Hussiten und Taboriten

1419 bis 1437




Inhaltsverzeichnis

Ereignistabelle
1390-1419


Ereignistabelle
1419-1421


Ereignistabelle
1421-1434


Karte der hussitischen Städtebünde

Karte der hussitischen Streitzüge

Ereignistabelle
nach 1435


Personenregister

religiöse und soziale Strömungen

Kurztext und inhaltliche Fragestellungen

       

Bereits im 13.Jahrhundert passierte etwas in Europa, das zu dem Gerücht führte, in der Kirche hätte sich der Antichrist eingenistet. Im 14.Jahrhundert hatten sich daraus schon fast europaweite anti-päpstliche Stimmungen entwickelt, deren Ursachen so verschieden wie möglich sein mochten, letztlich waren sie jedoch der offensichtlichen Habgier, der allbekannten Verlogenheit und der kriminellen Energie des Heiligen Stuhls geschuldet. Die Tatsache des alltäglichen Mißbrauchs der Kirche zum Geldmachen z.B. durch Ablaßhandel war bereits zu dieser Zeit breiten Bevölkerungskreisen bekannt. So fanden sich mutige Gegner dieses organisierten Raffens schon viele Jahrzehnte vor Martin Luther. Der englische Reformator John Wyclif rückte aus Empörung über die hemmungslose Bereicherungssucht das Studium der Bibel nach Jahrhundertelanger anderer Praxis wieder in den Vordergrund theologischer Studien. Aber genau deswegen wurden seine Sätze 1382 auf der Dominikaner-Synode in London verurteilt, ein Jahr nach dem Bauernaufstand des John Ball. Das geschah nicht ohne Grund, denn Wyclif schrieb u.a.:

    - es verstößt gegen die Heilige Schrift, daß Geistliche Besitztümer haben,
    - steht ein Priester im Stande der Todsünde, sind seine Amtshandlungen ungültig,
    - die römische Kirche ist die Synagoge Satans.


Freiheitliche Gedanken sind nicht so leicht zu unterdrücken wie die Aufstände der Bauern. Zwei Gelehrte aus Böhmen brachten vom Studienbesuch in England nicht nur ein Stück von Wyclifs Grabstein mit nach Prag sondern auch seine "gefährlichen" Schriften.

Gerade in Böhmen wirkte sich der schnelle Übergang zur Geldwirtschaft in Produktion und Handel auf alle Bereiche des Lebens aus. Silbererzfunde und eigene Münzprägung führten zu neuem Reichtum. Aber das Patriziat, das den einst arbeitsamen Siedlern folgte, vernachlässigte die Produktion, verachtete die qualifizierte Arbeit des Handwerks und das unermüdliche Schuften der Bauern. Dabei war es deren Anstrengungen zu verdanken, das böhmisch geprägtes Geld seinen Wert bekam! Diese gewollte und dabei törichte Überbetonung des Handels brachte eine Hemmung in die einst progressive Entwicklung. Gleichzeitig bildete sich ein starker Faktor der sozialen Unterdrückung heraus. Die sozialen Spannungen innerhalb einer stark aufgesplitterten Feudalgesellschaft spitzten sich unter König Wenzel IV. (1378-1419) zu. Die Bewegungen gegen geistliche und weltliche Feudalherren sowie gegen die städtische Oberschicht traten im religiösem Gewand auf. Einer ihrer Wortführer hieß Jan Hus.



Hinweis 1: ungesicherte Angaben sind mit (?) gekennzeichnet
Hinweis 2: unterschiedliche Schreibweisen des Namens Jon Wiclif   für John Wycliff oder John Wyclif
Hinweis 3: unterschiedliche Schreibweisen des Namens Jan Zelivski oder Jan Zelivsky

Jahr

Ereignistabelle 1390 - 1419

um
1390
Um 1330 hatte Papst Johannes XXII. den Satz über die Armut Christi zur Ketzerei erklären lassen.
Sechzig Jahre später bringen tschechische Studenten, die in England die Universität Oxford besuchten, die Schriften eines Ketzers mit nach Prag: die Bücher von John Wyclif.
1403
bis
1409
Jan Hus predigt gegen die Habsucht und rügt öffentlich das Lasterleben des Klerus. Das Prager Domkapitel verdammt 45 Sätze aus Wyclifs Schriften. Jan Hus führt eine Vermittlung zugunsten der Universität herbei.
Theologische Auseinandersetzungen um das Papstschisma führen zu einer Spaltung an der Universität, in deren Folge 5000 Studenten Prag verlassen und die Universität Leipzig gründen.
1409 Im Sommer 1409 muß sich Jan Hus erstmalig vor der Inquisition verantworten.
Hus wird Rektor der Universität Prag, kämpft leidenschaftlich gegen die Verweltlichung der Kirche, erfreut sich der Gunst des böhmischen Hofs und der tschechischen Bevölkerung Prags.
Das Konzil in Pisa scheitert! Statt der Beseitigung des Umstands, das Papst (Gregor XII.) und Gegenpapst (Benedikt XIII.) die Kirche leiten, gibt es jetzt einen dritten Papst (Alexander V.)
1410 Jan Hus wird mit dem Kirchenbann belegt. Über 200 Handschriften Wiclifs werden verbrannt.
1411
bis
1437
Sigismund veranlaßte die Einberufung des Konzils von Konstanz. Das Konzil zu Konstanz soll über drei Themen beraten:
   1.über die Sache des Glaubens (causa fidei), gemeint war die Hussitenfrage
   2.über die Kirchenspaltung (causa unionis), das betraf die Päpste und Gegenpäpste (Johannes XXIII., Gregor XII., Benedikt XIII., Martin V. usw.)
   3.über die Kirchenreform (causa reformationis)
1412 Die Theologische Fakultät erklärt sich gegen Hus.
Jan Hus wird aus Prag ausgewiesen.
Erste Unruhen in Böhmen.
Radikale Hussiten erhalten Unterstützung von deutschen Theologen aus Dresden. Ihr Anführer Nikolaus von Dresden lehrt die deutsche Version Wyclifs.
Die Unruhen fallen mit dem Kreuzzugsaufruf des Papstes Johannes XXIII. in einer völlig innerkirchlichen Angelegenheit zusammen, bei der vom Ablaßhandel mit extrem zynischen Praktiken Gebrauch gemacht wird und sich der König selbst daran bereichert.
9.12.1413 Sigismund vereinbart mit dem Pisaner Papst Johannes XXIII. die Einberufung des Konzils nach Konstanz.
1414
bis
1418
Konzil in Konstanz.
Im November 1414 wird Hus trotz König Siegmund's Zusicherung freien Geleits in Haft genommen.
1415 Am 6.Juli stirbt Jan Hus auf dem Scheiterhaufen in Konstanz den Märtyrertod. Er lehnte einen Widerruf seiner Lehre ab. Jan Hus in Konstanz auf dem Weg zum Scheiterhaufen
Jan Hus in Konstanz auf dem Weg zum Scheiterhaufen
Zu allen Zeiten sind es nur die Individuen, welche für die Wissenschaft gewirkt, nicht das Zeitalter. Das Zeitalter wars, das den Sokrates durch Gift hinrichtete, das Zeitalter, das Hussen verbrannte: die Zeitalter sind sich immer gleich geblieben.
J.W.Goethe über Jan Hus
Schwere Unruhen in Prag zwingen König Wenzel IV. zu ersten Zugeständnissen.

Die Prager Theologen stellen 4 Forderungen auf:
- Predigt in böhmischer Sprache,
- Laienkelch,
- Herstellung der Kirchenzucht,
- Abschaffung des weltlichen Besitzes der Priester
Diese Forderungen waren den Taboriten zu gering, sie stellten daher zwölf Artikel auf.

Erläuterung zum Laienkelch:
Laienkelch In der katholischen Kirche wird in einem Prozedre der Wein gereicht. Aus irgendwelchen Gründen in der jahrhundertelangen Liturgieentwicklung wurde ein geweihter Kelch aber nur noch den Priestern gestattet und nicht den Laien. Die Forderung des Kelch-Reichens auch an Laien war also der volkshafte Ausdruck nach Abschaffung der Privilegien der Priester.
In der Folge entwickelten sich zwei Kirchenrichtungen. Eine, die den Kelch an Laien weiter reichte, daran waren für die einfachen Menschen die Reformatoren erkennbar, und eine , die diese Weiterreichzung an die Bürger in der Kirche verweigerte, also die traditionelle katholische Kirche.
Am 15.Juni 1415 untersagte das Konzil die Austeilung des Kelches an Laien. Diese absolut unkluge Entscheideung, man wollte doch reformieren, spitzte entgegen den Erwartungen die Lage dramatisch zu!
Später wird aus der Laienkelchforderung die Forderung nach einem gleichberechtigten Nebeneinander beider Liturgien entstehen.





