Inhaltsverzeichnis
Ereignistabelle 1390-1419
Ereignistabelle 1419-1421
Ereignistabelle 1421-1434
Karte der hussitischen Städtebünde
Karte der hussitischen Streitzüge
Ereignistabelle nach 1435
Personenregister
religiöse und soziale Strömungen
inhaltliche Fragestellungen
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Bereits im 13.Jahrhundert passierte etwas in Europa, das zu dem Gerücht führte, in der Kirche hätte sich
der Antichrist eingenistet. Im 14.Jahrhundert hatten sich daraus schon fast europaweite anti-päpstliche Stimmungen
entwickelt, deren Ursachen so verschieden wie möglich sein mochten, letztlich waren sie jedoch der offensichtlichen Habgier,
der allbekannten Verlogenheit und der kriminellen Energie des Heiligen Stuhls geschuldet.
Die Tatsache des alltäglichen Mißbrauchs der Kirche zum Geldmachen z.B. durch Ablaßhandel war bereits zu dieser
Zeit breiten Bevölkerungskreisen bekannt. So fanden sich mutige Gegner dieses organisierten Raffens
schon viele Jahrzehnte vor Martin Luther.
Der englische Reformator John Wyclif rückte aus Empörung über die hemmungslose Bereicherungssucht
das Studium der Bibel nach Jahrhundertelanger anderer Praxis wieder in den Vordergrund theologischer Studien.
Aber genau deswegen wurden seine Sätze 1382 auf der Dominikaner-Synode in London verurteilt, ein Jahr nach dem
Bauernaufstand des John Ball.
Das geschah nicht ohne Grund, denn Wyclif schrieb u.a.:
- es verstößt gegen die Heilige Schrift, daß Geistliche Besitztümer haben,
- steht ein Priester im Stande der Todsünde, sind seine Amtshandlungen ungültig,
- die römische Kirche ist die Synagoge Satans.
Freiheitliche Gedanken sind nicht so leicht zu unterdrücken wie die Aufstände der Bauern. Zwei Gelehrte aus Böhmen brachten
vom Studienbesuch in England nicht nur ein Stück von Wyclifs Grabstein mit nach Prag sondern auch seine
"gefährlichen" Schriften.
Gerade in Böhmen wirkte sich der schnelle Übergang zur Geldwirtschaft in Produktion und Handel
auf alle Bereiche des Lebens aus. Silbererzfunde und eigene Münzprägung führten zu neuem Reichtum.
Aber das Patriziat, das den einst arbeitsamen Siedlern folgte, vernachlässigte die Produktion, verachtete die
qualifizierte Arbeit des Handwerks und das unermüdliche Schuften der Bauern. Dabei war es deren Anstrengungen
zu verdanken, das böhmisch geprägtes Geld seinen Wert bekam! Diese gewollte und dabei törichte Überbetonung des
Handels brachte eine Hemmung in die einst progressive Entwicklung. Gleichzeitig bildete sich ein starker Faktor
der sozialen Unterdrückung heraus.
Die sozialen Spannungen innerhalb einer stark aufgesplitterten Feudalgesellschaft
spitzten sich unter König Wenzel IV. (1378-1419) zu. Die Bewegungen
gegen geistliche und weltliche Feudalherren sowie gegen die städtische
Oberschicht traten im religiösem Gewand auf. Einer ihrer Wortführer hieß Jan Hus.
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Hinweis 1: ungesicherte Angaben sind mit (?) gekennzeichnet
Hinweis 2: unterschiedliche Schreibweisen des Namens Jon Wiclif für John Wycliff oder John Wyclif
Hinweis 3: unterschiedliche Schreibweisen des Namens Jan Zelivski oder Jan Zelivsky
| Jahr |
Ereignistabelle 1390 - 1419 |
um 1390 |
Um 1330 hatte Papst Johannes XXII. den Satz über die Armut Christi zur Ketzerei erklären lassen.
Sechzig Jahre später bringen tschechische Studenten, die in England die Universität Oxford besuchten, die Schriften eines Ketzers mit nach Prag: die Bücher von John Wyclif.
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1403 bis 1409 |
Jan Hus predigt gegen die Habsucht und rügt öffentlich das
Lasterleben des Klerus. |
Das Prager Domkapitel verdammt 45 Sätze aus Wyclifs Schriften.
Jan Hus führt eine Vermittlung zugunsten der Universität herbei.
Theologische Auseinandersetzungen um das Papstschisma führen zu
einer Spaltung an der Universität, in deren Folge 5000 Studenten Prag
verlassen und die Universität Leipzig gründen. |
| 1409 |
Im Sommer 1409 muß sich Jan Hus erstmalig vor der Inquisition verantworten.
Hus wird Rektor der Universität Prag, kämpft leidenschaftlich gegen die
Verweltlichung der Kirche, erfreut sich der Gunst des böhmischen Hofs und
der tschechischen Bevölkerung Prags. |
Das Konzil in Pisa scheitert! Statt der Beseitigung des Umstands, das Papst(Gregor XII.)
und Gegenpapst (Benedikt XIII.) die Kirche leiten, gibt es jetzt einen dritten Papst (Alexander V.) |
| 1410 |
Jan Hus wird mit dem Kirchenbann belegt.
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Über 200 Handschriften Wiclifs werden verbrannt. |
1411 bis 1437 |
Sigismund veranlaßte die Einberufung des Konzils von Konstanz. |
Das Konzil zu Konstanz soll über drei Themen beraten:
1.über die sache des Glaubens (causa fidei), gemeint war die Hussitenfrage
2.über die Kirchenspaltung (causa unionis), das betraf die Päpste und Gegenpäpste (Johannes XXIII., Gregor XII., Benedikt XIII., Martin V. usw.)
