Ottilie von Gersen


Brief der Ottilia von Gersen an den Herzog Georg von Sachsen
vom 19.August 1525 (1)

Brief von Ottilie Müntzer

Die Abbildung ist leider nicht vollständig, Textteile auf der rechten Seite und von unten fehlen

Nein, ein Bild der Ottilie Müntzer ist nicht mehr auffindbar. Überhaupt ist nur sehr wenig von der geborenen Ottilie von Gersen überliefert. Wahrscheinlich gehörte sie zu den 16 Frauen, die im Frühjahr 1523 gemeinsam aus dem Augustinerinnenkloster Wiederstedt bei Mansfeld flohen.
Ottilies Eheschließung mit dem gerade zum Pfarrer an die Johanniskirche in Allstedt berufenen Thomas Müntzer erfolgte kurz nach Ostern 1523. Die Trauung nahm vermutlich der befreundete Amtskollege von der Wigberti-Kirche in Allstedt Simon von Haferitz vor.(2) Der war selber Mönch gewesen und hatte ebenfalls das Klosterleben aufgegeben und in Wittenberg studiert.
Das erste Ehejahr der Müntzers bis zu Thomas Weggang aus Allstedt Anfang August 1524 muß offensichtlich glücklich und erfolgreich gewesen sein. Thomas gewann mit seinen aufrüttelnden Predigten schnell Einfluß auf die Bürger Allstedts - er predigte deutsch statt Latein - und versammelte bis zu zweitausend Menschen in der Kleinstadt um sich. Ottilie muß zumindest unterstützend für Müntzers Verdeutschung der Gottesdienstliturgien gewirkt haben, denn seine literarische Produktion liturgischer Texte stammt vorrangig aus dieser Zeit, während sich seine Frau auf die Geburt ihres ersten Kindes vorbereitete und das am 27. März 1524 zur Welt kam. Außerdem nahm sie vermutlich ihren Schwiegervater im Haus auf und soll ihn bis zu dessen Tode im Laufe des Jahres 1524 gepflegt haben.(3)
Im Juli war es den Müntzers sogar gelungen, eine eigene Druckerei in Allstedt einzurichten, der Rat hatte es Thomas mit einem Vorschuß von 100 Gulden gewährt. So konnten die Fürstenpredigt und die Deutsch-evangelische Messe in Allstedt gedruckt werden. Die sächsischen Landesherren forderten schon am 1.August die Schließung der Werkstatt und Thomas geriet in Gefahr. Die Altstedter Ereignisse zwangen Thomas in der Nacht zum 8.August 1524 zur Flucht. Ottilie dürfte erst im Februar 1525 wieder mit ihrem Mann zusammengetroffen sein, als dieser von seinen Aufenthalten in Süddeutschland nach Mühlhausen zurück kehrte. In den aufgeregten März-Tagen wirkt Müntzer politisch im "Ewigen Rat" der Stadt und zieht Anfang Mai mit dem Mühlhausener Haufen nach Frankenhausen. Am 11. Mai trifft Müntzer dort ein, am 14. beginnen die Kampfhandlungen und am 15.Mai, am Tag der Schlacht auf dem Weißen Berg hält er seine letzte berühmt gewordene Feldpredigt.
Die Niederlage des Bauernheeres am 15. Mai 1525 führte zu Müntzers Hinrichtung in der Gefangenschaft und machte Ottilie, die erneut schwanger war, zu einer hilf- und rechtlosen Witwe. In einem Brief an die Mühlhäuser hatte der schwer gefolterte Müntzer noch vor seinem Tod darum gebeten, seiner Frau beizustehen. An die Empfänger des "Widerruf"briefes (17.Mai 1525 Bekenntnis und Brief an die Mühlhauser) appellierte er, Frau und Sohn seine Hinterlassenschaft einschließlich der Bücher und Korrespondenz zu übereignen. Dem entsprachen auch die späteren (wahrscheinlich erfolglosen) Bittgesuche seiner Frau und von Sympathisanten (?) an Georg von Sachsen. Als Thomas am 27.Mai 1525 hingerichtet wurde, stand Ottilie Müntzer gänzlich mittellos da. Mutige Sympathisanten muß es aber tatsächlich gegeben haben, denn noch am 30.Juni wurden vor dem Allstedter Rathaus sechs Anhänger Müntzers hingerichtet.
Ottilie Müntzer wurde nach der Gefangennahme ihres Mannes und der Übergabe der Stadt Mühlhausen an die Sieger aus der Gegend ausgewiesen. Sie begab sich wahrscheinlich zu Verwandten nach Nordhausen oder Erfurt. Offenbar versuchte sie von dort aus immer wieder, ihr Recht auf Aushändigung des Hausrates und der Hinterlassenschaft Müntzers gegenüber der Stadt geltend zu machen. Der uns überlieferte Brief Ottilies stammt vom 19.August 1525 und ist an Herzog Georg von Sachsen gerichtet. Zu diesem Zeitpunkt war Frau Müntzer hochschwanger.
Ab hier veschwindet für uns die tapfere Ottilie Müntzer im Nebel der Geschichte für immer...

Ottilie von Gersen
Text und Brief als PDF-Datei



Romane und Filme über Ottilie Müntzer

Bemerkungen / Hinweise / Links

Juliane Bobrowski:    Ottilie Müntzer
Berlin Union-Verlag 1989
Internet Projekt Historischer Roman
Institut für Germanistik
Universität Innsbruck
Datenbank


Encyclopaedia BRITANNICA über Ottilie Müntzer:
Müntzer arrived in Halle at the end of 1522. By his preaching in Glaucha, he won numerous disciples. Here he may also have met his later wife, the former nun Ottilie von Gersen, with whom he had two children. Before Easter of 1523, Müntzer found employment as pastor of a Saxon community in Allstedt, near the Mansfeld mining area.
Internet
am 19.1.2008


Im Jahr 1956 drehte die DEFA den aufwendigen biografischen Streifen "Thomas Müntzer". Mit der Hauptrolle der Ottilie von Gersen debütiert Margarete Taudte damals im deutschen Film. Die Abbildung zeigt die Progress-Filmillustrierte Nr.42/56 zu diesem Film. www.defa-sternstunden.de Internet
am 19.1.2008


Müntzerspiel in Mühlhausen - etwas völlig anderes als die üblichen Mittelalterstadtfeste.
Der Titel des Stadtstücks innerhalb des 4. Müntzerspiel in diesem Jahr ist „Schuld und Sühne" von Matthias Hilmar Herzer.
offiziellen Internetseite des Müntzerspiel
Internet
vom 17.12.2007
zu Ottilie von Gersen
480 éve végezték ki Thomas Münzert
2005. május 27.
480 éve, 1525. május 27-én végezték ki a türingiai Mühlhausenben Thomas Münzer német reformátort és parasztvezért.
multkor - Artikel im Internet








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Notizen zum Deutschen Bauernkrieg /begonnen: 1.März 2006 / Stand: 21.01.2013 / Hans Holger Lorenz / HLorenz500@aol.com