1. Bauernaufstand oder Kaisersturz?
  2. Zeittafel
  3. Namenverzeichnis
  4. Begriffe
  5. Karten
Thomas, der Slawe - die Rebellion von 820 bis 825 u.Z.
Bauernaufstand, Volksunruhen und blutiger Kaisersturz
Arbeiten auf einem Sonnenblumenfeld
        Miniatur aus dem 11.Jahrhundert



Hinweise:
Die Abkürzung u.Z.
entspricht
unserer Zeitrechnung nach Christus.

Ungesicherte Angaben sind mit einem (?) gekennzeichnet.
Arbeiten auf einem Sonnenblumenfeld
Miniatur aus dem 11.Jahrhundert

















I. Bauernaufstand oder nur ein blutiger Kaisersturz?
Die Lage der Bauern und die Bewegung der Bilderstürmer

Für unsere Gegenwart ist die Geschichte des Aufstandes unter Thomas dem Slawen lehrreich, weil wir unberührt von den damaligen politischen Interessenlagen verfolgen können, wie soziale Widersprüche, ökonomische Probleme und religiöse Auffassungen miteinander verwoben sind und bei ungehinderter Zuspitzung zu blutigen Kämpfen ausarten können. So erzählt uns eine aus dem Beginn des 8. Jahrhunderts überlieferte Landespolizeiordnung (Nomos georgikos) einiges über die sozialen Entwicklungen in dieser Zeit. Die Bewohner Kleinasiens fühlten sich ständig gefährdet durch eine permanente Kriegsbedrohung. Byzanz als Erbe des oströmischen Reiches, befand sich in einer Zangen-Situation: vom Norden drohten Bulgarenstämme, vom Süden die Einfälle des sich ausbreitenden arabischen Kalifats. Die Menschen fürchteten sich vor Verschleppung in die Sklaverei, vor dem Raub ihrer Ernten und ihres Viehs. Um dem entgegen zu wirken, wurden Maßnahmen getroffen, die langfristig zu einer Festigung führen sollten. Den Bauern gestand man Bodenbesitz zu, insbesondere den ehemaligen Soldaten des Heeres. Es entwickelten sich freie Dorfgemeinschaften mit kommunalem Bodenbesitz, die Schollenbindung wurde aufgehoben und Dientsbarkeiten abgeschafft. So entstanden freie Bauern als Wehrbauern (Stratioten). Sie bildeten den militärischen und steuerlichen Rückhalt des byzantinischen Staates. Daneben gab es halbfreie Bauern, Dorfarme (Halbpächter, Zehntbauern) und Sklaven, die auf den großen Gütern des Hof- und Militäradels und der Klöster arbeiteten.

Die Klöster brachten sich im Laufe der Zeit in den Besitz großer Ländereien. Sie waren reich und ihre Insassen bildeten inzwischen eine starke und sehr einflussreiche Schicht im Staat, die sich zuweilen politisch in Gegensatz zu den herrschenden Kreisen der Städte brachte. Das war eine Besonderheit des byzantinischen Reiches, es besaß Großstädte wie Konstantinopel, Saloniki und Trapezunt, die über weitreichende Handelsbeziehungen verfügten und somit eigene politische Interessen entwickelten. Stark ausgeprägt zeigte sich die Zentralgewalt des Kaisers in Konstantinopel.

Beide Interessengruppen benötigten jedoch die Arbeitsergebnisse der Bauern. Die relative Freiheit der Landleute geriet damit nach und nach durch sukzessive Erhöhungen der Abgaben und Steuern unter Druck. Die Provinz-Fürsten legten sich eigene größere Besitzungen zu und beanspruchten selbst das Land, das eigentlich den Stratioten zustand. Die Massen der Wehrbauern beherrschten den Umgang mit Waffen und besaßen die für die Landesverteidigung entscheidenden militärischen Kenntnisse und Fähigkeiten. Sie bewiesen in Gefahrensituationen stabile Moral und tiefgehende Motive zur Verteidigung ihres Bodens und ihrer Angehörigen. Genau darin lag die Stärke der Organisationsform der Stratioten: enge Verbindung der militärischen und wirtschaftlichen Verwaltungseinheiten (die sog. Themen).