Erste Phase der Hussitischen Revolution 1419 bis 1421

Vorherrschen der bäuerlich-plebejischen Kräfte

Die Ketzerei der Städte...wandte sich hauptsächlich gegen die Pfaffen, deren Reichtümer und politische Stellung... Der Form nach reaktionär ... forderte die bürgerliche Ketzerei Herstellung der urchristlichen einfachen Kirchenverfassung und Aufhebung des Priesterstandes.
Einen (davon) ganz verschiedenen Charakter hatte die Ketzerei, die der direkte Ausdruck der bäurischen und plebejischen Bedürfnisse war und sich fast immer an einen Aufstand anschloß... Sie verlangte die Herstellung der urchristlichen Gleichheitsverhältnisse unter den Mitgliedern der Gemeinde und seine Anerkennung als Norm auch für die bürgerliche Welt. Sie zog von der "Gleichheit der Kinder Gottes" den Schluß auf die bürgerliche Gleichheit...
(Friedrich Engels)

1419 Am Anfang des Jahres begann die katholische Reaktion, angeheizt durch die Entscheidungen in Konstanz. Die Prager Kirchen waren aufgeteilt worden in reformierte, die den Kelch an die betende Bevölkerung reichten und in die katholischen, die das nicht taten.
Am 6.Juli entließ König Wenzel wider Erwarten die hussitischen Ratsmitglieder durch Katholiken, untersagte die hussitischen Prozessionen und kerkerte Hussiten ein.
Der Versuch des Königs, mit den Hussiten fertig zu werden, scheiterte am Aufstand vom 30. Juli des städtischen Plebs von Prag.
Die Hussiten erstürmten unter Führung eines ehemaligen Prämonstratensermönchs Jan Zelivski das Rathaus und warfen Ratsherren aus dem Fenster in die aufgestellten Spieße. Das wurde der erste Prager Fenstersturz.
Am 16. August starb König Wenzel, aber die Hussiten erkannten Sigismund wegen seines Wortbruchs an Jan Hus nicht als böhmischen König an.
Utraquismus
Hussitische Barone und Städte-Vertreter legen nach dem Tod Wenzels die Bedingungen für die Anerkennung König Sigismunds fest :

Laienkelch
und Genehmigung der Doppelkirchen

Abschaffung der Simonie
(Kauf/Verkauf kirchlicher Ämter an den Meistbietenden)

kein weltliches Amt für Priester

Universität ist oberste Lehrinstanz

päpstliche Entscheidungen bedürfen böhmischer Zustimmung

Verbleib in der römischen Kirche

Vorrang von Tschechen in den Ämtern gegenüber Ausländern

Beschneidung der königlichen Rechte in Bezug auf den königlichen Schatz

Sicherung der Städteprivilegien

Gesetze gegen Wucherer und Juden

Amnestie für die Städte
1420 Gründung von Tabor, Haupt des hussitischen Städtebunde (siehe Karte) und Zentrum des revolutionären Flügels der Hussiten, daher: Taboriten genannt.
Tabor Viele Bauern verkaufen ihre Habe, ziehen mit ihren Familien zu den Sammelpunkten der Radikalen und werfen ihr Geld "in einen gemeinsamen Topf". Es kommt zu Ansammlungen von 40 000 bis 50 000 Bauern.

Sigismund ruft zum Krezzug gegen die Hussiten,also gegen die eigenen Landsleute auf.
Er erhält dafür den Segen von Papst Martin V.

Schlacht von Sudomer (25.März 1420).

Schlacht auf dem Vitkov bei Prag(14.Juli 1420).
Ein Söldner-Heer mit angeworbenen Böhmen, Mähren, Ungarn, Kroaten, Dalmatiner, Bulgaren, Wallachen, Sikuler, Kumanen, Jazygen, Russen, Raizen, Slowaken, Preußen, Serben, Thüringern, Steyrern, Meißenern, Bayern, Sachsen, Östereichern, Franken, Franzosen, Engländer, Brabantern, Westfalen, Holländern, Schweizern, Lausitzern, Schwaben, Kärtnern, Aragoniern, Spaniern, Polen, und Deutschen (so schrieb der Chronist Vavrinec v. Bresova) wurde von den Hussiten geschlagen.
Damit endete der I. Kreuzzug gegen die Hussiten mit einer Niederlage des sogenannten katholischen Heeres. Die Sieger waren Ziskas Bauern!
Februar: Das angekündigte Datum des Weltendes verstreicht.

März: Kreuzzugsbulle von Papst Martin V.

April: Vier Prager Artikel
   1.)Abendmahl in beiderlei Gestalt.
   2.)Freie Predigt.
   3.)alle Priester,einschließlich Papst, haben "ihren Prunk, ihre Habsucht und ihr herrschaftliches Gebaren aufzugeben."
   4.)Adel und Volk haben sich der Todsünden und der Verleumdung zu enthalten.


Ende des Jahres: plötzlicher Tod Nikolaus von Hus
1421 In Prag entbrannte der Kampf um die Vorherrschaft zwischen Plebejern und Bürgertum. Ein Ende der Vorherrschaft der Stadtarmut kündigt sich an. Aber Zelivsky will Alt- und Neustadt unter seine Gewalt bringen.Solange die Armut und die kleinen Handwerker unter Zelivski die Politik der Stadt bestimmem, steht Prag militärisch zu Tabor und den Taboriten. Juni: Landtag zu Tschaslau verweigert Sisismund die Anerkennung und versucht Schlesien und die Lausitz für die Hussiten zu gewinnen.




Zweite Phase der Hussitischen Revolution 1421 bis 1434

nach gewaltsamer Beseitigung des radikalen Flügels bestimmen mittlere Bürgerschaft und niederer Adel die Entwicklung
1421
1422
Schlacht bei Kutna Hora und Nemecky Brod (?)
1422 Nach der Hinrichtung Jan Zelivskys orientiert sich Prag militärisch verstärkt auf Söldner-Anwerbungen, ähnlich wie die feindlichen katholischen Heere und im Gegensatz zu den bäuerlich-plebejischen Kampftruppen der Taboriten.
1423 Bildung der Neuen taboritischen Bruderschaft in Hradec Kralove. Schaffung der Heeresordnung von Zizka.
Schlacht bei Horice (20.April 1423).
In einem Feldgesang der Taboritenkämpfer heißt es:
"Wegen Raub, aus Gier nach Gold,
lasset euer Leben nicht,
und bei Beute haltet euch nicht auf."
1424 Schlacht bei Malesov (7.Juni 1424). Tod Jan Zizkas.
1424
bis
1427
Hussitische Städtebünde 1424 bis 1427 Siehe Karte.
1426 Schlacht bei Usti nad Labem (16.Juni 1426).
1427 Schlacht bei Tachov (2.August 1427).

Der IV. Kreuzzug gegen die Hussiten löst sich bei Mies selbst auf, als die Söldner das Kriegsgeschrei der Hussiten hören.
Der englische Finanzexperte und Kardinallegat Heinrich von Beaufort erarbeitet das Konzept für die
erste deutsche Reichssteuer!
Diese Steuer wurde erfunden, um die Geldmittel für ein Söldner-Heer gegen die Hussiten zusammenzubringen. Sie erfaßte alle über fünfzehn Jahre alte Einwohner Deutschlands. Wie alte Quellen belegen, liefen die Zahlungen jedoch nicht wunschgemäß ein. Durch Marcellus de Niveriis waren die Hussiten über die Vorhaben des päpstlichen Legaten glänzend informiert.
1428 Die "große Reise" nach Schlesien.
1429 Verhandlungen in Bratislava zwischen den Hussiten und König Sigismund.
1429
bis
1430
Herrliche Heerfahrt nach Sachsen und Bayern.
1430 Beheimsteiner Vertrag (11.Februar)
Friedrich v. Nürnberg (Markgraf v. Brandenburg) muß den hussitischen Gesandten eine öffentliche Disputation über die Viert Artikel zugestehen. Dieser Disputation wird nicht stattfinden.
Aufstand der Stadtarmut in Bamberg.       (Februar 1430).
Von armen Handwerkern und Besitzlosen wird die Flucht vieler Prälaten und reicher Bürger genutzt, die zurückgebliebenen Mitglieder des Rates zu stürtzen und die Macht in der Stadt zu übernehmen.
Der Bamberger Aufstand war die erste Volksbewegung in den deutschen Gebieten, die unter unmittelbarem Einfluß der Hussitenbewegung stand.
1431 Schlacht bei Domazlice 14.August 1431).

Der V.Kreuzzug gegen die Hussiten löst sich auf.
Bauernaufstand in Worms und Umgebung
Die Unruhen richteten sich gegen Wucherzinsen und gegen die drohende Gefahr, den eigenen Boden zu verlieren. Das Baseler Konzil befürchtete ein Parteiergreifen der deutschen Bauern mit den Hussiten. Erstmalig schlossen sich Bauern in den deutschen Landen über die verschiedenen Herrschaftsgrenzen hinweg zusammen um mit gemeinsamen Forderungen aufzutreten.
Noch unter dem Pontifikat Martin V. wurde am 9.Januar der Prozeß gegen Jean d'Arc begonnen. Am 30.Mai wurde Johanna von Orléans wegen Ketzerei von den Engländern in Rouen verbrannt.
1431
bis
1447
Konzil von Basel.
Nikolaus von Kues: Concordancia catholica
1433 Die Verhandlungen mit den Abgesandten des Baseler Konzils in Prag sollen die Hussiten spalten.

Verständigung zwischen König und Papst darüber, das der Adel die enteigneten Kirchengüter behalten darf. Dafür werden Utraquisten gegen Taboriten ausgespielt.
Religiöser Ausgleich durch die "Prager Kompaktaten".
1434 Schlacht bei Lipany (30.Mai 1434).
25000 Söldner stehen 18000 Taboriten gegenüber. Das Bürgertum der Prager Altstadt steht aber dem hussitenfeindlichen "Herrenbund" bei. Der Anführer der Reiterei der Taboriten übt Verrat in der noch unentschiedenen Schlacht. 13.000 Taboriten werden erschlagen.
1434
bis
1437
Gewaltsames Abwürgen der hussitischen revolutionären Bewegung.


