Bauernaufstände    Bauernerhebungen    Bauernrevolten    Bauernproteste
in Mittel- und Südamerika


Jahr
Ereignis
Bermerkungen
1630 bis 1697 Quilombo von Palmares in Brasilien.
Von 1630 bis 1697 dauern die Existenzen der freien Wehrdörfer, die flüchtige angolanische Sklaven im brasillianischem Urwald gründen. Diese republikanische Bauernsiedlungen, Quilombos genannt, existierten in Brasilien oft nur wenige Monate. Der größte und berühmteste Quilombo von Palmares umfaßte fast 30 000 Einwohner und bestand über sechs Jahrzehnte!
Es gab mehrere Feldzüge gegen Palmares, erst die gedungenen bandeirantes unter Domingos Jorge Velho konnten den Quilombo erobern und zerstören. Dabei wurde der Anführer der Freiheitskämpfer Ganga Zumba (auch: Zumbi) getötet.
Von einigen Autoren wird Palmares als ethisch und religiös relativ tolerante Schwarzenrepublik bezeichnet, unterschiedliche Zeitangeben: 1630-1695, auch 1654-1694.
Der Anführer Ganga Zumba des Quilombos von Palmares hatte eine Ausbildung durch katholische Padres erhalten. Er wurde 1695 von Portugiesen hingerichtet.
1717 Aufstand der Tabakbauern in Kuba. Die Tabakbauern (Vegueros) erheben sich gegen das Tabak-Monopol. (?)

Hinweis:
Ab 1701 unter bourbonischer Herrschaft verstärkte sich der Zentralismus:
  - ab 1717 Tabak-Monopol
  - ab 1740 Außenhandels-Monopol (Real Compania)

1720 Aufstand der Tabakbauern in Kuba. (Siehe 1717)
1723 Aufstand der Tabakbauern in Kuba. (Siehe 1717)
1780 bis 1781 "Tupac Amaru II." in Peru.
In den 70er Jahren des 18.Jahrhunderts kämpft ein Kläger namens Jose Gabriel Condorcanqui einen langwierigen vergeblichen Rechtsstreit um Erbtitel und Erbland der Inkas. Nach dem Scheitern dieses Versuchs nennt er sich Tupac Amaru II. und führt ab 1780 den Aufstand gegen den Großgrundbesitz, gegen die zwangsweise Arbeitsrekrutierung (mita), gegen Verkaufssteuern, für den freien Warenverkehr und für ein neues Inka-Reich. Die Bauernarmee von mehreren Zehntausend ist anfangs erfolgreich , aber schlecht organisiert und unzureichend bewaffnet. Durch die schnelle Aufhebung des Zwangshandels verlieren die Condorcanquis in Peru an Einfluß.
Der Aufstand scheiterte im Mai 1781, Tupac Amaru II. wurde enthauptet.
Ein Erfolg des Aufstandes ist die Beseitigung des Zwangshandels.
1780 bis 1781 Revolten in Columbien.
1780 bis 1781 Comunero Revolt im Vicekönigtum von Neu Granada unter Manuela Beltran.
(Neu Granada heute Columbien)
1865 (?) "Morant-Bay-Rebellion" in Jameika.
Die Aufhebung der Sklaverei 1834 in Jameika brachte für die neuen Freien keine Verbesserungen. Die hohen "Mieten" zwangen die ehemaligen Sklaven erneut zur Zwangsarbeit auf die Plantagen. Sie flüchteten daher in das Landesinnere und wurden dort Kleinbauern. Neue Steuern und Landverteilungs-Gesetze sollten sie als Saisonarbeiter abhängig machen. Da brach die "Morant-Bay-Rebellion" gegen die Planzerologarchie aus. Der Aufstand der Kleinbauern wird 1865 blutig niedergeworfen. 439 "Schwarze" werden hingerichtet, darunter auch Frauen.
Infolge wird Jamaika britische Kronkolonie.
