Bauernrevolten und Bauernproteste in Nordamerika

Jahr Ereigniss Bemerkungen/Hinweise
1786 Aufstand des ⇒ Daniel Shays in den USA.
Beim Aufstand unter Daniel Shay im Staat Massachusetts ging es um die Beendigung von Zwangsvollstreckungen auf Bauernhöfen und gegen ungerechte Hypotheken. Zur Unterdrückung des Aufstandes wurden Truppen von der US-Regierung entsandt.
Als Ursachen galten die streng begrenzte Währung im Staat Massachusetts und die Einführung hoher Steuern.

Hinweis:
1776 Unabhängigkeitserklärung der Vereinigten Staaten.
1810 bis 1821 Massenaufstand der indianisch-mestizischen Bauernschaft in Mexiko.
Trotz beachtlicher Anfangserfolge wird die Bewegung niedergeschlagen, setzt jedoch lange den Partisanenkampf fort und erzwang den Vertrag von Cordoba (24.8.1821).

(Wichtig: Die Entwicklung verläuft aber gegensätzlich:
Durch Gesetze, die das Land zu Staateigentum erklärten und zugleich dessen Verkauf (!) an Geldgeber ermöglichten, verlor die indianische Bauernschaft bis 1910 72 Mill. ha Boden = 85 % des Bauernlandes!)


Zuerst richtete sich der Auftand gegen das spanische Kolonialjoch.Im Unterschied zu den Unabhängigkeitsbewegungen in den anderen spanischen Kolonien setzte sich die mexikanische Bauernrevolte für eine Rückgabe des Landes an die Indianer und für eine Bodenreform ein.
(Miguel Hidalgo Revolt?)
(Vicente Guerro?)
1867 Höhepunkt der "agrarischen Revolte" der Farmer in den USA
ist die Gründung der Patrons of Husbanddry unter Oliver Hudson Kelley.
Insbesondere die Bauern im Westen und Südwesten waren von den schweren Verschuldungen betroffen, deren Ursachen in der "unflexible Arbeit" der Banken und in der Frachtpreispolitik der Eisenbahngesellschaften zu suchen sind.
Binnenzölle und internationale Absatzprobleme für Getreide spitzten die Lage weiter zu.
Später entwickelt sich aus dieser Bewegung die "Peoples Party" (1892), die bis heute die erfolgreichste nationale "Drittpartei" in der Geschichte der USA darstellte!

Zum Programm dieser Partei gehörten u.a. die Forderungen:

  - nationales Kreditsystem für die Landwirtschaft
  - Verstaatlichung der Eisenbahnen
  - gesetzliche Festlegung des 8-h-Arbeitstages

Da diese Partei auch Forderungen wie z.B. die Beschränkung der Einwanderung im Programm enthielt, wird ihr in der Geschichtsschreibung seit den 1950er Jahren insbesondere eine feindliche Haltung gegen Immigranten und Antisemitismus vorgeworfen. Bei dieser hervorhebenden Argumentation gehen die sozialpolitisch richtigen Positionen in der Regel unter oder werden ganz verschwiegen.
1869
bis
1870
Aufstand der Mestizen der Red-River-Kolonie (Kanada)
unter Louis Riel.

(Siehe auch: 1884-85)


"Red-River-Kolonie", auch Assiniboia genannt, war eine 1811 von Lord Selkirk gegründete landwirtschaftliche Ansiedlung im Gebiet des heutigen Manitoba und der US-Staaten Norddakota und Minnesota mit irisch-schottischer-frankomestizischer Mischbevölkerung.

(1869 übernahm das britische Dominion alle Hoheitsrechte der Hudson's Bay Co. und begann die sogenannte "stürmische Erschließung des Westens". Der daraus resultierende regelrechte kapitalistische Landraub führte zum Aufstand.
Tatsache ist, das Kanada danach zum größten Hartweizenexporteur avancierte.



1884
bis
1885
"Nordwestrebellion" Wiederholte Aufstandsbewegung der sogen. Mestizen unter Louis Riel gegen den Landraub. Nach der Niederschlagung wurde Riel gehängt.
1890 (?) In den USA fliehen Tausende Farmer mit ihren Familien vor dem wirtschaftlichen Ruin und verlassen ihre Höfe.
Allein 18000 Planwagen wechseln so über das Ufer des Missouri.
Die Steuergesetzgebung benachteiligte die Bauern. Während Besitzer von Aktien und Obligationen ihre Papiere vor Steuerbeamten leicht verbergen konnten, waren Grundeigentum und Vieh für die Erfassung leicht zu zählen.
Zusätzlich hielt die von den Geldgeberkreisen gestützte Regierung "das Geld knapp."