Karte der Hussitischen Städtebünde 1424 bis 1427
Karte der Hussitischen Städtebünde 1424 bis 1427




Karte der hussitischen Streitzüge

Karte der hussitischen Streitzüge




Nach der Niederschlagung der Hussitischen Revolution
1435
bis
1437
(?)
Wirken des deutschen Hussiten Friedrich Reiser in Süddeutschland.
1436 Erst nach den Niederlagen der Taboriten wird Sigismund auch als böhmischer König anerkannt (tschechisch: Zikmund Lucembursky) Der Vergleich zwischen katholischer Kirche und dem gemäßigtem Flügel der Hussiten mit den Baseler Kompaktaten gestattet die nationale Kirche der Kalixtiner (Utraquisten).
Von Papst Pius II. werden die Vereinbarungen 1462 wieder rückgängig gemacht!
1446 Bauernbewegung um deutsche hussitische Prediger in Mittelfranken (?).
1457 Die demokratischen und antifeudalen Traditionen leben weiter in der sich bildenden Gemeinde der Böhmischen Brüder.
1467 / 1468 Die Böhmischen Brüder grenzen sich von der utraquistischen Kirche ab, die jetzt vom Bürgertum und niederem Adel getragen wird.
1514 Der große →  ungarische Bauernkrieg greift auf die Slowakei über.
1521
(?)
Im Juni 1521 reist Thomas Müntzer (auch geschrieben: Münzer) nach Prag (siehe: Lebensstationen von Thomas Müntzer). Wahrscheinlich hoffte er darauf, noch radikale Vertreter der Hussiten zu finden.
Bei seinem Aufenthalt in Prag (Juni-November) wurde er empfangen als Thomas Lutheranus. Er predigte in Prag in der Kapelle Corporis Christi (in Deutsch), in der Bethlehemskapelle (in Latein) und auf der Straße vor dem Volk. Müntzer verfaßte das Prager Manifest, das erste von ihm erhalten gebliebene Dokument. Hatte er in Böhmen Verbindungen mit der waldensisch-taboritischen Bewegung? Jedenfalls mußte er die Stadt verlassen ohne die Utraquisten für entschiedenes Handel gewonnen zu haben. Eine Unterstützung im deutschen Bauernkrieg blieb daher aus.

Bevor Müntzer in Prag anlangte, erreichte er Joachimstal [Jáchymov]. In der wichtigen Bergbaustadt mit großen Silbervorkommen und Münzprägungsstätten setzte sich Müntzer mit Egranus auseinander.




ergänzende Notizen zur Hus-Rezeption deutscher Künstler
im 19.Jahrhundert
Hussitenprediger  (Bildausschnitt) von Carl Friedrich Lessing 1836 Hussitenprediger     (Bildausschnitt)
Gemälde von Carl Friedrich Lessing (1836)
1846 Gedicht über Johann Huß (Badisches Sagen-Buch) von Georg Zetter
HL-HW: Friedrich Otte ist das Pseudonym von Georg Zetter (18191872), elsässischer Dichter
...Zwar das Gefäß habt ihr zerbrochen,
Den Quell jedoch, den hemmt ihr nicht...
1846 (?) Gedicht über Johannes Huß (Badisches Sagen-Buch) von Wilhelm Nicolaus Freudentheil Erscheinst du mir aus Edens milder Zone,
Wo nicht der Bann dem frommen Denker droht ...





Personenregister
Ambrosch Priester, Stadtrat von Königgrätz (?); zweifelt an Versprechungen des Königs
Heinrich von Beaufort Dieser engliche Finanzexperte und Kardinallegat erarbeitet das Konzept für die erste deutsche Reichssteuer!
Brada der Zerlumpte Ein Hundertschaftsführer des Taboritenheeres unter Jan Zizka, Vertreter der bäuerlichen Gemeinde.
Zbynek von Buchoy Gehörte zu den ersten vier Hauptleuten des Taboritenheeres, die in Tabor gewählt wurden.
Kardinal Giuliano Cesarini Führte den 5.Kreuzzug gegen die Hussiten, der am 14.August 1431 mit einer Niederlage endet.
Petr Chelcicky(1390-1460 (?) Einer der vielen Vordenker neuer sozialer Gemeinschaftsformen, heute fast vergessen. Die um ihn gescharte kleine Gemeinde lehnte zwar radikal jede Obrigkeit ab, aber auch jeden gewaltsamen Widerstand gegen die Herren.
Johannes von Drändorf
(Johann von, de Draindorff, Draendorff, de Slevin, von Schlieben)
(* um 1390 Burg Schlieben bei Herzberg/Brandenburg 17.2.1425 Heidelberg) Aktiver deutschen Anhänger hussitischen Gedankenguts. Seit Anfang 1424 zog er predigend von Prag über das Vogtland nach Franken, an den Oberrhein und nach Basel, dann rheinabwärts bis Brabant, schließlich nach Speyer, Heilbronn und Weinsberg. D. ermunterte die Weinsberger zum Widerstand gegen das seit 1424 verhängte Interdikt.
D. strebte keinen akademischen Titel an, da er der Überzeugung war, dass akadem. Bildung Kampfmittel des Teufels seien, verwarf den Ablass, die Unfehlbarkeit der Konzilien, die Messfeier und den päpstlichen Primat. Seine Aussagen enthielten waldensische, wyclifitische und hussitische Positionen. Er berief sich auf das Vorbild der alten Kirche und forderte das Gebot der reinen Armut Christi zu befolgen. Nach Verweigerung des Widerrufs wurde er am 17.2.1425 in Heidelberg als Ketzer verbrannt.
Nikolaus von Dresden Traf 1411/1412 in Prag ein mit einer Gruppe von deutschen Theologen. Die deutsche Schule Wyclifscher Gedanken lautet in Schwerpunkten etwa:
   1) Alle Prister können ohne Erlaubnis predigen.
   2) Enteignung der Kirche.
   3) Kein Gehorsam gegenüber dem Papst.
   4) Alles Glaubensnotwendige findet sich in der Bibel.
1416 verließ er Prag und ging nach Meißen; dort wurde er hingerichtet.
Jan Hus
auch: Johann Huß ; Johannes Hus
Sohn armer tschechischer Bauern, Rektor der Universität Prag, Anhänger der Lehren Wiclifs. Als Führer einer tschechisch religiös-politischen Reformbewegung 1415 in Konstanz verbrannt. Postume Medaille für Jan Hus (um 1530) vermutlich von Hieronymus Dietrich