3.über die Kirchenreform (causa reformationis)
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| 1412 |
Die Theologische Fakultät erklärt sich gegen Hus.
Jan Hus wird aus Prag ausgewiesen.
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Erste Unruhen in Böhmen.
Radikale Hussiten erhalten Unterstützung von deutschen Theologen aus Dresden. Ihr Anführer Nikolaus von Dresden lehrt die
deutsche Version Wyclifs.
Die Unruhen fallen mit dem Kreuzzugsaufruf des Papstes Johannes XXIII. in einer völlig innerkirchlichen Angelegenheit zusammen, bei der vom Ablaßhandel mit extrem zynischen Praktiken Gebrauch gemacht wird und sich der König selbst daran bereichert. |
| 9.12.1413 |
Sigismund vereinbart mit dem Pisaner Papst Johannes XXIII. die Einberufung des Konzils nach Konstanz. |
1414 bis 1418 |
Konzil in Konstanz.
Im November 1414 wird Hus trotz König Siegmund's Zusicherung freien Geleits in Haft genommen. |
| 1415 |
Am 6.Juli stirbt Jan Hus auf dem Scheiterhaufen in Konstanz den Märtyrertod. Er lehnte einen Widerruf seiner Lehre ab.
Jan Hus in Konstanz auf dem Weg zum Scheiterhaufen
Zu allen Zeiten sind es nur die Individuen, welche für die Wissenschaft gewirkt, nicht das Zeitalter.
Das Zeitalter wars, das den Sokrates durch Gift hinrichtete, das Zeitalter, das Hussen
verbrannte: die Zeitalter sind sich immer gleich geblieben.
J.W.Goethe über Jan Hus |
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Schwere Unruhen in Prag zwingen König Wenzel IV. zu ersten Zugeständnissen.
Die Prager Theologen stellen 4 Forderungen auf:
- Predigt in böhmischer Sprache,
- Laienkelch,
- Herstellung der Kirchenzucht,
- Abschaffung des weltlichen Besitzes der Priester
Diese Forderungen waren den Taboriten zu gering, sie stellten daher
zwölf Artikel auf.
Erläuterung zum Laienkelch:
In der katholischen Kirche wird in einem Prozedre der Wein gereicht. Aus irgendwelchen Gründen in der jahrhundertelangen Liturgieentwicklung wurde ein geweihter Kelch aber nur noch den Priestern gestattet und nicht den Laien. Die Forderung des Kelch-Reichens auch an Laien war also der volkshafte Ausdruck nach Abschaffung der Privilegien der Priester.
In der Folge entwickelten sich zwei Kirchenrichtungen. Eine, die den Kelch an Laien weiter reichte, daran waren für die einfachen Menschen die Reformatoren erkennbar, und eine , die diese Weiterreichzung an die Bürger in der Kirche verweigerte, also die traditionelle katholische Kirche.
Am 15.Juni 1415 untersagte das Konzil die Austeilung des Kelches an Laien. Diese absolut unkluge Entscheideung, man wollte doch reformieren, spitzte entgegen den Erwartungen die Lage dramatisch zu!
Später wird aus der Laienkelchforderung die Forderung nach einem gleichberechtigten Nebeneinander beider Liturgien entstehen.
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Erste Phase der Hussitischen Revolution 1419 bis 1421 Vorherrschen der bäuerlich-plebejischen Kräfte |
Die Ketzerei der Städte...wandte sich hauptsächlich gegen die Pfaffen,
deren Reichtümer und politische Stellung...
Der Form nach reaktionär ... forderte die bürgerliche Ketzerei Herstellung
der urchristlichen einfachen Kirchenverfassung und Aufhebung des Priesterstandes.
Einen (davon) ganz verschiedenen Charakter hatte die Ketzerei, die der direkte
Ausdruck der bäurischen und plebejischen Bedürfnisse war und sich fast immer
an einen Aufstand anschloß... Sie verlangte die Herstellung der urchristlichen
Gleichheitsverhältnisse unter den Mitgliedern der Gemeinde und seine
Anerkennung als Norm auch für die bürgerliche Welt. Sie zog von der
"Gleichheit der Kinder Gottes" den Schluß auf die bürgerliche Gleichheit...
(Friedrich Engels) |
| 1419 |
Am Anfang des Jahres begann die katholische Reaktion, angeheizt durch die Entscheidungen in Konstanz.
Die Prager Kirchen waren aufgeteilt worden in reformierte, die den Kelch an die betende Bevölkerung reichten und in die katholischen, die das nicht taten.
Am 6.Juli entließ König Wenzel wider Erwarten die hussitischen Ratsmitglieder durch Katholiken, untersagte die hussitischen Prozessionen und kerkerte Hussiten ein.
Der Versuch des Königs, mit den Hussiten fertig zu werden, scheiterte am Aufstand vom 30. Juli des städtischen Plebs von Prag.
Die Hussiten erstürmten unter Führung eines ehemaligen Prämonstratensermönchs Jan Zelivski das Rathaus und warfen Ratsherren aus dem Fenster in die aufgestellten
Spieße. Das wurde der erste Prager Fenstersturz.
Am 16. August starb König Wenzel, aber die Hussiten erkannten Sigismund wegen seines Wortbruchs an Jan Hus nicht als böhmischen König an.
