Fugger-Zeitalter und die sogenannte Preisrevolution
Pecunia pecuniam non parere potest. Das Geld ist an und für sich unproduktiv,
ist seiner Natur nach unfähig, Früchte zu bringen. Wer dennoch Früchte von ihm verlangt,
versündigt sich gegen das Gebot göttlichen und weltlichen Rechts und gegen
die Natur der Dinge.
So ungefähr lautete im Mittelalter die ideologische Festsetzung der
Wirtschaftsauffassung durch die alles bestimmende Kirche.
Sie folgte einer richtigen Logik. Jeder Mensch zeigt Vernunft, wenn er zu dem Schluß kommt,
das Geld allein zu nichts zu gebrauchen ist. Erst mit dem Tausch Geld gegen Ware wird
der Vorgang sinnvoll. Aber Geld steht nicht primär der Ware gegenüber! Genau
betrachtet steht dem Geld der Anspruch auf menschliche Arbeit gegenüber.
Lange Zeit lief darüber die Auseinandersetzung innerhalb der Kirche, die im Mittelalter dazu führte, das man Geld
legitimierte, jedoch die Bereicherung durch das Geld ablehnte und als Sünde verwarf. Dieser Kompromiß
hatte eine Vorgeschichte, von der noch zu reden sein wird. Nach der Legitimation des Mammons
aber brachen die Dämme...
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Über historische Untersuchungen schrieb der polnische Mathematiker Marek Kordos:
"Zum ersten müssen wir uns darüber klar sein, dass jede Beschränkung der für zulässig erachteten
Methoden immer auch eine Beschränkung der erreichbaren Ergebnisse nach sich zieht. Wir müssen
wählen: Entweder tun wir nur das, was wir so gut können, wie wir es sollten, oder
wir tun das, was wir sollten, so gut wir es können. Es ist nahe liegend, dass wir
uns in den historischen Wissenschaften ganz bewußt für den zweiten Weg entscheiden müssen.
... Wir leben nun einmal in einer Zeit, in der sich leicht historische Untersuchungen finden lassen, die einander
massiv widersprechen..." (10)
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I. Markgenossenschaft und Geld
Etwas änderte sich grundlegend während der Jahrzehnte beim Übergang vom Mittelalter in die Neuzeit.
Es kam europaweit zu unglaublichen wirtschaftlichen Verwerfungen, zu massenhaften Abschöpfungen von Gütern
aus der Produktionssphäre und demzufolge zu Aufständen und Revolten der Produzierenden.
Die eigentliche "Grundlage der feudalen Gesellschaft war die bäuerliche und
handwerksmäßige Produktion ...der Markgenossenschaft" (Franz Mehring 1910)(1).
Sie bestand aus mehreren Dörfern mit gemeinsamen Eigentum an Wald, Wiesen und Wasser.
Dieser wirtschaftliche Organismus produzierte alles, was benötigt wurde, selbst.
Auch die Städte hatten ihre eigenen Produktionsgebiete innerhalb solch einer Markgenossenschaft.
Geld gab es schon, es hatte auch schon eine lange Geschichte, aber in Europa sollte es sich
in den Größenordnungen von Kaufmannskapital
erst bilden. Der massenhafte Geldverkehr war noch im Entstehen.
Brakteat um 1150 Herren von Arnstein (2)
Die Aufgabe, Geld allgemein gesellschaftsfähig zu machen und modern in Umlauf zu bringen, übernahm
die einzige Organisation, die strukturell vorbereitet existierte und grenzübergreifend dafür geradezu prädestiniert
schien: die Kirche, ein historischer Vorgang, der in den Geschichtsbüchern nur als Anspielung zu finden ist.
Eigentlich galt Kirchengut in der Zeit der römischen Ur-Christengemeinden als Eigentum der Armen - als Patrimonium Pauperum.
Im 12.Jahrhundert gehört dann nachweisbar das Kirchenvermögen dem Papst. Dennoch
erlangte die christliche Gemeinschaft eine ungeheure gesellschaftliche Anerkennung. Die
Bevölkerung erkannte deren Führung an, denn der Klerus, in allen Bevölkerungsschichten vertreten,
stellte nicht nur das religiöse, sondern generell das geistige Potential.
Geistliche lehrten Handwerk, Kunst und Schrift. Sie waren Ärzte, Baumeister und Beamte - nicht selten alles in einer Person.
Die Klöster erreichten durch ihre wirtschaftlichen und kulturellen Leistungen Vorbildliches für die Gesellschaft.
Die Messung und Lagerung der immer vielfältiger werdenden Abgaben zwang zur Suche nach neuen Wegen
in der Praxis. Einfache Scheunen und Keller reichten dafür nicht mehr aus.
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Der Übergang zum Geldsystem vollzog sich selbst in der Kirche nicht ohne Widerstand. Ein historisches Musterbeispiel: die
Zisterzienser.
Die Gründungsväter des Ordens, die bereits indirekt die menschliche Arbeit als Quelle
des Wohlstands erkannt hatten, untersagten aus ehrlichen idealistischen Gründen Einkünfte aus fremder Arbeit,
verboten den Besitz von Dörfern und Hörigen sowie den Erwerb aus Grundrenten. Fernab
der Welt sollten Klöster eigene Wirtschaften
(Grangien) aufbauen. Die Hauptlast der
Arbeiten auf den Klosterhöfen trugen Konversen und Lohnarbeiter. Durch deren Fleiß gelangte man zu hohen
Überschußproduktionen an Lebensmitteln. Der Verkauf überschüssigen Getreides und der Monopol-Besitz der Mühlen
brachte schließlich das große Geld. Diese Entwicklung verbreitete sich bis Ostelbien, wie es etwa
Kloster Zinna zeigte:
"... ab 1285 wird die immense wirtschaftliche Bedeutung des Klosters deutlich... Ein Netz von Stadthöfen
in Berlin, Strausberg, Jüterbog, Treuenbrietzen und Wittenberg diente dem Absatz der erwirtschafteten Überschüsse und einem bedeutenden
Kapitalverkehr - das Bankwesen steckte ... in den Anfängen, und die Klöster verliehen häufig Geld zu Zinssätzen um die fünf Prozent.
Kloster Zinna kam unter den ostelbischen Zisterzen in der Organisation des Handels dem Vorbild der Klöster in den
altbesiedelten Gebieten des Reichs am nächsten. (21)
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Scheune (um 1400) im
Zisterzienserkloster Lehnin (3)
So führte man nach und nach im 13. und 14. Jahrhundert das Geld als Mittel für die Messung der Abgaben
der Bauern ein. Wir haben es hier tatsächlich mit Messungsversuchen der menschlichen Arbeit zu tun.
Wie mißt man menschliche Arbeit? Eine Lösung nannte sich z.B. der Zehnte, der zehnte Teil
des geernteten Getreides als Maß für die Arbeit einer Bauernfamilie. Damit konnten alle leben.
Aber alles eingeforderte Getreide kann man nicht nach Rom schaffen. Verderbliche Lebensmittel sind über die schlechten
Straßen Europas schwer zu transportieren - es liegt auf der Hand, ein Ersatzmaß zu bestimmen und gerecht
einzusetzen. Dazu bedurfte es fähiger Menschen, die Lesen, Schreiben und Rechnen konnten, es bedurfte einer gewissen
Bürokratie - auch technischer Voraussetzungen u.s.w. Und all das hatte europaweit nur eine einzige
Organisation - man muß es anerkennen und darf es durchaus hervorheben: die katholische Kirche!
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In der Folge wandte man sich zunehmend von eigenen Ordensregeln
und dem Prinzip der Eigenerwirtschaftung ab. Die Mönche gingen zu "neuen Wirtschaftsmethoden" über: der zinswirtschaftlichen
Güternutzung. Man entließ Konversen und eigene Lohnarbeiter, verzichtete auf deren Arbeit und "vermietete" Höfe und Mühlen
gegen Geldzahlungen an Pächter.
Die Klöster, die sich für diesen Weg entschieden, kamen vorerst schnell zu Reichtum und einer "Blüte", die später genauso
schnell in Verschuldung und Pleite enden sollte.
Im 13. Jahrhundert häufen sich Disziplinverstöße der arbeitenden Laienbrüder und es kam in verschiedenen Gebieten zu
Konversenaufständen. Heutige Historiker verwechseln Ursache und Wirkung bei der Betrachtung der spektakulären Revolten.
Nicht weil sich die Konversen (hervorragend arbeitende Mönche!) scheinbar zu "unfähigen" und "zu teuren" Arbeitern entwickelten, mußten
die Chormönche (nur betende Mönche!) sie entlassen, sondern die Laienbrüder schufteten nicht mehr kostenlos, als sie erkennen
mußten, das ihre Vorgesetzten christliche Ideale aufgaben und nur noch Geld scheffelten:
"Das Vordringen der zinswirtschaftlichen Elemente in den Klosterbesitzungen der Zisterzienser ist im Spätmittelalter
gleichzeitig mit einem Rückgang der Eigenerwirtschaftung auf den Grangien verbunden. Klosterhöfe, die lange Zeit
von Konversen und Lohnarbeitern bebaut worden sind, werden zunehmend aus der Eigenbewirtschaftung entlassen und gegen Zinsleistung ...
verpachtet." (22)
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Historienschreiber munkeln zuweilen, immer wenn sie es nicht genau wissen können. So wird es dem Orden der
Templer
bereits im 12. Jahrhundert zugeschrieben, das sie
die Erfinder der Kredit-Briefe waren, obwohl das wenig glaubhaft klingt. Den Scheck (schakk) als Zahlungsmittel
kannten bereits die Araber im 10. Jahrhundert, weil er auf Karawanen das Gewicht des Geldes ersetzte.(4)
Wahr ist aber, das die Templer codierte Gutscheine in
den Umlauf in Morgen- und Abendland brachten, die der Praxis heutiger Kreditbriefe entsprachen. Königliche Regierungen lebten
davon und die Templer hatten das Geld, die "internationalen" Verbindungen, ihre Bürokratie und vor allen Dingen schlagkräftige
bewaffnete Ritter und äußerst kompetente Finanzfachleute. Es ist auch bekannt, das sich dieser christliche Orden wenig
um das kanonische Gesetz des Zins-Verbots scherte. Sie waren also in mehrfacher Hinsicht Pioniere für Papst und Kirche. Ihr
makaberes Ende mag genau damit zusammenhängen - vielleicht waren es ihrer zuviele, die Schulden an die Templer zu begleichen hatten.
Wenn die Allgemeinheit nun seit dem 13.Jahrhundert anfing, und im 14.Jahrhundert forciert
die Geldwirtschaft nutzte, konnte doch jedermann Erfolgversprechendes erwarten. Lange Zeit liefen ja auch
Naturalwirtschaft und Geldwirtschaft erfolgreich parallel.
Doch es blieb schwierig für die Bauern, an Geld zu kommen, hatte es früher für sie keine Rolle gespielt, mußte
es ihnen noch lange schwer fallen, an Münzen zu kommen - an das seltene Gold schon garnicht!