Postume Medaille für Jan Hus (um 1530) vermutlich von Hieronymus Dietrich
Mikulas von Hus Erster von vier Hauptleuten des Taboritenheeres, die in Tabor gewählt wurden.
Martin Huska Redegewandter Taborit und Ordinator des Nikolaus v.Pilgram (?), Anführer einer Gruppe innerhalb Tabors, ist fast materialistisch in der Eucharistie : Brot und Wein wie bei Agapefeiern der ersten Christen zum Sattessen, auch als eine Art Erinnerungsmahl. Huska lehrte auch:
- das Gesetz der Gnade ist überflüssig,
- will das Reich der Heiligen auf Erden,
- "Wenn Christen immer so zu leiden hätten, möchte ich kein Diener Gottes sein"
Unter seinen Anhängern gibt es auch Adamiten und Picarden, die den Anlaß für Jan Zizka gaben, Martin Huska als Ketzer verbrennen zu lassen, (auch die Hussiten kannten ihre "Ketzer").
Johannes von Jicin
Jan von Jičin
⇒ Häretiker Buch
Chval von Machovice Gehörte zu den ersten vier Hauptleuten des Taboritenheeres, die in Tabor gewählt wurden.
Papst Martin V. gilt als Beendiger des Großen abendländischen Schismas (1378-1417), und verhandelte mit der orthodoxen Kirche um eine Union. Als harter Gegner des Hussitismus erließ er März 1420 die Kreuzzugsbulle gegen die Taboriten.
Sigismund Meisterlein ⇒ Buch: Eine schöne Chronik und Historie...
Peter von Mladoniowitz Utraquist, Gegner der Taboriten.
Meinhard von Neuhaus Ein Führer der Kalixtiner.
Havel vo Oreb Mitglied des Rates der älteren Hauptleute der Taboriten unter Jan Zizka, Vertreter der bäuerlichen Gemeinde.
Mikulas von Oreb (?) Mitglied des Rates der älteren Hauptleute der Taboriten unter Jan Zizka, Vertreter der bäuerlichen Gemeinde.
Nikolaus von Pelhrimov(?)
((=Niklas von Hussinnetz ? Nikolaus von Hus ? Nikolaus von Pilgram ? Nikolaus von Pistna?)
Kleiner Adliger der radikalen Partei in Prag, verlangte von König Wenzel die allgemeine Erlaubnis für den Laienkelch.
Andreas Prokop (1380-1434) Nachfolger des Ziska v. Trochnow.
Ulrich von Richental Chronist des Konstanzer Konzils.
Johann von Rohac Ritter, zweifelt an der Aufrichtigkeit König Sigismunds und wird dafür mit seinen Genossen gehängt. Seine Zweifel sollten sich später bestätigen.
Sigismund
König Siegmund,auch genannt: Zsigmond, Zikmund, Nürnberg Znaim
geb. 15.2.1368 gest. 9.12.1437
Bruder des König Wenzel,
Siegmund war:
- Deutscher König (1410-1437),
- Römischer Kaiser seit 31.5.1433,
- König von Ungarn (1387-1437),
- erstrebte im Hussitenkrieg die böhmische Krone als König von Böhmen (bis 1437),ließ sich 1420 zum K.v.Böhmen krönen, wurde am 7.7.1421 von den Hussiten auf demokratische Weise abgesetzt!
König von Italien (?),
Kurfürst von Brandenburg (ab 1376)
Konrad von Vechta Prager Erzbischof
Jon Wiclif auch: John Wyclif (etwa 1320 bis 1384) englischer Priester; erklärte um 1360...1376, das die ersten Christen in Armut gelebt hätten und das kirchliche Amtsträger in gleicher Armut wie zu Urchristenszeiten leben sollten.
Seine Theorie besagt, das nur Rechtschaffenheit zu Herrschaft und Besitz berechtige ! Der unredliche Klerus habe darauf keinen Anspruch.
Das Interessante an der Subjektivität Wiclifs ist, das er erst im Alter zum Rebell wird! Außerdem fand er den Schutz der Königin (!), die Unterstützung des "Pöbels"(!) und die tolerante Duldung der Universität Oxford!
Richtig hart wird er im hohen Alter als er behauptet, der Papst sei der Antichrist und die Konstantinsche Schenkung machte die Päpste bestechlich!
Die Ideen Wiclifs spielen auch eine Rolle beim englischen Bauernaufstand 1381. Sehr wahrscheinlich hat Wiclif diesen Bauernaufstand von Wat Tyler nicht unterstützt. Wiclif schrieb als vorsichtiger Intelektueller seine, nun ja, kommunistischen Gedankengänge in Lateinisch auf, für die Bauern seiner Zeit nicht lesbar. Aber im Gegensatz zu Martin Luther vierzig Jahre später, hat Wiclif die revoltierenden Bauern nie verurteilt! mehr dazu...
Jan Zelivsky (ehemaliger Prämonstratenser, trägt in Prag den Talar des Nikolaus von Dresden, predigt insbesondere für kleine Handwerker und Arme in der Kirche Maria Schnee und verachtet die Universitätslehrer. Das Leiden wahrer Christenmenschen ist mit Kampf verbunden: so ruft er zu Demonstrationen am 30.Juli 1419 auf und zum bewaffneten Sturm auf das Rathaus (erster Prager Fenstersturz)).
Gegen ihn wirkt die Klasse der Besitzenden: also die gemäßigten Utraquisten und das Prager Patriziat.
Die Niederlage der Prager bei Brüx bringt ihn zu Fall. Im März 1422 wird sein Anhänger Johann Hvezda in Prag hingerichtet.
Z. selbst wird ermordet. Sein Gegenspieler ist Jakobellus und die Universitätslehrkräfte. Nach Zelivskys Tod geht die Macht wieder in die Hände der Besitzenden.
Jan Zizka auch: Johann Zizka
(Zizka von Trochnow (1360-1424))
Anführer beim ersten Prager Fenstersturz und späterer General der Taboriten.
Er schloß sich später den Horebiten an?
1424 starb er an der Pest, sein Nachfolger wurde Andreas Prokop.
Über ihn bemerkte Engels in seiner Untersuchung über die Parallelen zwischen Urchristentum und Arbeiterbewegung: "Die Parallele beider geschichtlicher Erscheinungen drängt sich schon im Mittelalter auf, bei den ersten Erhebungen unterdrückter Bauern... Diese ...Massenbewegungen des Mittelalters trugen notwendig eine religiöse Maske, erschienen als Wiederherstellung des Urchristentums...", dahinter verbargen sich " sehr handfeste weltliche Interessen. Am großartigsten trat dies hervor in der Organisation der Taboriten unter Johann Zizka glorreichen Angedenkens..."(A1)


religiöse und soziale Strömungen
Adamiten Eine sonderliche Gemeinschaft von Leuten, die behaupteten, die menschliche Kleidung sei eine Folge des Sündenfalls. Daher gingen sie nackt. Ihnen haftete der unbewiesene Vorwurf an, nach Belieben Geschlechtsverkehr miteinander zu treiben. Sie galten selbst für die Taboriten als Ketzer, Mörder oder Sodomiten.
Calixtiner
(Kalixtiner)
(Utraquisten)
(Calix=Kelch) religiöse und soziale Bewegung, die den alten Brauch wiedereinführen wollte, das der Kelch und das Brot allen Gemeindemitgliedern bei einer kathol. Zeremonie (Abendmahl) zukam.
Den Kelch wollten die kathol. Priester jedoch nur für sich selbst in Anspruch nehmen.
Chiliasten (chilici = griechisch: tausend), kleine radikale Sekte unter den auf dem Berg Tabor versammelten Hussiten. Sie predigten einen primitiven Kommunismus in religiöser Form, lehnten jegliches Privateigentum ab. Sie behaupteten, dass ein tausendjähriges Reich Gottes auf Erden begonnen habe, das vor dem Jüngsten Gericht bestehe. Gott oder Teufel gäbe es nicht so wie die Kirche es lehre, sondern Gott lebe in den Herzen der guten Menschen und der Teufel in denen der bösen. Die auch Pikarden genannte Sekte wurde vom Berg Tabor vertrieben und nach kurzen Gefechten aufgerieben, gefangene Anhänger wurden von den Hussiten als Ketzer verbrannt. Der wortgewaltige Anführer Martin Huska starb nach Folter auf dem Scheiterhaufen im August 1421 in Roudnice. Weitere Prediger der Chiliasten waren: Peter Kanis, Jan Bydlinsky und Jan Capek.
Horebiten (?) wahrscheinlich eine sprachliche Variante von Orebiten.
Horeb (Choreb), im Alten Testament der Berg, auf welchem Moses das Gesetz erteilte. Eine Partei der Hussiten nannte danach einen zu ihrem Versammlungsort gewählten Berg in Böhmen Horeb und sich selbst Horebiten
Orebiten Die nach dem Berg Oreb benannten Orebiten hatten ihr Zentrum im ostböhmischen Hradec Kralove. Ihr Anührer war Jan Zizka.
Orphaniten Im Oktober 1424 starb der Taboritengeneral Zizka, ein unversöhnlicher Feind König Sigismunds.
Ein Teil der Taboriten nannte sich nach seinem Tod die Waisen (also Orphaniten). An ihre Spitze trat der frühere Mönch Prokop der Kleine. Unter Führung Prokops des Kleinen und Bedrichs von Straznitz nahmen sie eine Mittelstellung zwischen den Kalixtinern und Taboriten ein.
Picarden  (auch Pikarden, Pikart) Verfremdeter Ausdruck für Ketzer. Sekte der Chiliasten, die von der Mehrheit der Hussiten Ketzer genannt wurden. (Siehe Chiliasten)
Taboriten Der Teil der Bewegung der Calixtiner, die weder König noch Adel anerkennen wollten und ein Gemeindeeigentum praktizierten.
In der Mehrheit Bauern und Handwerker, aber auch Professoren und Theologen, Ritter und Soldaten.
Berühmte Anführer: Jan Zizka und die beiden Prokope.
Utraquisten gemäßigte Calixtiner, wollen beide Formen des Abendmahls gestatten, also alt und neu usw. Sozial betrachtet jene Fraktion der Hussiten, die aus reichen Bürgern und den Adligen bestand, die sich die Kirchengüter selbst einverleiben wollten.



Zusammenfassender Kurztext

 

Dieses Kapitel betrifft einen besonderen Entwicklungsabschnitt in Europa. Ein Blick in diese Zeit zeigt uns nicht nur die unglaubliche Unfähigkeit der herrschenden Kaste. Er offenbart uns auch, was aus der Unzufriedenheit großer Bauernmassen werden kann, wenn man ihnen permanent die Produkte ihrer Arbeit stielt und zugleich die Möglichkeiten freier selbstbestimmter Arbeiten vorenthält. Welche Auswirkungen kann es denn haben, wenn eine komplette Oberklasse ausschließlich von Habgier durchtränkt ist und dazu auch noch eine gnadenlose gesellschaftszersetzende Unfähigkeit an den Tag legt. Und das in jenen Jahrzehnten, als ein modernes gesellschaftliches Steuerungsmittel auf den Plan tritt: Geld. Geld als ein neuer Massenartikel, der einerseits bei sinnvollem Einsatz technische Entwicklungen beschleunigen könnte, andererseits extrem destruktive Kräfte ungewöhnlichen Ausmaßes offenbart. Eine Kollision dieser Probleme mit der von der damaligen Kirche zugleich verbreiteten Weltuntergangsstimmung musste zwangsläufig zu gesellschaftlichen Zusammenstößen größter Dimension führen. Diese Kämpfe zeigten dann, das aus Bauern- und Volkskräften deutlich bessere Führungskräfte hervorgehen konnten als es die zeitgenössische Herrschaftsschicht zustande brachte.