1893 bis 1897 Aufstand der Jaguncos in Brasilien.
In die Jahre 1896 bis 1897 fällt der → Krieg von Canudos in Brasilien. Landlose, entlaufene Tagelöhner und Indios sammeln sich seit 1893 unter Antonio Conselheiro, einem religiösen Sektierer im Dorf Canudos. 1895 hat es bereits 25 000 Einwohner, die Zölle und Steuerabgaben verweigern. Nach einjährigem Widerstand gegen vier Feldzüge ermordet das Militär der Zentralregierung am 5.Oktober 1897 die gesamte Bewohnerschaft.
Der → Krieg von Canudos in LA-Studien.
1912 Argentinien
Grito de Alcorta Rebellion, Aufstand kleiner und mittlerer Pächter gegen Großagrarier. Die Rebellion erschütterte die südlichen Provinz Santa Fe und die gesamte Region Pampas, konzentriert auf die Stadt Alcorta.
Im Verlauf der Bauernrebellion wird eine bedeutende Bauernorganisation, die Federacion Agraria Argentina geschaffen. (Sowj.Weltgesch.Bd.7.S.417)
1912 bis 1916 Bauernerhebungen im Süden Brasiliens - Der Umstrittene Krieg
Mit dem → Contestado-Krieg wird ein Guerilla-Krieg benannt, zwischen den als Messianisten verschrienen Anreinern, die ihren Boden und ihren Wald verteidigten und den von der Zentralregierung eingesetzten Militärs, die im Interesse eines transnationalen Trusts operierten. Vermutlich mußten dabei Zwanzigtausend Menschen ihr Leben lassen. Nach über vier Kriegsjahren, gekennzeichnet von Menschenjagt und mörderischen Gefechten, die die Contestado-Region erschütterten, legte man entgültig die Grenzen zwischen den Bundesstaaten fest. Die Macht der Großgrundbesitzer konsolidierte sich erneut, und der Raubbau an den Araukarienwäldern ging ungehindert weiter.
Es ging um den Boden, den Siedler seit Mitte des 19. Jahrhunderts bearbeiteten, die aber vom Bodengesetz von 1850 nicht berücksichtigt wurden. Den freien Bauern schlossen sich entlassene Arbeiter des Eisenbahnunternehmens der Strecke Rio Grande do Sul - Sao Paulo an, die vornehmlich für den Raubbau an den Araukarienwäldern von einer US-amerikanischen Firma errichtet wurde. Contestado unter Jose Maria. The Contestado was a disputed area of some 40.000 sq km along the Santa Catarina-Paraná border (the word contestado meaning "contested" or "disputed"). From 1912-1917, it was the location of a peasant rebellion led by a charismatic Catholic conservative known as Brother João Maria. The immediate cause was a reaction to the activities of American railroad builders' bringing in outside labor.
1921 Landarbeiteraufstände in Argentinien.
1921 werden in die Landarbeiteraufstände in Patagonien gewaltsam unterdrückt. Die Großgrundbesitzer und die Handelsbourgeoisie konnten aus den Fleisch- und Weizenlieferungen an die Alliierten während des I.Weltkrieges Riesengewinne erzielen. Die Landarbeiter leben weiter in sozialer Not und leiden unter einem willkürlichen Pachtsystem.
 
1928 bis 1930 Bauernaufstände in Bolivien.
Zunehmender Raub von Gemeindeland und chronische Wirtschaftsprobleme führen 1928 bis 1930 zu großen Bauernaufständen.
Zwischen 1922 und 1928 stiegen die US-Kapitalanlagen im Land auf das 11-fache. Die USA erhalten die Erdölkonzessionen, darunter die Standard-Oil-Gruppe. Die bolivianische "Staatsschuld" hat sich gleichzeitig verzehnfacht!
1934 Streik der Plantagenarbeiter in Costa Rica. Die streikende Plantagenarbeiter erzwingen soziale Reformen der Regierung unter Calderon Guardia.