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Utraquismus
Hussitische Barone und Städte-Vertreter legen nach dem Tod Wenzels
die Bedingungen für die Anerkennung König Sigismunds fest :
Laienkelch
und Genehmigung der Doppelkirchen
Abschaffung der Simonie
(Kauf/Verkauf kirchlicher Ämter an den Meistbietenden)
kein weltliches Amt für Priester
Universität ist oberste Lehrinstanz
päpstliche Entscheidungen bedürfen böhmischer Zustimmung
Verbleib in der römischen Kirche
Vorrang von Tschechen in den Ämtern gegenüber Ausländern
Beschneidung der königlichen Rechte in Bezug auf den königlichen Schatz
Sicherung der Städteprivilegien
Gesetze gegen Wucherer und Juden
Amnestie für die Städte
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| 1420 |
Gründung von Tabor, Haupt des hussitischen Städtebunde (siehe Karte) und
Zentrum des revolutionären Flügels der Hussiten, daher: Taboriten genannt.
Viele Bauern verkaufen ihre Habe, ziehen mit ihren Familien zu
den Sammelpunkten der Radikalen und werfen ihr Geld "in einen gemeinsamen
Topf". Es kommt zu Ansammlungen von 40 000 bis 50 000 Bauern.
Sigismund ruft zum Krezzug gegen die Hussiten,also gegen die eigenen Landsleute auf.
Er erhält dafür den Segen von Papst Martin V.
Schlacht von Sudomer (25.März 1420).
Schlacht auf dem Vitkov bei Prag(14.Juli 1420).
Ein Söldner-Heer mit angeworbenen Böhmen, Mähren, Ungarn, Kroaten, Dalmatiner,
Bulgaren, Wallachen, Sikuler, Kumanen, Jazygen, Russen, Raizen, Slowaken, Preußen,
Serben, Thüringern, Steyrern, Meißenern, Bayern, Sachsen, Östereichern, Franken, Franzosen,
Engländer, Brabantern, Westfalen, Holländern, Schweizern, Lausitzern, Schwaben, Kärtnern,
Aragoniern, Spaniern, Polen, und Deutschen (so schrieb der Chronist Vavrinec v. Bresova)
wurde von den Hussiten geschlagen.
Damit endete der I. Kreuzzug gegen die Hussiten mit einer Niederlage des sogenannten katholischen Heeres.
Die Sieger waren Ziskas Bauern!
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Februar: Das angekündigte Datum des Weltendes verstreicht.
März: Kreuzzugsbulle von Papst Martin V.
April:
Vier Prager Artikel
1.)Abendmahl in beiderlei Gestalt.
2.)Freie Predigt.
3.)alle Priester,einschließlich Papst, haben "ihren Prunk, ihre Habsucht und ihr
herrschaftliches Gebaren aufzugeben."
4.)Adel und Volk haben sich der Todsünden und der Verleumdung zu enthalten.
Ende des Jahres: plötzlicher Tod Nikolaus von Hus
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| 1421 |
In Prag entbrannte der Kampf um die Vorherrschaft zwischen Plebejern und Bürgertum. Ein Ende der Vorherrschaft der Stadtarmut kündigt sich an. Aber Zelivsky will Alt- und Neustadt unter seine Gewalt bringen.Solange die Armut und die kleinen Handwerker unter Zelivski die Politik der Stadt bestimmem, steht Prag militärisch zu Tabor und den Taboriten.
| Juni: Landtag zu Tschaslau verweigert Sisismund die Anerkennung und
versucht Schlesien und die Lausitz für die Hussiten zu gewinnen. |
Zweite Phase der Hussitischen Revolution 1421 bis 1434
nachgewaltsamer Beseitigung des radikalen Flügels bestimmen mittlere Bürgerschaft und niederer Adel die Entwicklung |
1421 1422 |
Schlacht bei Kutna Hora und Nemecky Brod (?) |
| 1422 |
Nach der Hinrichtung Jan Zelivskys orientiert sich Prag militärisch
verstärkt auf Söldner-Anwerbungen, ähnlich wie die feindlichen katholischen Heere und
im Gegensatz zu den bäuerlich-plebejischen Kampftruppen der Taboriten. |
| 1423 |
Bildung der Neuen taboritischen Bruderschaft in Hradec Kralove.
Schaffung der Heeresordnung von Zizka.
Schlacht bei Horice (20.April 1423). |
In einem Feldgesang der Taboritenkämpfer heißt es:
"Wegen Raub, aus Gier nach Gold,
lasset euer Leben nicht,
und bei Beute haltet euch nicht auf." |
| 1424 |
Schlacht bei Malesov (7.Juni 1424).
Tod Jan Zizkas. |
1424 bis 1427 |
Hussitische Städtebünde 1424 bis 1427
Siehe Karte. |
| 1426 |
Schlacht bei Usti nad Labem (16.Juni 1426). |
| 1427 |
Schlacht bei Tachov (2.August 1427).
Der IV. Kreuzzug gegen die Hussiten löst sich bei Mies selbst auf, als die Söldner
das Kriegsgeschrei der Hussiten hören. |
Der englische Finanzexperte und
Kardinallegat
Heinrich von Beaufort
erarbeitet das Konzept für die
erste deutsche Reichssteuer!
Diese Steuer wurde erfunden, um die Geldmittel für ein Söldner-Heer gegen die
Hussiten zusammenzubringen. Sie erfaßte alle über fünfzehn Jahre alte Einwohner Deutschlands.
Wie alte Quellen belegen,
liefen die Zahlungen jedoch nicht wunschgemäß ein. Durch Marcellus de Niveriis waren die Hussiten über
die Vorhaben des päpstlichen Legaten glänzend informiert. |
| 1428 |
Die "große Reise" nach Schlesien. |
| 1429 |
Verhandlungen in Bratislava zwischen den Hussiten und König Sigismund. |
1429 bis 1430 |
Herrliche Heerfahrt nach Sachsen und Bayern. |
| 1430 |
Beheimsteiner Vertrag (11.Februar)
Friedrich v. Nürnberg (Markgraf v. Brandenburg) muß den hussitischen Gesandten
eine öffentliche Disputation über die Viert Artikel zugestehen. Dieser
Disputation wird nicht stattfinden. |
Aufstand der Stadtarmut in Bamberg.