Bereits im 13. Jahrhundert passierte etwas in Europa, das zu dem Gerücht führte, in der Kirche hätte sich der Antichrist eingenistet. Im 14. Jahrhundert hatten sich daraus schon fast europaweite antipäpstliche Stimmungen entwickelt, deren Ursachen so verschieden wie möglich sein mochten, letztlich waren sie jedoch der offensichtlichen Habgier, der allbekannten Verlogenheit und der kriminellen Energie des Heiligen Stuhls geschuldet. Die Tatsache des alltäglichen Missbrauchs der Kirche zum Geldmachen durch Ablaßhandel war bereits zu dieser Zeit breiten Bevölkerungskreisen bekannt. So fanden sich mutige Gegner dieses organisierten Raffens schon ein Jahrhundert vor Martin Luther. Der englische Reformator John Wyclif rückte aus Empörung über die hemmungslose Bereicherungssucht das Studium der Bibel wieder in den Vordergrund theologischer Studien. Aber genau deswegen wurden seine Sätze 1382 auf der Dominikaner-Synode in London verurteilt, ein Jahr nach dem Bauernaufstand des John Ball. Das geschah nicht ohne Grund, denn Wyclif schrieb, das es gegen die Heilige Schrift verstößt, wenn Geistliche Besitztümer haben. Weiter behauptete er, dass Priester im Stande der Todsünde keine gültigen Amtshandlungen mehr vornehmen könnten und schließlich nannte er die römische Kirche eine Synagoge des Satans. Freiheitliche Gedanken sind nicht so leicht zu unterdrücken wie spontane Bauernaufstände. Zwei junge Gelehrte aus Böhmen brachten vom Studienbesuch in England nicht nur ein Stück von Wyclifs Grabstein mit nach Prag sondern auch seine gefährlichen Schriften. Hier in Böhmen wirkte sich gerade ein hastiger Übergang zur Geldwirtschaft in Produktion und Handel auf alle Bereiche des Lebens aus. Silbererzfunde und eigene Münzprägung führten zu neuem Reichtum. Aber die (vorwiegend deutschen) Patrizier, die den arbeitsamen Siedlern folgten, vernachlässigten die Produktion, verachteten die qualifizierte Arbeit des Handwerks und das unermüdliche Schuften der Bauern. Dabei war es den werktätigen Anstrengungen zu verdanken, dass böhmisch geprägtes Geld seinen Wert bekam. Die törichte Überbetonung des Handels brachte eine Hemmung in die einst progressive Entwicklung. Gleichzeitig bildeten sich finanzielle Faktoren sozialer Unterdrückung heraus. Die Spannungen innerhalb einer stark aufgesplitterten Feudalgesellschaft spitzten sich unter König Wenzel IV. (1378-1419) zu. Die Bewegungen gegen geistliche und weltliche Feudalherren sowie gegen die städtische Oberschicht traten im religiösen Gewand auf. Einer ihrer Wortführer hieß Jan Hus. Gerade zum Rektor der Universität Prag ernannt, musste sich dieser Mann 1409 erstmalig vor der Inquisition verantworten. Hus war kein Bauernanführer, er war Theologe und als solcher kämpfte er leidenschaftlich gegen die Verweltlichung der Kirche, erfreute sich der Gunst des böhmischen Hofs und der tschechischen Bevölkerung Prags. Etwa gleichzeitig scheiterte ein Konzil in Pisa. Statt der beabsichtigten Beseitigung des Umstands, dass mit Papst Gregor XII. und Gegenpapst Benedikt XIII. zwei Päpste die Kirche leiteten, gab es nunmehr einen dritten Papst Alexander V. Während über 200 Handschriften Wyclifs verbrannt wurden, belegte man 1410 Jan Hus mit dem Kirchenbann. 1412 erklärte sich auch die Prager Theologische Fakultät gegen Hus. Er wurde aus Prag ausgewiesen. Das brachte Unruhen in Böhmen. Sie fielen mit dem Kreuzzugsaufruf von Papst Johannes XXIII. in einer innerkirchlichen Angelegenheit zusammen, bei der vom Ablaßhandel mit extrem zynischen Praktiken Gebrauch gemacht wurde und wobei sich der böhmische König selbst daran bereicherte.

Wenn man will kann man heute die Hussitengeschichte antideutsch oder antitschechisch schreiben. Man kann sich religionstheoretisch darüber auslassen oder genealogische Thronreihenfolgen diskutieren. Für die Gegenwart jedoch ist die soziale Betrachtung von viel wichtigerer Bedeutung. Sozial gesehen ging es hier um den Kampf zwischen beutegierigen und zugleich völlig untalentierten Herrschern einerseits und ihren arbeitsamen und zutiefst gläubigen Untertanen andererseits! Selbstverständlich traten diese Gegensätze in religiöser Umkleidung auf, im 15. Jahrhundert war für die Menschen in Europa keine andere systematische Denkweise möglich.



Der Hussitenbewegung ging eine sogenannte "Goldene Epoche" voran. Manche Historienschreiber benutzen immer dann den Begriff "golden", wenn es Massenarmut zu verschleiern gilt. Im vorliegenden Fall war es das Goldene Zeitalter, das der Aufruhr voranging, und also für die kleinen Leute nicht so strahlend gewesen sein kann. Nicht genug damit, dass sich die Untertanen in Böhmen den wahren Glauben gleich von drei Päpsten predigen lassen mussten, sie hatten sie es gleichzeitig auch noch mit drei Königen zu tun. Böhmische und deutsche Fürsteninteressen vermengten sich mit luxemburgischen Familienzwistigkeiten. Das machte den Alltag der Untertanen nicht leichter. Den einen König nannten sie daher "den großen Lügner" (Jobst von Mähren), den anderen hießen sie "den Faulen" (Wenzel von Böhmen) und der dritte, Sigismund , zeichnete sich durch erfolglose Schlachten gegen die Osmanen aus und durch Niederschlagungen der Revolten böhmischer Bauern. Die moderne Geschichtsschreibung nennt das die Böhmischen Wirren. In Wahrheit zeigte sich eine völlige moralische Verwahrlosung der Herrschenden, sowohl im höheren Adel als auch im Klerus. Es ging ausschließlich um Bereicherung: Bereicherung an Boden, an Bodenschätzen, an Produkten und seit hundert Jahren etwa hauptsächlich an Geld! Dem stand etwas Gegenüber, das noch aus der Zeit der fleißigen Kolonisten stammte: die Sehnsucht nach ehrlicher, befriedigender und produktiver Arbeit und die damit verbundene Freiheit ohne Zahlzwang für Steuern oder Ablässe. Der erste Widerstand zeigte sich in vielen Zahlungsverweigerungen, in der lokalen Selbstorganisation kirchlicher Gemeinden und in der äußerst nachlässigen Bereitstellung von Soldaten. Nicht nur Bauern oder städtischer Plebs, auch die Gelehrten der Universität und die Kaufleute des internationalen Handels, und nicht zuletzt die pfründelosen Priester und Theologen - sie alle suchten nach einem Ausweg und waren nicht mehr gewillt, ihren Herrschern alles durchgehen zulassen. Reformatorische Gedanken breiteten sich sehr schnell aus.



Da vereinbarte 1413 König Sigismund mit dem Pisaner Papst Johannes XXIII. die Einberufung des Konzils nach Konstanz. Das Konzil zu Konstanz sollte über drei Themen beraten: Erstens über die Sache des Glaubens, gemeint war damit die Hussitenfrage. Zweitens über die Kirchenspaltung, das betraf die Päpste und Gegenpäpste Johannes XXIII., Gregor XII., Benedikt XIII., Martin V. usw. Drittens wollte man sich über eine Kirchenreform einigen. Der hinzu gerufene Jan Hus starb trotz königlichem Sicherheitsversprechen am 6. Juli 1415 als Ketzer auf den Scheiterhaufen. Daraufhin erfasste die böhmische Bevölkerung ein Sturm der Entrüstung.

Hauptkraft der Volksbewegung bildete die Bauernschaft. Sie war den grausamsten Formen der feudalen Ausbeutung ausgesetzt, die sich durch die neuen Entwicklungen im Münzwesen herausgebildet hatten. Der Prager Groschen, durch den Silberabbau in Kutna Hora (Kuttenberg) seit hundert Jahren hervorgebracht, heizte die Ware-Geld-Beziehungen zum Nachteil einer großen Mehrheit der Bauern an. Es begann sich eine Niedrig-"Lohnarbeit" für Bauern unter Anwendung von Feudalgesetzen zu verbreiten. Anfangs flohen die Ackermänner von den Feldern, verweigerten Dienste und Abgaben und schließlich verbrannten sie herrschaftliches Getreide und Gutshöfe. In Pisek, Klattau, Pilsen, Sezimovo und Usti brachen Aufstände aus. Tausende versammelten sich auf einem Berg in Südböhmen um reformatorische Predigten zu hören und schließlich, 1420, gründeten sie auf einer solchen Massenveranstaltung die Stadt Tabor. Anwesende auf diesen Missionspredigten sprachen von vierzig- bis fünfzigtausend Teilnehmern.

Damit beginnt die Geschichte der Taboriten. Schon ein Jahr zuvor erstürmten radikale Hussiten in Prag das Rathaus und warfen den Bürgermeister und seine Bürokraten aus dem Fenster, ein Vorgang, der in die Geschichte als Erster Prager Fenstersturz einging. Die Revoluzzer waren Städter, keine Bauern. Die Landleute standen fest in der Schlacht auf dem Vitkov bei Prag am 14.Juli 1420 gegen König Sigismund, der Jan Hus an den Papst ausgeliefert hatte. Dessen Söldner-Heer mit angeworbenen Böhmen, Mähren, Ungarn, Kroaten, Dalmatiner, Bulgaren, Wallachen, Sikuler, Kumanen, Jazygen, Russen, Raizen, Slowaken, Preußen, Serben, Thüringern, Steyrern, Meißenern, Bayern, Sachsen, Österreichern, Franken, Franzosen, Engländer, Brabantern, Westfalen, Holländern, Schweizern, Lausitzern, Schwaben, Kärntnern, Aragoniern, Spaniern, Polen, und Deutschen (so zählte der Chronist Vavrinec v. Bresova sie auf) wurde von den Hussiten geschlagen. Damit endete der I. Kreuzzug gegen die Hussiten mit einer Niederlage des sogenannten katholischen Heeres. Die Sieger waren Ziskas Bauern!

