Bauernaufstände und Bauernrevolten in Asien in der Neuzeit

(ab 1825 und einschließlich Kleinasien und Naher Osten)

Hinweis: ungesicherte Angaben sind mit einem (?) gekennzeichnet.
1825
bis
1830
"Dwajanische Krieg" in Indonesien.
Unter Führung von Diponegoros, der sich zum Sultan ausrufen läßt, kämpfen die Bauern gegen die niederländischen Kolonisatoren auf der Insel Djawa.
Nach der Niederschlagung führen die Kolonisatoren 1830 das System der Zwangskulturen ein. Es beschränkt die Anbaufläche für Reis und löst in der Folgezeit periodische Hungersnöte aus.
1834 Aufständische Bauern besetzen die Stadt Jerusalem in Palästina.
1842 bis 1843 Bauernaufstand auf den Philippinen
unter Führung von Apolinario de la Cruz
Durch die Liberalisierung im Welthandel werden verstärkt Exportprodukte (Tabak, Zucker, Kopra, Manilahanf) angebaut.
Monokulturen breiten sich aus und verstärken die Ausbeutung der Bauern.
Sozial-religiöse Sekten organisieren den Widerstand (z.B.(?) die "Palaan" = die "Roten", so nach der Kleidung benannt)
1847 bis 1852 Aufstände der Babisten in Persien.
Kleinbürger und Bauern erheben sich gegen alte feudale Strukturen. Die Aufstände werden außerordentlich brutal niedergeschlagen.
Stark religiös getragene Widerstände gegen einheimische Feudalherren und englische sowie russische Kolonialbestrebungen.
1850 Bauernaufstand in Niris (Persien)
Während der Aufstände der Babisten (1847-1852) erobern solidarisierende Bauern Niris und setzen den Kampf nach ihrer Niederlage als Partisanenkrieg aus dem Gebirge bis zur endgültigen Niederschlagung fort. Alle Gefangenen wurden von den Regierungstruppen getötet, die Anführer nach Folter öffentlich hingerichtet.
Kriege gegen das Ausland, die Umwandlung von Naturalsteuer in Geldsteuer und Pachtzinsen (2/3 ...4/5 der Ernte) durch eine neue Schicht von Grundbesitzern waren die Ursachen des Aufstandes. Anlaß des spontanen und schlecht organisierten Bauernaufstandes war jedoch die blutige Niederschlagung der Babistenerhebung in Niris .
1851/1864 Der Aufstand der Taiping in China.
Die von Hung Hsiu-tjüan (auch Hong Xiuquan) und Yang Hsiu-tjing u.a. angeführte Taiping-Revolution ist der größte Bauernaufstand in der modernen chinesischen Geschichte (Jiang Zemin). Sie proklamierten 1851 in SW-China das "Himmelsreich des Großen Friedens" (Taiping-tiängou) und errichteten 1853 in Nandjing ihre Hauptstadt. Ihre christlich beeinflußte bäuerlich-demokratische Ideologie beruhte auf der Anerkennung der Gleichberechtigung der Geschlechter und aller Menschen und Völker. Sie wollten den Gemeinbesitz z.B. an Boden und die gemeinsame Nutzung aller Güter, ohne diese Prinzipien jedoch verwirklichen zu können.
Von der Tjing-Dynastie wurde der Aufstand mit Hilfe amerikanischer, britischer, französicher und indischer Truppen blutig niedergeworfen. Der "Himmelskönig" Hung Hsiu-tjüan starb im Juni 1864.
Teile der aufständischen Armee setzten ihren Widerstand noch bis 1868 fort.

Siehe auch: Der Jintian-Aufstand in China.
1858 Ein Bauernaufstand im nördlichen Libanon
verjagt die Feudalherrenfamilie Khazins aus dem Distrikt Kisrawan.

1860 Ein Aufstand maronitischen Bauern gegen drusische Feudalherren im südlichen Distrikt Libanons.
Den drusischen Notablen gelang es , ihre Glaubensgenossen und die Muslime sowie einige griechisch-orthodoxe Anhänger gegen die Maroniten aufzubringen. Tausende Christen wurden getötet, Zehntausende mußten fliehen.Besonders in Deir al-Qamar kam es zu Massakern.
Die Bauernführer des nördlichen Aufstandes unterstützten nicht die Bauern des südlichen Distrikts, und so wurden die maronitischen Bauern besiegt.