(Februar 1430).
Von armen Handwerkern und Besitzlosen wird die Flucht vieler Prälaten und
reicher Bürger genutzt, die zurückgebliebenen Mitglieder des
Rates zu stürtzen und die Macht in der Stadt zu übernehmen.
Der Bamberger Aufstand war die erste Volksbewegung in den deutschen Gebieten,
die unter unmittelbarem Einfluß der Hussitenbewegung stand. |
| 1431 |
Schlacht bei Domazlice 14.August 1431).
Der V.Kreuzzug gegen die Hussiten löst sich auf. |
Bauernaufstand in Worms
und Umgebung
Die Unruhen richteten sich gegen Wucherzinsen und gegen die
drohende Gefahr, den eigenen Boden zu verlieren.
Das Baseler Konzil befürchtete ein Parteiergreifen der deutschen Bauern
mit den Hussiten. Erstmalig schlossen sich Bauern in den
deutschen Landen über die verschiedenen Herrschaftsgrenzen hinweg
zusammen um mit gemeinsamen Forderungen aufzutreten. |
| Noch unter dem Pontifikat
Martin V.
wurde am 9.Januar der Prozeß gegen
Jean d'Arc
begonnen.
Am 30.Mai. wurde Johanna von Orléans wegen Ketzerei von den Engländern in Rouen verbrannt. |
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1431 bis 1447 |
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Konzil von Basel.
Nikolaus von Kues:
"Concordancia catholica" |
| 1433 |
Die Verhandlungen mit den Abgesandten des Baseler Konzils in Prag sollen die Hussiten spalten.
Verständigung zwischen König und Papst darüber, das der Adel die enteigneten
Kirchengüter behalten darf. Dafür werden Utraquisten gegen Taboriten ausgespielt. |
Religiöser Ausgleich durch die "Prager Kompaktaten". |
| 1434 |
Schlacht bei Lipany (30.Mai 1434).
25000 Söldner stehen 18000 Taboriten gegenüber. Das Bürgertum der Prager Altstadt steht aber dem
hussitenfeindlichen "Herrenbund" bei. Der Anführer der Reiterei der Taboriten übt Verrat in der
noch unentschiedenen Schlacht.
13000 Taboriten werden erschlagen. |
1434 bis 1437 |
Gewaltsames Abwürgen der hussitischen revolutionären Bewegung. |
Karte der hussitischen Streitzüge
Nach der Niederschlagung der Hussitischen Revolution |
1435 bis 1437 (?) |
Wirken des deutschen Hussiten Friedrich Reiser in Süddeutschland. |
| 1436 |
Erst nach den Niederlagen der Taboriten wird Sigismund auch als
böhmischer König anerkannt (tschechisch: Zikmund Lucembursky) |
Der Vergleich zwischen katholischer Kirche und dem gemäßigtem Flügel
der Hussiten mit den Baseler Kompaktaten gestattet die nationale Kirche der Kalixtiner (Utraquisten).
Aber vom Papst Pius II. werden die Vereinbarungen 1462 wieder rückgängig gemacht! |
| 1446 |
Bauernbewegung um deutsche hussitische Prediger in Mittelfranken (?). |
| 1457 |
Die demokratischen und antifeudalen Traditionen leben weiter in der sich
bildenden Gemeinde der Böhmischen Brüder. |
| 1467 / 1468 |
Die Böhmischen Brüder grenzen sich von der utraquistischen Kirche ab,
die jetzt vom Bürgertum und niederem Adel getragen wird. |
| 1514 |
Der große ungarische Bauernkrieg greift auf die Slowakei über. |
1521 (?) |
Im Juni 1521 reist Thomas Müntzer
(auch Münzer) nach Prag. Wahrscheinlich hoffte er darauf, noch radikale Vertreter der Hussiten zu finden.
Dort verfaßt er das
Prager Manifest,
das erste von ihm erhalten gebliebene Dokument.
Hatte er in Böhmen Verbindungen mit der waldensisch-taboritischen Bewegung? Jedenfalls mußte er
die Stadt verlassen ohne die Utraquisten für entschiedenes Handel gewonnen zu haben.
Eine Unterstützung im deutschen Bauernkrieg blieb daher aus.
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Personenregister
| Ambrosch |
Priester, Stadtrat von Königgrätz (?); zweifelt an Versprechungen des Königs |
| Andreas Prokop (1380-1434) |
Nachfolger des Ziska v. Trochnow. |
| Heinrich von Beaufort |
Dieser engliche Finanzexperte und Kardinallegat erarbeitet das Konzept für die erste deutsche Reichssteuer! |
Jan Hus auch: Johann Huß ; Johannes Hus |
Sohn armer tschechischer Bauern, Rektor der
Universität Prag, Anhänger der Lehren Wiclifs.
Als Führer einer tschechisch religiös-politischen Reformbewegung 1415
in Konstanz verbrannt.
Postume Medaille für Jan Hus (um 1530) vermutlich von
Hieronymus Dietrich
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Jan Zizka auch: Johann Zizka (Zizka von Trochnow (1360-1424)) |
Anführer beim ersten Prager Fenstersturz und späterer General der Taboriten.
Er schloß sich später den Horebiten an?
1424 starb er an der Pest, sein Nachfolger wurde Andreas Prokop.