Ziskas Bauern, aus härterem Holz geschnitzt als die zusammengewürfelten Söldner des Königs, konnten auf eine andere Herkunft als die Ritter zurückblicken. Ihre Vorfahren rodeten einst als freie Leute die Wälder und sie kannten noch die Befriedigung, die beschwerliche, aber freie Arbeit hervorzubringen vermochte. Das wieder zu erreichen bildete eine unglaublich starke Motivation. Und sie waren zugleich mutig und klug. Sie modernisierten selbständig ihre Kriegstechnik und ihre Einheiten besaßen Schnelligkeit und Beweglichkeit, die nur freiwillige Disziplin gestattete. In fünf großen Verteidigungsschlachten zwischen 1420 und 1433 besiegten sie die gegen sie marschierenden Kreuzzügler.

Aber ihre Geschichte ist wie alle Heldenhistorie nicht frei von Verrat und Uneinigkeiten. Die Reihe des Verrats begann mit der Ermordung Jan Zelivskys 1422, einer der Anführer des Prager Aufstandes und der ersten Heerführer der Hussiten.

Die Uneinigkeit der Bewegung resultierte aus der Verschiedenartigkeit der Herkunft ihrer Protagonisten. Die Calixtiner, deren politische Forderungen in den vier Prager Artikeln festgehalten wurden, entstammten zumeist städtischen Bürgerkreisen und niedriger tschechischer Ritterschaft. Die Enteignung der Kirche sollte ihren kleinen Bodenbesitz erweitern und die Freiheit der Predigt sollte in den Städten zugleich die Privilegien der Kirchenleute beseitigen. Ihre Ziele vermengten sich nicht unbegründet mit nationalen Befreiungshoffnungen, aber auch mit extremen antideutschen Haltungen. Das Vorgehen deutscher Geschäftsleute bot hinreichenden Konfliktstoff.

Zu den Motiven gegen ausländische Vorherrschaft kam es aus Jahrzehnte zurückliegenden Gründen, die eng mit der Bodenfrage zusammenhingen. Die Besiedlung Böhmens gestattete Neubauern und kleinem Landadel anfangs solide Freiheiten. Die römische Kurie hatte sich lange Zeit um die böhmische Provinz nicht wirklich gekümmert. Mit den wirtschaftlichen Erfolgen der Besiedlung wuchsen die Begehrlichkeiten und so wurde vom Gegenpapstsitz Avignon aus aggressive Geldpolitik in die bisher unbelästigt gebliebene böhmische Kirche hineingetragen. Mitte des 14.Jahrhunderts fielen fast alle Bistümer und Abteien dem päpstlichen Besitzrecht anheim. Da die kolonisierenden Bauern der zweiten und dritten Generation als Papsttreu angesehen wurden, erhielten insbesondere deutsche und polnische Geistliche die Benefize über die bislang von Laien kontrollierten Dorfkirchen. Daraus entwickelte sich später ein nationaler Gegensatz zwischen Tschechen und Deutschen mit dem Vorwurf der Bevorzugung der deutschen Bevölkerung. Es verbreitete sich die Vermutung, dass der Papst ein System der Ausländer-Belohnung durchsetzte, weil diese bereit waren, ihre Kircheneinnahmen an den Heiligen Stuhl zu senden. Diese Beschuldigungen hatten durchaus reale Hintergründe. Betrieb König Wenzel nicht die gleiche Praxis? War es nicht der oberste Fürst, der mit Papst Bonifatius IX. noch 1393 einen Deal hinsichtlich kirchlicher Opfergelder absprach? Wenn ausländische Pilger vier Prager Kirchen besuchten, durften sie sich den Weg nach Rom sparen. Die Hälfte ihrer Opfergelder, die sie dabei an die Kirche des heiligen Petrus zahlten, floss sofort in die Taschen des Königs. Die Taboriten, aus den sich auf dem Berg Tabor versammelnden Bauernmassen hervorgegangen, konnten sich durchaus mit den Prager Artikeln der Kalixtiner abfinden, ihr Programm ging jedoch wesentlich weiter und sie stellten sich von Anfang an auf den bewaffneten Kampf ein. Sie wollten als Getreue Christis, als Streiter Gottes, einen Umsturz der Welt, eine Befreiung vom Bösen durch das Gute. Das betraf die Bodenfrage mit gerechter Aufteilung, das betraf das Verbot der Zehntenzahlung und die Abschaffung aller Abgaben. Da Christus jedem seine Wahrheit ins Herz zu schreiben vermochte, war eine Auslegung der Bibel durch Kirchenleute überhaupt nicht nötig. Und schließlich bestanden die Taboriten auf strengste Disziplin und Ordnung, teilten die Lebensmittel untereinander gerecht auf und bekämpften mit drastischen Maßnahmen jeglichen Luxus.


Historisch auffallend ist die lange Reihe der Niederlagen der adligen Kreuzzügler. In der Schlacht auf dem Vitkov bei Prag (14. Juli 1420) endete der I. Kreuzzug gegen die Hussiten schmachvoll für die von Sigismund und Papst Martin V. zusammengetrommelten Ritter. Fast genau ein Jahr später erklärten die Böhmen König Sigismund für abgesetzt, weil er: " ein Mörder der Ehre des böhmischen Volkes und seiner Sprache " sei. Der II. Kreuzzug mit etwa 100.000 Mann wider den böhmischen Ketzern, verlor in verschiedenen Gefechten und zielte schließlich auf die Silberminen. Bei Nemecký Brod 50 km vor Kuttenberg zwangen Zizkas Leute die Ritter zur wilden Flucht nach Ungarn. Der viel in Europa umhergeirrte und sich oft mit Sigismund streitende Friedrich von Brandenburg führte den III. (erfolglosen) Kreuzzug gegen die Aufrührer an. Und um es kurz zu machen, den IV. Kreuzzug schlugen die Hussiten im August 1426 zurück.
Wie konnte es zu solch dramatischen Niederlagen der europaweit herrschenden hohen Herren kommen? Wie waren Niederlagen der Kaiser und Könige, der Päpste und Bischöfe dieser fatalen Größenordnungen überhaupt zu erklären?
Wir wissen heute, dass die sich schnell ausbreitende Geldwirtschaft auch die Entwicklung des Heerwesens dieser Zeit stark beeinflusste. Die Geldmengen befanden sich jedoch nicht schlechthin in Umlauf für die Produktion, schon gar nicht in den Händen der Bauern, sondern als Anhäufungen in den Schatztruhen der päpstlichen Kirchen (seit Avignon gab es zwei katholische Zentren), der hohen Fürsten und der Patrizier. Die Ritter, vom neuen Geldwesen real benachteiligt, zogen neuerdings für bare Münze ins Gefecht. Vormals galt eine Lehnsabhängigkeit für diesen Stand, jetzt wurde der mehr und mehr durch simples Söldnertum ersetzt. Der Anteil der Söldner in den Kreuzzugsheeren stieg beständig und entsprechend der Zahlungsfähigkeit von Kaiser und Päpsten stieg oder sank die Kampfmoral der Kreuzfahrer. Selbst wenn Bauernsöhne in deren Heere gepresst wurden, so geschehen in der Lausitz und in Österreich, galten sie für die Familien der Landleute als unersetzlichen Verlust und entsprechend war deren Kampfmoral. In diesem Zusammenhang muss auch ein Name erwähnt werden: Heinrich von Beaufort. Dieser englische Finanzexperte und Kardinallegat erarbeitete das Konzept für die erste deutsche Reichssteuer. Diese Steuer wurde erfunden, um Geldmittel für ein Söldner-Heer gegen die Hussiten zusammenzubringen. Sie sollte 1427 (!) alle über fünfzehn Jahre alten Einwohner in den deutschen Landen erfassen. Wie alte Quellen belegen, liefen die Zahlungen jedoch nicht wunschgemäß ein. Das wird dem päpstlichen Legaten für Deutschland, Ungarn und Böhmen vielleicht politische Beunruhigung aber nicht allzu sehr private Sorgen bereitet haben. Beaufort galt schon zu Lebzeiten als der reichste Mann Englands. Auf sein Konto ging übrigens auch das Todesurteil von 1431 für die Jungfrau von Orleans. Solcher Art waren die Leute, die die Taboriten ehrlichen Herzens bekämpften. Und deswegen hieß es in einem ihrer Marschlieder: "Wegen Raub, aus Gier nach Gold, lasset euer Leben nicht, und bei Beute haltet euch nicht auf."


Die Kette der erfolgreichen Schlachten der Hussiten, die ihre Truppen bis an die Ostseeküste in das Gebiet des Deutschen Ordens führen konnten, muss mit den hohen Sympathien, die sich nicht nur auf die böhmische Bevölkerung begrenzten, zu tun haben. Man kann berechtigt davon ausgehen, dass die bewaffneten Bauernknechte und Handwerkersöhne immer auch Unterstützung von Stadtplebs und aus der Dorfarmut in den eroberten Gebieten fanden. Der herrschaftlichen Geschichtsschreibung sind solche Fakten jedoch nicht zu entnehmen. Wer aber hat dann den abgekämpften Kolonnen geholfen, die leeren Pulverfässer auf ihren Wagen wieder aufzufüllen? Wer lieferte ihnen auf den langen heimlichen Transportwegen aus den heimatlichen Werkstätten im taboritischen Böhmen neue Waffen und Kugeln nach? Wer gab ihnen Auskunft, in welche Richtungen sie zu gehen hatten, um beste Stellungen für ihre Wagenburgen zu finden?
Das waren die äußeren solidarischen Kräfte. Woher nahmen aber die Taboriten ihre inneren Stärken her?
Den Kreuzzugsheeren, die zunehmend vom Söldnertum beeinflusst wurden, standen Kämpfer entgegen, die moralisch eine starke Festigung durch hussitische Überzeugungen erlangten. Die Hussitenheere wurden gekennzeichnet durch einen historisch neuen Charakter. Zumeist aus der Bauernarmut und dem Stadtplebs hervorgegangene Einheiten wurden oft geführt von kleinen Adligen, aber auch von Handwerkern oder Bauernsöhnen. Die soziale Herkunft trug für Befehlsränge keine Bedeutung.