1861 bis 1863 Bauernaufstand in in den chinesischen Provinzen Shandong und Henan.
Die Organisation des "Schwarzen Banners" kämpft auf Seiten des großen Bauernauernaufstandes.
1864 Bauernaufstand in Korea.
Gegen das feudale Erbklassensystem der Yangban erheben sich die Bauern in Chinju und gründen eigene Regierungen. 1864 wird der Führer der Tonghak-Rebellen hingerichtet.
seit 1886 Seit 1886 werden bewaffnete Zusammenstöße zwischen Bauern und Neusiedlern in Palästina dokumentiert. Die Siedler erwerben von den osmanischen Großgrundbesitzern Ländereien, um dann die auf diesem Boden seit Jahrhunderten wirtschaftenden Bauern zu vertreiben. Die wirtschaftlich florierende Region bewohnten zuvor etwa siebenhunderttausend Bauern und Händler verschiedener Nationalität und religiöser Zugehörigkeit
1894 bis 1895 Der Tonghak-Aufstand (Dong-Hag) in Korea
fordert das feudale Herrschaftssystem heraus. Der Tonghak-Religionsbegründer Tschö Che-U formuliert: "...der reiche Mann wird in Zukunft ein armer sein... die armen Menschen werden die reichen sein. Habt ihr gewußt, daß wir zur Gleichheit zurück gehen?"
Auslöser des Aufstandes waren besonders ungerechte Handlungen des Distriktvorstehers in Kobu. Der Bauernaufstand wurde mit ausländischer Hilfe (japanische und chinesische Truppen) niedergeschlagen.
Im anschließenden Landvermessungsprojekt verlieren die Bauern ihre Besitzrechte, weil sie die eingeforderten Steuern dafür nicht bezahlen können. Danach geht der Boden an ausländische Großgrundbesitzer.
1899 Die Ausbreitung der Bauernaufstände in China
(Shanzi, Henan, Innere Mongolei)
führt zum sogenannten "Boxeraufstand".
Yihetuan-Aufstand

1902 Bauernerhebung in China.
(Provinz Zhili, heute Hebei) unter der Losung "Stürzt die Qing, vernichtet die Ausländer!" war gegen die koloniale Ausplünderung und gegen die Regierung gerichtet.

1907 bis 1911 Agrarrevolution im Iran
Unter dem Eindruck der russischen Revolution von 1905 entstehen im Norden Persiens Räte der Arbeiter und Bauern , die ("Andschomanen"), die eine Aufteilung des Großgrundbesitzes organisieren und sich in den "Fidays" bewaffnete Einheiten schaffen.
Eine bewaffnete Intervention zaristischer und englischer Truppen schlägt die Bauernbewegung unter Sattar Chan nieder.
Sattar Chan wird hingerichtet und die Landverteilung rückgängig gemacht.

1911 Bauernaufstände in China.
1911 verkaufte die Quing-Regierung die Baurechte für die Bahnlinien zwischen Quangzhou und Hanyang. Die damit ausgelösten Bauernaufstände in Sichuan und Hunan, Hubei und Guangdong leiteten den Wuchang-Aufstand ein, der die Quing-Herrschaft beendete.
Die Revolution von 1911