Um 1890 häuften sich auch Naturkatastrophen: Dürre zerstörte die Ernten, Winterkälte tötete das Vieh und Flüsse traten über die Ufer.
1910 bis 1917 Die bürgerlich-demokratische Revolution in Mexiko.
Unruhen und Aufstand unter Führung des Großgrundbesitzers Francisco Madero, dem sich der Bauernführer Emiliano Zapata anschloß. Unter der Losung "tierra y libertad" gelang Zapata eine umfangreiche Landverteilung an die Kleinbauern.
Ebenso erfolgreich kämpfte die "Division del Norte", eine Reiter-Armee von mehreren tausend Viehtreibern, Kuhhirten,Bergarbeitern , landlosen Campesinos und Räubern unter Führung des "meistgesuchten Banditen Mexicos" Pancho Villa. Seine Armee überfiel die Militärzüge der Regierung , besetzte strategisch wichtige Eisenbahnlinien, verteilte Land und konfiszierte Sachwerte an mittellose Bauern .
1911 wird Ciudad eingenommen.
Im April 1919 wurde Zapata ermordet.
Die bis 1920 andauernden revolutionären Kämpfe wurden um den Bestand kollektiver Ländereien und um eine Bodenreform für die bedrohten Kleinbauern geführt.
Im Juli 1923 wurde Pancho Villa getötet.
1932 Farmer-Streik im Mittelwesten der USA.
Ruinierte Farmer schließen sich den Arbeitslosen-Aktionen und Hunger-Märschen, die von den Kommunisten mitorganisiert werden, an.
Arbeiter und Teilpächter im Süden beteiligen sich mit Aktionen.

I.Nationale Farmerkonferenz
Bildung der Nationalen Farmer-Streik-Assoziation.
Die Farmer-Bewegung kämpfte gegen die Boden-Konzentrationspolitik von Banken und Versicherungsgesellschaften, die zwischen
1930 und 1937 ein Viertel aller Farmen zur Schließung zwang und viele unabhängige Farmer in Pächter verwandelte.

Hinweis: Der Marsch der Veteranen des Weltkrieges nach Washington wird in der Stadt blutig niedergeschlagen. Die Armee setzt Kavallerie und Panzerwagen gegen die Bonus-Army ein.

Hinweis: Nationaleinkommen der USA sinkt von 81 Mrd.US-$ auf 42 Mrd. US-$.
1933 II.Nationale Farmerkonferenz in den USA. Gesetz über die Regulierung der Landwirtschaft u. Farmerhilfe
(Agricultural Adjustment Act v.12.5.)
Dieses Gesetz wird am 6.1.1936 vom Obersten Gericht wieder aufgehoben!


HW: Indian Reorganisation Act hebt Dawes-Gesetz von 1887 auf und gewährt Stämmen die Selbstverwaltungund und Steuerfreiheit für Grundbesitz.
1957 1958 Bauernunruhen und Streiks in Mexiko
Die mit der relativ zügigen Industrialisierung Mexikos einhergehende Verschlechterung der Lebenslage der Bauern und der Arbeiter löste eine Welle spontaner Bauernrevolten und Streiks aus, die von der Regierung mit politischen und militärischen Repressalien unterdrückt wurden.
Höhepunkt der Auseinandersetzungen Januar/Februar 1958
Die Aktionen richteten sich gegen die "Sozial"- und Preispolitik der Regierung Ruiz Cortines.

Guerillaorganisationen setzten den illegalen Widerstand noch längere Zeit fort. Ein Höhepunkt der Unterdrückungsmaßnahmen ist die Ermordung des Bauernführers Ruben Jaramillo und seiner gesamten Familie in Xochicalco 1962 während der Versuche friedlicher Verhandlungen.
1998 Bauernrevolte in Ciapas in Mexiko.
1998 ist Landhunger die Ursache für die Bauernrevolte in Chiapas. Die Gründe für die neue zapatistische Rebellion der Bauern gehen zurück bis zur Gesetzgebung von 1914, die damals den Nicht-Indigenas ermöglichte, den verarmten Kommunen im Hochland des südlichen Mexiko Gemeindeland "abzukaufen". Es entstanden Rinder-Großfarmen und Kaffee-Plantagen, auf denen die nun wieder landlosen Bauern in halbfeudale Abhängigkeit getrieben wurden.
Der Indigene Kongreß von 1976, der versuchte, mit legalen Mitteln eine Wende für diese Bauern herbeizuführen, brachte nicht die gewünschten Ergebnisse. 1992 beschloß die mexikanische Regierung eine endgültige Beendigung der Landreform.
Die Zapatisten erklären daher, das nur noch ein bewaffneter Kampf die Dinge ändern könne.
weitere Angaben dazu hier

Informationen u.a. zur Menschenrechtssituation in Chiapas (südlichster Bundesstaat von Mexiko)
unter www.chiapas98.de
2003 Großdemonstration der Bauern in Mexiko.