In der historischen Epoche des Bilderstreits in Byzanz verwoben sich nun religiöses Gedankengut und energischer Kampf um den Bodenbesitz. Solche Verwicklungen werden sich noch oft in der menschlichen Geschichte später wiederholen. Die Zeitgenossen in Byzanz trieben die vordergründigen Religionsvorschriften an, die den eigentlichen Verteilungskampf verschleierten.



Die Bilderstürmerkaiser Leo III. (717-741) und Konstantin V. (741-775) bereicherten sich auf Kosten der Kirche. Sie konfiszierten Schätze der Klöster und deren Ländereien, die sie ehemaligen Soldaten für Kriegsdienstleistungen in Nutzung gaben. (Der historisch Interessierte wird wissen, dass etwa achthundert Jahre später der englische König Heinrich VIII. die gleichen Methoden anwandte und damit einen Aufstand unter den Bauern und Mönchen auslöste, die sog. Pilgrimage of Grace.) Wir finden daher die bäuerisch-plebejischen Schichten anfangs auf der Seite der Bilderstürmer. Auf der Gegenseite verteidigten vor allem orthodoxe Kirche und Kaiserin Irene die Bildverehrung.

Erkenntnistheoretisch betrachtet, ist die Ablehnung der bildlichen Darstellung von Göttern sehr weit zurückliegend, aus instinktiven Ängsten hervorgegangen und eher von primitiven nichtbäuerlichen Religionsempfindungen getragen. Daraus entstanden in Verbindung mit Machtansprüchen innerhalb einer menschlichen Gesellschaft religiös erscheinende Forderungen, die sogar extreme Formen annehmen konnten. Bildliche Darstellungen der Natur und gar des Menschen wurden schließlich überhaupt verboten. Im Grunde handelt es sich dabei um machtpolitische Zuweisungen an die sich den Herrschenden unterzuordnenden Gesellschaftsmitgliedern.

Doch es zeigten sich auch andere Formen religiöser Überspitzung: aus dem Wunsch heraus, die umgebende Welt darstellen zu wollen, entwickelten sich nicht nur Kunstformen sondern auch Anbetungsformen. Letztere setzten dann sogar eine bildliche Deutung voraus. Es konnte durchaus passieren, dass diese Anbetungsformen zur Farce ausarteten, zumindest aus Sicht der ausgebeuteten und sozial gefährdeten Schichten. Dann richteten sich jene sozialen Kräfte in ihrer Verteidigung, Abwehr und in ihrer Unwissenheit gleich ganz gegen bildnerische Darstellungen. Dieser Fall dürfte in etwa im Byzanz des 8. Jahrhunderts eingetreten sein, denn wir haben die unglaubliche Bereicherung der Klöster einerseits, denen sich die extrem gefährdeten arbeitenden Schichten andererseits gegenübergestellt und machtlos ausgeliefert sahen. Eine historische Parallele findet sich beispielsweise auch im Bildersturm während des Grossen Deutschen Bauernkrieges.

Die Sekte der Ebioniten lieferte vermutlich in irgendeiner Form das ideologische Prinzip für die Bildersturmbewegung im späteren Byzanz. Im vierten Jahrhundert lehnten sie eher aus sektiererischen Gründen die Christussymbole ab und wollten die Anbetung der Maria, also die Verehrung einer Frau (!), nicht zulassen. Das taten sie in Unkenntnis darüber, welch gedanklicher Fortschritt sich im Neuen Testament über die Rolle Gottes und die Würde des Menschen gegenüber dem Alten Testament vollzogen hatte. Denn der damit einhergehende gesellschaftliche Umbruch durch das Christentum stellte gegenüber der menschenverachtenden Sklaverei eine völlige Umkehr dar. Vor Gott waren alle Menschen gleich! Aus historisch rückschrittlichem Blickwinkel forderten die Ebioniten im vierten Jahrhundert fern von der gesellschaftlichen Zivilisation der Mittelmeeranreiner die Rückkehr in die Armut des Urchristentums. Dreihundert Jahre später wurde diese Formel von der neuen Sekte der Paulikianer aufgegriffen. Deren Forderung nach ehrlichem Christentum aber entstand aus einem anderem Grund: der verständlichen Abneigung gegenüber falschen Anbetungszwängen vor Bildern.