Aber auch an das Reisen können die Bauern nicht denken, sie sind fast überall in Europa auf verschiedenste Weise an die
Scholle gebunden - nicht nur durch den Mangel an Geld. Reisen können sich nur die oberen Schichten erlauben, Adel, kirchliche Würdenträger
und die Kaufleute. Merkwürdigerweise verändert sich zugleich das Zeit-Gefühl, also das sprichwörtliche menschliche Gefühl für
Zeit - die Geschichte der Uhrenindustrie kann es belegen. Tatsächlich mit dem Geld entsteht auch ein Zeitdruck bei der Arbeit!
Vor dem Pflug werden statt Ochsen jetzt Pferde gespannt - sie arbeiten schneller - Geschwindigkeiten geben sich im Stundenmaß
viel deutlicher zu erkennen. Das gilt für alles und alle.
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Groschen des Erzbischofs Wilhelm von Gennep 1349 - 1362 (12) |
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Es waren eigenartigerweise nicht zuerst die Kaufleute sondern die Päpste, die im 14. Jahrhundert ein sonderbares "Finanz"-System entwickeln
ließen.
Dabei wollten sie die Abgaben ihrer Gläubigen (in der absoluten Mehrzahl Bauern) bestens in Empfang nehmen können aber keine
sachliche Gegenleistung liefern - also keine Arbeitsleistung. Sie entwickelten tatsächlich die Idee des
Verkaufs von Fegefeuerfreier Zeit für die Menschen nach ihrem Ableben - eine Versicherungspolice-Idee!
Die "Sündentilgung" ist finanziell eine Art Kredit auf eine Zeit-Spanne, die sich verlängern oder verkürzen ließ. Es war eine völlig
absonderliche Finanzkonstruktion und Erfindung, die früher oder später zu einer Entartung der christlichen religiösen
Anschauungen führen mußte und von der das Volk eines Tages mit Recht vermuten durfte, das sich
der Antichrist auf den päpstlichen Thron gesetzt haben mußte!
Dieses Geldsystem, nun einmal in Gang gebracht, offenbarte ernste Unvollkommenheiten.
Aber es hatte sich unumkehrbar etabliert und führte zu unerwarteten Mentalitätsveränderungen in der
ganzen Gesellschaft. Die Kirche hatte eine unglaubliche Werbe-Leistung vollbracht: Geld (als Anspruch - nicht als Gegenleistung!)
wurde gesellschaftlich anerkannt und von nun an und von jedermann als eine Notwendigkeit betrachtet. Dieses Geld breitete sich
in solchem Ausmaß über alle Bereich der Gesellschaft aus - alles wurde käuflich, alles schien käuflich zu sein.
Jeder, und besonders jeder Christ strebte nach Geld und nicht nur nach Geld - sondern auch nach Reichtum, nach Profit!
Vergeblich waren jetzt die Versuche, eine neuartige Habgier zu bekämpfen, eine Habgier, die
aus Geld noch mehr Geld zu machen verstand. Denn ab jetzt zählte nicht mehr die Arbeitsleistung, die erbracht wurde und
zum Tausch angeboten werden konnte, es zählte die Menge des Geldes, über die man verfügte. Für diesen
Wandel der menschlichen Anschauungsweise (*) hatte die Kirche mindestens dreihundert
Jahre mühevoll wirken müssen - diese Anerkennung mag man ihr heute nicht absprechen. Und dennoch - der Sage nach war es
doch Jesus, der einst die Händler wütend aus dem Tempel jagte...
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Protestantische Medaille um 1500 Papstbild, der Teufel hockt auf der Tiara
Peter Flötner (1485 - 1546)
(13)
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"...Papst Paul II. war zuerst ein Kaufmann, und er schämte sich nicht der Zeit, die er im Handel verbracht hat.
Heute gibt es den Handel überall auf der Welt..." (24)
Tomé Pires in
Suma Oriental um 1515
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Zitat: Luigi Tacconelli:
"Aber im Zeitalter der Renaissance, beswonders ab ab der zweiten Hälfte des XV. Jahrhunderts,
verschärfte sich die temporale Machtbestrebung des Papsttums, das schon seit der Zeit
des hohen Mittelalters begonnen hatte, sich in einen immer größeren bürokratischen
Verwaltungsapparat zu verwandeln. Das Renaissancepapsttum ist ein wirklich
politischer Staat mit fast ausschließlich weltlichen Aufgaben ... Die Päpste sind nur weltliche Fürsten ..." (14)
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Die Arbeit der Bauern verlor nach und nach an gesellschaftlicher Anerkennung - der
arbeitende Bauer entsprach nicht mehr dem gewünschten Dasein auf der Welt. Die bildliche Darstellungen,
die stolz Bauernarbeit zeigten, reichen bis zum 14. Jahrhundert.
Danach rückte der saturierte Reiche (generell nicht arbeitend) in das zentrale Blickfeld.
Gold und Silber wurden Waren, nach der alle gierten, diese Gier griff auf das Land über.
Die Bauern konnten sich dem nicht entziehen, sie mußten ihre "Überschüsse" in Geld umtauschen
und sie wurden dabei zum Spielball ihnen unbekannter Gesetzmäßigkeiten. Ihre Arbeit
schien dabei immer "wertloser" zu werden.
Damit nicht genug: die Gier griff nun auch nach dem bisher der Kommune
gehörenden Boden, nach den Wiesen, nach den Wäldern und nach dem Wasser.
Bot die Almende bislang die gewissen kostenlosen Sicherheiten und rechnerisch
unbestimmbaren Lebensreserven für die Alten, die Waisen und die gänzlich Besitzlosen, so fanden sich jetz
dafür neue Begehrlichkeiten. Ährenlesen wurde strafbar, das Fischen verboten,
das Holzsammeln untersagt u.s.w.
Das Merkwürdige an der zunehmenden Veränderung der Abgabepflichten hin zur Geldzahlungspflicht war,
das auch die bisherigen Feudalherren daraus keinen Gewinn ziehen konnten - denn sie bestimmen
ebenfalls nicht die ihnen unbekannten Handelsgesetze. Sie vermochten nur ihre Bauern mehr und mehr auszupressen.
Für alle wurde immer sichtbarer, der Adel hatte seine Notwendigkeit (z.B. als militärischer Beschützer der Markgenossenschaft)
eingebüßt: "Als Adam grub und Eva spann - wo war denn da der Edelmann?" fragten sich die Bauern.
Die Menschen im ausgehenden Mittelalter hatten nicht nur mit sich endlos aneinanderreihenden Kriegen
und Naturkatastrophen zu kämpfen - sie mußten sich auch gegen eine völlig
verändernte Moralauffassung stemmen, die nicht mehr die religiöse Demut lehrte, die die
menschliche Arbeit verachtete und die nicht der christlichen Nächstenliebe verpflichtet wurde.
Der mittellose Kleinadlige Hernan Cortes wird 1519 wahrheitsgemäß sagen:
"Ich bin gekommen, um mir Gold zu verschaffen, nicht um wie ein Bauer den Acker zu pflügen".
In den Jahrzehnten des Übergangs zur Neuzeit ist der sehr schnell wachsende Geldreichtum in verhältnismäßig
wenigen Händen erkennbar. Innerhalb weniger Menschengenerationen hatte das Geldwesen eine eigene Dynamik entwickelt.
In historisch fast kurz zu nennender Zeit flossen unglaublich schnell anwachsende
Geldströme kreuz und quer durch Europa. Eigentlich sollte einst das Geld
als eine Meßgröße für (geleistete) Arbeit dienen. So hatte es begonnen. Doch es fand im Laufe der zwei Jahrhunderte
gewissermaßen eine Verwechslung statt:
Aus dem Maß für (bereits) geleistete Arbeit wurde ein Maß für (zukünftigen) Anspruch auf menschliche, noch zu leistende Arbeit.
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Hinweis (*) Mentalitätswandel:
Diese tatsächlichen Umkehrungen in den religiösen Inhalten sind nicht nur im Umgang mit Abgaben
nachweisbar. Mentalitätsveränderungen sind in mehreren Bereichen erkennbar. Hier nur ein weiteres markantes
Beispiel - das genau in die gleichen Zeiträume fällt. Die Christianisierung Europas,
die sicherlich nicht immer gutwillig und friedvoll verlief, hatte unverkennbar auch
fortschrittliche Dinge hervorgebracht: die Verbreitung des Lesens und Schreibens im Gefolge der
Verbreitung der Bibellehren und damit verbunden eine mühevolle und bewundernswerte Bekämpfung des
Aberglaubens, des Hexenwahns und des Geisterkultes jeder Art. Dafür verkündete und setzte die
Kirche sogar rigide Verbote durch: es war verboten, an Geister und Hexen zu glauben!
Mit der einsetzenden
Hexenverfolgung - übrigens parallel mit der Forcierung der Finanzstruktur in der Abgabenwirtschaft -
vollzog sich der Mentalitätswandel: um Hexen verbrennen zu können, mußte man erst den Glauben an sie wieder verbreiten,
ihre Existenz durch die organisierte Kirche erst anerkennen. Es ist eine komplette Umkehrung der
Glaubensstruktur innerhalb von dreihundert Jahren.
Über den Kenntnisstand bäuerlicher Widerstände schrieb Joseph Pérez (auf Kastilien bezogen):
Es ist noch wenig bekannt, inwieweit sich die Bauern ... erhoben...
Die Opposition der Städte wurde mehr beachtet, da sie bei den Cortes ein Echo gefunden hatte, doch
unterscheidet sie sich von den Bauernaufständen? Im 15.Jahrhundert sind viele Städte noch zum Teil
ländlich.
Joseph Pérez (11)
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Der neue "Beruf" des Bankiers, der z.B. die Kosten für ein zu bauendes Schiff "vorschoß", erhob zugleich den Anspruch auf das Schiff!
Er hätte niemals eines allein fertigen können!
Der Bankier - nun ist er kein Handelsmann mehr, kein Kauffahrer - er ist Geldmann geworden, Finanzier,
heute wohl Investor genannt, ist findiger als der Papst - der sich von der neuen Form des "Anspruchs" auf die Arbeit anderer
bestenfalls schöne Paläste bauen ließ oder
als Kunstmäzen mit den Namen der schaffenden Künstler in die Geschichte eingehen wollte.
Der Bankier braucht jetzt keine Warenströme mehr selbst
zu lenken, er steuert Geld-Ströme! Welche Möglichkeiten mußten sich erst damit erreichen können!
II. Das neue Vorhaben
Es ist historisch nicht neu, das große, markgenossenschaftlich gesehen fremde Mächte,
erhebliche Forderungen an die Bauern stellten. Sie wurden letztlich immer mit Gewalt durchgesetzt.
Neu waren die Dimensionen der Mengen an Arbeit, die in Münzen (natürlicherweise falsch) gemessen wurden.