Aber nicht nur moralische Überlegenheit und hohe Disziplin spielten eine Rolle, auch die moderne Kampftechnik der Hussiten beeinflusste die lange Kette ihrer siegreichen Gefechte. Die Einführung der Wagenburg-Taktik verband schnelle Marschgeschwindigkeit mit hoher Verteidigungsfähigkeit. Von den Hussiten entwickelt finden wir noch zweihundert Jahre später im Dreißigjährigen Krieg ihre Anwendung und selbst bei den Besiedlungskämpfen des Westens in Nordamerika im neunzehnten Jahrhundert sind noch Ausläufer dieser Taktik erkennbar. Die Hussiten unterschieden im Laufe ihrer Entwicklung zwischen dem Heimatheer Tabors und dem Feldheer Neues Tabor. Die Handwerker in der Heimat entwickelten und produzierten neue und beweglichere Waffen, die der schweren Reiterei des Ritterheeres schwerste Verluste hinzufügen konnten. Berüchtigt waren die Wirkungen der nur 130 cm langen Hakenbüchsen aus Pilzen. Mit Eisenband geschmiedete Feldgeschütze, die sogenannten Tarasbüchsen aus Znojmo erreichten Kaliber bis 100 mm. Geschossen wurde mit Steinkugeln, aber historisch interessant ist es schon, dass es erste Versuche mit eisengeschmiedete Kugeln und gegossenen Bleikugeln gab. Die böhmischen Werkstätten entwickelten sogenannte Kammergeschütze, die man als Vorläufer der Rücklader betrachten kann. Ständig arbeiteten die sich von feudalen Lasten befreit fühlenden Städter an neuer und besserer Bewaffnung für ihr Feldheer. Die Geschichte der modernen Tschechischen Rüstungsindustrie begann hier. Auf ihrem Heerzug 1428 bis 1429 nach Meißen und Bayern führten die Kampftruppen mit 2500 Wagen etwa 3000 Handfeuerwaffen, 300 Tarasbüchsen, 60 Geschütze größeren Kalibers und fünf große Geschütze mit sich. Diese hohe Konzentration an Feuerkraft und ihre Beweglichkeit musste tatsächlich den noch auf Ritterkämpfe orientierten Gegner überraschen. Nicht selten wurden die fürstlichen Einheiten zu wilder Flucht getrieben.

Kommen wir zu der wichtigen Frage, warum denn bei all den Siegen und Fortschritten die Hussiten schließlich und dennoch nach anderthalb Jahrzehnten verloren? Die Bitterkeit des Sieges der feudalen Kräfte kommt selbst noch den unpolitischsten Historiker an, wenn er die Umstände der Niederlage betrachten muss. Die Antwort ist schlicht und einfach mit Uneinigkeit gegeben. Wie anfangs schon erwähnt, war es die aus differierenden Klassen- und Schichtinteressen gegebene Uneinheitlichkeit der Ziele, die Keile in die fortschrittliche Bewegung trieben. Während sich Städtebürger mit religiösen Freiheiten, die später auch noch widerrufen worden sind, zufrieden gaben, während sich die lokalen böhmischen Landadligen an den kirchlichen Gütern bereicherten und während sich die Fürsten Unabhängigkeiten von der Zentralgewalt eroberten, brachte die letzte Niederlage den Bauern neue Zwangsabgaben und Pressungen, so dass einige Historiker nicht unberechtigt von der Schaffung einer zweiten Leibeigenschaft sprechen. Wie wir gesehen haben, offenbarte sich der Spaltpilz zuerst zwischen den Calixtinern und den Taboriten. Aber auch innerhalb der Taboriten kam es zu Auseinandersetzungen, sogar zu Kämpfen und schwersten Exzessen. Anhänger eines urwüchsigen, aber sehr primitiven Kommunismus, hatten sich auch unter den Massen auf dem Berg Tabor eingefunden. Sie predigten religiöse Thesen derart, dass der Teufel in den Herzen böser Menschen lebt und das vor dem Jüngsten Gericht ein tausendjähriges Reich Gottes steht, das jetzt begonnen habe. Daher sei jegliches private Eigentum abzulehnen. Diese Chiliasten (chilici = Tausend) verunsicherten vor allem die Bauern unter den Taboriten. Die Mehrheit der Bauern wollte ihre Produkte als Waren gegen Geld verkaufen, eine an sich damals zeitgemäße Vorstellung. Nach kurzen heftigen Gefechten verlief die Abrechnung mit der kleinen, auch Pikarden genannten Minderheit sehr grausam, vierzig von ihnen endeten im Frühjahr 1421 auf dem Scheiterhaufen.
In Prag regierte kurzzeitig ein anderer radikaler Flügel. Aber nach dem Ausschalten Zelivskys 1419 und seiner Fraktion bildete die Hauptstadt das Zentrum der gemäßigten Calixtiner. Sie stellten sich für die Interessen der reicheren Bürger und des tschechischen Adels in die aktive Auseinandersetzung. Im Feld formierten sich anders als in der Stadt, die Taboriten. Die Taboriten mit Zizka an der Spitze, die sich von den Universitätsprofessoren die Bestätigung für eine verpflichtende Kriegsführung zur Verteidigung der hussitischen Sache geholt hatten, verbanden strenge Lebensführung, einfache religiöse Liturgie und disziplinierten Waffendienst auf ihren erfolgreichen Heerzügen miteinander. 1424 verstarb der bereits erblindete Hussitenheld Zizka an der Pest. Der radikale Flügel der bewaffneten Taboriten nannte sich daraufhin Die Waisen und kämpfte siegreich weiter unter Führung eines ebenso fähigen Militärs: Andreas Prokop, genannt Prokop der Kahle.

Nach den vielen militärischen Niederlagen versuchten die feudalen und klerikalen Kräfte Europas andere Mittel und Wege zum Eindämmen der für sie weit über Landesgrenzen hinweg gefährlichen Hussiten. Das starre, brutale und politisch ungeschickte Vorgehen der Fürsten hatte nur die einigenden Interessen der böhmischen Revolutionäre verstärkt. Von ihren hohen Verlusten gedemütigt und angesichts immer unruhiger werdender deutscher Bauern, begannen 1432 die Herrschenden Verhandlungen aufzunehmen mit dem Zweck der Aufspaltung ihrer Gegner. Mit einer scheinbaren Akzeptanz der vier Prager Artikel endeten ein Jahr später die ersten Gespräche. Damit wurde ein Keil zwischen Calixtiner und Taboriten getrieben. Nun standen sich einheimische Adlige und wohlhabende Städter einerseits, Landlose und Stadtplebs andererseits wieder ernsthafter gegenüber. Auch die Tatsache, dass sicherlich die Besten in den langen Heerzügen der Taboriten schon gefallen waren, muss beim Ergebnis der Schlacht von Lipan 1434 berücksichtigt werden. Der 30. Mai 1434 brachte den Tod von Andreas Prokop und die abschließende Niederlage für die Taboriten, sie verloren gegen die einst eigenen Leute, die sich nun mit Sigismund verbündet hatten. 1437 wurde Jan Rohác, der Anführer des letzten Taboritenverbandes hingerichtet.
Der Kampf der hussitischen Bauern konnte den historischen Vorgang der generellen Verbreitung der Ware-Geld-Beziehungen nicht aufhalten, ja nicht einmal bremsen. Aber er trug dazu bei, dass die Ideen einer sozialen gesellschaftlichen Ordnung erhalten blieben, ja sich noch ausweiten konnten. Ganz Europa hatte gesehen, welche Kraft breite Massenbewegungen aufzubringen vermögen und das die Herrschaft einer kleinen Schicht immer mit der Gefahr ihrer gewaltsamen Ablösung rechnen muss, wenn sie in ihrer Unfähigkeit die Widersprüche sich ungehindert zuspitzen lässt. Es ist nicht übertrieben, wenn man die Bewegung der Hussiten als historische Vorläufer der Reformation im nachfolgenden Jahrhundert bezeichnet. Und dass die sozialen Kämpfe längst nicht beendet waren, sollten die Bauernaufstände 1437 in Siebenbürgen und 1440 an der Moldau zeigen. Und nicht unerwähnt soll hier der Name des Thomas Münzer sein, der hundert Jahre nach den Hussitenkämpfen sich als Fortsetzer ihrer Ideen verstand.

Hus auf dem Luther-Denkmal in Worms
Jan Hus auf dem Luther-Denkmal in Worms
(Lutherdenkmal von Ernst Rietschel
begonnen 1858)
(Foto Lorenz 2012)





Notizen und ausgewählte Fragen zum Hussitentum

I.)     Was machte die Hussiten so außerordentlich bedeutsam?
II.)   Warum waren die Hussiten solange erfolgreich?
III.)  Welche Gründe gab es für ihr Scheitern?


