Die Patrizier der Welser im Bauernkrieg Lilienwappen der Welser




               
Zu den berühmtesten Kaufmannsfamilien um 1500 zählen in den deutschen Städten die Gossembrod, Meuting, Herwarth, Welser, Fugger, Baumgartner, Haug, Imhof, Tucher, Stalburg und Bromm. Ihr Reichtum begründete sich oft mit dem Handel von Barchent, Metallen und Metallwaren, Südwaren, Wein und Salz. (1) Aber damit sind nicht alle Qellen ihres Reichtums offenherzig genannt. Als gute Geldanlagen erwiesen sich auch Kredite für die Söldnerwerbungen, aus denen später umfangreiche Kriegskredite werden sollten. Bleiben wir beim Beispiel der Welser.

Bei den ersten Revolten der Bauern in Deutschland zeigte sich, was sich stets aus herrschaftlicher Geldpolitik ergab: die Kassen der Fürsten waren leer! Auch für den Krieg gegen die Revoltierer war erst einmal kein Geld da und man fragt sich noch heute, wohin in all den Jahrzehnten vor dem Bauernkrieg die von den Landleuten ausgepressten Mittel flossen. Schließlich liest man in den Geschichtsbüchern, das der Bergbau dieser Zeit "Deutschland großen Reichtum" brachte. Edelmetalle, die sich direkt in die Münzproduktion, also in Geld verwandeln ließen, gab es die Menge! Durch Vergabe von Schürfrechten und die Verarbeitung der Bodenschätze in den Hüttenwerken konnten sich unglaubliche Reichtümer bei wenigen anhäufen während der übergroße Teil der Bevölkerung nahezu leer ausging. In der Landwirtschaft war von dem Aufschwung wenig zu spüren. Die Produktionssteigerungen erfolgten eher extensiv und regional sehr unterschiedlich. Im Gegenteil, der von Adel und Kirche forcierte Allmende-Raub (Gemeindeland, Gemeindewald und Gewässer) machte es der Dorfbevölkerung unmöglich, sich an der erweiterten Viehproduktion zu beteiligen, die sich in die Bereiche des Stadtbesitzes verlagerte. Viele der angehäuften Reichtümer gelangten zum Papst nach Rom, aber nicht ausschließlich. Produkte und Gelder flossen auch an ausländische Unternehmungen anderer Art. Heute könnten wir eine vergleichbare wirtschaftliche Situation vielleicht Exportüberschuß nennen. Was dann schließlich im Lande noch übrig blieb, nahmen sich die Territorialfürsten und die kleinen lokalen Adligen.
All dem ungeachtet stand der Adel im Frühjahr 1525 wieder einmal vor der zwingenden Notwendigkeit, Geld aufzutreiben. Und so nahm er Kredite auf bei den großen Handelsherren. Dieses Geld gedachte man später durch Brandschatzungen, Strafgelder und andere Erpressungen der unterdrückten Landbevölkerung wieder einzutreiben. (2) Auf diese Art und Weise wurde die Niederschlagung der Erhebungen der Bauern sogar zu einem Geschäft, einem Kriegsgeschäft!
Im Februar 1525 erhielt man 5.000 Gulden aus dem Haus der Welser. Die Fugger streckten allein von Februar bis April über 10.000 Gulden vor. Das hatte seinen Grund in ihren Besitzungen an Silberbergwerken und an reichlichem Grundbesitz in den Aufstandsgebieten. Die Städte Konstanz, Augsburg und Nürnberg zählten 3212 Gulden zusammen. Anfang März kreditierte Augsburg noch einmal 5.000 Gulden u.s.w. (3)