1916 Bauernaufstand in Indonesien in Djambi (Zentralsumatra).
1918 Bauernrevolte im Emirat Buchara
Unter Anführung der Mullahs ziehen mit Beilen und Sensen bewaffnete Bauern aus etwa dreißig Dörfern in die Stadt, um die reformistischen Bestrebungen der Partei der Jungbuchareser zu beenden. Sie folgen dem Aufruf zum Kampf gegen einen neuen Kreuzzug der Christen.
Die Bauern hatten durch hochverzinste Vorschüsse ihr Baumwoll-Land verloren und vermuteten als Ursache dafür den wachsenden Einfluß kapitalkräftiger Ausländer. Diese Gegensätze wurden vom einheimischen Adel bewußt für eigene Interessen genutzt.
Hinweis 1: Am 3.März ließ der Emir über 3200 Menschen hinrichten, die im Verdacht des Sympathisantentums für die Reformpolitik standen.
Hinweis 2: Im September 1920 vertrieb die Rote Armee zarentreue Militärs, englische Söldner und den Hofstaat des Emirs, der die Unterstützung der Bauern verloren hatte, nach Afghanistan. Gründung der Sowjetischen Volksrepublik Buchara.
1921 Bauernrevolten in Indien.
Nach 18 Monaten friedlicher Proteste von Kleinbauern und Landarbeitern und nachdem die Polizei auf unbewaffnete Demonstranten geschossen hatte, kam es im Jahr 1921 zum Aufstand im Süden Indiens. Zehntausende Bauern plünderten Saatgutlager und lieferten sich schwere Kämpfe mit der Polizei.

1923 bis 1924 Bauernaufstand auf der Insel Mindanao (Philippinen). Unter Crisanto Evangelista formierte sich ab 1924 eine rev. Agrarbewegung.
1926 bis 1927 Ein kommunistisch geführter Aufstand der Arbeiter und Bauern 1926 in Indonesien wird 1927 blutig niedergeschlagen und die KPI verboten. Die schlecht vorbereiteten Erhebungen auf Djawa und Sumatra richteten sich gegen den anwachsenden Steuerdruck. Flossen 1919 noch 23 Mio. Gulden in die Kolonialkasse, waren es 1922 bereits 28 Mio. und 1924 schon 34 Mio. Gulden.
1927 Großer Bauernaufstand auf der Insel Negros (Philippinen).
1927 "Herbsternte-Aufstand" in China.
Im August 1927 beginnt der "Herbsternte-Aufstand" unter Führung von Mao Tse-Tung (Mao Dsö-dung) in Ost-Hunan. Es bildet sich eine Arbeiter- und Bauern-Regierung in Dijggangschan. Dabei entstehen Sowjet-Gebiete, die jedoch 1934 wieder verloren gehen. Die Angriffe auf das Zentrale Sowjetgebiet erfolgen mit Unterstützung deutscher Militärberater (v. Seeckt).
In seinem "Untersuchungsbericht über die Bauernbewegung in Hunan" schreibt Mao Tse-Tung: die Revolution ist "kein Gastmahl ... oder Deckchensticken". "Die Bauern haben einen scharfen Blick. Wer schlecht ist und wer nicht, wer am schlimmsten gewütet hat..."genaues Zitat hier


Über die revolutionären Kämpfe in China : Siehe hier
1929 bis 1933 Mehrere (?) Streikwellen von Plantagenarbeitern auf den Philippinen. Radikalisierung der Landarbeiter durch die Auswirkungen der Weltwirtschaftskrise.
1930 bis 1932 Bauernaufstand in Burma.
(= Birma = Myhanmar )
Führer des Aufstandes ist Saya San.
Das Land der Bauern fällt durch Massenruin an Wucherer und Großgrundbesitzer. Es zeigen sich die Auswirkungen der Weltwirtschaftskrise von 1929-1933.
Saya San (auch Saja San) richtet den Kampf zugleich gegen die britischen Kolonialisten und trat für eine Lostrennung von Indien ein. Er wurde 1931 ermordet.
ab
1931
Gewaltsame Bauernrevolten in den dreißiger Jahren in Süd-Luzon (Philippinen)
unter Führung von Geheimgesellschften (u.a. "Tangulan")
und von sozial-religiösen Sekten.
Angesichts der ungleichen Bodenverteilung kam es ab Ende des 19. Jahrhunderts immer wieder zu Wellen von regionalen Bauernrevolten.
Besonders zu erwähnen sind die gewaltsamen Bauernrevolten in den 1930er Jahren.
Der Widerstand begründete sich im Zeichen der Weltwirtschaftskrisen und ausbleibender Landreformen. (Siehe Lit-Hinweise)
1942 Bauernunruhen in Indien.
Im Verlauf der "Verlaßt Indien!"-Bewegung 1942 kam es zu schweren Auseinandersetzungen mit der Polizei und dem Militär. Die Brutalität der Kolonialherren hatte Massenstreiks und Bauernaufstände zur Folge. Wiederholt kam es zu Angriffen auf Polizeistationen und Zerstörungen von Eisenbahnlinien. Die Aufstände wurden niedergeschlagen.

