| Nachfolgend Sachen sind zu Heilbron zu bedenken und zu betrachten. Der Anfang des Furnehmens, wie das ergangen ist bis auf diesen Tag, hat seine Gestalt. In dem Mittel ist man itzund begriffen. Und sollen die Geschickten aller Haufen einander erzehlen, welchergestalt ein jeder die eroberten Flecken, Stedt, Schloß und Dorfere gehalten und aufgenommen hab, mit was Geding. Darauf zu ratschlagen, was hinfurt darin zu verbesern sei, ob von einigem Haufen ichts ferner erobert wurde. Item ein jeder Hauf solle dem anderen sein Ordnung im Felde und die darzu verfaßt Artikel, auch andere Ordnung eroffen und furlegen, sich derselben auch zu vergleichen und zu besseren. Item darvon zu reden, was jedem Haufen Widerstands geschehe oder ob Hilf vonnöten sei. Sonderlich, so dieser Otenwäldisch Hauf den Stift Wirtzburg erobert, daß ihr Fuhrnehmen ferner mit der Hilf Gottes nit stehe, dann auf Swebischen Hall. Dergleichen sollen die anderen Haufen auch erzehlen, ob sie ferner zu ziehen Willens sind oder still sitzen. Item ob nottun des Beistands wider den Bund zu Swaben, welcher Hauf und mit was Maßen er darwider helfen solle. Item was gegen Pfaltz, Brandemburg und Baden furgenommen werden sollte, mit gutlicher Erforderung oder zum Ernst. Ob man etwas Trostes suchen wölle bei auslendigen Fursten, als Sachsen etc., die mehr Milderung haben gen den armen Mann, dann andere Fursten. Item ob man gegen den Stiften Trier und Coln mit der Strengheit handlen wolle, wie gegen Meintz und Wirtzburg und zu den mit gemeinem Haufen ziehen. Item, ob Gott so viel Glucks gebe, daß diese Haufen zum Teil geringert und der gemeine Mann an sein Arbeit gewiesen werden sollte, daß man dannoch ein versammlet Volk in dieser Landsart behalten und verordnen sollte, und wer dann Hauptmann und Rate bleiben sollen, die auf alle Anfelle und Gebrechen ein Aufsehen tragen, auch mittlerzeit Ordnung, Fried und Recht unter uns selbst handhaben, darzu, so Hilf not tet, dasselb zu verwalten. Item ob der Kaiser ein fremd Nation bringen oder sunst sich Fursten bewerben wurden, was dargegen zu tun were. Item wie und welchermaßen man sich gegen den Kaiser verantworten oder ob man ihme zuvor schreiben wölle. Item wie und welchermaßen oder Gestalt man den fremden Adel in anderen Landen herzu in diese Vereinigung bringen wölle. Item ob es ein Meinung were, was weltliche Fursten, Herren vom Adel an Zehenten, an Ungelden, Handlohnen nachlassen, daß ihnen solchs von den geistlichen Guteren erstattet werden sollte, doch nit uberflussig, sonder nach Erkanntnus dero, die darzu verordent werden, auf genugsam Erkundigung. Darbei daß Fursten, Herren, die vom Adel samt den Untertanen ein gleichen redlichen Austrag rechtens hetten, sich niemand keiner Freiheit gebrauche, sonder dem Armen als dem Reichen. Zum Ende, daß man einig werde Zeit und Stadt zur Reformation. Item wer zur Reformation erfordert und verordnet werden, Gelehrt, Burger oder Bauren, und wieviel. Item daß den Fursten, Herren und Edlen zugelassen werde, ein Anzahl Räte zu verordnen, die Widerpartei halten. Item wer die sind, die von gemeins Manns wegen alle notturftige Gebrechen furtragen sollen, damit aus beder Teil Furtrag die verordenten Menner die Reformation nach billichen Dingen verfassen mögen zu guter Ordnung, doch daß in alle Weg die Beschwerung abseien. Item wie, von wem und welchermaßen der Kosten mit dem geordneten Mannen und den, die den Furtrag tun sollen, erhalten werden. |
| Kommentar: Wendel Hipler war Kanzler des Odenwälder Bauernhaufens. Von ihm stammt wohl der Plan zur Einberufung eines allgemeinen Bauerntages. Der sollte in Heilbronn unter Teilnahme von Delegierten aus anderen Bauernhaufen stattfinden und die Schwerpunkte des weiteren Vorgehens beraten und beschließen. Damit nicht allzuviel beredet und zerredet werden konnte, legt er gleich diesen taktischen und strategischen Entwurf für die Entfaltung des Aufstandes vor als eine Grundlage für die Diskussion. Mit unglaublicher Weitsicht behandelt er hier gewissermaßen innenpolitische und außenpolitische Fragen. Doch diese Pläne, die Wendel Hipler wohl zuerst mit dem Kurmainzer Rentamtmann Friedrich Weigand in Briefen diskutierte, wurden von den Ereignissen überholt! Noch bevor überhaupt die Verhandlungen in Heilbronn aufgenommen werden konnten, sprach sich die Niederlage der Württemberger Bauern bei Böblingen herum. Zugleich rückten die Truppen des Schwäbischen Bundes gegen Heilbronn vor! Die Herren hatten keinesfalls die Absicht, Bauernparlamente Schule machen zu lassen! Mit diesen bedrückenden Nachrichten konfrontiert, kehrten viele Bauerndelegationen eilends in ihre Heimatgebiete zurück während die fränkischen Bauern ihren Kampf fortsetzten. Der Odenwälder Haufen belagerte mit anderen Verbündeten die Festung oberhalb der Stadt Würzburg, konnte dort keine Erfolge erzwingen und zog nach unfruchtbaren Debatten später dem Schwäbischen Bund entgegen. Bei Königshofen erlitten die Aufständischen am 2.Juni die vernichtende Niederlage, tausende Bauern bezahlten unheilvolle taktische Fehler mit ihrem Leben. Man hatte den Herrschenden viel zuviel Zeit gelassen, die Kräfte zu bündeln während man die eigenen zersplitterte! Das sich aber bereits führende Persönlichkeiten in der frühbürgerlichen Revolutionsbewegung herausbildeten, die mutig genug und durchaus in der Lage gewesen wären, politische Instrumentarien wie Parlament und Bauernräte zu schaffen, zeigt dieser Brief des Wendel Hipler, ein Mann, dem der Sieg zu gönnen gewesen wäre... |
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