ausgewählte Geldwerte aus dem Mittelalter
und aus der Frühen Neuzeit

Excelente Goldmünze mit den Bildnissen von Ferdinand von Aragon und Isabella von Kastilien


               
1 Münzeinheit = yyyyyyy = zzzzzzz Bemerkungen und Hinweise
(..) sind Quellenangaben   •   (?) sind sehr unsichere Angaben
maravedi    
reales 30 Maravedis   (6)
Dukaten

ducado
1,3 Gulden (?) (10)
375 Maravedís
375 Maravedis (5)
  Ducato di oro
Bezeichnung für das neapolitanische Halbstück des goldenen Ducatone di oro aus der Regierungszeit Alfonsos I. von Aragon (1442-1458).


1497  (5)
escudo  
Dublone
Doppelescudo (?)
Pistole (?)
spanischen Goldmünze
In doppeltem Sinne ein Doppel:
1) ihre Bewertung als Doppeldukat, 2) Doppelporträt der spanischen Könige Ferdinand und Isabella (Doppelherrschaft: 1479-1504) auf der Vorderseite. Später übernahm die Nachfolgewährung, der Doppelescudo Philipps II. (1556-1598), denselben Namen.
Excelente 870 Maravedis Standard-Goldmünze, spanischer Dukaten
= dobla castellana hieß auch excelente und wurde 1475 bei 870 mrs bewertet
(6)
1 Florin
1 Florin von Aragonien
1 fl.
265 Maravedis

Siehe rheinischen Gulden

(1486)  (5)
livres livres
Französ. Krone 328 Maravedis (5)
Portugiesischer Cruzado 375 Maravedi 1486 (6)
Crown 4 und 1/2 Schillinge
Goldmünze, 1526 unter Englands König Heinrich VIII. eingeführt.
Scudo
Plural: Scudi
350 Maravedis
italienische Münze
Über den Umweg der Maravedis wurden aus dem Wert der Scudis die Werte von Dukaten ermittelt.
HW: Anleihen, die 9-10 % kosteten, stiegen 1552 auf 30 % und mehr.(9)
1 Gulden (rheinischer)
florenus Rheni (= fl.)
2,53g feines Gold schwer
3 Pfund und 12 Pfennig 20 Weißpfennig 24 Stüber
1 Gulden 0,737 Dukaten (?)
im Jahr 1546    (10)
1 Pfund Sterling 3,03 Dukaten
3,03 Dukaten
4    Dukaten

im Jahr 1554    (11)
im Jahr 1556    (12)
im Jahr 1557    (10)









Da Vergleichsmaßstäbe für Geld des Mittelalters/Frühe Neuzeit und der Gegenwart nur unrealistisch festgelegt werden können, sollen verbale Charakteristiken hier vorgestellt werden:



 •  Gehalt des Webers und Torhüters Domenico de Colombo 1474
Der Weber und Torhüter Domenico de Colombo (Vater des Kolumbus) erhält 1474 in Genua ein Gehalt (für das Torhüten) von einundzwanzig genuesische Pfunde in drei Monaten, d.h. sieben Pfund pro Monat.
Die Colombos (Familie des Kolumbus) bleiben auch danach in Geldschwierigkeiten. (1)
 •  vermutliche Investitionen für die I. Reise des Kolumbus
3.August 1492 - 15.März 1493

Kolumbus benötigte für sein erstes Reiseunternehmen vermutlich 2 Millionen Maravedis. Er hat sie nicht bei der St.Georgs-Bank in Genua geliehen. Dieser Wert entsprach laut Wikipedia knapp 2500 Dukaten.
Die Krone gab 1 Mio Maravedis - die Luis de Santángel vorstreckte. Kolumbus selbst gab 500.000 Maravedis dazu - von Martin Alonso geliehen. Die noch fehlenden Werte gaben vermutlich die Pinzóns.
Für die Überlassung der Schiffe hat man vermutlich 2000 Maravedis pro Tonne berechnet.
Kolumbus stach am 3. August 1492 mit seinem Flaggschiff, der Karacke Santa Maria, sowie den beiden Karavellen Niña und Pinta von Palos de la Frontera bei Huelva aus in See. Die Karavellen wurden von den Brüdern Martín Alonso und Vicente Yáñez Pinzón aus Palos bereitgestellt und kommandiert. (2)
 •  Geschwader unter Almeida
März- September 1505

Eine portugiesischen Flotte unter dem Kommando von Francisco d'Almeida mit insgesamt 22 Schiffen und 2500 Mann erreichte September 1505 die Westküste Indiens.
Darunter befanden sich drei Schiffe, die finanziert wurden von oberdeutschen Handelshäusern (Fugger, Welser) mit insgesamt 60 000 Dukaten. (3)
 •  eine Bestellung der spanischen Marine 1551
Die Kriegsflotte bestellte 1551 den Zentner Zwieback
für 346 maravedis = 10 reales und 6 maravedis (4)
 •  Vermögen der reichsten englischen Kaufleute im Jahr 1557
Der Botschafter Venedigs am englischen Königshof (Giovanni Micheli)
schätzte das Vermögen der reichsten englischen Kaufleute mit 50 000 bis 60 000 Pfund Sterling ein.
Die Vermögen deutscher Handelsmagnaten in Augsburg lagen vermutlich deutlich höher - allein die Fugger besaßen bereits 1546 etwa 4,75 Millionen Gulden (fast 3,5 Millionen Dukaten).(10)