Die Situation des Byzantinischen Reiches

Die Kämpfe gegen Bulgaren und Abbasiden brachten ein Mehr an sozialem Zündstoff. Hatte die Kaiserin Irene mit großzügigen Steuererleichterungen Zuspitzungen vermeiden können, so brachte ihr Nachfolger Nikephorus, vorher ein Finanzminister, das Unheil. Nikephorus setzte seine Idee wirksamer Sparmaßnahmen durch. Er gab vor, die Kriege gegen Bulgaren und Araber so besser finanzieren zu können. Die Chronik des Mönchen Theophanes beschrieb dessen Zehn Übeltaten: Aufhebung aller Steuererleichterungen, Neuveranlagung und Erhöhung laufender Steuern, Einforderung der Herdsteuer auch von den abhängigen Bauern auf den klösterlichen Gütern, die Überführung von Kirchenschätzen und Boden in die kaiserliche Verwaltung, die Verpflichtung der Ärmsten zum Militärdienst und eine Zwangsumsiedlung ländlicher Bevölkerung in slawische Gebiete (im Winter 809/810 u.Z.). Die Antwort auf die Massenumsiedlung, eine Vertreibung, die zur Massenflucht ausartete, blieb nicht aus. Der Bulgarenkhan Krum (803-814) brachte den Byzantinern in der Schlacht von 811 u.Z. schnellstens eine vernichtende Niederlage bei, in der auch Kaiser Nikephorus getötet wurde. Die Hauptlast dieser Niederlage trug das Volk, das nun feindliche Truppen auf eigenem Territorium zu versorgen hatte. In diese Zeit der Zehn Übeltaten fällt jedenfalls der Kaisersturzversuch eines gewissen Bardanes, der als Stratege des Gebiets Anatolikon sehr hohe Funktionen ausübte. Sein Unternehmen scheiterte jedoch beim Marsch auf Konstantinopel, nicht zuletzt deshalb, weil ihm einige Getreue (Leo der Armenier und Michael - beide später selbst Kaiser) ziemlich charakterlos in Stich ließen. Insofern handelte es sich tatsächlich um eine der im alten Byzanz nicht unüblichen Usurpationen, vier von fünf Thronwechseln zwischen 802 bis 820 verliefen auf solche Art. Einer der Anhänger ging jedoch mit Bardanes in die Verbannung: Thomas der Slawe. Als vermutlich höherer Offizier, der aus niederen Schichten empor stieg, lernte er bei seinem Strategen den Umgang mit Truppen. Bardanes brachte ihm Kriegshandwerk als auch die erforderliche Gerechtigkeit beim Verteilen der Beute und die Vorbildwirkung der Askese bei.

Konstantinopel, die Hauptstadt des Reiches und Thomas der Slawe mit seinen Rebellen

Die Hauptstadt Konstantinopel bildete die politische Zentrale des Landes, nicht aber seine wirtschaftliche. Steuern und Abgaben flossen hierher. Nichts verblieb in den Provinzen. Daher lagen die militärischen Ziele von Unruhen oft in der Hauptstadt: hier regiert der Kaiser, hier stand sein Palast, hier patrouillierten seine Wachen. Auch für Thomas dem Slawen lautete als Endziel die Hauptstadt. Aber im Zentrum der Macht liefen eigene Kämpfe um den Thron, andauernde Usurpationsversuche. In den 18 Jahren von 802 bis 820 zählten vier von fünf Thronwechseln als Kaiserstürze! Der wohl spannendste ist der des Michaels II. Erst putschte er mit Bardanes und Leo gegen Michael I., mitten im Aufstand ließ er Bardanes im Stich und verhalf dagegen Leo zur Macht. Aber von Leo eingekerkert startete der zweite Michael in der Weihnachtsnacht am 24.Dezember 820 seinen größten Coup. Eigentlich zum Tode verurteilt, gelang es ihm durch Erpressung Mitverschworene zu gewinnen und Leo V. am Weihnachtsfeiertag in der Kirche des Heiligen Stephanos ermorden zu lassen. Anschließend wurde er in der berühmten Hagia Sophia (heute Ayasofya Camii Müzesi in Istanbul), noch in Ketten seiner Gefangenschaft, zum Kaiser erhoben. Politisches Alltagsgeschehen in der Hauptstadt des Byzantinerreiches. Konstantinopel im 9.Jahrhundert In dieser mafiösen Stadt wohnten auch gelehrte Chronisten, daher wissen wir heute mehr über die historischen Vorgänge in Konstantinopel als von jenen Streitigkeiten in der Provinz.