Doch wohin floß in der Periode zwischen dem Ende des Mittelalters und dem Beginn der Neuzeit das Geld, welche Richtungen nahm der Fluß
rechtmäßig und unrechtmäßig angeeigneter Arbeit?
Und da kam ein völlig neues Vorhaben in's Spiel - ein Vorhaben, um das nur wenig Eingeweihte
wussten, nur absolute Spezialisten bereiteten es vor, nur ganz wenige in den allerhöchsten Kreisen durften
Genaueres darüber erfahren. Und doch ein Vorhaben von außergewöhnlicher Größe!
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Galeere. Dieser Schiffstyp findet sich bis in das 18. Jhd. hinein.
Portugiesische Karavellen 1492 und eine Lateinkaravelle 1520 nach Colombo und Homen. (15)
Im letzten Viertel des 15. Jahrhunderts mit leichter Artillerie bestückt,
sehr gut hoch am Wind zu segeln, schlechter Segler bei achterlichem Wind.
Dieser Schiffstyp war das Standardschiff der portugiesischen und spanischen Entdeckungsfahrten,
mit ihm wurde der Seeweg südwärts an der afrikanischen Westküste entlang erkundet,
die Strömungs- und Windverhältnisse im Südatlantik erforscht,
das Kap der Guten Hoffnung umrundet und die Atlantiküberquerung realisiert.
Der portugiesische Chronist Gomes Eanes de Zurara belegt
für das Jahr 1440 den Einsatz von Karavellen auf den portugiesischen Entdeckerfahrten.
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III. Neue Routen, neue Schiffe und neue Werften
Das neue Vorhaben betraf die Eroberung eines neuen Erdteils. Diese
neue andere Welt schien noch fast unendlich weit von Europa entfernt. Ein solches Vorhaben mußte doch eine ungeheure Menge Geld
verschlingen?
Die geographischen Routensuche führte südwärts um Afrika oder westwärts über den Atlantik mit jeweils unglaublichen
Entfernungen. Daneben galt es
noch zwei weitere besonders schwierige Aufgaben zu lösen.
Es mußte der richtige Schiffstyp für die Erkundungsfahrten ermittelt werden. Daraus
galt es ein überseetüchtiges und auch für Kampfhandlungen geeignetes Schiff zu entwickeln, das man in großer Zahl
produzieren konnte.
Mit verschiedenen Schiffstypen experimentierten zuerst die Portugiesen und die Spanier - sie fanden heraus, das die Galeeren
für die kommenden Aufgaben sich als ungeeignet erwiesen. Die Schiffsformen tendierten schließlich in Richtung
der Karavellen und Karaken. Jahrzehnte später entwickelten sich daraus die kampfstärkeren Galeonen.
Betrachten wir Größenordnungen und Kosten eines Schiffes vom Typ Karavelle:
Der Experimentierfreudigkeit der damaligen Schiffsproduzenten und Eigner ist es zu verdanken, das sich es
im Nachinein als schwierig erweist, einen einheitlichen Grundtyp der Karavellen des 15. Jahrhunderts zu definieren. Meist
handelte es sich um ein lateinerbesegelten Zweimaster mit Achterkastell,
durchgehendem Deck und bei relativ geringem Tiefgang mit einer Tragfähigkeit von 40–60 toneladas
(in Portugal des 15. und 16. Jahrhunderts ca. 32–47 t). Oft eine 20 Mann starke Besatzung auf einem Schiff mit einer
Länge von ca. 20–25 m bei einem Länge-Breite-Verhältnis von etwa 3 bis 4 zu 1.
Bei Windstille auch mit Riemen beweglich, Kraweel beplankt und Ruder mittschiffs.
Die Langzeitentwicklung brachte später immer größere und schwerere Schiffe mit immer wuchtigerer Takelage hervor.
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frühere Karavelle mit Lateinseegel
spätere Karavelle mit Rahsegel
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Längsschnitt einer Lateinkaravelle (5)
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Eine Vorstellung vom zeitgenössischen Schiffbau und den
Werften
gibt auch die Darstellung des Baus
der Arche aus H.Schedel's Weltchronik von 1493. (16)
Es ist nur natürlich, das man sich die Arche wie ein
zeitgenössisches Schiff vorstellte.
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| Vergleiche von Schiffstypen in der frühen Neuzeit |
Die drei Schiffe des Kolumbus
mit denen er auf seine Reise nach Indien aufbrach:
Nina: um 1491 im andalusischen Hafen
Moguer,
unweit von Palos de la Frontera, auf Kiel gelegt,
eine viermastige Karavelle mit einer Länge von ca. 20 m, einer Breite von ca. 7 m und
einem Tiefgang von etwas über 2 m. Die Ladekapazität betrug ca. 60 Tonnen,
Eigentümer: Kolumbus
Santa Maria:
vom Aufbau her eine Karavelle – die Besegelung mehr die einer Karacke
Pinta:
Karavelle, drei Masten, Gewicht etwa 60 Tonnen, Länge von ca. 21 m, eine Breite von ca. 7 m , Besatzung: 26 Mann.
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zeitgenössische Galeone:
Great Harry:
= Henry Grace a Dieu,
Galeone, 1514 als königliches Flagschiff vom Stapel,
für König Heinrich VIII., 151 Kanonen, Tragfähigkeit 1500 Tonnen(?) Besatzung: 400...800 Mann.
Die Angaben über dieses vermutlich größte Kriegschiff seiner Zeit sind sehr unterschiedlich,
die Konstruktionspläne wurden in Geheimschrift verfaßt.
Der Maler Hans Holbein d.J. hat als Hofmaler Heinrich VIII. das Schiff gezeichnet und einen Moment
dargestellt, als der König sich am 31.Mai 1520 in Dover zu einer Besichtigung einschiffte. (6)
Ein weiteres Schiff dieser Größenordnung soll die Regent, ebenfalls in der englischen Marine
gewesen sein, ähnlich teuer wie die Great Harry oder Great Michael.
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zeitgenössische Galeonen:
Great Michael:
Galeone, ähnlich wie die Great Harry, Herstellungskosten nachweislich 40.000 Pfund,
[40.000 livres (?)]
für König Jakob IV. von Schottland , 72 m lang, 17 m breit, 315 Kanonen, 300 Seeleute und 1.000 Soldaten,
for the Scottish navy in 1511.
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Es existierte bereits seit Jahrhunderten Schiffbaueinrichtungen
an den Mittelmeer- und Atlantikküsten. Aber nicht in den nun erforderlichen qualitativ und quantitativ
völlig neuen Größenordnungen und nicht mit den
Mengen an Spezialausstattungen. Diese Arbeit war noch zu leisten und mit dem neuen Geldwesen zu finanzieren.
Aus unterschiedlichsten Gründen ist heute nur weniges darüber bekannt.
Die berühmteste Werft der Spanier war die Atarazanas Reales de Barcelona, die der Portugiesen
lag im Nordwesten des Landes in Vila do Conde. Sie bekamen neue Konkurrenten.
Bald zogen andere Länder, besonders England und Frankreich nach. Die flandrischen und deutschen Schiffbauer
mögen ihre nicht unbeträchtlichen Anteile geleistet haben. Niedersächsische Bauernhäuser waren hundert Jahre zuvor die
Vorbilder für Bauverfahren ihrer ersten Großschiffe. Deutsche Patrizier verkauften
in Danzig produzierte Schiffe komplett mit ihren Ladungen (Getreide, Bauholz und Kupfer) an
die Portugiesische Flotte für deren Indienfahrten. Auch der Deutsche Orden war nicht ganz unbeteiligt daran.
Schon der englische König Heinrich VII. begann offenbar mit strategischen Marinezielen, die Pläne für die
berühmte Great Harry stammen noch aus seiner Regierungszeit. Das Schiff mit einer Verdrängung
von 1000 t lief erst 1515 vom Stapel. Sein Sohn Heinrich VIII., der sich erfahrener Schiffbaumeister aus
Venedig und Genua bediente, Schiffe im Ostseeraum besorgte und in England nachbauen ließ,
gründete 1512 mit der Woolwich Dockyard in London
eine Marinewerft und stellte ein Jahr später die Convoys Wharf (King's Yard) gleich daneben.
Die immerwährende Geldknappheit des berüchtigten Herrschers mit den acht Frauen bekommt bei dieser
Betrachtung ein völlig neues Gesicht. Der französischer König Franz I. ließ nachziehen
und u.a. den Hafen Le Havre (Francispolis!) mit Werft im Jahr 1517 gründen. Der ganze französiche Schiffbau konzentrierte sich
zusätzlich in Dieppe, Saint-Malo, La Rochelle, und Bayonne. |
Schiffswerft in Venedig
Der Holzschnitt (1486) von Bernhard von Breydenbach sagt etwas aus über die Größenverhältnisse Mensch - Schiff (17)
In Venedig sollen um 1500 etwa 3300 Arbeiter auf den Werften (HL: das wäre heute ein Großbetrieb) beschäftigt gewesen sein. (24)
(HL: Eigentlich sollen in Venedig nur Galeeren gebaut worden sein, zeigt das Bild von Breidenbach
einen anderen Schiffstyp?)
Siehe auch Abb. in Farbe:
Breidenbach:
Der Aufbau einer Galeere in einer Werft in Venedig, von "Peregrinatio in Terram Sanctam", zunächst in Latein im Jahre 1486 gedruckt. Breidenbach, Canonicus und Dekan von Mainz, reiste nach Palästina 1484-1485. Farbholzschnitt.
Libreria Marciana, Venedig, Italien
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Zu diesen unerhörten Kraftaufwendungen lief aber eine ebenso kostspielige parallel.
Die Artillerie als Waffe verlor den Status der Einzigartigkeit. Immer größere Kanonen hatten immer gewaltigere
Steinkugeln verschossen und damit ihre physikalische Grenze erreicht! Die größte 700 kg schwere Steinkugel
wurde mit einer Kanone verschossen, die selbst 8 Tonnen wog, die Reichweite betrug nur 600 Meter!
So erzwang die Entwicklung im Schiffbau eine Richtungsänderung im Artilleriewesen: man benötigte Geschosse,
mit denen man auf größere Entfernungen schießen konnte
und die bei größerer Masse kleinere Durchmesser besaßen: Kugeln aus Eisen! Aber mit den alten Geschützen ließen
sich keine Eisenkugeln verschießen! Man beachte die unglaubliche Zeitgleichheit: um 1500 unternahmen
die Militärs in England und in Frankreich, in den italienischen und in den deutschen Landen
große Umbauten und Standardisierungen in allen Geschützeinheiten!
Alte Kanonen wurden eingeschmolzen und neue Geschütze für Eisenkugeln gegossen. Und ein völlig neuer Markt tat
sich für die neue Technologie auf: die Massenproduktion von Eisenkugelmunition für alle Armeen Europas!
Mit steigendem Verbrauch rasanteste Steigerung des Bedarfs! Je mehr verschossen wurde, desto mehr wurde gebraucht!
