige Erstattung geben werden. Und soll in einem jeden Spital ein Spitalmeister sein und darzu ein öbrister Vogt oder Amtmann über alle Spitäler und Armen gesetzt werden, der nicht anders tue, dann fur und fur alle Spitäler bereit und Fursorg uber die Armen trag und ihnen Fursehung tue; darzu ihn alle Richter, ein jeder in seiner Verwaltung, mit einer Hulf der Zehenten und Almosen, auch Anzeigung und Unterrichtung der auch hausarmen Leuten, hülflich sein sollt.

Es sollen auch die Armen nit allein mit Essen und Trinken, sonder mit Kleidung und aller Notdurft versehen werden.

Item, damit gute Ordnung im Land allenthalben in allen Dingen gehalten werde, so sollen auch vier Hauptleut und darzu ein obrister Hauptmann über das ganz Land gesetzt werden, die in Kriegsleufen und allen Dingen fur und fur des Lands Notdurft und Fursorg tragen mit Bereitung des Lands, der Revier, der Päß, Weg, Brücken, Wasser, Beu, Landstraßen und alles handlen, was in dem Land notdurft ist, und dem Land alle Notdurft in allen Dingen treulich zu dienen. Doch sie sollen alle Mängel nach der Besichtigung und Erkundigung zuvor der Regierung anzeigen und nach Rat derselben allweg handien.

Man soll auch Mööser und Auen und andere unfruchtbare Ort im Land fruchtbar machen und den gemein Nutz um etlich eigennutzigen Personen willen nit unterwegen lassen. Man möcht die Mööser von Meran unz gen Trient alle auftrucknen und merklich Vieh und Kuhe und Schaf darauf halten, auch viel mehr Treid an viel Orten zuglen, also das Land mit Fleisch versehen wär.
Man möcht auch an viel Orten Ölbaum setzen, auch Safran zuglen, auch die Bodenweingarten soll man zu Glasuren machen, Rottlagrein darin anlegen und verjehren Wein machen, wie im Welschland, und darzwischen Treid anbauen, dann das Land Mangel an Treid hat. Daraus folget, daß die bösen Dämpf von den Möösern vergingen und das Land frischer wurd. Es wurden viel Krankheiten aufhören, die von den schweren Bodenwein kommen; der Wein und Treid wurd wohlfeil und mit ringer Kostung zu arbeiten. Aber die Bergweingarten, die man mit Korn nicht anbauen, die ließ man bleiben.

Item man soll in jedem Gericht alle Jahr zu gelegener Zeit ein ganze Gmein in den Felden und Gemeinden roboten, dieselbigen raumen und gut Weid machen und also das Land fur und fur besseren.

Es soll im Land niemand Kaufmannschaft treiben, auf daß sich mit der Sünd des Wuchers niemand befleck.
Aber damit in solchem nicht Mangel erschein und gut Ordnung gehalten werd, auch niemand überschätz und betrogen, sunder alle Ding in eim rechten Kauf und gut War gefunden werden mug, so soll anfenglichen ein Ort im Land furgenommen werden (darzu Trient der Wohlfeil halben und inmitten Weg gelegen wäre), dahin man alle Handwerk anrichten und vom Land verlegen solle, als seiden Tuch, Birett, Mössingzeug, Samt, Schuh und anders zu machen, und soll ohngefahr ein Generalamtmann, der alle Ding verreit, darüber gesetzt werden; und was im Land, als Gewürz und ander, nicht erlangt werden mag, das soll außerhalb bestellt werden. Darauf an etlichen Orten der Gelegenheit nach im Land Laden gehalten, darin allerlei feilgehabt, und soll auf nichts kein Gwinn daraufschlahen, sonder allein der Kostung, so darüber geht, darauf gerechnet werden;
damit wurde verhut aller Betrug und Falsch, und man mocht alle Ding im rechten Wert gehaben, und bleibt das Geld im Land und käm dem gemeinen Mann zu gar großem Nutz. Diesen Amtmann über den Handel und seinen Dienern geb man bestimmte Besoldung.

Man soll ein gute schwere Münz, wie bei Herzog Siegmund Zeiten, wiederum aufrichten und die jetzig Münz aus dem Land tuen und vertreiben und ferrer kein auswertig Münz, weder viel noch wenig, nehmen, damit das Geld soll probiert werden und soll valuiert werden und was gegen Landnutz wert ist, also solls genummen werden.

Man soll von allen Kirchen und Gottsheuseren alle Kelch und Kleinod nehmen und vermunzen und zu gemeiner Landnotdurft brauchen.

Man soll auch gute Verständnus zu anstoßenden Länderen machen. Man soll den Zafairen im Land zu hausieren nit gestatten. Man soll hinfuran ein Markt im Etschland und einen im Inntal halten. Man soll ein Waag einellen und einerlei Satzung im ganzen Land haben. Man soll die Konfinen und Päß in guter Verwahrung haben. Man soll ein tapfere Summa Gelds zum Vorrat machen, ob das Land ein unversehener Krieg anfiel. Und der vertrieben Edelleit oder ander Bau Guter soll man zu Unterhaltung des Gerichts Kostung halten.