I.) Was machte die Hussitenbewegung so außerordentlich bedeutsam?
Entscheidend für die historische Bedeutsamkeit der Hussiten war ihre aufrichtige Suche nach einer gesellschaftlichen Alternative gegenüber der Verkommenheit der Herrschenden, die sich durch die schnelle Ausbreitung der Geldwirtschaft in allen Bereichen der Gesellschaft breit machte. Selbst die Instanzen der Krone und der Kurie wurden nahezu funktionsuntauglich und beschäftigten sich nur noch mit dem Geld machen. So hatte König Wenzel mit dem Papst Bonifatius IX. 1393 einen Deal zu Opfergeldern abgesprochen: wenn Pilger vier Prager Kirchen besucht hatten, konnten sie sich den Weg nach Rom sparen. Die Hälfte ihrer Spenden, die sie dabei an die Kirche des heiligen Petrus zu zahlen hatten, floß dabei für die Gläubigen unbemerkt in die königliche Privatkasse.
Eine von den Hussiten geforderte Überprüfung der Kassenlage der Kirche ergab um 1400: in sechzehn von neununddreißig Kirchen finanzielle Unregelmäßigkeiten und andere Auffälligkeiten der Pfründeninhaber.
Entscheidend für den Erfolg der Hussiten war die Tatsache, das sich große Teile der Bevölkerung dieser Suche nach einer Alternive zum habgierigen Geldmachen anschlossen! Nicht nur Bauern oder städtischer Plebs, auch die Gelehrten der Universität und die Kaufleute des internationalen Handels, und nicht zuletzt die Proletarier des Klerus, die pfründelosen Priester und Theologen - sie alle suchten nach einem Ausweg und waren nicht mehr gewillt, ihren Herrschern alles durchgehen zulassen.

II.) Warum waren die Hussiten solange erfolgreich?
Von Vorteil für die Bewegung war, das die neuen Gedanken in der Verbreitung Wyclifscher Sätze bereits existierten. Das Märtyrerschicksal des Jan Hus hatte den Beweis erbracht, das den Herrschenden absolutes Mißtrauen entgegenzubringen ist. Man darf keine aufrichtigen Antworten von den Herrschenden erwarten, wenn sie deren habgierigen Interessen widersprechen. Von Vorteil für die Hussiten war zugleich, das sich das ausbreitende Geldwesen auch innerhalb der herrschenden Elite zerstörend und aufsplitternd auswirken mußte. Die Gegner der Hussiten konnten sich lange nicht in ihrem Vorgehen einigen.

Das zeigt ein entscheidender Moment, als sich die klugen Köpfe aus der Universität, damals immer Experten der Theologie, mit der Kraft Tatsachen schaffender Männer verbanden. Entschlossen warfen die Hussiten die gegnerischen Vertreter im Rathauses zur allgemeinen Abschreckung aus dem Fenster. Anschließend demonstrierte man auf Straßen und Plätzen und verbreitete die Nachricht über den Ersten Prager Fenstersturz sehr schnell in den Provinzen.

III.) zur weiteren Bearbeitung:
  • - In ihrem Kampf gegen die Feudalordnung gingen die Hussiten weiter als jede bisher dagewesene Volksbewegung in Europa. Aus diesem Grund gilt ihr auch heute besondere Aufmerksamkeit.
  • - Der Kampf der Taboriten, auch wenn er am Ende scheitert, ist der erfolgreichste im europäischen Mittelalter geblieben.
  • - Mit dem großen Schisma verlor die katholische Kirche jeglichen Führungsanspruch, die gleichzeitige Herrschaft mehrerer Päpste forderte den Kampf um eine Änderung der Verhältnisse geradezu heraus!
  • - Wann existierte der Prager Gulden oder Prager Groschen?
    In Kuttenberg (Kutná Hora) wurden ab 1300 die Prager Groschen geprägt. Die Geldentwertung ist u.a. heute erkennbar an den Gegenstempeln der Städte. Ab 1520 verloren die Prager Groschen an Bedeutung, 1547 wurden die letzten geprägt.
  • - Die bisherigen Austauschverhältnisse wurden durch eine schnelle Einführung der Geldwirtschaft nahezu sprunghaft beseitigt. Das ist auch in den Beziehungen innerhalb der Kirche und innerhalb des Heerwesens wirksam, hier sogar besonders ersichtlich. Dadurch verschärfen sich nahezu alle Widersprüche.
  • - Zum Beispiel an der Bodenfrage: die Besiedlung Böhmens schaffte den Freibauern und dem Landadel gewisse Rechte und Freiheiten. Die römische Kurie hatte sich lange Zeit um diese böhmische Provinz nicht wirklich gekümmert. Mit den wirtschaftlichen Erfolgen der Besiedlung wuchsen die Begehrlichkeiten, und so wurde von Avignon aus eine agressiv betriebene Finanzpolitik in die bisher fast unbelästigt gebliebene böhmische Kirche hineingetragen. Mitte des 14.Jahrhunderts fielen fast alle Bistümer und Abteien dem päpstlichen Besitzrecht anheim.
  • - Spaltung auch innerhalb der Kleriker: arm und reich usw. Ende des vierzehnten Jahrhunderts lebten etwa 35000 bis 40000 Einwohner in Prag. Etwa 40% der Einwohner galten als mittellos und geradezu täglich wurde die Situation verschärft durch die Einwanderung verarmter Bauern. Es gab 1200 Geistliche in der Stadt, allein 200 für den Dom. In sechzehn von neununddreißig Kirchen entdeckte man finanzielle Unregelmäßigkeiten bzw. gaben die Pfründeninhaber Anlaß zu weiteren Ärgernissen.
    In dieser Zeit entwickelte sich ebenfalls eine Art geistliches Proletariat, also jene sprengellosen Kleriker, die über keinerlei Einnahmen verfügten. Andere Priester bekamen nur einen Teil ihrer Stipendien ausgezahlt, während die adligen Patrone die Differenz für sich behielten. Die Geldwirtschaft hatte einen unglaublichen Faktor der Habgier freigesetzt und sowohl Kirche als auch Adel lebten eine moralzerstörende Bereicherungssucht vor, das die Lehren Wyclifs auf besonders fruchtbaren Boden bei den tätigen Siedlernachkommen, den kleinen Handwerkern und den bedürftigen Priestern fallen konnten. In der Tat ähnelten diese Bevölkerungskreise jenen arbeitsamen und fleißigen sowie lesekundigen Schichten der Lollarden in England, deren Aufstände genau zu der Zeit niedergeschlagen wurden von den Truppen Heinrich V. als die aufrührerischen böhmischen Bauern und Plebejer anfingen mit ihrer Sache zu siegen!
  • - Gleiche Spaltung auch im feudalen Heerwesen...im Gegensatz dazu das Hussitenheer...
  • - Indirektes Wirken der Lehren Wyclifs:   Von der Lehre über die Armut des Urchristentums war es nicht weit bis zur Infragestellung des Reichtums de Kirche und die nächsten Schritte hinsichtlich des Eigentums und der Stellung des Adels boten sich geradezu an. Nach Wyclif war der Widerstand gegen einen rechtmäßigen Herrscher nicht erlaubt, aber die Lollarden hatten längst eine andere Denkungsart angefangen.
  • Frage Krieg - Frieden
    Im Februar 1420 diskutieren die Universitätsgelehrten über die Kriegsfrage. Zizka hatte die Frage vorgelegt angesichts der Bedrohung durch königliche Heere und der königlichen Entscheidung zum antihussitischen Kreuzzug. Die Magister erklärten unmittelbar vor dem Angriff des Kreuzzugsheeres sogar den "verpflichtenden Krieg". Der Krieg war also nicht von der Hussitenseite vom Zaun gebrochen.
    Es entspricht den historischen Tatsachen, das das hussitische Heerwesen erst im Ergebnis der andauernden Bedrohungen von außen entstand und entstehen mußte auf Gedeih und Verderb! Erst die wiederholten Einfälle der zahlenmäßig überlegenen Kreuzzugsheere zwangen die Hussiten zu einer neuen militärischen Taktik, mußten sie andauernd unter Waffen bleiben bei höchster Beweglichkeit und mußten sie sich eine neue militärische Disziplin zu eigen machen, die dem bezahlten Söldnertum furchterregend überlegen war!
  • Der Sieg der Herrschenden über die hussitischen Untertanen brachte nicht etwa Aufschwung oder wirtschaftliche Blüte, weil sie nun widerstandslos ihre Wünsche durchsetzen konnten, sondern es kam zu einem gesellschaftlichen Rückschritt! Die Geschichte Böhmens nach der Hussitenzeit ist die Geschichte zahlloser Königsparteiungen, schwerster Lasten für die Bauern, undurchschaubarer Rechtsunsicherheit für die Untertanen und ewig wiederkehrender Bürgerkriege. Es folgten Kämpfe zwischen Kaiser und Fürsten, Kämpfe zwischen Königen und Päpsten, zwischen Päpsten und lokaler Kurie, zwischen Königen und Landadel usw. Nur die Habgier konnte feiern. Böhmen geriet unter ausländischer Herrschaft!
Der Berg Tabor im 15.Jahrhundert
Der Berg Tabor im 15.Jahrhundert


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Notizen zum Thema Hussitenkrieg • begonnen: 5.Dezember 2008 • letzte Änderung: 2. Oktober 2015 • Dipl. Ing. Hans Holger Lorenz • (I) To - WB