Am 31. Januar 2003 demonstrierten in Mexiko-Stadt rund 100 000 campesinos aus allen Landesteilen gegen die NAFTA. Auch zahlreiche Gewerkschafter schlossen sich der Bauerndemonstration an, die am Zocalo, dem zentralen Platz der Hauptstadt, endete. Dort machten sie auf einer Massenkundgebung ihre Forderungen öffentlich: Substanzielle Strukturreformen der Regierungspolitik, Abkehr von neoliberaler Agrarpolitik und Neuverhandlung des NAFTA.
Hinweis: NAFTA (Nordamerikanisches Freihandelsabkommen zwischen USA, Kanada und Mexiko)

Die mexikanische Revolution 1917 hatte den ejido unter den Schutz der Verfassung gestellt. Der ejido bezeichnet Staats-Land, das landlosen Bauern zur kollektiven, unbefristeten Nutzung übergeben wird. Das Land blieb stets Eigentum des Staates und war unverkäuflich. Festgeschrieben war dies seit der Revolution 1917 im Artikel 27 der mexikanischen Verfassung.

Mit Beginn der Verhandlungen über den NAFTA-Vertrag wurde dieser Artikel über kollektiven Landbesitz abgeändert. Die neoliberale Regierung Salinas hatte die Ursache für die geringe Produktivität und "Rückständigkeit" der mexikanischen Landwirtschaft in dem ejido ausgemacht. Die Regierung erklärte die Landverteilung für beendet und eröffnete gleichzeitig die Möglichkeit, Gemeindeland zu verkaufen und es so dem Zugriff des Kapitals auszusetzen. Das bedeutete zum einen die faktische Zerstörung des ejido-Systems und damit die Vernichtung der Lebensgrundlagen zahlloser Bauern- und Indígenafamilien. Zum anderen kündigte es das Selbstverständnis der nachrevolutionären mexikanischen Gesellschaft auf, das den Schutz der Bauern als wichtiger Säule der Gesellschaft und des Bodens als Nationaleigentum zum zentralen Bestandteil hatte.

Man schätzt, dass zwischen 500.000 und 700.000 Subsistenzbauern inzwischen die Landwirtschaft aufgeben mussten.
2006 Revolten in einer Provinz in Mexiko.
Der Widerstand auf einem Marktgelände für Kleinbauern gegen die Errichtung eines WAL-Markt-Centers in der Gemeinde Tecoco wird in der Stadt Atenco (Mexiko) mit einem unverhältnismäßigen Polizeieinsatz niedergeschlagen. Massenverhaftungen, Folter und Vergewaltigungen rufen 2006 schwerste Zusammenstöße zwischenLandarbeitern und Militär hervor. Es gibt sog. "Verschwundene" , politische Morde und Ausweisungen von Journalisten.
"Am 3. und 4. Mai 2006 gingen Bundes- und Landespolizei gemeinsam brutal gegen militante Proteste von Bewohnern des nahe Mexiko-Stadt gelegenen Dorfes San Salvador Atenco vor. Zwei Tote unter der Bevölkerung, vergewaltigte und sexuell mißbrauchte Frauen, Dutzende brutal zusammengeschlagene Menschen, wahllose Verhaftungen sowie nichtautorisierte Hausdurchsuchungen mit anschließender Verwüstung und Diebstahl gehörten zu den Folgen dieses Einsatzes."
Zitat aus JW 4.5.2007 Rückblick

In Österreich, Italien und Frankreich wurden die mexikanischen Konsulate aus Protest besetzt.

Anklageerhebung der deutschen Fotojournalistin Samantha Dietmar .

2006 Landbesetzungen und Stromausfälle in Kanada.
Indianische Landbesetzer fordern 2006 in Ontario ihr Land zurück. Es war ihnen 1784 von der britischen Krone als Kompensation für koloniale Inbesitznahme übereignet worden. Das Indianercamp der Irokesen wurde von Polizeieinheiten angegriffen. Unterbrechungen der Stromversorgung in weiten Gebieten schürten die Schärfe des Konflikts.
Ein Bau-Unternehmer beansprucht das Gebiet für die Errichtung von Wohnsiedlungen.
2008 Unruhen von Ejido-Bauern in Mexiko.
Bauern besetzten die archäologischen Stätten in Chincultik im Bundesstaat Chiapas und belagerten den Nationalpark Lagos de Montebello. Die Bauern errichteten Barikaden und wehrten sich gegen das Eindringen von etwa 250 Polizisten zu Pferd und zu Fuß. Die Polizei erstürmte das Gemeindehaus in Chincultik. Es gab gegenseitige Gefangennamen. Bei den Auseinandersetzungen wurden viele Bewohner verletzt und sechs getötet.
Ejidos sind sind traditionelle indigene Formen von individueller Nutzung gemeinschaftlichen Grundbesitzes.
Unstimmigkeiten über Nutzungen und Bezahlungen führten zu den Revolten.
(Junge Welt 8.10.2008 S.7)


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Notizen Bauernproteste / begonnen: 1.März 2006 / letzte Änderung: 16. März 2017 / Hans Holger Lorenz / (I) WB