1942 bis 1943 Bauernrevolten im Iran
in und um Kermanschah, Darab, Brujerd, Qazin, Gholpayegan, Arak, Täbris u.a.
Die Bauern verweigern die Arbeit für die Regierung. Revoltierer erstürmen Finanzämter, Bürgerhäuser und Getreidespeicher. Für die Niederschlagung der Revolten werden iranische, britische und sowjetische Militäreinheiten eingesetzt.
Die Alliiertensoldaten decken ihren eigenen Lebensmittelbedarf und gleichzeitig wurde Getreide exportiert. Dazu kamen die schlechten Ernten 1941-1943. Die Situation verschärfte sich durch fehlende Transportmittel und die von den Briten erzwungene Geldemission (Inflation). Es herrschten Hungersnot und Preiswucher.
1946 bis 1952 Kommunistischer (?) Bauernaufstand in Indien.
Mehrere Jahre dauerte der kommunistische Bauernaufstand in Telengana, den Neu Delhi blutig unterdrückte.
Dabei wurde das muslemische Hyderabad der Indischen Union einverleibt.
(?)
1946 bis
1954
Hukbalahap-Rebellion auf den Philippinen.
Aus der Befreiungsbewegung gegen die japanische Besetzung entwickelten sich unter kommunistischer Führung Volksstreitkräfte (Bauern u. Landarbeiter) zum Kampf um eine radikale Agrarreform, an deren Spitze die Führer Taruc, Abad Santos, Lava und Alejandrino standen.
Als die Regierung von der USA Waffenhilfe erhält, kann die Hukbalahap-Rebellion niedergeschlagen werden.
Bestimmend für die philippinische Gesellschaft ist der Gegensatz zwischen einer kleinen Gruppe von Großgrundbesitzern u. der Masse von besitzlosen verarmten Kleinbauern, Pächtern u. Landarbeitern.
Der Nationale Bauernbund, die Hukbalahap und die KP werden 1948 verboten.
seit 1997 Bauernunruhen in Indien.
Seit 1997 kämpfen militärisch organisierte Bauern in Bihar, Andra Pradesh, Jharkhand und Chhattisgarh gegen Privatarmeen der Großgrundbesitzer und gegen die örtliche Polizei. Es geht dabei um Abschaffung der Schuldknechtschaft und eine Landreform. In Bihar wird ein besonders disziplinierter Kampf durch die "Ranvir Sena" geführt.
In Chhatttisgarh, einem der ärmsten Bundesstaaten Indiens, wurden die Stämme der Adivasis aus ihren Siedlungsgebieten verdrängt. Während sie sogar unter britischer Kolonialherrschaft noch Wälder, Flüsse und Felder frei nutzen konnten, gehören diese heute hauptsächlich Großgrundbesitzern! Eine folgenschwere Dürre und das Festhalten von über 50 000 Bauern in Zwangs-Lagern stärkt die kommunistische Naxalitenbewegung, deren erste Rebellion bereits vor 38 Jahren ausbrach. Grund für die Wut der Bauern ist die Tatsache, das die ökonomische Entwicklung Indiens an ihnen vorbei geht.
1999 Bauernrevolte im Dorf Dao Lin in China. Korruption und zu hohe Gebühren ließ die Bauern des Dorfes Dao Lin in Hunan eine Vereinigung gründen, deren Anführer verhaftet wurden. Die daraus resultierenden Unruhen führten zum Einsatz von Polizei und Armee.