Eine Energie- und arbeitsintensive Produktion wurde hochgezüchtet - und sie brachte nicht einen einzigen
Beitrag zum Produktionsfortschritt für die Landwirtschaft!
Wir müssen uns heute vorstellen, das mit dem Schiffbau und verbunden mit dem Artilleriewesen völlig
neue und für ihre Zeit unglaublich kostenverschlingende (!) Industriezweige entstanden,
die für die damalige gesellschaftliche Entwicklung
etwa so bedeutsam waren wie im 20. Jahrhundert das Flugwesen. Die Einführung in die Normalität der
Gesellschaft dauerte über drei Generationen wie fünfhundert Jahre später die Luftfahrtindustrie eben auch
benötigte! Wichtig ist dabei zu berücksichtigen, das die Belastungen der Bauern in der Frühen Neuzeit als
zusätzliche Belastungen wirkten, denn keiner der europäischen Herrscher verzichtete wegen der erforderlichen
Investitionen auf die Fortsetzung seiner gewöhnlich durchgeführten Kriege, verzichtete nicht auf Prunk
oder Luxus und sonstige Verschwendungen. Dieser wesentliche Zusammenhang scheint der national orientierten
Historienschreibung völlig entgangen zu sein.
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Albrecht Dürer 1518 Eisenätzung
Die große Kanone (Bildausschnitt)(31)
Erhard Schoen 1535 Einblattdruck Geschütze (Ausschnitt)(32)
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| Kosten der verschiedenen Expeditionen |
| Unternehmen |
Schiffe |
Gesamtkosten und Kosten pro Schiff oder Expedition (Quelle) |
Die vermutlichen Geldverhandlungen des Kolumbus mit Don Enrique de Guzman (reichster Mann Spaniens -?)
über die Finanzierung von Schiffen (Hafen San Lucar) scheiterten offenbar.
Daher wendete sich Kolumbus an Don Luis de la Cerda Herzog von Medinaceli. Dieser befahl sofort den Bau
von drei Karavellen auf den Werften von El Puerto. Für den Bau und die Ausrüstung der Schiffe bewilligte der Herzog
3000 bis 4000 Dukaten. Die Austattung sollte für Fahrten für ein Jahr und länger Vorsorge treffen, einschließlich
Tauschwaren und Matrosen. Im Flußhafen von Santa Maria sollten die Schiffe auf Kiel
gelegt und die Arbeiten bis zur Vollendung ohne Unterbrechungen ausgeführt werden.
Die Maßnahmen scheiterten - Gründe: Kämpfe mit dem Mauren hatten Vorrang, Überschwemmungen in Andalusien, Kolumbus verhandelt
am Herzog vorbei mit dem Königshaus. |
drei Karavellen mit Besatzung und Tauschwaren geplante Fahrtdauer mehr als ein Jahr |
2000 - 3000 Dukaten
(25) |
Erste Reise (3. August 1492 bis 15. März 1493)
Kolumbus benötigte für sein erstes Reiseunternehmen 2 Millionen Maravedis. Er hat sie nicht bei der St.Georgs-Bank in Genua geliehen.
Der Wert entspricht laut Wikipedia knapp 2500 Dukaten,
ein geringer Betrag im Vergleich zu späteren Expeditionen.
Die Krone gab 1 Mio Maravedis - die Santángel vorstreckte. Kolumbus selbst gab 500.000 Maravedis dazu - von
Martin Alonso geliehen. Die noch nötigen Werte gaben vermutlich die Pinzóns.
Für die Überlassung der Schiffe hat man vermutlich 2000 Maravedis pro Tonne berechnet, (90 Mann + 30 Begleitung).
Quelle: Wikipedia:
Der Teil des Geldes von 1,4 Mio. Maravedís stammt vermutlich aus der Santa Hermandad.
Verwalter der Kasse waren der Schatzmeister Luis de Santángel und der italienischstämmige Kaufmann Francisco Pinelo.
Die Verbindungen Pinelos sicherten der Expedition weitere 250.000 Maravedís.
Kolumbus stach am 3. August 1492 mit seinem Flaggschiff, der Karacke Santa Maria, sowie den beiden Karavellen Nińa und Pinta
von Palos de la Frontera bei Huelva aus in See.
Die Karavellen wurden von den Brüdern Martín Alonso und Vicente Yáńez Pinzón aus Palos bereitgestellt und kommandiert.
Wikipedia |
Karacke Santa Maria Karavelle Nińa Karavelle Pinta |
2 Mio. Maravedís (knapp 2500 Dukaten)
plus weitere 250.000 Maravedís
(26) |
Zweite Indien-Expedition des Cabot
Im Mai 1498 sticht John Cabot von Bristol aus in See im Auftrag des Königs von England Heinrich VIII.,
er soll mit 5 Schiffen nach Japan. Laut spanischen Berichten sucht er die Insel Brasilien. |
5 Schiffe |
? Kosten (27),(28) |
zweite Reise Kolumbus 1493-1496
Geschwader von 17 Schiffen mit 1000 ... 1500 Menschen an Bord
Fond von 15.000 Golddukaten über einen Geschworenen der Stadt Sevilla
Rechnungsführer Juan de Soria - Privatsekretär des Prinzen Johann
Fonseca sichert sich daraus ein Jahresgehalt von 200.000 Maravedis. |
17 Schiffe |
15.000 Golddukaten
(29) |
portugiesischen Flotte 1505 unter dem Kommando von Francisco d'Almeida
insgesamt 22 Schiffe
2500 Mann davon 1500 Soldaten
darunter die drei Schiffe finanziert von oberdeutschen Handelshäusern Fugger und Welser
(Siehe Hans Mayr und Balthasar Springer)
Drei Segler der portugiesischen Flotte, die am 12. September 1505 unter dem Kommando von
Francisco d'Almeida bei Cannanore die Westküste Indiens erreichte, waren für die enorme
Summe von 60 000 Dukaten von finanzkräftigen deutschen und italienischen
Handelshäusern ausgerüstet worden: die Hieronymus, die Raphael und die Leonhard. |
Hieronymus Raphael Leonhard |
60.000 Dukaten für die 3 Schiffe
(30) |
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Was als Wettlauf gegen die Zeit begann, entwickelte sich zu einem Rüstungswettlauf zwischen den
europäischen Königshäusern. Der beschränkte sich nicht auf Spanien und Portugal, das Wettrüsten griff über auf Frankreich und
England, auf die Niederlande, später auf Schweden und Rußland. Die dafür vorgesehenen Ausgaben mußten vor dem jeweils
anderen Konkurrenten absolut verborgen bleiben. So log 1516 beispielsweise Lordkanzler Wolsey dem französischen Gesandten De Baspaume
am englischen Hof ins Gesicht, das die hochgerüsteten neuen Schiffe, die gerade in London zu sehen waren nur dem Spaß des Königs dienen
sollten:
"das Heinrich nicht vertragsbrüchig hätte werden wollen, daß die große Galeere und die anderen Schiffe nur zum
Zeitvertreib für die Königin ... hergerichtet worden seien und daß er nicht die Absicht gehabt hätte, mit
Frankreich ... einen Krieg zu beginnen. "(33)
Drei Jahre zuvor hatten sich achtzig englische Schiffe zwanzig französischen bereits Seegefechte geliefert.
1545 sollten beide Flotten sich in der Seeschlacht im Solent wieder gegenüber stehen. Auf englischer Seite nach Bericht des
französischen Kardinals Du Bellay sechzig Schiffe, auf französischer hundertfünfzig große Schiffe und fünfundzwanzig Galeeren.
Durch die Schiffszahlen können wir uns heute ein Bild davon machen, welche Betriebsamkeit auf den Werften
geherrscht haben muß.
In jener Auseinandersetzung nahe der Isle of Wight wurde die Mary Rose, Vorbildkonstruktion für zukünftige Linienschiffe der
Royal Navy versenkt. Für den Bau dieses Schiffes hatte man vermutlich 600 Eichenstämme verwendet (entspricht
einer Waldfläche von 16 ha). Sie war halb so groß wie die Michael, die 1514 einen Verkaufspreis von
40.000 livres erzielte.
Für den Bau des größten Kampf-Schiffes Heinrich VIII. , der Great Harry mußten 3.900 Tonnen Holz geschlagen
werden. Man rechnet heute für den Bau einer mittelgroßen Karacke etwa 2.500 bis 3.000 gut gewachsene Eichenstämme.
Mit dem Aufwand für das völlig übertakelte Renommierstück Great Harry hätten sich bis zu vier Karacken oder Galeonen bauen lassen.
Damit könnte man vermutlich für eine Galeone etwa 10.000 Pfund Kosten veranschlagen.
Im letzten Viertel des 16. Jahrhunderts prägte dann der deutsche Dichter Fischart, durch und durch ein Calvinist, den Untergang der
spanischen Armada feiernd, den Begriff englische Kriegsschiffmacht. An diesem Seegefecht
zwischen den europäischen Königshäusern Spaniens und Englands waren insgesamt 230 Schiffe beteiligt.
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Folgende Angabe als Vergleich für Größenordnungen gedacht:
Die städtischen Schulden der Stadt Erfurt wuchsen im Jahr 1509 auf 550.000 Gulden an.(7)
Der Dukat ist eine Goldmünze, die in ganz Europa verbreitet war.
Feingehalt von 986/1000 / wiegt etwa 3,5g
Die venezianischen Dukaten waren über Jahrhunderte die stabilste Währung der Welt.
Insbesondere für das 14. und 15. Jahrhundert dürfte der Dukat als die Welthandelsmünze
angesehen werden, die auch als Maßstab für Gewichtsvergleiche herangezogen wurde.
Ein ähnliches Nominal des Mittelalters ist der geringerwertige
Goldgulden.
In Deutschland wurden sie 1559 zur Reichsmünze erklärt
und 1857 im Gebiet des Deutschen Zollvereins aufgehoben.
Q: Wikipedia
Eine Umrechnungstabelle z.B für die Berechnung Maravedi zu Goldgulden ist noch in Arbeit.
Siehe dazu auch: Tabelle für
ausgewählte Geldwerte aus dem Mittelalter und aus der Frühen Neuzeit
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Das von den Flotten nach Europa eingefahrene Gold und Silber erhöhte kaum die
Produktivität für landwirtschaftlicher Erzeugnisse und die Produktion von Lebensmitteln und Produkten
des täglichen Bedarfs.
Die Produktion für den Lebensstandard der Bevölkerung blieb nahezu konstant.
Aber fast lawinenartig wuchsen die Zahlungsmittel in Gold und Silber an.
In dieser Größenordnung hatte soetwas historisch gesehen noch nie stattgefunden.
Man kannte Preissteigerungen aber man wußte nichts von Inflation.