1947 bis 1948 "Inka" Manuel Andina in Bolivien.
Zwischen 1947 und 1948 kommt es zu Bauernaufständen in Bolivien.
Diesen Erhebungen folgen 1949 große Bergarbeiterstreiks.
1950 bis 1953 Im Bürgerkrieg in Kolumbien (La Violencia) setzen sich die Bauern gegen den Bandenterror der Großgrundbesitzer zur Wehr.
Eine klerikalfaschistische Diktaturform, die mit mittelalterlichen Methoden den Protestantismus im Land beseitigen will, führt zum blutigen Bürgerkrieg. Erst 1957 konnten die verschiedenen Diktaturen gestürzt werden.
Die Bauern gründen Selbstschutzeinheiten gegen die Banden der Großgrundbesitzer.

Hinweis: 1952 schließt die Regierung mit den USA ein Militärabkommen ab.
Kolumbien beteiligt sich als einziges lateinamerikanische Land am Korea-Krieg.
1957 Bewaffnete Bauernpartisanen in Kolumbien
beteiligen sich am Kampf gegen General R.Pinilla und unterstützen damit Streiks und Studentenerhebungen.
Im gleichen Jahr wird die Diktatur gestürzt.
1959 Radikale Agrarreform in Kuba.
Der Großgrundbesitz wird abgeschafft. Es werden Volksgüter und Produktionsgenossenschaften gegründet.
Hinweise:
  - Einmarsch der Rebellenarmee
     unter F.Castro in Havana am 2.1.1959
  - Gesetz über die Agrarreform am 17.5.1959
  - Nationalisierung von 36 Zuckerfabriken (6.8.1960)

Cuba aktuell


1964 Bewaffnete Bauern in Kolumbien verteidigen sich gegen Vertreibung.
Zuerst versuchten die Bauern militärischen Auseinandersetzungen auszuweichen. Gesandte der Süd-Regionen baten die Regierung, eine Eskalation zu vermeiden und um Entwicklungshilfe. Die Regierung folgte dem in den USA entwickelten Plan "Laso". Luftangriffe zwangen die Landbewohner zur militärischen Verteidigung.
Die zweite Operation Marquetalia von 16.000 Mann Spezial-Truppen dringt nach schweren Bombardierungen der Dörfer in die Gebiete Marquetalia, Rio Chiquito, Pato und Guayabero ein.
Die Revolutionären Streitkräfte Kolumbiens (FARC), eine der bewaffneten Organisationen des Widerstandes, verteidigen das soziale Bestreben der Kleinbauern um eine gerechtere Aufteilung des Bodens.
1971 bis 1972 In Kolumbien besetzen Kleinbauern und Landlose zahlreiche Latifundien. Diese Aktionen erzwingen einige Reformen. Die sozialen Probleme auf dem Land bleiben ungelöst.
1996 Protestmarsch von landlosen Bauern in Brasilien.
Bei einem Protestmarsch in der Gemeinde Eldorado dos Carajas (Para) sterben neunzehn Menschen durch Polizeikugeln.
Bei diesem Massaker (17.4.)kommen 19 Anhänger der MST (Bewegung der Landarbeiter ohne Boden) in Brasilien ums Leben. Als Reaktion darauf wird das Außerordentliche Ministerium für Grund- und Bodenpolitik eingerichtet. Ihm wird das INCRA zugeordnet. (Siehe auch 2006)
1998 1998 verlassen in Kolumbien die Kleinbauern in einem Massenexodus die Region Magdalena Medio. (keine Daten zur Verfügung-HL)
2000 In Bolivien wurden alle Zufahrtsstraßen zur Hauptstadt von den Bauern besetzt
und der Transport für alle landwirtschaftlichen Produkte unterbrochen. Die Proteste richteten sich nicht nur gegen das Verbot des Anbaus der Kokapflanzen, sondern auch gegen die neoliberale Wirtschaftstpolitik der Regierung. Im Landesinnern kam es zu bewaffneten Auseinandersetzungen zwischen Bauern und Militär. In den Städten gingen Soldaten brutal mit den Demonstranten um, die den Rücktritt der Regierung und die Entmachtung der korrupten Elite forderten.