1999 Bauernrevolte in Indien.
Die Bauern machten in einer spektakulären Aktion auf sich aufmerksam: sie brannten die Felder des US-Konzerns Monsanto nieder, auf denen genmanipulierte Baumwolle angepflanzt war.
US-amerikanische Konzerne testen genmanipuliertes Saatgut in Indien. Besonders perfide ist der Einsatz von "Terminator"-Genen, die verhindern, das sich die Pflanzen selber fortpflanzen. Die Bauern sind permanent gezwungen, Saatgut in den USA zu kaufen und bestimmen die Anbausorten nicht mehr selbst. Außerdem verschlechterten sich die Ernteerträge.
2002 Maoistische "Bauernverschwörung" in Nepal.
Seit 2002 soll eine "maoistische Bauernverschwörung" in Nepal existieren.
Sie soll November 2006 (?) beendet werden und kostete 14000 Todesopfer.
Die Rebellen wollen die Monarchie abschaffen.
Tageszeitung: Junge Welt am 17.11.06
2005 Bauernrevolten im Dorf Dongzhou in China.
Bewaffnete Bauern lieferten sich in den Dörfern Dongzhou und Shingongliao in der Provinz Guangdong Kämpfe mit der Polizei.
Der Protest richtete sich gegen die mangelnde Entschädigung für Land, das für einen Wind-Park und ein Kraftwerk veräußert wurde. Seit Monaten protestierten die Bauern friedlich gegen diese Kraftwerksprojekte.
2005 "Protest"-Selbstmorde von Bauern in Indien.
In Indien sind Bauern die Verlierer der "Globalisierung" und des "ökonomischen Booms".
In der Provinz Vidarbha im Staat Maharasthra häufen sich die Protest-Selbstmorde von Bauern.
Wesentliche Gründe sind die "Liberalisierung" der Importpolitik der Regierung, die Freigabe der Düngemittel-und Saatgutpreise, der Masseneinsatz von Pestiziden und die Markteinführung von genmanipulierten Saatgütern. Verschärft werden die Probleme durch die Tatsache, das die privaten Geldverleiher zugleich die größten Landbesitzer sind und die Bauern in die Schuldenfalle treiben. mehr dazu ...
2007 Die gewaltsame Auflösung von Kleinbauerndemonstrationen in Indien (Unionsstaat Westbengalen)
trägt die blutige Bilanz mit zwölf Toten und 50 Verletzten (März). (Bereits im Januar waren bei ähnlichen Auseinandersetzungen 5 Demonstranten zu Tode gekommen). 5000 Polizisten wurden von der Regierung Westbengalens eingesetzt.
Indiens Zentralregierung will bis 2009 im ganzen Land Sonderwirtschaftszonen einrichten.
Proteste gibt es fast überall in Indien, bisher angegebene Orte: Westbengalen (Nandigram - südwestlich von Kolkata=Calcutta).
Es gibt kaum ungenutzte Flächen für Industrieansiedlungen. Die Bauern werden vom Staat enteignet. Der Hauptgrund des Widerstandes: die Familien, die notdürftig mit ihren Äckern überleben, werden mit geringem Entschädigungsgeld in die Existenzlosigkeit gestürzt.