Über ihn bemerkte Engels in seiner Untersuchung über die Parallelen
zwischen Urchristentum und Arbeiterbewegung:
"Die Parallele beider geschichtlicher Erscheinungen drängt sich schon im Mittelalter auf,
bei den ersten Erhebungen unterdrückter Bauern... Diese ...Massenbewegungen des Mittelalters trugen notwendig
eine religiöse Maske, erschienen als Wiederherstellung des Urchristentums...", dahinter verbargen sich " sehr
handfeste weltliche Interessen. Am großartigsten trat dies hervor in der Organisation der Taboriten unter
Johann Zizka glorreichen Angedenkens..."(A1)
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| Jan Zelivsky |
(ehemaliger Prämonstratenser, trägt in Prag den Talar des
Nikolaus von Dresden, predigt insbesondere für kleine Handwerker
und Arme in der Kirche Maria Schnee und verachtet die Universitätslehrer.
Das Leiden wahrer Christenmenschen ist mit Kampf verbunden: so ruft
er zu Demonstrationen am 30.Juli 1419 auf und zum bewaffneten Sturm
auf das Rathaus (erster Prager Fenstersturz)).
Gegen ihn wirkt die Klasse der Besitzenden: also die
gemäßigten Utraquisten und das Prager Patriziat.
Die Niederlage der Prager bei Brüx bringt ihn zu Fall. Im
März 1422 wird sein Anhänger Johann Hvezda in Prag hingerichtet.
Z. selbst wird ermordet. Sein Gegenspieler ist Jakobellus und die
Universitätslehrkräfte. Nach Zelivskys Tod geht die Macht wieder
in die Hände der Besitzenden. |
| Johann von Rohac |
Ritter, zweifelt an der Aufrichtigkeit König Sigismunds und wird dafür
mit seinen Genossen gehängt. Seine Zweifel sollten sich später bestätigen. |
| Johannes von Jicin |
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| Jon Wiclif auch: John Wyclif (etwa 1320 bis 1384) |
englischer Priester;
erklärte um 1360...1376, das die
ersten Christen in Armut gelebt hätten und das kirchliche Amtsträger
in gleicher Armut wie zu Urchristenszeiten leben sollten.
Seine Theorie besagt, das nur Rechtschaffenheit zu Herrschaft
und Besitz berechtige ! Der unredliche Klerus habe darauf keinen
Anspruch.
Das Interessante an der Subjektivität Wiclifs ist, das er erst im Alter
zum Rebell wird! Außerdem fand er den Schutz der Königin (!),
die Unterstützung des "Pöbels"(!) und die tolerante Duldung der
Universität Oxford!
Richtig hart wird er im hohen Alter als er behauptet, der Papst sei der
Antichrist und die Konstantinsche Schenkung machte die Päpste
bestechlich!
Die Ideen Wiclifs spielen auch eine Rolle beim englischen
Bauernaufstand 1381.
Sehr wahrscheinlich hat Wiclif diesen Bauernaufstand von
Wat Tyler nicht unterstützt. Wiclif schrieb als vorsichtiger
Intelektueller seine, nun ja, kommunistischen Gedankengänge
in Lateinisch auf, für die Bauern seiner Zeit nicht lesbar.
Aber im Gegensatz zu Martin Luther
vierzig Jahre später, hat Wiclif die revoltierenden
Bauern nie verurteilt!
mehr dazu...
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| Kardinal Giuliano Cesarini |
Führte den 5.Kreuzzug gegen die Hussiten, der am 14.August 1431 mit einer Niederlage endet. |
| Konrad von Vechta |
Prager Erzbischof |
| Martin Huska |
redegewandter Taborit und Ordinator des Nikolaus v.Pilgram ?
Anführer einer Gruppe innerhalb Tabors, ist fast materialistisch
in der Eucharistie : Brot und Wein wie bei Agapefeiern
zum Sattessen, also als eine Art Erinnerungsmahl.
Er lehrt - das Gesetz der Gnade ist überflüssig,
- will das Reich der Heiligen auf Erden,
- "Wenn Christen immer so zu leiden hätten,
möchte ich kein Diener Gottes sein"
Unter seinen Anhängern gibt es auch Adamiten und Picarden,
die den Anlaß für Jan Zizka geben, Martin Huska als Ketzer verbrennen zu lassen,
(auch die Hussiten kannten also ihre "Ketzer").
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| Meinhard von Neuhaus |
ein Führer der Kalixtiner |
| Nikolaus von Dresden |
traf 1411/1412 in Prag ein mit einer Gruppe von deutschen Theologen. Die deutsche Schule Wyclifscher Gedanken lautet in Schwerpunkten etwa:
1) Alle Prister können ohne Erlaubnis predigen.
2)Enteignung der Kirche.
3) Kein Gehorsam gegenüber dem Papst.
4) Alles Glaubensnotwendige findet sich in der Bibel.
1416 verließ er Prag und ging nach Meißen; dort wurde er hingerichtet.
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Nikolaus von Pelhrimov(?) ((=Niklas von Hussinnetz ? Nikolaus von Hus ?
Nikolaus von Pilgram ? Nikolaus von Pistna?) |
Kleiner Adliger der radikalen Partei in Prag, verlangte von König Wenzel die allgemeine Erlaubnis für den Laienkelch. |
| Papst Martin V. |
gilt als Beendiger des Großen abendländischen Schismas (1378-1417),
und verhandelte mit der orthodoxen Kirche um eine Union. Als harter Gegner des
Hussitismus erließ er März 1420 die Kreuzzugsbulle gegen die Taboriten.
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| Petr Chelcicky(1390-1460 (?) |
Einer der vielen Vordenker neuer sozialer Gemeinschaftsformen, heute fast vergessen. Die um ihn gescharte kleine Gemeinde lehnte zwar radikal jede Obrigkeit ab, aber auch jeden gewaltsamen Widerstand gegen die Herren.