Die Proteste richteten sich auch gegen die Privatisierung der Wasservorkommen und für eine Überprüfung der Agrarreform.
2002 Bauernunruhen in Peru.
Im Juni 2002 ging in Puerto Maldonado das Landwirtschaftsamt in Flammen auf.
Umweltschutzorganisationen und offizielle Stellen wurden von den Bauern attackiert.
Die staatliche Linie der Landwirtschaftspolitik verschlechterte die soziale Lage der Kleinbauern in den Waldgebieten.
2002 Sonderzonen in Kolumbien.
Die Regierung von Kolumbien verfügte 2002 den Ausnahmezustand und die Errichtung militärischer Sonderzonen.
Etwa drei Millionen Bauern wurden durch Rinder-Großfarmen und Großplantagen für Palmenzucht von ihrem Land vertrieben. Eine massive Guerilla existiert in den Koka-Gebieten.
2004 Landbesetzungen in Paraguay
In seiner Diözese führte Bischof Lugo den Kampf gegen die Armut, unter anderem mit der Gründung von Gemeinschaftsgärten und Konsumvereinen, Protestaktionen und Landbesetzungen.
Lugo stand in engem Kontakt mit den Bauernorganisationen. Dabei war er ein führender Agitator und prangerte die Gewaltexzesse der Sicherheitskräfte an. Im selben Jahr wurde er – ohne offizielle Begründung – als Bischof in den vorzeitigen Ruhestand versetzt(?)
2006 Straßenblockaden in Venezuela.
Aus Unzufriedenheit über die Versprechen zur Landreform blockieren 2006 in Venezuela die Bauern alle Straßen zur Hauptstadt. .
Ihre Proteste richten sich auch gegen Korruption und Auftragsmorde. Seit der Verabschiedung der Landreform wurden über 160 Aktivisten der Bauernbewegung ermordet
2006 Angriff auf Parlamentsgebäude in Brasilien.
Hunderte besitzlose Landarbeiter erstürmten und demolierten am 6. Juni das Parlamentsgebäude in Brasilia. Im Mai war von ihnen die Nationalbank in Brasilia besetzt worden. Im Bundesstaat Sergipe blockierten Tausende die Bundesstraße BR101, zugleich wurde der Sitz der INCRA (Agrarreformbehörde)im Bundesstaat Ceara besetzt. Hunderte Landlose hielten eine Mahnwache vor dem Justizministerium in der Stadt San Pablo.
Die Landarbeiter fordern eine bessere Durchführung der Bodenreform. Diese wurde in parlamentarischen Arbeitsgruppen in den vergangenen Jahren zerredet und blockiert.
Mehr über die MST und MLST (Befreiungsbewegung der Landlosen Bauern)
2006 Klageeinreichung in Honduras.
Indigene und ökologische Organisationen wollen 2006 auf Grundlage der Konvention 169 der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) gegen eine Landvermessung auf dem indigenen Territorim des Biosphärenreservats Rio Platano klagen, wenn diese nicht unverzüglich abgebrochen wird.
Die amtliche Vermessung soll als Grundlage "für eine wirtschaftliche Nutzung" des bislang von Ureinwohnern besiedelten Gebietes dienen.
Seit 2004 wird ein Vorhaben zur Erstellung eines Bodenkatasters innerhalb des 8000 Quadratkilometer großen Reservats mit Hilfe der Bundesrepublik Deutschland vorangetrieben. Das Katastervorhaben führt zur Spaltung der Gemeinden, zu Korruption, illegaler Abholzung und zur Ausdehnung der Agrargrenze.