Der Widerstand in Westbengalen ist besonders hoch: Vor Jahren wurde durch eine Linksregierung die Landreform konsequenter als in ganz Indien durchgesetzt. Nun sollen diese Kleinbauern ihre Flächen wieder hergeben.
(Junge Welt v. 16.3.07)
2007 An regionalen Demonstrationen, die eine Streik-Welle in Süd-Korea flankieren, nehmen auch Bauernverbände teil.
Ziel der Streik-und Protestaktionen ist die Verhinderung der Ratifizierung des am 30.Juni unterzeichneten Freihandelsabkommens mit den USA und die Umwandlung prekärer Beschäftigung in reguläre Arbeitsverhältnisse.
Die von den Gewerkschaften KCTU und KMWU organisierten Streiks werden unterstützt von Bauern-, Studenten- und Frauenverbänden. Gegen Firmenbesetzungen wurden Polizei-Einheiten eingesetzt.
Die in Süd-Korea hoch subventionierten Bauern befürchten durch dieses Abkommen den Verlust ihrer Arbeit.
(Q: JW 24.7.07 S.15)
2007 Acht Tote bei Revolten landloser Bauern in Südindien
(zur AP-Meldung aus Hyderabad)

Es war nur eine kurze, ganze neun Zeilen umfassende Meldung, die die Agentur AP am Sonntag absetzte. »Tote bei Protesten für Landbesitz in Indien«, hieß es darin, und daß »bei Zusammenstößen zwischen Sicherheitskräften und Demonstranten nach Behördenangaben mindestens acht Aktivisten getötet« wurden. Mit Steinen seien die Vertreter der Staatsgewalt in Badrachalam südöstlich von Hyderabad angegriffen worden, »als sich diese ihrem Versammlungsort näherten«. Daraufhin habe die Polizei scharfgeschossen. Über die Trauer der Verwandten, Freunde und Genossen der Ermordeten und über die Trauerfeierlichkeiten wurde dann keine Meldung mehr verbreitet. Auch die gewalttätigen Angriffe auf Landlose durch prügelnde Polizeikräfte am Freitag im südindischen Hyderaband mit zahlreichen Verletzten fanden keine Erwähnung mehr – ebenso die Gründe für die »kommunistischen Proteste« (AP).
Die indische Landlosenbewegung fordert seit Tagen von der Regierung des Bundesstaats Andhra Pradesh eine Reform zugunsten jener Millionen Menschen, die keinen Boden besitzen. 55 Prozent der ländlichen Bevölkerung in der »Reisschüssel Indiens«, meist Angehörige unterer Kasten, müssen ihre Felder pachten und zahlen dafür etwa 80 Prozent dessen, was sie erwirtschaften. Eine gerechte Verteilung des Grund und Bodens würde nicht nur die Armut verringern, sondern, so die Gewerkschaft der Landarbeiter, auch zu einer Erhöhung der landwirtschaftlichen Produktion beitragen.
JW 31.7.07.S.6

