Verhör des Täufers Jakob Storger in Mühlhausen vom 12.Oktober 1537

Dokumente aus dem Grossen Deutschen Bauernkrieg

... Sagt, Muntzerß lere sey recht gewest...

(etwa: er sagte, Müntzers Lehre sei richtig gewesen...)

             
Abermals bekenntnuß Jacoff Storgers
auf freytagß nach Dionisii anno etc.


Sagt, man wirt im den madensack nit
fresse.

1.Was sein gemut gewest, das er vor
Sankt Blasiuskirchen gesagt: O we, du arme
stad, du weist nit, was dich ubergehen soll.


Sagt, er habe erkand, das die stadt und
das volg darinne ßo mit grossen greueln
ubergeben, ßo sey er bewegt, solchs zu sagen,
und das ist der greul: homut, fresserey,
hurerey und alles boses.


Muntzer sey auch der proheten einer gewest,
die in der offenbarung Johannis vortzeich-
net seint.


Er helt auch vil von treumen, die sich zum
evangelio ziehen.


Saget, Muntzerß lere sey recht gewest und
henget im an, ßo vil das innerliche wort
ergreift, und bewerets damit, das
er das euserliche schwert mit dem inner-
lichen Wort gefurt habe.



2. Sagt er, nein

Sagt auch, die andern teufer seint mit
im nit einß, darumb das sie bey den wey-
bern, die ires gluabens nit sein, wonen
und spricht, die werg und der geist
Gottes richten sie alle, schaf konne
nit bey einem wolfe sein. Es mogen
sich auch die elichen scheide, wen einer
ein weyb habe, die nit seines glaubens ist,
und wolt sich nicht bekeren lasse, solde
er macht habe, dasseleb zu vorlassen und
sich einem andern zu vortrauen.
...

Protokoll vom Verhör des Täufers Jakob Storger in Mühlhausen vom 12.Oktober 1537

Protokoll des  Verhörs des  Täufers Jakob Storger in Mühlhausen vom 12.Oktober 1537
Das Protokoll, aufgenommen in einer Zeit, in der der Bauernkrieg über elf Jahre zurück lag, beweist die immer noch angespannte Lage für die Herrschenden. Selbst vor so unmilitärischen, rein religiösen Bewegungen mußten sich die Machthaber offenbar fürchten. Die Sympathien der einfachen Leute blieben auch  →  nach der Niederlage für die aufständischen Bauern bestehen. Die unerfüllten Hoffnungen machten sich bis in die dreißiger Jahre des sechzehnten Jahrhunderts hinein in Verschwörungen und Revolten bemerkbar.
Zu einem so offenen Bekenntnis zum Märtyrer des Bauernkrieges, zu Thomas Müntzer, fanden freilich nur wenige den Mut. Jakob Storger war so einer. Dafür bezahlte er es auch mit seinem Leben. Am 8.November 1537 wurde er zusammen mit weiteren Anhängern (so auch mit der → Appolonia Kaiser) in der Unstrut vor Mühlhausen ertränkt - eine Strafmaßnahme, die noch heute alles über die Rechtsverhältnisse nach der Niederschlagung der frühbürgerlichen Revolte deutlich werden läßt.
Jakob Storger Wiedertäufer, ehemaliger Büchsenmacher aus dem Thüringischen. Sagt im Verhör vom 12.Oktober 1537 "Müntzer sei auch der Propheten einer gewesen, die in der Offenbarung Johannis verzeichnet sind" und "Müntzers Lehre sei recht gewesen...".
Obwohl die Täuferbewegung nichts mit den Bauernrevolten zu tun hatte, wurde sie von den Herrschenden wie eine Aufstandsbewegung behandelt. Mit anderen "Aufrührern" wurde Storger am 8.November 1537 in der Unstrut vor Mühlhausen ertränkt.




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  →  Wendel Hiplers Instruktion
  →  Weigands Entwurf eines Ausschreibens an den Adel und die Städte
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  →  Tiroler Landesordnung
  →  Bauern schreiben an den Amtmann Hansen Metzsch
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  →  Schreiben der acht Witwen
  →  aus dem Strafgeldregister von 1525
  →  Jacob Welser der Ältere an Graf Albrecht von Mansfeld
  →  Zeittafel Deutscher Bauernkrieg

→ Wörterbuch für die Texte aus dem deutschen Bauernkrieg   

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Notizen zu Deutschen Bauernkrieg / Hans Holger Lorenz / beg. 3.Dezember 2008 / 19.05.2015 / WB-To(VII)