Es war offenbar die Zeit großer Unzufriedenheit da draußen auf den Dörfern. Verbirgt ist die Losung Rache für die Ermordung des Kaisers! Ein ehrgeiziger Offizier Thomas wollte die Gunst der Stunde nutzen. Seine Chancen stiegen durch die ihm nachgesagte Unbestechlichkeit und asketische Erziehung. Thomas war es, der nach dem misslungenen Aufstandsversuch des Bardanes alle angebotenen Ämter ausschlug, keine Palastgeschenke entgegen nahm und die Gefahren des Exils bevorzugte. Ihm haftete nicht die Schmach des Verrats an. Und er hatte den scharfen Sinn für taktische Momente. Die Rivalität zwischen Nachbargebieten, dem eigenen Anatolikon und gegenüberliegenden Armeniakon beendete Thomas mit seinen Aufständischen in einer Schlacht, die nicht viel Mühe gemacht haben soll. Das "feindliche" Heer lief de facto zu ihm über. Auf diese Weise fiel ihm fast Kleinasien zu. Und so hieß es in einer Chronik: "...weder von den neu angesiedelten noch von den einheimischen oder benachbarten Völkern, noch von denen niederen Standes, die stets ihren Herren hassen; es gab überhaupt keine, die zu verschiedenen Zeiten ihm nicht zuliefen und folgten, die einen zu Lande, die anderen zu Wasser... ". In der späteren Geschichtsschreibung diskreditierte man die Rebellen als fremdartige vielscheckige Bestien. Die 80 000 Mann, die Thomas zusammenbrachte, waren alanischer und slawischer Herkunft, es waren Sarazenen dabei und Hunnen, Armenier und Perser, Goten sollen es gewesen sein und Georgier, Ägypter und Chaldäer. Aber die Historienschreiber erreichten aus heutiger Sicht damit nur das Gegenteil: denn wenn es so war, tritt nicht eine religiöse oder lokale Komponente in den Vordergrund dieses Aufstandes, sondern eine soziale. Und wenn es eine übergroße Mehrheit war, die den Aufständischen freiwillig zulief, dann muss berücksichtigt werden, dass die übergroße Mehrheit der Bevölkerung jener Zeit Leute vom Land waren Bauern!

Die Belagerung Konstantinopels Belagerung Konstantinopels 821-823

Den Aufständischen kam allerdings zugute, das viele kleine Volksstämme an den Rändern des Riesenreiches in den Bergen verborgen lebten und gute Gründe hatten, ihre Freiheit zu verteidigen. Gerade hier hielten sich die Ideale des Urchristentums. Die Ansprüche einer verweltlichten Kirche wollte man nicht dulden und Ausdruck dieser Ablehnung zeigte sich im Ignorieren der offiziellen Bildverehrung. Es ist durchaus möglich, das Thomas zu dieser Frage selbst keine wirkliche Einstellung besaß, aber den Vorteil einer massenwirksamen Anerkennung der paulikianischen Lehre erfasste und sie für seine Zwecke nutzte. Zugleich traf er mit diesem ideologischen Kompromiss eine wirtschaftliche Entscheidung. Er verschaffte sich die Einnahmen der von der Zentralgewalt gesandten Steuereintreiber, schlug sie in die Flucht und zahlte damit seine Truppen aus. Das muss den Bauern zumindest gelegen gewesen sein. Die befürchteten Requirierungen blieben aus. Und noch eine historische Überlieferung ist entscheidend für die Frage: Bauernkrieg oder Offiziers-Meuterei? Es wird berichtet, dass sich die Landleute freiwillig in Massen und in der Hauptarbeitszeit in die Feldlager begaben, ein Argument, das einer Bauernrevolte widerspricht. Aber die Landbewohner hatten längst die schlimmste aller Bauernerfahrungen gemacht: sie wurden stets um sämtliche Ergebnisse ihrer schweren Arbeit gebracht. Was lag näher, statt auch die nächste Ernte abliefern zu müssen, sich dem Beute verheißendem Zug des Thomas anzuschließen. Nur so ist der breite Zustrom zu erklären. Thomas muss Ziele vorgegeben haben, die ihren Hoffnungen entsprachen. Sein strategische Geschick lässt sich daraus ablesen, das er mit der Verweigerung der Steuerlieferungen nach Konstantinopel begann und nicht mit einer eigenen Erhebung zum Kaiser! Er zog mit seinen Aufständischen auch nicht gleich Richtung Bosporus, sondern marschierte durch Kleinasien in ein Gebiet hinein, das den Arabern zwar tributpflichtig war, aber einem christlichen Patriarchen unterstand. Erst hier in Antiocheia ließ er sich von diesem Christen zum Kaiser krönen oder gab sich selbst als Kaiser Konstantin VI. aus. Jener verstarb wahrscheinlich 797 nach Blendung und Verbannung. Offen bleibt die Frage für immer, ob es tatsächlich eine Identität mit Kaiser Konstantin gab. Hier ist die Kaiserkrone nur in Bezug auf Erklärung einer Rechtmäßigkeit seines nun beginnenden Feldzuges gegen Konstantinopel wichtig. Er zog also als ein Kaiser los, der seine Hauptstadt zurück erobern wollte.

