Lucas Cranach der Ältere (1)           Vertreibung der Wechsler aus dem Tempel

Lucas Cranach d.Ä.
                                                                                            Austreibung der Wechsler Austreibung der Wechsler
Lucas Cranach d.Ä. (1510)
Gemäldegalerie Alte Meister / Staatliche Kunstsammlungen Dresden

Inventar-Nr. Gal.-Nr. 3861 - Öl auf Lindenholz
Auch für Lucas Cranach könnte die Bezeichnung eines frühkapitalistischen Unternehmertypen zutreffen. Er besaß, ganz wie Tilman Riemenschneider eine ähnlich große Werkstatt, allerdings nicht in Würzburg sondern in Wittenberg, in der er zeitweilig bis zu zehn Gesellen arbeiten ließ. Aufträge erhielt seine Firma aus nah und fern, von Protestanten wie von Katholiken. Selbstredend nahm er liebend gern Aufträge von reichen Fürsten und Handelsherren an, folgte sogar einem seiner Dienstherren, dem Herzog Johann Friedrich dem Großmütigen in die Gefangenschaft nach Augsburg. Zuvor wirkte er mehrmals als Bürgermeister und Ratsherr. Als einen unpolitischen Künstler kann man Lucas Cranach wahrlich nicht bezeichnen, obwohl er oft klug genug den Weg politischer Korrektheit seiner Zeit selten verließ. Aber seine Sympathie für die Reformation und für die Reformatoren verhehlte er nie, er verherrlichte oft die römisch republikanischen Bürgertugenden. Seine Lutherbildnisse zeichnen sich durch realistische Wahrheitstreue aus, auch das ist neu in dieser Zeit des gesellschaftlichen Übergangs vom Mittelalter in die frühe Neuzeit, in dieser frühbürgerlichen Revolution.

Besonders in den ersten beiden Jahrzehnten des 16. Jahrhunderts sind die Auseinandersetzungen um die Folgen einer umbruchartigen Entwicklung der Wirtschaft zur Geldwirtschaft bis in die obersten Ebenen der Gesellschaft gelangt. Ein Ausdruck offensichtlichster Bereicherungsexzesse ist der Ablaßhandel des Papstes, ein anderer der einsetzende Überseehandel mit Sklaven. Ein weiterer, gerade in den deutschen Landen sich ausbreitender Mißbrauch der Geldwirtschaft ist der Furkauf.
Nicht nur der Mönch Luther ist in das Aufbegehren gegen die Auswüchse der Habgier verwickelt, auch Professoren wie Konrad Summenhart , Juristen wie Christoph Küppener und selbst der Reichstag und der Kaiser nehmen zumindest ablehnende Positionen ein. Eine Tempelreinigung macht sich notwendig.
Cranach, selbst Unternehmer und bestimmt nicht zimperlich im Marktgeschehen, empfindet ebenfalls höchste Verachtung für diese widerlichen Erscheinungen und greift mit seinem Werk Vertreibung der Wechsler aus dem Tempel in die politisch-religiösen Kämpfe direkt ein.
Nach der Niederlage der Bauern, der einsetzenden gesellschaftlichen Stagnation und der territorialen und religiösen Zersplitterung verlieren auch die bildenden Künstler in den deutschen Landen an schöpferischer Entdeckungskraft. Glaubenskriege und Hexenverbrennungen werden die Zukunft kennzeichnen. Eine historische Chance war vertan.

Fortsetzung: zum Bildnis
Kopf eines Bauern

Kopf eines Bauern

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Notizen zum Bauernkrieg ♦ Dipl.Ing. Hans Holger Lorenz ♦ letzte Änderung: 3. April 2013 ♦ HLorenz500@aol.com ♦ WB To