Ergänzung: Zur Bekämpfung einer drohenden Nahrungsmittelknappheit will die Regierung 1 Mio Tonnen Getreide importieren und dafür 1800-1900 Rupien pro 100 Kilo zahlen, die einheimischen Bauern erhalten 800 Rupien! (JW 11.8.07)
2007 Protestmarsch der Bauern in Indien
Rund 25.000 indische Bauern, die zu den Ärmsten der Armen im Land gehören, sind nach wochenlangem Marsch im Süden der Haupstadt Neu Delhi eingetroffen. Die Menschen wollen am 28.Oktober in der Hauptstadt von der Regierung eine klarere Gesetzgebung zum Grundbesitz verlangen.
Der Demonstrationszug begann am 2.Oktober in der 600 km entfernten Stadt Gwalior. In jedem Dorf und in jeder Stadt schlossen sich mehr Teilnehmer an.
Die Bauern werfen der Regierung vor, kleine Bauern nicht vor der Enteignung durch große Unternehmen und Konzerne zu schützen.
(Quelle: ARDtext 27.10.2007 14:38 Uhr Tafel 156)
2012 Indien - Marsch für Gerechtigkeit
Protestzug nach Neu-Delhi von etwa 35.000 bis 50.000 landlosen Armen, kastenlosen Dalits und Kleinbauern aus allen Teilen Indiens von Gwalior im Bundesstaat Madhya Pradesh. Laut Sprecher der Landlosen-Bewegung Ekta Parishad, wollten am Ende des 350 Kilometer langen Fußmarsches 100.000 Teilnehmer in Neu Delhi einziehen.
Nach Verkündung von Zusagen wurde der Marsch, der am 3.10.12 begonnen hatte, vorzeitig am 11.10.12 für beendet erklärt. Vor 20.000 Teilnehmern einer Kundgebung unterzeichneten ein Minister und der Chef von Ekta ein aus zehn Punkten bestehendes Absichtsprogramm. In dem Papier wird den Armen in den ländlichen Gebieten das Recht auf Obdach und der Besitz eines Stückchen Bodens von 0,04 Hektar Größe in Aussicht gestellt. JW 13.10.12
Die Demonstranten verlangten von der Regierung unter anderem das Recht auf ein Stück Land für Jedermann und eine konsequente Bodenreform. In Indien leben rund 240 Millionen Menschen, die immer noch als Unberührbare bezeichnet werden!
Q: Schweizer Bauer 4.10.12,   AFP am 4.10. ,   Junge Welt am 5.10.12,   euronews am 07.10.12
2016 Republik der Philippinen
Sechstausend Bauern blockierten drei Tage lang die Straße zwischen Davao und Cotabao, um Hilfen gegen die extreme Armut einzufordern. Die Regierung versprach notleidenden Familien einen Sack Reis, hielt jedoch die Zusage nicht ein. Deswegen protestierten die Bauern und nutzten eine Kirche als ihr Zentrum. Der folgende massive Polizeieinsatz, den es statt der versprochenen Nahrung gab, stieß seinerseits auf massiven Widerstand. Die Polizei eröffnete das Feuer und tötete (mindestens) drei Menschen, über 100 Menschen wurden verletzt. 78 Bauern (45 Männer, 33 Frauen) sind festgenommen worden und galten anfangs als vermißt. Die Polizei vermutete, dass militante Aktivisten hinter der Aktion ständen und durchsuchte das Kirchengelände, auf dem die Bauern Zuflucht gefunden hatten. Waffen oder andere Beweise wurden nicht gefunden.
Der Inselstaat wird seit Dezember des Vorjahres von einer Trockenperiode beherrscht. Als Ursache der Trockenheit gilt das Wetterphänomen El Nino. Es fehlen staatliche Struktur-Maßnahmen gegen den langandauernden Wassermangel.
Kidapawan, eine Stadt in der Provinz Nord-Cotabato, liegt in einer Gegend, die besonders in den letzten Jahren unter Naturgewalten zu leiden hatte. Den notleidenden Bauern war Hilfe in Form von Reis zugesagt worden.
Die Kirche verurteilte die Gewalt und forderte eine gerechte und friedliche Lösung des Konflikts. Der Staat müsse für Hilfsleistungen für die Bauernfamilien aufkommen, die wegen extremer Wetterbedingungen wie Stürmen oder Dürre nicht mehr für die Selbstversorgung aufkommen könnten. Er dürfe die Bauern in ihrer Not nicht alleine lassen.
Der Gewerkschaftsbund fordert ein sofortiges Ende des Notstandes in der Provinz, die Demonstrationsfreiheit für die Bauern und die Erfüllung ihrer Forderungen nach staatlichen Hilfen zur Wasserversorgung.
Q: 01.04.16 euronews; 04.04.16 Radio Vaticana
04.04.16 labournet
2016 Indien (Maharashtra)
Bauern stoppen Wasserzug, Tausende Bauern verlassen ihre Dörfer.
Ein Zug mit 500 t Wasser zur Versorgung im Bezirk Latur wurde von wütenden Bauern gestoppt, die ihren Anteil einforderten. Die Wasserbereitstellung wird von Privatfirmen zu hohen Preisen organisiert. Gegen die Bauern wurde Polizei eingesetzt. Im Gebiet herrscht eine große Dürre.
Ernteausfälle sorgen dafür, dass sich arme Bauern Geld zu hohen Zinsen leihen müssen, um Saat, Dünger und Essen für die Familie und das Vieh zu kaufen. Sie verpfänden dafür ihr Land. Viele treiben diese Zustände in den Suizid.
Die Städte bekamen 400 Prozent mehr Trinkwasser als ländliche Regionen. Zu den Ursachen der Dürre zählen u.a. der Missbrauch der Grundwasserressourcen und der Anbau wasserintensiver Kulturen (z.B. Zuckerrohr).
Wegen ausgetrockneter Felder und ausgezehrtem Vieh verließen zehntausende Bauern ihr Land und ihre Bauernhöfe, wanderten in die Arbeitslosigkeit und Armut der Städte. Sie können keine Kredite zurück zahlen.
Q: 18.04.16 heute.de, Q: 23.04.16 spiegel

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Notizen über Bauernkriege / Hans Holger Lorenz / begonnen 1.März 2006 / letzte Änderung 9. September 2016 / WB-To