Die Tatsache, das bei nahezu gleichbleibender Produktmenge für den täglichen Bedarf, also für den Alltag der
Menschen, die Zahlungsmittelmengen auf das Vierfache und mehr anschwollen, brachte nicht nur die
Wirtschaften Spaniens oder Portugals aus dem Gleichgewicht, sonder breitete sich über ganz
Europa aus. Alle Arbeit, die in Geld ausbezahlt wurde, verlor an Wert, weil die
Lebenserhaltungskosten unerwartet stiegen. Langfristige Verträge mit stabilen Preisfestlegungen führten unweigerlich zum Ruin.
Wer Naturalabgaben leisten mußte und vom Geldbesitz ausgeschlossen blieb - in der Regel die Bauernmehrheit -
fiel in tiefste Armut und verlor nicht selten Grund und Boden. Nur wer in der Lage war, produzierte Waren
aufzukaufen und mit ihnen einen Handel zu treiben, wurde
zum eigentlichen Gewinner dieser die Mehrheit der Bevölkerung völlig unvorbereitet treffenden Entwicklungen. Selbst
große Landbesitzer waren vor einem finaziellen Untergang nicht gefeit, wenn ihnen anfangs keine größeren Geldmengen
als Handelsvoraussetzung zur Verfügung standen. In Reaktion darauf versuchten sie, ihre Bauern
noch schärfer auszupressen, was keineswegs die Situation verbessern half.
Merkwürdiger Weise führte die wachsende Produktion an Schiffen, an Kanonen, Segeltuchen, u.s.w. nicht zu einer
landesweiten Stabilisierung der Lage. Der unablässig steigende Aufwand an Arbeitspotential und Rostoffen z.B. für den Schiffbau,
wurde auf Kosten der Natur vollzogen, z.B. durch den Raubbau an Holz u.a. Flotte und Heer entzogen der
Landwirtschaft die Arbeitskräfte und zwangen allgemein zu Importen.
Die wirtschaftlichen Prozesse schienen vom Menschen kaum noch beeinflußbar zu sein.
Die Verschuldung (!) der spanischen Krone stieg unablässig und führte ein Menschenalter später 1557 zum ersten
Staatsbankrott. Noch schlechter erging es Portugal, dessen einheimische Wirtschaft völlig vernachlässigt wurde. Die
Casa da India erklärte 1560 ihre Zahlungsunfähigkeit, was ebenfalls einem Staatsbankrott gleich kam. (8)
Es bewahrheitete sich nun im großen Stil, das Geld an und für sich unproduktiv ist,
seiner Natur nach unfähig bleibt, Früchte zu bringen.
In Betrachtung dieser Zeit, zuweilen auch Fugger-Zeit genannt, sollte man stets
berücksichtigen, das Arbeit weiterhin allgemein verachtet wurde!
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Beispiele für die Bauzeiten der Schiffe
| Schiff |
Land |
Angaben zur Schiffsgröße |
Baujahre |
Bauzeit |
Mary Rose |
England |
500 t |
1510 - 1512 |
2 Jahre |
| Great Harry |
England |
ca. 1000 t |
1512 - 1514 |
2 Jahre |
| La Grande Françoise |
Frankreich Francispolis (Le Havre) |
riesige 5-mastige Karacke |
1521 - 1527 |
6 Jahre |
| Elefant |
Schweden |
große Galeone |
? - 1532 |
? |
| São João |
Portugal Lissabon |
große Galeone |
? - 1534 |
? |
| Adler von Lübeck |
Hansestadt Lübeck |
2000 t |
1565 - 1567 |
2 Jahre |
Im Königreich Spanien war das Löschen der Schiffsladungen aus Amerika nur der Hafenstadt Sevilla gestattet.
Schiffsverkehr zwischen Sevilla und Amerika in den Jahren zwischen 1506 und 1550
(HL-Diagr. nach Zahlen von Huguette u. Pierre Chaunu) |
Man darf nicht nur fragen, wer waren die Gewinner oder Verlierer des Goldraubzuges in der neuen Welt. Man geht besser in die
Zeit davor, um zu fragen, wer waren die Gewinner bzw. die Verlierer der Einführung des massenhaften Geldverkehrs
in Europa. Die Unsummen Geld, die im späten Mittelalter in Bewegung geraten waren, hatten das Maß für menschliche
Arbeit völlig unkenntlich gemacht! Dem einzelnen Bauer wurde der Einfluß auf den Wert seiner Arbeit völlig entzogen.
Auch seiner Arbeit in Armut (!) ist der Bau dieser endlosen Zahl Schiffe zu verdanken, die in die neue Welt segelten.
Die Geschichtsschreibung trennt sehr augenfällig die Geschichte der Entdeckungsfahrten von der Geschichte der
Bauernrevolten. Durch die zusätzliche Auftrennung der Europäischen Geschichte in Nationalgeschichten (obwohl in dieser Zeit noch keine
Rede von ausgebildeten Nationalstaaten sein kann) gehen die aus dieser ungeheuren Kapitalaufwendung resultierenden
sozialen Revolten - die notwendigerweise Bauernrevolten sein mußten, fast völlig unter.
Die national geschriebene Geschichte verhindert heute den Blick auf den größeren Zusammenhang. Der
Aufstand der Comuneros
in Spanien (1520 bis 1522) fällt eben nicht zufällig mit
den sozialen Unruhen in den deutschen Landen und dem
Ausbruch des Großen Deutschen Bauernkrieges (1524) zeitlich fast zusammen.
Man muß auch die gehässige Niederschlagung der
Gnadenwallfahrt 1536/37 - dem englischen Pendant zu den kontinentalen
Bauernaufständen - gedanklich hinzufügen,
und den Dacke-Aufstand in Schweden 1542/43.
Alle diese sozialen Unruhen der Bauern einschließlich der historisch nicht gezählten und nicht erwähnten, gehören zur
umbruchartigen Entwicklung
des Finanzwesens in Europa, ihre Zusammenhänge konnten jedoch von zeitgenössischen
Geschichtsschreibern auf Grund territorialer Entfernungen einerseits und theologischer Differenzen andererseits nicht erkannt
werden. Erst der Historiker Johan Brouwer spricht darüber im 20. Jahrhundert
von einem Wendepunkt im europäischen Geldwesen.(9)
Hatten die europäischen Bauern
mit ihrer Arbeit zuerst die Schiffe für die Konquistadoren im Sinne von Arbeitspotential vorgeschossen, so
mußten sie im folgenden Jahrhundert auch noch die Folgen des sich anschließenden Goldraubes bezahlen.
Ihre Arbeitskraft verlor im Laufe der Inflation, bei den Historikern mit Preisrevolution umschrieben, ständig an Wert.
Dabei gab es keine "Revolution" bei den Preisen. Das treffendere Wort heißt Inflation. Mit dieser ersten Inflation
im europäischen Maßstab (und darüber hinaus) einher ging der moralische Verfall in Europa, der sich bis in das Chaos des
Dreißigjährigen Krieges hinzog.
Die indigene Bevölkerung Amerikas unterlag nicht den kolonialen Absichten aller Europäer. Richtig ist, die
unteren Schichten, oder genauer noch: die Lebensmittel-produzierenden Schichten Amerikas und Europas unterlagen einer
für sie neuartigen Geldwirtschaft.
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Goldmünze mit den Bildnissen von Ferdinand von Aragon und Isabella von Kastilien
Diese spanische Variante des Dukaten hatte keine lange Lebensdauer. Das Königspaar Ferdinand und Isabella schuf diese
Münze 1497 aus maurischem Gold, als Feier der Reconquista. Nach Ende der Regierungszeit Ferdinands und Isabellas löste
der Escudo ihre Währung ab.
Die hohen Risiken der neuen Ozean-Schifffahrt wollten die Bankiers und Reeder
nicht mehr allein tragen. Bereits 1408
hatten sie mit dem Kommanditsystem einen Typ Handelsgesellschaft entwickelt, der sie nur für die Anteile ihrer Kapitaleinlagen
haftbar machen konnte. Der Überseehandel, verbunden mit dem Expansionsgedanken ließ den eigenen Besitz noch stärker gefährden und
so wurden die privilegierten Handelscompagnien gegründet. Ihre Gesellschafter waren nicht mehr selbst
unternehmerisch tätig. Die Schiffe und Mannschaften durften im Namen
ihrer Könige kriegerisch und nach eigenem Ermessen angreifen. Damit wurden diese "Handels"-Gesellschaften "...
nichts anderes als halbkriegerische, mit Hoheitsrechten und staatlichen Machtmitteln ausgestattete Eroberungsgesellschaften..."
(18)
|
Das wirklich Hervorragende und Revolutionäre zu Beginn der Neuzeit ist die Tatsache, das mit dem sich ausbreitenden Schiffsverkehr
die Kommunikation zwischen den Kontinenten ausgriff, jetzt gab es von Europa aus direkte Verbindungen nach Asien,
zu allen afrikanischen Küsten, zu
Nord- und Südamerika. Jetzt gelangten die verschiedensten Weltansichten zu- und aneinander. Nun umspannte der
Verkehr der Menschen die ganze Welt.
Wenn wir sogar vom Beginn des Welthandels sprechen, ist es eine Wahrheit. Und es ist eine Wahrheit, die gegenüber der Phrase
von der heutigen Globalisierung unbedingt betont werden muß. Globalisierungsapologeten sind in der Regel
in historischen Kenntnissen unbedarft und deshalb gehen mit ihren spektakulären Aktionen viele wirtschaftliches Güter und viele
Produktionsstätten verloren.
Aber zu Beginn der Neuzeit war nicht Welthandel das vorherrschende Ziel, auch wenn er sich tatsächlich entwickelte. Die
erklärten Ziele der Konquistadoren hießen Gold und Silber, Eroberung neuer Gebiete und Sicherung der erforderlichen Seeherrschaft.
Für die europäischen Waren hatten die "neuen" Handelspartner nämlich kein Interesse gezeigt, wohl aber zeigten die
Konquistadoren Interesse für die auswärtigen Reichtümer. Zu allen Kriegen dieser Welt kamen die Kriege auf hoher See hinzu, und auch
diese Kriege wurden weltumspannend auf neue Art geführt. Die europäischen Marinen jagdten einander auf hoher See das Gold ab, das
zuvor aus den neuen Besitzungen herausgepreßt wurde. Piratenmentalität hielt ihren Einzug in die europäischen Königshäuser und
damit in die Staatspolitik.
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Beispiele für die ersten privilegierten Handelscompagnien
(19)
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| 1503 |
Casa de la Contratcion de las Indias |
Spanien |
| 1503 |
Casa da India |
Portugal |
| 1555 |
Muscovy Company |
England |
| 1581 |
Levant Company |
England |
| 1599 |
Governor and Company of Merchants of London trading into East Indies
die berühmte East-India Company (E.I.C.) (1600) |
England |
| 1600 |
Genünieerde Amsterdamse Oostindische Compagnie |
Niederlande |
| 1602 |
Verenigden Oost-Indischen Compagnie (V.O.C.) |
Niederlande |
| 1616 |
Dänisch-Ostindische-Compagnie |
Dänemark |
| 1664 |
Compagnie des Indes occidentales |
Frankreich |
| 1664 |
Compagnie des Indes orientales |
Frankreich |
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Krieg, Handel und Piraterie,
Dreieinig sind sie, nicht zu trennen.