Des Bergwerks.
Erstlichen sollen alle Schmölzhütten, Teilbergwerk, Erz, Silber, Kupfer und was dazu gehört und im Land betreten werden mag, so dem Adel und auslendischen Kaufleuten und Gesellschaften, als Fuckerisch, Höchstetterisch, Paumgarterisch, Pumblisch und dergleichen zugehört, zu gmein Landshanden einziehen;
dann sie solches billich verwurkt haben, dann sie haben solich ihr Gerechtigkeit mit unrechtem Wucher erlangt, Geld, zu Vergießen menschlichs Bluts; desgleichen gmeinen Mann und Arbeiter mit Betrug und böser War in hohem Geld, zwier mehr weders beschwert gwesen, seins Lidlohns bezahlt; auch das Gewurz und andre War durch ihren Furkauf verteurt und Ursach ringer Münz gwesen, und alle Münzherren, die Silber von ihn kaufen, nach ihm solch erdacht Taten bezahlen müssen, oder die Münz entgegen der Armen genummen, sein Lidlohn auch dem Armen abgebrochen, wo sie mit Schmelzherren in ihrem Erzkauf nicht erstatt.
Aber alle Kaufmannswar, aus dem sies alle in ihre Hend bracht, in einem höheren Kauf gesteigert und also die ganz Welt [mit] ihrem unchristenlichen Wucher beschwert und sich dardurch ihr furstliche Vermugen gericht, das dann billich gestraft und abgestöllt werden sollt.

Demnach soll vom Land ein obrister Faktor über alle Bergwerksachen [gesetzt werden], der alle Ding handl und jahrlichen verreit.

Und soll niemand zu schmölzen gestatt werden, sonder das Land soll durch ihren gesetzten Faktor alle Erz schmölzen lassen, die Erzkeuf der Billichkeit nach bestimmt und dargegen dem Arbeiter alle Raitung mit barem Geld und mit keinem Pfennwert hinfuran Bezahlung tuen, damit furan die Landleut und Bergleut in gutem Frieden beieinander bleiben mugen.

Dergleichen soll im Pfannhaus gute Ordnung gehalten werden und soll dem Land ein ziemlich Einkummen vom Bergwerk machen, dann es am besten geschehen mag; damit die Regierung des Lands mit allen Ämteren und Versicherung darvon unterhalten werden mugen.

Wo aber in sölchem dem Land Mangel erschien und genugsam Einkummen zu Versehung des Lands darin [nicht] mag erlangt werden möcht, so müßt man ein Steur oder ein Zinspfenning auflegen, damit ein gleiche Burd im Land getragen wurd. Man soll auch allen Fleiß darzutuen und die Kostung vom Land daran legen, damit im Land an mehr Orten Bergwerk erweckt und erbaut werden mügen, dann durch die Bergwerk mag das Land ohn menniglich Beschwerung das meist Einkummen erlangen.

aus: DOKUMENTE AUS DEM DEUTSCHEN BAUERNKRIEG
Beschwerden Programme Theoretische Schriften
Verlag Philipp Reclam jun. Leipzig 1974
Printed in German Democratic Republic (DDR) 1974
Seite 272 - 278



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zum Grossen Deutschen Bauernkrieg
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Bauernrevolten in Europa











"Entwurf einer Gedächtnissäule für den Bauernaufstand" von Albrecht Dürer um 1526 (?)








zum vorliegenden Text:


Mitte August 1525 war Michael Gaismair in eine Falle gelockt und gefangen. Zwei Monate später gelang ihm die Flucht nach Graubünden. Nach einem Zwischenaufenthalt bei Zwingli in Zürich kehrte er zurück in das Kloster bei Graubünden. Hier entstand im Februar oder im März 1526 sein Entwurf für eine neue Staatsordnung Tirols.

Das historisch Wichtige daran ist nicht die Zuordnung zum regionalem Umfeld sondern der generelle Entwurf für eine andere Gesellschaftsorganisation, dem man ohne Bedenken das Adjektiv neu beifügen darf!
Es ist nicht der wichtigste Satz im vorliegenden Dokument, aber es ist der charakterisierenste, der alles in der Denkhaltung erhellende Satz, der da fast am Ende lautet:

"Man soll ... unfruchtbare Ort im Land fruchtbar machen..."