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Sigismund König Siegmund,auch genannt: Zsigmond, Zikmund, Nürnberg Znaim
geb. 15.2.1368 gest. 9.12.1437 |
Bruder des König Wenzel,
Siegmund war:
- Deutscher König (1410-1437),
- Römischer Kaiser seit 31.5.1433,
- König von Ungarn (1387-1437),
- erstrebte im Hussitenkrieg die böhmische Krone als
König von Böhmen (bis 1437),ließ sich 1420 zum K.v.Böhmen
krönen, wurde am 7.7.1421 von den Hussiten
auf demokratische Weise abgesetzt!
König von Italien (?),
Kurfürst von Brandenburg (ab 1376) |
religiöse und soziale Strömungen
| Adamiten |
| Eine sonderliche Gemeinschaft von Leuten, die behaupteten, die
menschliche Kleidung sei eine Folge des Sündenfalls. Daher
gingen sie nackt. Ihnen haftete der unbewiesene Vorwurf an,
nach Belieben Geschlechtsverkehr miteinander zu treiben.
Sie galten selbst für die Taboriten als Ketzer, Mörder oder
Sodomiten. |
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| Calixtiner (Kalixtiner)(Utraquisten) |
(Calix=Kelch) religiöse und soziale Bewegung, die
den alten Brauch wiedereinführen wollte, das der Kelch und das Brot allen
Gemeindemitgliedern bei einer kathol. Zeremonie (Abendmahl) zukam.
Den Kelch wollten die kathol. Priester jedoch nur für sich selbst in Anspruch
nehmen. |
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| Horebiten (?) |
wahrscheinlich eine sprachliche Variante von Orebiten.
Horeb
(Choreb), im Alten Testament der Berg, auf welchem Moses das Gesetz erteilte.
Eine Partei der Hussiten nannte danach einen zu ihrem Versammlungsort gewählten
Berg in Böhmen Horeb und sich selbst Horebiten
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| Orebiten |
| Die nach dem Berg Oreb benannten
Orebiten
hatten ihr Zentrum im ostböhmischen Hradec Kralove.
Ihr Anührer war Jan Zizka. |
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| Orphaniten |
Im Oktober 1424 starb der Taboritengeneral Zizka, ein unversöhnlicher Feind König Sigismunds.
Ein Teil der Taboriten nannte sich nach seinem Tod die Waisen
(also Orphaniten). An ihre
Spitze trat der frühere Mönch Prokop der Kleine. Unter Führung Prokops des Kleinen und Bedrichs von Straznitz
nahmen sie eine Mittelstellung zwischen den Kalixtinern und Taboriten ein. |
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| Picarden (auch Pikart) |
| Verfremdeter Ausdruck für Ketzer. Ausartende Sekte, die von den Hussiten selbst Ketzer genannt wurden. |
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| Taboriten |
Der Teil der Bewegung der Calixtiner, die weder König noch Adel
anerkennen wollten und ein Gemeindeeigentum praktizierten.
In der Mehrheit Bauern und Handwerker, aber auch Professoren und Theologen, Ritter
und Soldaten.
Berühmte Anführer: Jan Zizka und die beiden Prokope. |
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| Utraquisten |
| gemäßigte Calixtiner, wollen beide Formen des Abendmahls gestatten, also
alt und neu usw. Sozial betrachtet jene Fraktion der Hussiten, die aus reichen Bürgern und
den Adligen bestand, die sich die Kirchengüter selbst einverleiben wollten. |
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erste Notizen / einige ausgewählte Fragen zum Hussitentum
I.) Was machte die Hussiten so außerordentlich bedeutsam?
II.) Warum waren die Hussiten solange erfolgreich?
III.) Welche Gründe gab es für ihr Scheitern?
I.) Was machte die Hussiten so außerordentlich bedeutsam?
Wenn man will kann man die Hussitengeschichte antideutsch oder antitschechich
schreiben. Man kann sich religionstheoretisch darüber auslassen oder
genealogische Thronreihenfolgen diskutieren. Für die Gegenwart jedoch ist
mehr die soziale Betrachtung von Bedeutung.
Sozial gesehen ging es hier um den Kampf zwischen beutegierigen aber völlig unbegabten Herrschenden einerseits
und ihren arbeitsamen und zutiefst gläubigen Untertanen andererseits!
Selbstverständlich traten diese Gegensätze in religiöser Umkleidung auf, im 15.Jahrhundert
war für die Menschen in Europa keine andere systematische Denkweise möglich.
Und wieder ging der Revolution eine sogenannte "goldene Epoche" voran!
Die Historienschreiber benutzen immer dann den Begriff "Golden",
wenn es etwas zuzuklittern gilt!
Im Fall der Hussitenbewegung
war es das "goldene Zeitalter", das
der Aufruhr voranging, und also für die kleinen Leute nicht so
strahlend gewesen sein kann.
So mußten sich die Untertanen in Böhmen den "wahren" Glauben
gleich von drei Päpsten predigen lassen.
Dem noch nicht genug hatten sie es gleichzeitig auch
mit drei Königen zu tun. Böhmische und deutsche Fürsteninteressen
vermengten sich mit luxemburgischen Familienzwistigkeiten,
was den Alltag ihrer Untertanen sicherlich nicht leichter machte.
So nannten sie einen König "den großen Lügner", der andere
war für sie "der Faule" und schließlich
der dritte, Sigismund, zeichnete sich nicht in erfolglosen Schlachten
gegen die Osmanen aus sondern durch Niederschlagung der Revolten
böhmischer Bauern. Die moderne Geschichtsschreibung nennt das "die böhmischen Wirren...".