Am Anfang der militärischen Kampagne gegen die Untertanen stand die Söldnerwerbung. Die Heere der Adligen waren auf Söldner angewiesen, weil sich die waffentragenden Stadtbürger in der beginnenden Reformation als unzuverlässig für die Herrschenden erwiesen. Entweder wollten sie nur die Interessen ihrer Stadt (mal für und mal gegen die Bauern) verteidigen oder sie waren militärisch zu schwach ausgerüstet. Söldnerwerbung kostet jedoch Geld. Die Größenordnungen der Aufwendungen waren bekannt aus dem normal gewordenen Einsatz von Söldnern in den laufenden Kriegen in Italien. Nicht normal, besser gesagt neu war der Einsatz von Söldnern gegen Bauern und Bürger im eigenen Land. Damit war eine garantierte Sicherheit der Kreditrückzahlung nicht nur nicht genau kalkulierbar sondern reduzierte auch die Möglichkeiten der Bereicherung aus dem eigenen Besitztümern an Land und Leuten, denn die Heimatgebiete würden zerstört werden. Das trieb die Zinsen hoch. Trotzdem wurden fremde Söldner in das eigene Land geholt, z.B.auf Anraten des bereits zitierten berüchtigten Kanzlers Leonhard von Eck, der im Februar 1525 seinem Herzog riet, Knechte aus Böhmen und Stratioten aus Venedig für das landesinnere Blutvergießen anzuheuern!(5) Ebenso wollte der Würzburger Bischof fremdes Fußvolk für sich engagieren und ließ dahingehend umfangreiche Berechnungen für den Einkauf von Hauptleuten, Knechten und Wagen anstellen.(6) Mit Sicherheit wußten die reichen Geldgeber von diesem Dilemma und nutzten diese Gegebenheiten für ihre eigenen Interessen aus. Darin bestand eben der Gegensatz zwischen den alten Feudalherren und den neuen Geldsäcken. Der engstirnige Adel hoffte, durch verstärkten Druck auf die niedergeschlagenen Untertanen die Finanzmittel über Strafgelder aufbringen zu können, eine prosperierende wirtschaftliche Entwicklung der eigenen Ländereien entsprach nicht seinen Denkkategorien!

Von ganz anderem Format waren die neuen Kräfte des Geldes, sie dachten in viel größeren Kategorien und handelten auf weit höheren Ebenen. Viel zu selten wird heute darauf verwiesen, das die Globalisierung im 16.Jahrhundert entstand! Die Welser sind um 1500 nur ein markantes Beispiel! Diese Augsburger Patrizier, die mit "peanuts" an der Niederschlagung deutscher Bauern beteiligt waren, repräsentierten nicht als einzige eine enge Verflechtung "der mitteleuropäischen Wirtschaft mit der maritimen Expansion der iberischen Mächte" (4). So beteiligte sich die Firma Anton Welser, Konrad Vöhlin u. Mitverwandte 1505/1506 finanziell an der Ostindienfahrt des portugiesischen Vizekönigs Francisko d'Almeida. Das Welser-Haus hatte nach der finanziellen Unterstützung mit 143.000 Gulden (7) bei der Kaiserwahl Karl V. auch anschließend viele Kreditgeschäfte mit den Habsburgern. Damit entwickelten und festigten sich ihre Beziehungen zur spanischen Krone und derem Engagement in Übersee. Das Jahr 1528 brachte ihnen den Abschluß eines Vertrages über die Kolonisation Venezuelas, den sie durchaus als Beutezugunternehmen zu realisieren wußten. Zwar sendeten die Welser Bergleute als Experten nach Amerika, aber die gleichzeitigen Lieferungen von Negersklaven aus Afrika bleiben oft unerwähnt. Neue Kolonial-Gründungen waren nicht nur mit wirtschaftlichen Gefahren verbunden, diese damals immerhin noch mutigen Männer riskierten dabei auch ihr eigenes Leben, wie der gewaltsame Tod Bartholomäus Welsers beweist. Das waren Leute von ganz anderem Schlage als die heutigen waschlappigen Vertreter der "Global Player".

Der an Historie Interessierte begegnet dieser Variante des "Geldmachens" durch Kriegskredite im Dreißigjährigen Krieg wieder. Allerdings findet dann die "Rückzahlungsform" weitaus größere und schlimmere Verbreitung als ihr Versuchsmodell aus dem Bauernkrieg, das mit vielleicht 130.000 toten Bauern schon verheerend genug gewesen war!. Kriegskredite an unkalkulierbare politische Kräfte zu vergeben, kann aber auch zum eigenen Untergang führen. Das Ende des Hauses der Welser zeigt es.

Anton Welser d.J.