Die Einführung eines neuen modernen Geldes geschah zwar gewollt, aber planlos. Monetäre Zusammenhänge in der Wirtschaft waren noch nicht erkennbar. Eine neue Schicht tat sich aus einst tüchtigen und wagemutigen Kaufleuten hervor, die zwar gewissse Linien des Gewinn-Machens in der Wirtschaft auch über Landesgrenzen hinweg erkannte, deren gesamtgesellschaftliche Auswirkungen sowohl aus Unkenntnis aber auch aus Gier nicht einzuschätzen vermochte. Mit der Zeit und mit der Größe ihres Kaufmannsschatzes wuchs selbstredend ihre Habgier. Die Historiker haben bisher die angeblichen Fortschrittlichkeiten dieser neuen Schicht der Patrizier und Geldwechsler fleißig hervorgehoben. Das diese Schicht jedoch schwerste Bremsklötze in die wirtschaftlichen Prozesse warf während des Übergangs vom Mittelalter in die Neuzeit, wird kaum berücksichtigt. So floß das in Europa so gefragte Silber vorrangig nach Asien ab, so verschwand das Kupfer tonnenweise irgendwo in der Levante, so verloren die üppigen Wälder Mitteleuropas ihre gesunden Bestände und die Bauern ihre Weiden. Die einheimische Agrarwirtschaft blieb arm und uneffektiv und die Mehrzahl der Städte klein und schmutzig.

Für Jahrhunderte entstand ein Münz-und Geldwesen, das in Europa äußerst stark fragmentiert blieb und dessen Wertgrößen und gesetzlichen Bestimmungen fortlaufend wechselten. Historiker legen die Zäsur um 1500 fest, in Realität handelt es sich um einen fortlaufenden Prozeß. Kurz gesagt, das Geld in der Übergangsperiode zur Neuzeit war schlechtes Geld, es verlor fortlaufend an Wert und es blieb unberechenbar (im wahrsten Sinn des Wortes) für die Mehrheit der (arbeitenden) Bevölkerung.
Bei der Betrachtung der Tabellen muß man berücksichtigen, das die "...Mehrheit der Reichsbewohner im Zeitalter der Renaissance und Reformation ... niemals einen Goldgulden oder Taler in die Hand ..." bekam.
(13) Dafür eroberte sich das Silbergeld nach und nach die Lebensbereiche, für die Plebejer und Bauern breitete sich das Kupfergeld aus. Und damit entstanden und erweiterten sich zugleich die Manipulationsmöglichkeiten für Fürsten, Patrizier und Geldwechsler.


Warnung vor falschen Gulden aus den Niederlanden 1481  (7) Warnung vor falschen Gulden  1481

Silber (ebenso Kupfer) wurde anfangs nur aus europäischen Bergwerken gewonnen, aber von den Händlern gezielt der Zirkulation innerhalb Europas entzogen. Der Export der Edelmetalle in den Orient und nach Asien brachte deutlich mehr Gewinn als ein Verbleib im Reich. Die Klagen, das zu wenig Geld überhaupt zu erlangen war, nahmen zu. Folglich wurden Münzen mit immer gerigerem Edelmetallgehalt geprägt, ein Umstand (Devaluation), den der Astronom Kopernikus wissenschaftlich untersuchte. Eine gesellschaftliche Auswirkung zeigte sich daran, das die Kaufleute und Wechsler Kredite vorrangig in schlechtem Kupfergeld gewährten, die Begleichung aber in Silbergeld einforderten. Für die Bauern war das nicht machbar, und so hatten sie tatsächlich zur Begleichung mit Kupfergeld einen Zusatzbetrag für ihr schlechtes Geld zu zahlen. Oft wurde der Geldkurs von den Kreditgebern beim Vorgang der Begleichung (mit der Begründung, das das Geld immer schlechter wird) zuungunsten der Bauern neu berechnet. Das blieb für die Landleute undurchschaubar. Eine (dezimalbestimmte) Rechenkunst bildete sich erst heraus und blieb bis in die erste Hälfte des 16. Jahrhunderts  Fachleuten (Rechenmeistern) und der speziellen Schicht der Geldwechsler vorbehalten.


Schätzung der →  Kosten für eine Karavelle
Karavellen

Die These, das zumindest die erste Welle der europäischen Expansion nach Übersee mit europäischem Edelmetall (vorrangig Silber) finanziert wurde, erhält eine weitere Bekräftigung, wenn man die Edelmetallmengen mit den (nahezu unbezahlten) Arbeitsaufwendungen der Produzenten (Bergleute, Werftarbeiter, Bauern u.s.w.) identifiziert. Das später ab 1540 in spürbaren Mengen einströmende amerikanische Silber brachte nur eine gewisse Entspannung in der Geldmenge, nicht aber in der existierenden Wirtschaft.


weitere Angaben zu Geldwerten
Geldwerte
aus der Zeit
des Deutschen Bauernkrieges
Geld
in der
Reformationszeit
Fugger-Zeitalter
und die
Preisrevolution
Teil I Teil II Preisrevolution







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Notizen über das Geld im Mittelalter und in der Frühen Neuzeit  •  Hans Holger Lorenz  •  31. März 2015  •  HLorenz500@aol.com  •  (VII)WB - To