In Wahrheit zeigte sich aber eine völlige moralische Verwahrlosung der Herrschenden,
sowohl im höheren Adel als auch im Klerus. Denen ging es schlichtweg um
Bereicherung: Bereicherung an Boden, an Bodenschätzen, an Produkten und
haupsächlich an Geld!
Dem stand etwas Gegenüber, was noch aus der Zeit der Kolonisten stammte:
die Sehnsucht nach ehrlicher, befriedigender und produktiver Arbeit und
die damit verbundene Freiheit ohne Zahlzwang für irgendwelche
absonderlichen Steuern oder Ablässe! Dieser erste Widerstand zeigte sich
in vielen Steuerverweigerungen, in der lokalen Selbstorganisation kirchlicher
Gemeinden und in der äußerst nachlässigen Bereitstellung von Soldaten.
Entscheidend für die historische Bedeutsamkeit der Hussiten war ihre
aufrichtige Suche nach einer gesellschaftlichen Alternative gegenüber
der Verkommenheit der Herrschenden, die sich durch die schnelle Ausbreitung der Geldwirtschaft
in allen Bereichen der Gesellschaft breit machte. Selbst die Instanzen der Krone und
der Kurie wurden nahezu funktionsuntauglich und beschäftigten sich nur noch mit
dem "Geld machen".
So hatte beispielsweise König Wenzel mit einem Papst (Bonifatius IX.) 1393 einen
Deal zu Opfergeldern abgesprochen: wenn Pilger vier Prager Kirchen besucht hatten,
konnten sie sich den Weg nach Rom sparen. Die Hälfte ihrer Spenden, die
sie dabei an die Kirche des heiligen Petrus zu zahlen hatten, floß dabei für
die Gläubigen unbemerkt in die königliche Privatkasse.
Oder: Eine von den Hussiten geforderte Überprüfung der Kassenlage der
Kirche ergab um 1400: in sechzehn von neununddreißig Kirchen finanzielle
Unregelmäßigkeiten und andere Auffälligkeiten der Pfründeninhaber.
Und entscheidend für den Erfolg der Hussiten war die Tatsache, das sich große Teile
der Bevölkerung dieser Suche nach einer Alternive zum profanen "Geldmachen" anschlossen!
Nicht nur Bauern oder städtischer Plebs, auch die Gelehrten der Universität
und die Kaufleute des internationalen Handels, und nicht zuletzt die
"Proletarier" des Klerus, die pfründelosen Priester und Theologen - sie alle suchten
nach einem Ausweg und waren nicht mehr gewillt, ihren Herrschern alles durchgehen zulassen.
II.) Warum waren die Hussiten solange erfolgreich?
- Von Vorteil für die Bewegung war, das die neuen Gedanken ansatzweise
in der Verbreitung Wyclifscher Gedanken bereits existierte. Von
Vorteil war auch das Märtyrerschiksal des Jan Hus! Das hatte den
Beweis erbracht, das den Herrschenden absolutes Mißtrauen entgegenzubringen
ist und alle Schritte selber zu bedenken sind, man darf keine Antwort
von den Herrschenden erwarten, die den eigenen Interessen wirklich entgegenkommen.
Und von Vorteil war, das das Geldwesen selbst innerhalb der herrschenden Klasse
zerstörend und aufsplitternd wirken mußte!
- In dem Moment in dem sich die klugen Köpfe aus der Universität,
damals immer Experten der Theologie, mit der Kraft Tatsachen schaffender
Männer verbanden, entschlossen die gegenerische "Elite" im
Rathauses zur Abschreckung aus dem Fenster warf und
anschließend auf Straßen und Plätzen demonstrierte und die Naricht darüber
rasend schnell in den Provinzen verbreitete, in dem Moment war die Sache voerst gewonnen!
- Wann existierte der Prager Gulden oder Prager Groschen?
In Kuttenberg (Kutná Hora) wurden ab 1300 die
Prager Groschen
geprägt. Die Geldentwertung ist u.a. heute erkennbar an den Gegenstempeln der Städte.
Ab 1520 verloren die Prager Groschen an Bedeutung, 1547 wurden die letzten geprägt.
- In ihrem Kampf gegen die Feudalordnung gingen die Hussiten weiter als jede
bisher dagewesene Volksbewegung. Aus diesem Grund ist sie besonders aufmerksam
zu studieren.
- Der Kampf der Taboriten, auch wenn er am Ende scheitert, ist der erfolgreichste
im Mittelalter geblieben.
- Mit dem großen Schisma verlor die katholische Kirche jeglichen Führungsanspruch,
die gleichzeitige Herrschaft mehrerer Päpste forderte den Kampf um eine
Änderung der Verhältnisse geradezu herraus!
- Die bisherigen Austauschverhältnisse wurden durch eine schnelle Einführung der
Geldwirtschaft nahezu sprunghaft beseitigt. Das ist auch in den Beziehungen
innerhalb der Kirche und innerhalb des Heerwesens wirksam, hier besonders
ersichtlich. Dadurch verschärfen sich nahezu alle Widersprüche.
- Zum Beispiel an der Bodenfrage: die Besiedlung Böhmens schaffte den Freibauern
und dem Landadel gewisse Rechte und Freiheiten. Die römische Kurie hatte sich
lange Zeit um diese böhmische Provinz nicht wirklich gekümmert. Mit den
wirtschaftlichen Erfolgen der Besiedlung wuchsen die Begehrlichkeiten, und
so wurde von Avignon aus eine agressiv betriebene Finanzpolitik in die
bisher fast unbelästigt gebliebene böhmische Kirche hineingetragen. Mitte des
14.Jahrhunderts fielen fast alle Bistümer und Abteien dem päpstlichen
Besitzrecht anheim!