2006 Landbesetzungen in Brasilien.
In Brasilien besetzten mehrere Hundert Familien im November 2006 brachliegende Fazendas in den Bundesstaaten Sao Paulo, Parana, und Rio Grande do Sul. In Curitiba wurde die Agrarreformbehörde INCRA belagert. Landbesetzungen auf unproduktiven Ländereien sollen legalisiert werden. Die Daten (von 1975) über unproduktiv eingestuftes Land sollen endlich aktualisiert werden. Großgrundbesitzer lassen oft Land als "unproduktiv" einstufen, um einer Enteignung zuvor zukommen!
Das dieses Land in Wirklichkeit genutzt werden kann, beweisen die Ergebnisse des Landgutes Anonni, auf dem 420 Familien jährlich u.a. 150000 Sack Mais, 20000 Sack Weizen, sechs Millionen Liter Milch produzieren und 5000 Schweine sowie 800 Rinder halten. Die 9000 ha wurden enteignet, weil sie als unproduktiv galten!
(Siehe auch Ereignisse in Brasilia v. 6.Juni 2006)

Die Landlosenbewegung will eine beschleunigte Umsetzung der Agrarreform.
2007 Allianz der Landlosenbewegung MST und der Landarbeitergewerkschaft in Brasilien.
Etwa 2000 Aktivisten besetzen Fincas, um eine dauerhafte Ansiedlung zu erreichen.
Die Regierung bezeichnet diese Aktionen als illegal, die im reichen Bundesstaat Sao Paulo stattfinden.
Die gewerkschaftliche Unterstützung, die aus den Städten kommt, ist eine bisher nicht erreichte gemeinsame Aktion von MST und der Landarbeitergewekschaft, die dem Dachverband CUT angehört.
Hinweis: Oft werden von den Grundbesitzern Landgebiete als unproduktiv gekennzeichnet, um den Großgrundbesitz vor Enteignung zu sichern! Die staatliche Landreformbehörde INCRA bestätigt, das die Mehrheit der besetzten Ländereien als unproduktiv eingestuft sind!
Jungen Welt vom 26.2.2007
2007 Protestdemonstrationen von Tausenden von Kleinbauern in Brasilien anläßlich des Staatsbesuches des Präsidenten der USA. Der Protest richtet sich gegen die Verdrängung der Nahrungsmittelproduktion zugunsten des Bioalkohols.
Hintergrund ist dabei die berechtigte Befürchtung großer Monokulturflächen für die Bioalkohol-Sorten, die nicht für die Nahrung verwendet werden können. Neben dem Verlust ihrer Kleinflächen befürchten die Bauern auch einen erhöhten Nahrungsmittelimport billiger Produkte, da der Bedarf im Innland aus eigener Produktion nicht mehr gedeckt werden kann.
Junge Welt 14.3.2007
2007 (nur als Lit.-Hinweis!)
"Krieg gegen den Großgrundbesitz" in Venezuela.
"Noch während Hugo Chávez in seinem Programm «Aló Presidente» am Sonntag einen «Krieg gegen den Grundbesitz» ankündigte, kam es im Bundesstaat Apure, im zentralen Westen an der Grenze zu Kolumbien, zu bewaffneten Zusammenstößen mit mutmaßlichen Drogenbanden. Die Armee hatte zuvor den Auftrag bekommen, in sieben Bundesstaaten 16 Ländereien mit einer Gesamtausdehnung von mehr als 300.000 Hektar zu übernehmen. Die venezolanische Regierung wirft den bisherigen Besitzern vor, über keine gültigen Landtitel zu verfügen und den fruchtbaren Boden brachliegen zu lassen."
Zitat aus "Die Linkszeitung", 29.03.2007

linkszeitung.de/content/view/100844/1/
Venezuelas Armee erobert Rückzugsgebiet von Kokainbanden
Aus Land von Drogenbaronen wird «sozialistisches Agrarmodell»
Von Harald Neuber, Caracas, Mittwoch, 28. März 2007
2007 Kleinbauerndemonstration in Costa Rica.
Lorenzo Mendez (nationale Vereinigung costaricanischer Kleinbauern UNAC) erklärte in San Jose: "Unsere Kämpfe gleichen sich auf der ganzen Welt. Überall kämpfen wir gegen ... Neoliberalismus...".