Mephistopheles in Faust II (Goethe)(23)
| Zeittabelle - ausgewählte Zeitereignisse |
| 1521 |
Cortes erobert das Azteken-Reich Montezumas II., Gründung von Mexico City. |
| 1527 |
Kaiser Karl V. verpfändet Venezuela an das Handelshaus der Welser in Augsburg. |
| 1528 |
Die Welser in Augsburg erhalten von Kaiser Karl V. ein Sklavenhandelsmonopol. |
| 1529 |
Die Spanier erobern die Stadt Guanajuato. Durch reiche Gold- und Silbervorkommen wird das
Gebiet zur Schatzkammer Spaniens und bleibt lange ein Zentrum des Silber-Abbaus. |
| 1531 |
Pizarro erobert das Inka-Reich in Peru. |
| 1545 |
Entdeckung der Silbervorkommen von Potosi (Peru, heute Bolivien). |
| 1546 |
Entdeckung der Silbervorkommen von Zacatecas (Mexiko). |
| 1562 |
Der englische Pirat Hawkins durchbricht das Sklavenhandelsmonopol der Spanier und legt den Grundstein
für den englischen Sklavenhandel zwischen Afrika und Westindien. |
| 1608 |
Gründung des Jesuitenstaates in Paraguay. |
| 1619 |
Gründung von Batavia. Java wird Zentrum des Kolonialreiches der holländischen Ostindienkompanie. |
IV. kontroversen Darstellungen der Preisrevolution
| Autor |
Notizen über die kontroversen Darstellungen der Preisrevolution |
ungesicherte Angaben sind mit (?) gekennzeichnet |
| Sebastian Frank |
Preissteigerung ist eine Folge der Bevölkerungszunahme |
Dr. Georg Wiebe, Zur
Geschichte der Preisrevolution des XVI. und XVII. Jahrhunderts
Leipzig Verlag von Duncker & Humblot 1895
openlibrary.org Digitized by the Internet Archive in 2010 with funding from University of Toronto
HL: im Folgenden immer mit (Wiebe 1895) gekennzeichnet. = (20) |
| Georg Agricola |
sah keinen Zusammenhang zwischen Anwachsen der Edelmetallproduktion und Steigen der Preise |
| John Hales (?) |
Eine Schrift (ohne genannten Autor) 1549 (?) in England, die sich mit Preissteigerungen befaßt, vermutet die
Unsummen an Gold und Silber, die aus Indien und anderen Ländern an die Küsten Englands anlangen, als Ursache. Auch
in den anderen Ländern seien die Preise gestiegen. |
| Jean Bodin |
Der erste, der 1568 in seinem Werk
"Reponse aux paradoxes de M. de Malestroit touchant le fait des monnaies et l´encherissement de toutes choses"
die Behauptung ausspricht, das neben den Monopolen, der Getreide- und Weinausfuhr, der übertriebene Luxus der Überfluß an
Gold und Silber vornehmlich die Preissteigerung (in Frankreich) herbeiführe.
Konstatiert, das die Preise in Italien und besonders in Spanien noch höher als in Frankreich seien, sah
aber keine internationale Ursache |
(Wiebe 1895) |
| Adam Smith |
Ursache: Silbereinfuhr aus Amerika:
S. 35: "Die Entdeckung der reichen Gruben Amerikas brachte im sechszehnten Jahrhundert den Gold- und Silberwert in Europa ungefähr auf den dritten Teil seines früheren Standes herunter."
S. 37: "Die Entdeckung der amerikanischen Bergwerke verminderte den Wert des Goldes und Silbers in Europa. Diese Verringerung geht … m.E. ohne sicheren Beweis, noch immer allmählich fort und wird wahrscheinlich noch lange Zeit so fortgehen."
(HHL HW: bis etwa 1520 kam aus Amerika fast ausschließlich als Edelmetall das Gold)
|
Adam Smith, Reichtum der Nationen
Voltmedia Paderborn (ohne Jahresangabe)
und
(Wiebe 1895)
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| Helferich |
"Von den periodischen Schwankungen im Werte der edelen Metalle"
Die deutsche Silberproduktion vor 1550 ist nicht ausreichend für eine Preissteigerung, wird zuviel für Luxusgüter ausgegeben und
zu hohe Mengen Silber weiter nach Asien exportiert.
Helferich begründet die Preissteigerung mit einer Veränderung des Geldes selbst. Im Mittelalter war Geld vorherrschend als
als Mittel zur Wertaufbewahrung genutzt worden. Später trete die Verwendung als Schatz mehr und mehr in den Hintergrund
und diene jetzt als Umsatzmittel. Der Kredit finde eine viel größere Anwendung und führe zu Ersparungen im Gebrauch der
Edelmetalle.
Seit 1560 sei die starke amerikanische Silbereinfuhr die bestimmende Ursache. Vor 1560 seien es der sich allmählich verändernde
Geldverkehr und die zunehmende Ausbeute europäischer, insbesondere deutscher Bergwerke
|
(Wiebe 1895) |
| Roscher |
benutzt den Begriff: Preiserschütterung
" Übrigens kann die vermehrte Minenproduktion nicht die einzige Ursache der großen Preiserschütterung gewesen sein: diese beginnt in den meißten Ländern zu einer Zeit, wo namentlich die amerikanischen Zufuhren noch viel zu klein waren, um solche Wirkung zu erklären. Ein Hauptgrund wird darin liegen, daß gerade während dieser Periode so viele Völker den Übergang durchmachten von der langsamen, durch allgemeines Schätzesammeln noch mehr gehemmten Geldzirkulation zur schnellen, durch allerlei Geldsurrogate noch mehr verstärkten." (S.192) |
(Wiebe 1895) |
| Rogers |
Ursachen (in England): Bevölkerungsvermehrung und gestiegene Nachfrage nach Getreide, nach 1560 die Silberentwertung |
(Wiebe 1895) |
| Wilhelm Lexis |
Ursachen: enorme Vermehrung des europäischen Edelmetallbestandes und Wirkung des allgemeinen Aufschwungs der Volkswirtschaft und der
Kapitalbildung und "der nunmehr eröffneten Periode des wirtschaftlichen Welthandels" (S.193) |
(Wiebe 1895) (zu Lexis siehe auch: MEW 25 / 16-18, 964) |
| Marx |
Eine der unerläßlichsten Bedingungen für die Bildung der Manufakturindustrie
war die Akkumulation der Kapitalien, erleichtert durch die Entdeckung Amerikas und die Einfuhr seiner
Edelmetalle.
...daß die Vermehrung der Tauschmittel zur Folge hatte einerseits die Entwertung der Löhne und
Grundrenten und andererseits die Vermehrung der industriellen Profite. ... Um soviel, wie die
Klasse der Grundbesitzer und die Klasse der Arbeiter, die Feudalherren und das Volk sanken, um soviel
hob sich die Klasse der Kapitalisten, die Bourgeoisie. |
Das Elend der Philosophie Paris Brüssel 1847 MEW Bd.4 S.151-152 |
Fernand Braudel
Habilitationsschrift 1947 |
befürwortet den Begriff Preisrevolution: weil die Menschen dieses Zeitalters mit bestürzendem Erstaunen eine nie dagewesene Erfahrung der
unaufhörlich steigenden Preise machten, das lange vor 1500 begann, also nicht identisch mit den Silberimporten beginnt. Der menschlichen Zeit, in der man alles haben konnte folgt die unmenschliche Zeit der endlosen Teuerungen. (Bd.II S. 245 ff):
In Deutschland war der Preisanstieg schon seit 1470 zu beobachten. (Bd. II S. 255)
"In Mitteleuropa gegann die Preisrevolution bereits vor Christoph Kolumbus." (B.II S.255)
Nur das Kupfergeld ist für die Armen von Bedeutung. (Bd. II S. 257)
1444 Zeit der Goldkrise (Bd. II S. 263)
Kastilien der beste Steuerzahler des Reiches, hohe Steuern schränken Wirtschaft ein, der erzielte Überschuß hat keine Zukunft,
das Defizit wird zur Regel.(Bd. II S. 270)
Steuererhebungen europaweit - Beispiele Frankreich, Portugal, Florenz. Spanien u.a. : "Der Goldescudo, 1537 von Karl V. ins Leben gerufen, wurde von 350 auf 400 Maravedis hinaufgesetzt; 1609 stieg er von 400 auf 440 Maravedis. Und schließlich meldete der spanische
Staat eine ganze Reihe von Staatsbankrotten wegen Zahlungsunfähigkeit bei kurzfristigen Schulden an: Das erste Mal 1557-1560, dann 1575, 1596, 1607, 1627 und 1647..." (Bd. II S.271)
Braudel (Bd. II S. 279-281) entwickelt das Schema der drei Metallzeitalter:
- Zeitalter des sudanesischen Goldes
Zahlungsverpflichtungen vorzugsweise in Gold abgewickelt, ein einzelner Bote reicht aus, um
in ausreichender Menge entscheidende Zahlungen zu tätigen (z.B. für die Soldaten eines Heeres)
- Zeitalter der amerikanischen Gold- und Silbereinfuhr (um 1550 ...1650/1680)
Geldtransport erfordert Fuhrwerke, Schiffe oder Lastentiere sowie Soldateneskorten.
- Zeitalter der Scheidemünzen und des Falschgeldes
Massenhaftes in Umlauf bringen von Falschgeld! (z.B Falschmünzer von Lüttich 1574). Tonnenweiser Schmuggel mit Kupfergeld (Hamburg,
Lübeck, Bordeaux, Niederlande, Dänemark, England). Einschmelzen spanischer Münzen und Ausgabe von Nachahmungen. Weitet sich aus bis in
die Türkei.
Auszug zu Schiffspreis-Angaben: (Bd. II S. 271-272)
"...unter dem Gesichtspunkt der Schiffsausrüstung, die sowohl für Kämpfe auf dem Atlantik als auch im
Mittelmeerkriege
geeignet sein muß, ist Spanien in einer ungünstigen Lage. Auch in diesem Bereich steigen die Preise pausenlos.
In seinem Buch Arte de Navegar erklärt Tomé Cano, ein Schiff von 500 Tonnen, das zur Zeit Karls V.
4000 Dukaten wert gewesen sei, werde heute, 1612, für 15000 Dukaten verkauft; für ein Quintal flandrisches Segeltuch, einst
2 1/2 Dukaten wert, werde mittlerweile ein Preis von 8 Dukaten verlangt. Ich selbst, fügt er hinzu, habe für 14
Dukaten pro Tonne Waren von Cartagena nach Indien befördert; heute werden für das gleiche Unternehmen 52 Dukaten verlangt...
... was für die großen Atlantikschiffe stimmt, gilt auch für die leichten Galeeren des Mittelmeeres.