Die Truppen des Rebellen näherten sich Konstantinopel von zwei Seiten, der Landseite her entlang der Mauer bis zum Blachernenpalast und von der Seeseite her mit einer Flotte, die aber die Eiserne Kette, die den Hafen schützte, wahrscheinlich nicht überwinden konnte. Auch das Kalkül des Thomas, das auf eventuelle Verbündete in der Stadt orientierte, ging nicht auf. Die Bewohner Konstantinopels, religionsversessen und von einer Prozession unter dem lebensspendenden Kreuzesholz angefeuert, verteidigten mit den Stadtmauern ganz sicher auch ihre vorteilhafteren Lebensbedingungen. Sie, Reiche wie Arme, partizipierten an den zentralisierten Steuereinnahmen aus den Provinzen. Die Verteidiger operierten geschickt mit Wurfgeschossen von Maschinen und schlugen die Aufständischen zurück. Die Angreifer mussten ihr Kriegsmaterial unterhalb der Mauern zurück lassen. Auch die Flotte der Rebellen blieb erfolglos. Ein aufkommender Sturm brachte ihr taktische Schwierigkeiten beim Einsatz des Griechischen Feuers. Der nahende strenge Winter zwang beide Parteien zur Unterbrechung der Gefechte. Thomas entschied sich zum Belagern der Stadt, um sie im Frühjahr erneut anzugreifen.

Belagern einer sich modern verteidigenden Stadt ist nicht gerade Sache von Bauernarmeen. Das wird sich noch des Öfteren in der Menschheitsgeschichte zeigen. Auch die neuen Versuche des Thomasheeres im Frühjahr schlugen fehl. Verrat und Bestechung waren im Spiel. Die Mannschaften flüchteten von den Rebellenschiffen. Der Verzweiflungsmut der Verteidigungstruppen Michaels speiste sich aus der Gewissheit, dass sie nach einer Niederlage keine Gnade zu erwarten hätten. Die Solidaritätsrufe der Aufständischen an die Flottenstützpunkte in Griechenland wurden immerhin erhört und eine neue Flotte von über 350 Schiffen mit Griechischem Feuer bewaffnet, kam ihnen zu Hilfe. Die Marine des Kaisers Michael war schneller, zerstreute diese Armada und durchbrach damit den Belagerungsring der Aufständischen von außen. Die Lage vor Konstantinopel wurde für Thomas unhaltbar. Wohl hatte er Steuererleichterungen den Bauern versprochen und Gelder unter den Armen verteilt. Und sicher zeigte sich ein großer Zulauf aus allen Landesteilen zu seinem Heer, aber es waren eben Aufständische und keine professionellen Soldaten. Und es waren keine Städter - ein weiterer Aspekt, der darauf schließen lässt, dass es sich eher um einen Bauernaufstand als um eine militärische Meuterei handelte. Ein weiterer schwerwiegender Umstand erzwang die Aufgabe der Belagerung: im Norden überfielen die Bulgaren des Khans Omurtag byzantinisches Gebiet und Thomas ahnte eher als er wirklich wissen konnte, das hier geheime Abkommen zwischen Kaiser Michael und dem Bulgarenkhan in Aktion traten. Es ist historisch auch nicht überliefert, es sind sicher nicht grundlose Vermutungen späterer Historienschreiber. Tatsache bleibt, das es zur Schlacht zwischen den Aufständischen und den Bulgaren in der Nähe von Selymbria kam, die unentschieden ausging. Omurtags Leute kehrten mit reicher Beute heim, das Heer des Thomas blieb ungeschlagen aber geschwächt. Die Aufständischen, so sehr sie das Ereignis auch als Sieg feierten, waren nun schon über zwei Jahre ihren Familien und Höfen fern! Dieser Zustand der Truppe wird eine entscheidende Rolle gespielt haben, als Thomas im Mai 823 dem Heer Michaels erneut gegenüber stand und einen folgenschweren Fehler beging: scheinbar sollten seine Bauern vor den Kaiserlichen erst fliehen um sie dann in eine Falle zu locken. Aus der angedeuteten Flucht wurde eine wirkliche Panik. Es blieb nur ein hektischer Rückzug in die Festung Arkadiopolis. Dort verschanzte sich Thomas mit wenigen Getreuen.