Die Aktivisten der "Agrarfront" gedachten gleichzeitig der Opfer der Attacke auf Landlose am 17.April 1996 im brasilianischen Carajas, bei der 19 Demonstranten getötet wurde.
Protest gegen das CAFTA-Freihandelsabkommen
(spanisch TLC) mittelamerikanischer Staaten mit den USA.
Junge Welt v. 19.04.2007 S.7
2007 Bauernführer in Peru erschossen
Lima. Bei einer Demonstration für billigeres Saatgut und staatliche Unterstützung für den Agrarsektor ist am Dienstag ein peruanischer Bauernführer erschossen worden. Jorge Altamirano sei in der südöstlichen Stadt Andahuaylas tödlich getroffen worden, sagte der Polizeichef. Hunderte Menschen hätten sich an dem Marsch beteiligt und dann, so der Sprecher, die Polizisten mit Steinen und Knüppeln angegriffen. Die Polizei hätte daraufhin »versucht, die Menge unter Kontrolle zu bringen« und geschossen. Der örtliche Feuerwehrchef Alibar Serrano berichtete von mindestens 21 Verletzten. Medienberichten zufolge blockierten mindestens 1000 Hochlandbauern und Indios die wichtigsten Straßen nach Andahuaylas. Nach dem Tod Altamiranos setzten die Demonstranten die Aktionen fort.

In Peru sind innerhalb von zwei Wochen bei Streiks und Protesten drei Menschen ums Leben gekommen.
(AP/jW)
Junge Welt 18.7.2007
2007 "Rückeroberung der Felder" in Paraguay
Durch Landbesetzungen konnte in der Provinz Caaguazu, wo die Organisation Movimiento Agrario y Popular (MAP) aktiv ist, die Ausbreitung der Monokulturfelder für Soja vorerst aufgehalten werden.
Die Sojaproduzenten antworten auf solche Erfolge mit "Sicherheits-Teams" aus arbeitslosen Jugendlichen, die die organisierten Bauern einschüchtern sollen. In Paraguay wurden in den letzten 4 Jahren mehr als 30 Bauern durch Regierungstruppen getötet.
In Paraguay ist die Landverteilung extrem konzentriert: 1% der Landbesitzer halten 77% des Landes. Diese Besitzkonzentration und der Mangel an Lebensqualität in den Städten führte zu einer wachsenden Zahl von Landbesetzungen, besonders von öffentlichem Land, das illegalerweise an Sojaproduzenten verkauft wurde!
2008 Militante Bauernproteste in Argentinien
Autobahnen wurden mit Landtechnik blockiert, ein Lastwagen in Brand gesetzt und Sojabohnen auf die Fahrbahn gestreut. Ähnliche Streiks und Protestaktionen wurden aus der Pampa gemeldet.
Bei den größten Demonstrationen in Argentinien seit dem Sturz von Präsident Fernando de la Rua Ende 2001 haben landesweit Zehntausende gegen die Agrarpolitik protestiert. Auslöser für die Demonstrationen war die harte Haltung der Regierung im Streit mit Landwirten, die sich mit Straßensperren gegen neue Steuern wehren. In der Hauptstadt Buenos Aires kam es auf dem Mai-Platz vor dem Präsidentenpalast zu Rangeleien zwischen Gegnern und Anhängern der Regierung.
Der Streik der Bauern zielt auf Versorgungsengpässe in den großen Städten. Die dadurch ausgelöste Knappheit und Verteuerung von Nahrungsmitteln könnten der Regierung gefährlich werden.