1538 kostet die Ausrüstung einer solchen Galeere ohne Geschütze in Spanien noch 2253 Dukaten (davon entfielen
etwa 1000 Dukaten auf den Rumpf). 1582 erwägt Gian Andrea Doria, seine Galeeren für 15000 Escudos das Stück zu verkaufen...
wissen wir nicht, ob es sich um vollständige Galeeren mitsamt Mannschaft und Geschützen handelt..." |
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Das Mittelmeer und die mediterrane Welt in der Epoche Philipps II.
Suhrkamp 1990
ISBN 3-518-40597-7 |
| Bronisław Geremek |
Nennt die Revolution der Preise eine Inflation des 16. Jahrhunderts, die auf inneren strukturellen Widersprüchen beruht:
- Aufmerksamkeit der Zeitgenossen resultiert aus der relativen Preisstabilität der vorhergehenden Zeit und ließ sie sehnsüchtig
auf diese zurück blicken.
- Der gewaltige Zustrom an Silber aus Amerika ist es aber nicht, die Chronologie der Zeitereignisse spricht dagegen, denn
die steigende Tendenz setzt bereits 1460-1470 ein !!!
- Die landwirtschaftliche Erzeugung stagniert.
Der spektakuläre Aufschwung der Gutswirtschaft in einigen Regionen Ost- u. West-Europas erklärt sich aus dem Anstieg der Preise für
landwirtschaftliche Produkte, kann aber nicht den gleichzeitigen Niedergang der bäuerlichen Wirtschaft wettmachen !!!
- Die Liste der Inflationsfaktoren ist lang, die Situation der Edelmetalle und des Geldes ist nur eine von ihnen. Es sind
vor allem interne Faktoren, die zur Inflation des 16. Jahrhunderts führten.
- Soziale Folge ist die Verschärfung der wirtschaftlichen Ungleichheit auf dem Lande.
- Die Last der in Geldform festgelegten Feudalabgaben nimmt zwar ab - aber die Steuerlast wächst! Das führt wesentlich zur
Verarmung der bäuerlichen Bevölkerung und verschlechtert die Lage der Masse der Kleinbauern. Die müssen sich nach
zusätzlichen Einkommensquellen umsehen - das ist der Zusammenhang mit dem Rückgang der Reallöhne.
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Geschichte der Armut - Elend und Barmherzigkeit in Europa Artemis Verlag München und Zürich 1988
S. 113 ff
Polnischer Originaltitel: Litość i szubienica. Dzieje nędzy i milosierdzia w Europie 1978 unveröffentlicht
italienische Übersetzung: La pietà e la forca. Storia della miseria e della carità in Europa 1986 in Rom veröffentlicht
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| IMIS |
IMIS-BEITRÄGE Heft 29/2006 S. 53 Ursachen Preisrevolution:
"Die Ursache hierfür lag in dem weltweiten West-Ost-Gefälle des Preis- und
Lohnniveaus, das ... gemeinhin unter dem Begriff
der frühneuzeitlichen ›Preisrevolution‹ beschrieben wird – ein Begriff,
der auf Earl Hamilton ... zurückzuführen
ist. Dieses Gefälle wurde vor allem von der Edelmetallflut ausgelöst, die
um die Mitte des 16. Jahrhunderts nach der Entdeckung reicher Silbervorkommen
in Mexiko (Zacatecas) und Peru (Potosí) eingesetzt hatte und sich
von dort über Spanien bis ins mittlere und östliche Europa und schließlich
bis nach Asien ergoss. Von 1500 bis 1800 dürften im iberischen Amerika
mindestens 90.000 Tonnen Rechensilber gefördert worden sein. Das entspricht ...
etwa 80 bis 85 Prozent der Weltproduktion. Im Verlauf des 18. Jahrhunderts
stieg dieser Anteil gar gegen 90 Prozent. Bereits die Wirtschaftsdenker
des 16. Jahrhunderts waren sich bewusst, dass Geld wie eine Ware zu
betrachten ist und sein Wert mit zunehmender Münzmenge sinken muss."
S.54:
Noch Alexander von Humboldt stellte auf seinen Reisen fest,
die mexikanischen Bergleute seien die bestbezahlten der Welt. Löhne und
Preise sanken in Richtung Osten weiter: In Cádiz und Sevilla, wo die Galeonen
mit den Silberfrachten ankamen, waren sie höher als in Nordspanien,
und sie sanken über Frankreich nach den Niederlanden und Italien. Noch
niedriger waren Löhne und Preise im Alten Reich, und dies ist der entscheidende
Punkt: Mitteleuropa war ein Niedriglohnland, das seine Produktion
auf die westlichen Märkte mit ihrem hohen Preisniveau ausrichtete, und wer
als Hersteller und Händler sein Vertriebsnetz für eigene Waren am weitesten
nach Westen hin ausdehnen konnte, durfte die besten Gewinne erwarten. |
Klaus Weber Krauts und true born Osnabrughs - Ländliche Leinenweberei, früher Welthandel
und Kaufmannsmigration im atlantischen Raum vom 17. bis 19. Jahrhundert
in: IMIS-BEITRÄGE Heft 29/2006
Herausgegeben vom Vorstand des Instituts für Migrationsforschung und Interkulturelle Studien (IMIS) der Universität Osnabrück |
V. Anhang
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Angaben zu ausgewählten zeitgenössischen Persönlichkeiten |
Hinweise |
| Nikolaus Kopernikus |
(1473 - 1543), Domherr, Arzt, Jurist, Mathematiker, Astronom.
Ist vor allen Dingen wegen seiner astronomischen Forschungen bekannt. Hat aber u.a. auch Untersuchungen zur
Geldtheorie angestellt und in seiner Münzdenkschrift von 1519 das sogen. Greshamsche Gesetz zuerst formuliert.
Darin erklärte er das Vordringen des schlechten Geldes, seine Aussagen wurden jedoch von König Sigismund I. ignoriert.
Kopernikus soll 1530 währungspolitische Positionen des königlichen Münzmeisters Dietz unterstützt haben.
Von den vorwiegend national orientierten Geschichtsschreibungen werden oft die europaweiten Zusammenhänge zwischen
den Geldbewegungen und den sozialen Unruhen in der frühen Neuzeit ignoriert.
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Mikolaja Kopernika wygloszony w Grudzia;dzu 21 III 1522 roku, Tractatus de monetis
Erwähnung in den
Wirtschaftswissenschaften
Münzdenkschrift
in Wikipedia
|
| Jost Ludwig Dietz |
königlicher Münzverweser, bekannt mit Martin Luther und Erasmus von Rotterdam. Seine finanzpolitische Position wurde auf einer Tagung
im Oktober 1530 von Nikolaus Kopernikus unterstützt. |
Dietz in Wikipedia |
| Tome Pirés |
(1464 (?) - 1524/1540) Portugiese, verbrachte viele Lebensjahre in Indien und China, schrieb (um 1515?) ein wissenschaftliches
Kompendium über den asiatischen Handel (mit Münz-, Maß- und Gewichtsangaben), die Summa Oriental (vom Roten Meer bis China).
Schildert darin eine Eigenschaft Papst Paul II. (Pontifikat 1464-1471). (Siehe Zitat 24) |
Qelle für Zitat (24): Lisa Jardine Der Glanz der Renaissance List Verlag München 1999 S.317 |
| Papst Paul II. |
(1417-1471), Pontifikat: 1464-1471, wie der ihn begünstigende Papst
Eugen IV.(1383-1447) entstammte
Pietro Barbo
einer reichen
Kaufmannsfamilie! Feierte üppige Feste, für die Massen Sport und Spiele, von humanistischen Kreisen verhaßt. Ließ von deutschen
Klerikern die erste Druckerei in Rom einrichten. Versuchte eine Wiedervereinigung mit der russisch-orthodoxen Kirche. Führte das
finanzträchtige Heilige Jahr (alle 25 Jahre) ein. Soll laut Tome Pirés viel mit Handelstätigkeit beschäftigt gewesen sein. |
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| Papst Innozenz VIII. |
Pontifikat: 1484-1492, erhob den 13 Jährigen Giovanni Medici zum Kardinal (später Leo X.)(*),
aus seiner Amtszeit soll der Spruch stammen: camera apostolica - mater pecuniarum
(die päpstliche Kammer ist die Mutter der Geldwirtschaft)(**) |
(*)K.Deschner, Kriminalgeschichte des Christentums, Rowohlt Hamburg 2006, Bd.8, S. 293
(**)E. Hering, Die Fugger, Goldmann Verlag leipzig S. 99 |
| Agostino Chigi |
(1466 - 1520) päpstlicher Bankier, ab 1509 Chef des Bankhauses der Spanocchi. Zählte etwa 100 Frachtschiffe sein eigen, Monopol im
Alaun-Handel. Bekam 1492 von den Borgia das Zoll- und Steuergeschäft der Kurie zugeordnet. |
L′ Enciclopedia Italiana |
| Giambattista della Valle |
italienischer Büchsenmeister, von ihm stammt die erste Beschreibung (1524) zur Herstellung von Hohlkugeln für die Artillerie. |
Karl-Heinz Ludwig, Volker Schmidtchen, Metalle und Macht Propyläen Technikgeschichte Bd.2
1000 bis 1600 Berlin 1997 S. 332 |
| Johann Baptista de la Tolle |
venezianischer Geschützgießer, der (1504) erstmalig die Einteilung der Kanonen nach Kugelgewichten vornahm. |
Karl-Heinz Ludwig, Volker Schmidtchen, Metalle und Macht Propyläen Technikgeschichte Bd.2
1000 bis 1600 Berlin 1997 S. 334
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| João Brandão |
auch: John Brandao, Königlicher Faktor von Portugal, Seemann, Inhaber des Pfeffermonopols für Nordeuropa.
Hatte die Routen nach Indien und
Amerika selbst befahren. Verkehrte im Haus des Genueser Seidenhändlers Tommaso Bombelli und lernte dort
Albrecht Dürer kennen. Er machte Dürer mit den aktuellen
Kenntnissen über die Neue Welt vertraut.
João Brandão war ein Faktor des Portugiesischen Indienhauses in Antwerpen von 1509 bis 1514 und wieder von
1520 bis 1525. Er stammte aus einer bekannten portugiesischen Familie, welche sich sehr für Künstler interessierte.