Bartholomäus Welser V.
Euer gnaden underteniger Jacob Welser der Ellter
Euer gnaden underteniger
Jacob Welser der Ellter

Unterschrift unter dem Brief vom 3.Mai 1525
des Jacob Welser des Älteren an Graf Albrecht von Mansfeld







Notizen über Zeitgenossen
Quelle
Cristobal de Haro aus Burgos; spanischer Kaufmann, möglicherweise ein Strohmann der Welser, Fugger und anderer oberdeutscher Kaufherren, um in das portugisiesche Gewürzgeschäft einzusteigen. Er finanzierte die Reise Ferdinand Magelan's. a) Wolfgang Reinhard ; Kleine Geschichte des Kolonialismus
Alfred Kröner Verlag Stuttgart 2008   S. 25     ISBN 978-3-520-47502-2
b) Heinz Schilling ; Siedler Deutsche Geschichte • Das Reich und die Deutschen - Aufbruch und Krise
Deutschland 1517-1648
Wolf Jobst Siedler Verlag Berlin 1988   S. 51     ISBN 3-88680-059-8
Heinrich Ehinger [1] (auch: Enrique Eynger ), (* ....; + 1537) Faktor der Welser, Schlüsselperson im spanischen Überseegeschäft der 1520er Jahre. Er stammte aus Konstanz, wurde 1519 Vorsteher der Welsischen Faktorei in Saragossa, trennte sich 1530 von den Welsern und blieb am spanischen (?) Hof.

[2] Faktor der Welser in Spanien zur Zeit der Vorbereitung der Kaiserwahl für Karl V. ; gemeinsam mit Sebastian Schöpperl. Karl V. bevorzugte zu der Zeit die Welser und einige genuesische Bankhäuser noch vor den Fuggern, die offenbar in Konkurrenz zueinander standen.
[1] Hermann Kellenbenz, Rolf Walter ; Oberdeutsche Kaufleute in Sevilla und Cadiz(1525-1560)
Eine Edition von Notariatsakten aus den dortigen Archiven
Franz Steiner Verlag, 2001 S.13-14
ISBN 3515077405, 9783
Einsicht hier