Da die kolonisierenden Bauern der zweiten und dritten Generation als
Papstreu angesehen wurden, erhielten insbesondere deutsche und polnische
Geistliche die Benefize über
die bislang von Laien kontrollierten Eigenkirchen! Daraus wird sich
später der nationale Gegensatz zwischen Tschechen und Deutschen entwickeln,
weil berechtigterweise der Vorwurf der Bevorzugung der deutschen Bevölkerung entsteht.
So verbreitete sich die Vermutung, das der Papst ein System der
Belohnung der Ausländer durchsetzte, weil diese bereit waren, die Kircheneinnahmen
an den heiligen Stuhl zu senden. Diese Vermutung kam nicht von ungefähr, da König Wenzel,
der offenbar die gleiche Praxis betrieb, mit Papst Bonifatius IX. 1393 einen Deal hinsichtlich
der Opfergelder abgesprochen hatte: wenn Pilger vier Prager Kirchen besucht hatten,
durften sie sich den Weg nach Rom sparen. Die Hälfte ihrer Opfergelder, die
sie dabei an die Kirche des heiligen Petrus zu zahlen hatten, floß dabei in die
Taschen des Königs.
- Spaltung auch innerhalb der Kleriker: arm und reich usw.
Ende des vierzehnten Jahrhunderts lebten etwa 35 000 bis 40 000 Einwohner in Prag.
Etwa 40% der Einwohner galten als mittellos und geradezu täglich wurde die
Situation verschärft durch die Einwanderung verarmter Bauern.
Es gab 1 200 (!) Geistliche in der Stadt, allein für den Dom 200.
In sechzehn von neununddreißig Kirchen entdeckte man finanzielle Unregelmäßigkeiten bzw.
gaben die Pfründeninhaber Anlaß zu weiteren Ärgernissen.
In dieser Zeit entwickelte sich ebenfalls eine Art geistliches Proletariat, also
jene sprengellosen Kleriker, die über keinerlei Einnahmen verfügten. Andere Priester
bekamen nur einen Teil ihrer Stipendien ausgezahlt, während die adligen Patrone die
Differenz für sich behielten. Die Geldwirtschaft hatte einen unglaublichen Faktor
der Habgier freigesetzt und sowohl Kirche als auch Adel lebten eine moralzerstörende
Bereicherungssucht vor, das die Lehren Wyclifs auf besonders fruchtbaren Boden
bei den tätigen Siedlernachkommen, den kleinen Handwerkern und den bedürftigen Priestern
fallen konnten. In der Tat ähnelten diese Bevölkerungskreise jenen arbeitsamen und fleißigen sowie lesekundigen Schichten der Lollarden in England, deren Aufstände genau zu der Zeit niedergeschlagen wurden von den Truppen Heinrich V. als die aufrührerischen böhmischen Bauern und Plebejer anfingen mit ihrer Sache zu siegen!
- Gleiche Spaltung auch im feudalen Heerwesen...im Gegensatz dazu das Hussitenheer...
- Einfluß Wyclifs...
Aber von der Lehre über die Armut des Urchristentums war es nicht weit bis zur
Infragestellung des Reichtums de Kirche und die nächsten Schritte hinsichtlich
des Eigentums und der Stellung des Adels boten sich geradezu an!
Nach Wyclif war der Widerstand gegen einen rechtmäßigen Herrscher nicht erlaubt, aber die Lollarden hatten längst eine andere Denkungsart angefangen.
Frage Krieg - Frieden
Im Februar 1420 diskutieren die Universitätsgelehrten über die Kriegsfrage.
Zizka hatte die Frage vorgelegt angesichts der Bedrohung durch königliche Heere und der königlichen Entscheidung zum antihussitischen Kreuzzug.
Die Magister erklärten unmittelbar vor dem Angriff des Kreuzzugsheeres
sogar den "verpflichtenden Krieg". Der Krieg war also nicht von der
Hussitenseite vom Zaun gebrochen.
Es entspricht den historischen Tatsachen, das das hussitische Heerwesen erst im Ergebnis der andauernden Bedrohungen von außen entstand und entstehen mußte auf Gedeih und Verderb!
Erst die wiederholten Einfälle der zahlenmäßig überlegenen Kreuzzugsheere zwangen die Hussiten zu einer neuen militärischen Taktik, mußten sie andauernd unter Waffen bleiben bei höchster Beweglichkeit und mußten sie sich eine neue militärische Disziplin zu eigen machen, die dem bezahlten Söldnertum furchterregend überlegen war!
Der Sieg der Herrschenden über die hussitischen Untertanen brachte
nicht etwa Aufschwung oder wirtschaftliche Blüte, weil sie nun
widerstandslos ihre Wünsche durchsetzen konnten, sondern es kam
zu einem gesellschaftlichen Rückschritt!
Die Geschichte Böhmens nach der Hussitenzeit ist die Geschichte zahlloser
Königsparteiungen, schwerster Lasten für die Bauern, undurchschaubarer
Rechtsunsicherheit für die Untertanen und ewig wiederkehrender Bürgerkriege.
Es folgten
Kämpfe zwischen Kaiser und Fürsten, Kämpfe zwischen Königen und Päpsten,
zwischen Päpsten und lokaler Kurie, zwischen Königen und Landadel usw.
Nur die Habgier konnte feiern. Böhmen geriet unter ausländischer Herrschaft!
Der Berg Tabor im 15.Jahrhundert
Notizen zum Thema Hussitenkrieg / begonnen: 5.Dezember 2008 / Stand: 25.August 2010 / Hans Holger Lorenz /
HLorenz500@aol.com / (I) To - WB
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