[(*) Hinweis auf Dürers Tagebuch in den Niederlanden Juli 1520 bis Juli 1521
→ Albrecht Dürer, Schriften und Briefe, Reclam Leipzig 1993 ]
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Eugen Ortner, Albrecht Dürer, Keil Verlag Berlin 1934 S. 77
googlebuch
in: Contemporaries of Erasmus - A Biographical Register of the Renaissance and Reformation
University of Toronto 1995 S. 184 (*)
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| Georg Hartmann |
Vikar und Mathematiker in Nürnberg, entwickelte um 1530 den Kaliberstab [Einteilung der Kanonenkugeln nach
Durchmesser, Materialdichte (Stein, Eisen,Blei) und jeweiliges Gewicht zur Bestimmung der erforderlichen
Pulvermenge zum Verschießen] |
Karl-Heinz Ludwig, Volker Schmidtchen, Metalle und Macht Propyläen Technikgeschichte Bd.2
1000 bis 1600 Berlin 1997 S. 335 |
| Gregor Löffler |
(1490-1565) Geschützgießer und Büchsenmeister aus Insbruck, Schöpfer des Kaiserlichen Geschützsystems für Karl V. |
Karl-Heinz Ludwig, Volker Schmidtchen, Metalle und Macht Propyläen Technikgeschichte Bd.2
1000 bis 1600 Berlin 1997 S. 335 |
| Faktoren, Mitarbeiter, Gläubiger und Spießgesellen des Fugger-Imperiums |
ungesicherte Angaben sind mit (?) gekennzeichnet |
Johann Eck
Siehe auch Johannes Eck |
Professor an der Universität von Ingolstadt, nahm am 15.7.1515 an einem öffentlichen Streitgespräch zum Thema
Wuchergeschäfte teil. Entwickelte dort sein Darlehensmodell für einen Kontrakt in drei Stufen um das Zinsverbot der Kirche zu umgehen.
Eck wußte die Lehre vom gerechten Preis (justum pretium) auf folgende Weise auszuhebeln:
- erste Stufe: Besiegelung einfacher Partnerschaft
- zweite Stufe: kommerzielle Investition mit Risiko und (hohem Gewinn) verabredet
- dritte Stufe: der "Kreditnehmer" verkauft dem Geber die Investition mit geringerem Gewinn "zurück".
1514 hatte Eck dieses Modell der deutschen Kaufmannschaft in Tübingen präsentiert,daraufhin verbot die Kirche in Ingolstadt dem
Theologen dieses Thema. Die Fugger-Bank mischte sich ein und finanzierte Eck 1515 eine Reise nach Bologna, um dort seine Theorie
international zu verbreiten. Später entwickelte Eck Rechtfertigungen für den Ablaß als Quelle kirchlicher Gewinne und ging in die
Historie als Gegner Luthers ein. |
Lisa Jardine Der Glanz der Renaissance List Verlag München 1999 S.318-320 |
| Johannes Blankenfeld |
Dr. Blankenfeld; Berliner Bürger, Vertrauter des brandenburgischen Kurfürsten, diplomatischer Vertreter der Hohenzollern am Vatikan.
verhandelte (?) vermutlich mit Johannes Zink (Faktor der Fugger) im Zusammenhang mit der Wahl Albrechts zum Erzbischof von Mainz um 10.000 Dukaten. HL - Vermutung: Steht damit irgendwie im Zusammenhang mit Erfurts "tollem Jahr". |
E. Hering Die Fugger Goldmann Verlag leipzig S. 111-112 |
| Ferdinand Ponzetti |
(auch Ferdinando), Neapolitaner, Kleriker, Finanzberater Papst Leo X., von diesem 1517 zum Kardinal erhoben,
außergewöhnlich habgierig, die Soldaten Karls V. fanden 1527 bei ihm während der Plünderung Roms 20.000 Dukaten.
HL: Er war vermutlich ein ernsthafter Konkurrent der Fugger-Bank ?
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ebenda S. 113 |
| Johannes Zink
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Faktor an der Fugger-Bank in Rom, päpstlicher Münzmeister, leitete das Silber aus Tirol und Ungarn an die Münze von Rom.
HL - Vermutung: verhandelte vermutlich mit Dr. Johannes Blankenfeld aus Berlin und könnte damit irgendwie im Zusammenhang mit dem Erfurter "tollen Jahr" stehen. |
ebenda S. 107 ff |
| Hans Bühler |
Faktor der Fugger in Breslau 1525 |
ebenda S. 61 |
| Anton Mangolt |
juristischer Vertreter der Fugger (?) |
ebenda S. 60 |
| Mathäus Schwarz |
Hauptbuchhalter der Fugger |
ebenda S. 60 |
| Lienhard Mair |
bearbeitete für die Fugger im Augsburger Kontor den ungarischen Handel (1525) |
ebenda S. 61 |
| Hansen Suiter |
Faktor der Fugger in Innsbruck |
ebenda S. 66 |
| Hans Koler |
Faktor der Fugger in der Lombardei (1509) und in Mailand (?) |
S. 69, 130 |
| Jörigen Remen |
(Jörg Remen ?), Faktor der Fugger 1497 in Mailand |
ebenda S. 69 |
| Alexius Thurzo |
(auch: Alex Thurso; u. anders) Schatzmeister des ungarischen Königs Ludwig, mitverantwortlich für die
Münzverschlechterung von 1521 in Ungarn, die eine Inflation
auslöste. War sein Berater Emerich Szerenzich?
Die Thurso'sche Gesellschaft wirkte eng mit den Fuggern zusammen und bildete zeitweilig Konkurrenz oder Scheinkonkurrenzen.
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(*) ebenda S.91 |
| Emmerich Szerenzich |
Berater des Kanzlers des ungarischen Königs, Konvertit, soll der eigentliche Verantwortliche für die Münzverschlechterung
in Ungarn von 1521 gewesen sein. Bei dieser wurden der Silbermünze, die bisher 50 % Kupfer enthielt, weitere 25 % Kupfer anteilig
hinzugefügt. Eine Inflation folgte.
Auseinandersetzungen über die wirtschaftlichen Auswirkungen und Mißwirtschaft. So beschloß z.B. der Landtag 1524, alle Fugger und
Fremden aus Verwaltungstellen zu entfernen. Maßnahmen des Königs gegen die Fugger.
Die Inflation war auch der Auslöser für die erfolgreiche Revolte der Bergknappen 1525 der Thurso-Fugger-Werke.
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ebenda S. 91 ff
weitere Verbindungen:
Münzverschlechterung Ungarn
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| Hans Ploß |
Faktor der Fugger in Neusohl (heute Banska Bystrica). Verhandelte mit
den aufständischen Bergleuten zu Pfingsten 1525 und mußte in die Forderungen der Knappen einwilligen. |
ebenda S.92-93 |
| Hans Suitter |
organisierte die Fuggersche Post nach Rom (?) |
ebenda S. 128 |
| Hans Prunbecher |
Fuggerscher Agent, der mit einer (zweiten?) Molukken-Flotte unter dem Oberbefehl von Sebastian Cabots (1472-1557)
(span.: Sebastiano Caboto) reiste.
Im August 1530 kehrte Cabot mit nur einem Schiff zurück.
Der Fuggersche Faktor Prunbecher war unterwegs an den Entbehrungen gestorben. Die Fugger meldeten nur einen Verlust von 38
Dukaten.
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E. Hering S. 267 Google-book:
Prunbecher |
| Georg Wandler |
Fuhr am 23. Juli 1525 als Vertreter der Fugger mit einer (erste ?) aus sechs Schiffen bestehenden Molukken-Flotte unter Oberbefehl des
Garcia de Loaifa (noch keine Angaben verfügbar) aus. Von dieser Flotte kehrte kein Schiff zurück, Georg Wandler blieb verschollen.
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E. Hering S. 267 (Siehe auch Googlebook für Prunbecher) |
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| Beispiele von Expeditionen der spanischen Krone: |
| 1499 |
Alonso de Ojeda
Juan de la Cosa
Amerigo Vespucci
Peralonso Nino und Cristobal Gerra
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Küste Südamerika (?); Amazonasdelta (?) |
| 1499 |
Vincente Yanez Pinzon |
verlor bei den Bahamas zwei Karavellen |
| 1499 |
Diego de Lepe |
Route wie Pinzon |
| 1500 |
Alonso Velez de Mendoza |
entlang der Küste Brasiliens |
| 1500 |
Luis Guerra |
entlang der Küste Brasiliens |
| 1502 |
Rodrigo de Bastidas, Juan de la Cosa |
Panama, verloren alle vier Schiffe, kamen mit dem einig überlebenden Schiff der 19 Schiffe de Francisco de Bobadilla
lebend zurück |
| 1512 |
Ponce de Leon |
Florida (?) |
| 1513 |
Vasco de Balboa |
fand den Pazifischen Ozean |
| 1517 |
Francisco de Cordoba |
fand das Gold Yucatans |
| 1518 |
Juan de Grijalva |
Yucatan |
| 1518 |
Hernan Cortes mit 11 Schiffen |
Yucatan |
| ? |
Alonso Alvarez de Pineda |
Mississippi, Texas |
| 1519 |
Ferdinand Magellan mit 5 Schiffen |
Weg nach Indien, Weltumseglung im Auftrag der spanischen Krone |
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Beispiele verlorener Schiffe (span. u. port.) |
| 1492 |
Nao "Santa Maria" des Kolumbus |
| 1494 |
2 Karavellen des Kolumbus |
| 1495 |
2 Karavellen des Kolumbus
4 Schiffe des Juan de Aguado |
| 1499 |
1 Karavelle des Alonso de Ojeda |
| 1500 |
2 Karavellen des Vincente Yanez de Pinzon |
| 1501 |
1 Karavelle des G. Corte Real
1 Karavelle des Cristobal Guerra |
| 1502 |
1 Karavelle des M.C. Real
4 Schiffe des R.d.Bastisdas u. J.d.Cosa (1 Karavelle, 1 Nano, 1 Pinass, 1...?)
19 Schiffe de Bobadilla
1 Karavelle des A.d.Ojeda
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| 1525 |
Fugger-Beteiligungen an sechs verlorenen Schiffen
Am 23. Juli stach Fuggeragent Georg Wandler mit einer (ersten ?) aus sechs Schiffen bestehenden Molukken-Flotte
unter Oberbefehl des Garcia de Loaifa in See. Von dieser Flotte kehrte kein Schiff zurück, Georg Wandler blieb verschollen.
Die Fugger verbuchten 10 000 Dukaten Verlust, führten vermutlich dafür bis 1553 einen Prozeß mit dem spanischen
Fiskus und haben ihn offenbar durch Bestechungsgeld (100 Dukaten) gewinnen können. |
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Geldverschlechterungen zwischen
1500 und 1600
Entwicklung des Silber- und Goldäquvalents noch vor der Kipper- und Wipperzeit
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ausgewählte Geldwerte Mittelalter und Frühe Neuzeit
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| weiterführende Links |
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Die Fugger
Der Kontakt zum Hof 1473 - 1504
zusammengefaßt von Martin Schlu 2000 nach:
Quelle: Eugen Ortner: Glück und Macht der Fugger, Ehrenwirth-Verlag, München 1954 |
Der Kontakt zum Hof 1473 - 1504 |
Die Patrizier der Welser im Bauernkrieg www.bauernkriege.de |

Anton Welser |
Wucher und Aufkauf
Auszüge aus Sebastian Brant's Das Narrenschiff 1494 |
Fuhrkauf |
Notizen zur Geschichte der Frühbürgerlichen Revolution und der Preisrevolution • Dipl. Ing. Hans Holger Lorenz
• 11. April 2012 • HLorenz500@aol.com • WB To
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