Die Bauern protestieren gegen eine Erhöhung der Exportsteuern auf Sojabohnen
Die argentinische Landwirtschaft hat in den vergangenen Jahren Dank der hohen Weltmarktpreise ihrer Erzeugnisse und wegen der unterbewerteten Landeswährung Peso so gut wie schon lange nicht mehr verdient. Von diesem Mehrwert versucht der Staat angesichts einer noch immer großen Armut große Teile abzuschöpfen und umzuverteilen. Zugleich sollen die immer höheren Exportsteuern die Waren auf den Inlandsmarkt umlenken und damit die stark anziehende Inflation abmildern. Auslöser des Streits waren neue progressive Exportsteuern, die desto höher werden, je höher der Weltmarktpreis für Soja klettert. Ab 600 Dollar (400 Euro) je Tonne würde der Staat jede Erhöhung der Einnahmen fast vollständig abschöpfen. Derzeit liegt der Preis aber nur bei etwa 470 Dollar. Die überwiegend konservativ geprägte Bauernschaft und die ebenfalls eher konservative Mittel- und Oberschicht kritisiert dies jedoch als "Raub". Tagesspiegel am 26.3.2008 und Yahoo-Nachrichten 20.3.2008
Bauern für Streikpause Die argentinischen Landwirte haben am 2.4. beschlossen, die seit drei Wochen andauernden Lieferungsstopps und Straßenblockaden für 30 Tage auszusetzen. Mit dem vorläufigen Ende des Ausstands solle die Grundlage für einen Dialog mit der Regierung geschaffen werden. Auslöser des Streiks war ein Beschluß der Regierung, die Abgaben auf Sojaexporte um neun Prozent auf 44,1 Prozent zu erhöhen. Junge Welt am 4.4.08
2008 Peru:    Bauern errichten Barrikaden an der Panamaericana.
Die Regierung rief den Notstand aus und setzte die Armee ein, deren blutiges Vorgehen vier Todesopfer kostet.
Die Bauern fordern unter anderem subventionierte Preise für Naturdünger, Regelung des Wasserverbrauchs und Schutz gegen die Auswirkungen von Freihandelsabkommen mit den USA.
www.labournet.de/internationales/pe/ in LabourNet Germany
2008 Kleinbauern und Landlose fordern von der neuen Regierung - des ehem. Bischofs Fernando Lugo - Paraguays eine gerechtere Verteilung des Bodens.
Seit April kommt es zu gewaltsamen Zusammenstößen zwischen Landlosen und paramilitärischen Trupps der Latifundistas. Kleinbauern haben etwa 200 Lager vor großen Haciendas aufgeschlagen und an mehreren Tagen Fernstraßen im Landesinneren blockiert.
Die MCP (= Movimiento Campesino Paraguayo ) wurde Ende der 1980er Jahre gegründet für eine Landreform und für die Selbstorganisation und Unabhängigkeit der Kleinbauern.
Deren Aktivist Marclino Corazon Medina kritisierte den Plan der Regierung als "neoliberal", weil behauptet wird, es gäbe kein staatliches Land zu verteilen. Dem Staat fehle das Geld, um private Ländereien aufzukaufen.
(JW 4.10.08; AP 2.10.08)
2012 Paraguay     -     Das Massaker von Curuguaty
In Sachen Landreform kam die Regierung Lugo (siehe Jahr 2004) trotz aller Ankündigungen nicht voran. Im Mai (2012) verloren Demonstranten die Geduld und besetzten Land, das sich ein Großgrundbesitzer und ehemalige Funktionär der konservativen Colorado-Partei illegal angeeignet hatte. Als sie vertrieben werden sollten, kam es am 15. Juni zu einem Feuergefecht. Dabei wurden elf Bauern und sechs Polizisten getötet. Die Regierung Lugo wurde daraufhin von der Lobby der Großgrundbesitzer und der Agrarindustrie zum Rücktritt gezwungen. Es wird vermutet, das diese Lobby in Curuguaty eine politische Falle gestellt hatte. Die landbesetzenden Kleinbauern haben sofort bei der Agrarbehörde INDERT eine Enteignung beantragt. Es wird weiterhin vermutet, dass Provokateure infiltriert wurden, um Gewalt anzuheizen. Augenzeugen berichteten von Scharfschützen, die aus dem Hinterhalt das Gefecht begannen, während die Besetzer nur alte Gewehre besaßen. Zugleich ist die Region ein Zentrum des Marihuana-Anbaus. Es gibt daher viele Verbindungen von den Großgrundbesitzern zum organisierten Verbrechen und den traditionellen Parteien, die gegen Lugo waren.