[2] Ernst Hering, Die Fugger; Wilhelm Goldmann Leipzig, S.148

[-] Siehe auch: Lexikon Geschichte Baden+Württemberg Venezuela
Sebastian Schöpperl Faktor Anton Welsers in Spanien zur Zeit der Vorbereitung der Kaiserwahl für Karl V. ; gemeinsam mit Heinrich Ehinger genannt. Karl V. bevorzugte zu der Zeit die Welser und einige genuesische Bankhäuser noch vor den Fuggern, die offenbar in Konkurrenz zueinander standen. Ernst Hering, Die Fugger; Wilhelm Goldmann Leipzig, S.148
Lucas Rem (1481-1541), vielgereister Augsburger Kaufmann, lange im Dienst der Welser. Hatte Verbindungen zum portugiesischen und zum spanischen König. Bekannt durch seine Tagebuchaufzeichnungen.
Tagebuch des Lucas Rem aus den Jahren 1494-1541, Beitrag zur Handelgeschichte der Stadt Augsburg, mit erläuternden Bemerkungen und einem Anhang von noch ungedruckten Briefen und Berichten über die Entdeckungen des neuen Seeweges nach Amerika und Ostindien
Augsburg 1861
  (Google eBook)
Georg Steinhausen, Kaufleute und Handelsherren in alten Zeiten
Eugen Diederichs Verlag Leipzig 1899
Nachdruck Köln 1970/1976 S. 44-50
Balthasar Springer (oder: Sprenger), aus Vils bei Reutte in Tirol. Abgesandter des Augsburger Handelshauses der Welser. Von ihm stammt der erste längere Bericht einer Indienreise in deutscher Sprache (sieht man von einer anonymen schriftlichen Nachricht ab, die von der zweiten Fahrt Vasco da Gamas, 1502/03, erhalten ist) Neue Zürcher Zeitung   17. September 2005,
«So fuhren wir hin mit ganzer Macht und wohlgewappnet . . .»
Erfahrungen eines Handelsreisenden vor 500 Jahren
NZZ
Hans Mayr Faktorei-Schreiber, vermutlich in königlich-portugiesischen Diensten, verfaßte einen portugieischen Bericht seiner (zweiten) Indienreise. Mitreisender Baltahasar Springers. Neue Zürcher Zeitung   17. September 2005,
«So fuhren wir hin mit ganzer Macht und wohlgewappnet . . .»
Erfahrungen eines Handelsreisenden vor 500 Jahren
NZZ
Hans Burgkmair (1473-1531), Augsburger Meister, schuf sechs Holzschnitte, die 1511 erschienen in der deutschen Kurzfassung des Berichts von Balthasar Springer.
Andere Fassung von 1509: «Die Merfart un erfarung nüwer schiffung und weg zu viln onerkanten Inseln und Kunigreichen». Sie hat fünfzehn Seiten und ist mit fünfzehn Holzschnitten (dabei ein Doppelblatt) wahrscheinlich von Wolf Traut illustriert.
(Siehe: Balthasar Springer)
Neue Zürcher Zeitung   17. September 2005,
«So fuhren wir hin mit ganzer Macht und wohlgewappnet . . .»
Erfahrungen eines Handelsreisenden vor 500 Jahren
NZZ
Martin Waldseemüller Veröffentlichte gemeinsam mit Matthias Ringmann 1507 eine Weltkarte. Auf dieser Karte erhielt der neue Kontinent, den Christoph Columbus 1492 entdeckt hatte, erstmals einen Namen. Waldseemüller setzte den Namen "America" auf den südlichen Teil des Erdteils, zu Ehren des florentinischen Geographen Amerigo (=Emmerich) Vespucci.
Das einzig erhaltene Exemplar wird in der Library of Congress in Washington ausgestellt.
H.J. Störig ; Kleine Weltgeschichte der Wissenschaft
Fischer Taschenbuch Verlag 2007
S.217
Matthias Ringmann (1482-1511) Philologe und Dichter, ist für die Bezeichnung "Amerika" verantwortlich. www.uni-stuttgart.de/hi/lg/lehre/lehrveranstaltungen_exkursionen/humanisten.pdf
Sigismund von Herberstein (1486 - 1566) schrieb als einer der ersten Gelehrten Reiseberichte über die Länder des Ostens. War als Diplomat Maximilians I. und Ferdinands I. 1516/1517 und 1526/27 in Moskau.
Auf ihn stützt sich der deutsche Theologe (und Luther-Gegner) Eck in seinen geographischen Schriften.
H.J. Störig ; Kleine Weltgeschichte der Wissenschaft
Fischer Taschenbuch Verlag 2007
S.220







weiterführende Links
Gerald Braunberger,
Finanzdynastien (3): Die Welser
Die vergebliche Suche nach dem sagenhaften Reich des Goldes
in: FAZ.net am 30.07.2008
Dr. Albert Hollaender
Ein Bergknappenaufstand in Schwaz 1525.
© digitale Version: www.SAGEN.at
Bergknappenaufstand





Tabelle für weitere Bearbeitung und Untersuchungen
1. 17. September 2005, Neue Zürcher Zeitung
«So fuhren wir hin mit ganzer Macht und wohlgewappnet . . .» ;Erfahrungen eines Handelsreisenden vor 500 Jahren

" Drei Segler der portugiesischen Flotte, die am 12. September 1505 unter dem Kommando von Francisco d'Almeida bei Cannanore die Westküste Indiens erreichte, waren für die enorme Summe von 60 000 Dukaten von finanzkräftigen deutschen und italienischen Handelshäusern ausgerüstet worden: die «Hieronymus», die «Raphael» und die «Leonhard».
NZZ
2. Hrg. Friedrich Edelmayer
Die Korrespondenz der Kaiser mit ihren Gesandten in Spanien:
Bd.1 Briefwechsel 1563-1565
Verlag für Geschichte und Politik
Oldenburg (1997 ?)
S. 111-112

1557 bei Regierungsantritt von Philipp hatte er Schulden von 2,300.000 Dukaten beim Augsburger Bankier Johann Jakob Fugger

in Google-Buchsuche:

Dukaten






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Notizen zum Deutschen Bauernkrieg und zum Patrizierhaus der Welser / Hans Holger Lorenz / 8. September 2012 / HLorenz500@aol.com / (VII)- WB-To