Dieser Satz ist deswegen so wichtig, und wird vielleicht deswegen auch in der Historie so oft unterschlagen, weil er die Zielrichtung und das Wollen der "Aufrührer" offen legt! Sie wollen arbeiten! Sie wollen etwas NÜTZLICHES!
Hat man diesen Satz beständig vor Augen, ist eine Analyse des Textes eine völlig andere als die der bisher vorgeschriebenen Diktion.
Gaismaier ist wahrlich weit entfernt von einer utopischen Vision, wie ihm immer vorgeworfen wird. Er überlegt einfach und mit seinem damaligen Wissen, was man praktisch machen müßte, um die gesellschaftliche Sachlage in nützliche Richtungen zu lenken. Und ganz offenbar hat er es nicht im stillen Kämmerlein ausgedacht sondern es ist das Ergebnis vieler Diskussionen und Berichte von Leuten der Arbeit, die zu ihm kamen! Dieser Gaismaier ist kein religiöser Spinner sondern ein Zuhörer und ein Planer! Dieser Mann hat Bauern zugehört und Bergleuten, Professoren und Händlern und auch Bettelmönchen. Er kennt Regierungsgeschäfte und besitzt Kenntnisse der Hydraulik! Er weiß um die schädlichen Wirkungen des Wuchers und kann militärisch organisieren! Er ist über aktuelle Gegebenheiten unterrichtet und kennt sich aus in rechtlingen Dingen. Jeder seiner Sätze ist wohl überlegt. Und sein erster Satz ist sogar auf Unterordnung orientiert:

Anfenglich so werdt ihr geloben und schwörn, Leib und Gut zusammensetzen, voneinander nit weichen, sonder miteinander heben und legen, doch allzeit nach Rat zu handlen, eur furgesetzten Öbrigkeit treu und gehorsam zu sein und in allen Sachen nit eignen Nutz, sonder zum ersten die Ehr Gottes und darnach den gemeinen Nutz zu suchen, auf daß uns der allmechtig Gott (wie er dann allen denen, so ihm in seinen Geboten gehorsam sein, vielfeltig geheißen hat) Gnad und Beistand tue, darauf wir genzlich vertrauen sollen, dann er ganz wahrhaft ist und niemand betrügt.


Da spricht kein Aufstandsführer schlechthin, da spricht ein Planer! Nichts ist auf Empörung beschränkt wie bei Thomas Müntzer, der so ehrlich und bis zur Selbstaufgabe eine neue Weltordnung herbeiwünscht, und doch nicht weiß wie sie aussehen soll:

Was seind aber die Fürsten? Sie seind nichts dann Tyrannen, schinden die Leut, unser Schweiß und Blut vertön sie mit Hoffieren, mit unnützen Pracht, mit Huren und Buben. Es hat Gott geboten in Deuteronomio, es soll der König nicht viel Pferd bei sich haben und einen großen Pracht führen; auch soll ein König das Gesatzbuch täglich in Händen haben. Was tun aber unsere Fürsten? Sie nehmen sich des Regiments nicht an, hören die armen Leute nicht, sprechen nicht Recht, halten die Straßen nicht rein, wehren nicht Mord und Raub, strafen kein Frevel und Mutwill, vertedingen nicht Witwen und Waisen, helfen nicht den Armen zu Recht, schaffen nicht, daß die Jugend recht erzogen würd zu Guten, fürdern nicht Gottes Dienst, so doch um solcher Ursach willen Gott Oberkeit eingesetzt hat, sonder verderben allein die Armen je mehr und mehr mit neuen Beschwerden, brauchen ihrs Macht nicht zu Erhaltung Friedens, sonder zu eignem Trutz, daß je einer seim Nachbauren stark genug sei, verderben Land und Leut mit unnötigen Kriegen, Rauben, Brennen, Mörden. Das seind die fürstlichen Tugend, damit sie jetzt umgehen. Ihr sollt nicht gedenken, daß Gott solches lenger leiden wölle; dann wie er die Cannaneos vertilget hat, so würd er auch diese Fürsten vertilgen. Und ob schon solches zu leiden wäre, so kann doch Gott das nicht leiden, daß sie den falschen Gottsdienst der Pfaffen und Münche vertedingen wöllen. Wer weiß nicht, was greulicher Abgötterei geschieht mit dem Kaufen und Verkaufen in der Messe. Wie Christus die Kremer aus dem Tempel stieße, so würd er diese Pfaffen und was an ihn hanget verderben.
(Zitat aus der Feldpredigt Thomas Müntzers)

Müntzer, der Empörer gegen die alte Welt, Gaismaier der Planer der neuen Welt, das ist der gravierenste Unterschied dieser beiden Zeitgenossen, die sich nie begegneten, weil Entfernungen damals noch viel größer waren und Nachrichten noch viel zu lange brauchten!
Beide werden sie umgebracht, der eine mit öffentlicher Hinrichtung, der andere durch hinterhältigen feigen Mord. Beide waren den Herrschenden zu gefährlich, weil sie durchaus in der Lage waren, Auswege aus habgieriger Niedertracht zu verkünden. Der eine so wie in seiner letzten Feldpredigt, die militärische Niederlage der Bauern vor Augen, der andere schon mit Blick auf das, was man nach einem Sieg wird tun müssen. Deswegen der Verruf des "Utopismus" , deswegen sogar die Gerüchte um kriminelle Machenschaften, deswegen jegliche Verunglimpfung der Gedanken darüber, was diese Kerle wohl bewegte, Dinge zu tun, die sie vor fünfhundert Jahren taten...










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Notizen zu den Bauernkriegen / Hans Holger Lorenz / 11.November 2008 / HLorenz500@aol.com