Anfang Dezember vermeldet man, das einer der Führer der Bewegung landloser Bauern bei einem Attentat erschossen wurde. Wie die Polizei in der Provinzhauptstadt Curuguaty mitteilte, wurde Vidal Vega von mehreren Kugeln getroffen, die zwei Attentäter entkamen unerkannt.
Viele noch von der Regierung Lugo begonnene Reformen wurden vom neuen Regierungschef gestoppt:
  • eine Soja-Ausfuhrsteuer,
  • eine Grundsteuer
  • Prüfverfahren vor der Einführung von gentechnisch verändertem Saatgut
  • Prüfungsordnungen vor der Ansiedlung von Industriebetrieben mit großen Umweltbelastungen.

Die neue Regierung kündigte ebenfalls an, gentechnisch verändertes Saatgut für Mais und Baumwolle per Dekret sofort zuzulassen zu wollen ohne die gesetzlich vorgeschriebenen Untersuchungen. Der Monsanto-Konzern und das gesamte Agrobusiness stimmen dem zu.
Anfang Dezember 2012 von wissen.dradio.de/nachrichten.58.de.html?drn:news_id=164577 und
www.freiepresse.de/NACHRICHTEN/WELT/Bauernfuehrer-in-Paraguay-erschossen-artikel8173286.php
2013 Kolumbien
In Kolumbien streiken landesweit Hunderttausende Bauern und Landarbeiter, unterstützt durch Fernfahrer, Studenten und andere Bevölkerungsteile. In zahlreichen Regionen kommt es zu Demonstrationen und Kundgebungen, auch zur zeitweiligen Blockade wichtiger Fernverkehrsstraßen. Zu dem Ausstand aufgerufen hatten Bauernverbände, Indígena-Vereinigungen, das Linksbündnis Marcha Patriótica und Gewerkschaften. Dabei kam es auch zu gewaltsamen Zusammenstößen mit der Polizei.
Die Bauern werfen der Regierung vor, keine Gewinne mehr mit ihren Produkten erwirtschaften zu können. Besonders die Produzenten von Kartoffeln, Mais und Milch beklagen, dass sie seit dem Inkrafttreten von Freihandelsabkommen mit Europa und den USA nicht mehr mit den niedrigen Preisen konkurrieren könnten.
Die Bauern sehen sich durch die Freihandelsabkommen um ihre Existenz gebracht.

JW 27.08.2013, www.suedtirolnews.it/d/artikel/2013/08/27/bauern-proteste-in-kolumbien-dauern-an.html,
Video: http://www.sueddeutsche.de/politik/bauern-proteste-in-kolumbien-dauern-an-1.1755553
2014 Peru
Im Norden von Peru ist es zu Ausschreitungen zwischen Polizisten und Landbesetzern gekommen. Die Bauern leisteten Widerstand bei Geländeräumung durch die Polizei. Zwei Monate lang besetzten die Bewohner staatliches Land, das als verlassen galt. Die Bauern beanspruchen das Gebiet, um sich darin ihren Lebenunterhalt zu erarbeiten.
Auf Anordnung eines Gerichts hat die Polizei in Peru dieses von Bauern besetztes Gebiet geräumt.
Q: 17.04.2014, 07:47 00:39 Min. / Thomson Reuters / auch: arte


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Notizen über Bauernrevolten / 09.02. 2015 / © Hans Holger Lorenz