Die Belagerung dauerte bis zum Oktober 823. In dieser Zeit konnte Thomas Frauen und Kinder evakuieren und Vertraute in die Festung Bizye entsenden. Aber als sich verhungernde Kämpfer freiwillig von den Mauern zu Tode stürzten, gab Thomas auf und ließ sich gegen Amnestieversprechungen für seine Mitkämpfer an den Kaiser Michael II. ausliefern. Thomas der Slawe starb einen grausamen Tod. Erst wurden ihm Hände und Füße abgeschlagen und dann wurde er am Folterholz erdrosselt. Andere Quellen berichten, dass er gepfählt worden sein soll.

Der Widerstand der übrigen Aufständischen war noch nicht am Ende. Der der Sache des Thomas treu gebliebene Anastasios hielt die Feste Bizye bis zu seiner Auslieferung und auch er starb einen grausamen Tod. Nach der Niederlage der Stadt Herakleia, die auf Seiten der Aufständischen kämpfte, ließ Michael große Siegesparaden feiern und die Gefangenen auf Pferderennen durch die Arena zu Tode schleifen. Und dennoch war sein Sieg immer noch nicht vollständig! Letzte Anhänger des Thomas verteidigten die Festungen Saniana und Kabala. Paulikianer stellten hier die Mehrzahl der Kämpfer und offenbar zogen sich die Gefechte bis in das Frühjahr 824 hin.

Hinrichtung der Thomas-Anhänger
Gefangennahme und Hinrichtung der Thomasanhänger Choireas und Gazarenos


Folgen der Niederschlagung der Volksbewegungen

Der Aufstand des Thomas wurde niedergeschlagen, die Paulikanerbewegung schließlich um 872 grausam unterdrückt. Dass diese Kämpfe sehr viele Chronisten fanden, spricht für ihre soziale Bedeutung. Es ist nicht unglaubhaft, das sich nach der Niederlage die feudale Abhängigkeit der Bauern vom Großgrundbesitz und städtischem Wucherkapital beschleunigte. Mit dem Auflösungsprozess der freien Dorfgemeinschaft gingen immer mehr Bodenparzellen an die Mächtigen in der Gemeinde. Nutzten diese neuen Reichen anfangs nur hinterlistigen Betrug, wechselten sie jetzt zu Erpressung und Gewalt, um ihren Landbesitz zu erweitern. Den schließlich besiegten Paulikianern wurde das Land einfach geraubt und den Großgrundbesitzern zugeschlagen. Aus freien Gemeindebauern und Stratioten wurden schließlich Hörige und Nebensiedler, die hohen Naturalzins zu entrichten hatten und Frondienste leisten mussten. Damit aber war die Wehrhaftigkeit freier Bauern nicht mehr gegeben. Nun konnten die Araber ihre erfolgreichen Eroberungen machen. Konstantinopel ließ aus Verteidigungsgründen die Themen verkleinern, auch um den provinziellen Landadel ökonomisch gegenüber der Zentralgewalt zu schwächen. Aber dieser sanierte sich bereits am bäuerlichen Besitz. Die starke Ausbreitung des Aufstandes hatte zugleich dazu geführt, dass die Mächtigen sich vor der Gefahr weiterer sozialer Bewegungen fürchteten. Sie legten ihre religiösen Auseinandersetzungen über die Bilder-Frage bei.

Hiermit sind viele Indizien aufgeführt, die dafür sprechen, dass es sich beim Aufstand unter Thomas dem Slawen, um einen Bauernkrieg handelte. Genauso gut kann man Erklärungen für eine ziemlich ausgreifende Offiziersrevolte geben. Das war jedoch nicht Anliegen der vorliegenden Interpretation. Offenbar sind uns mit den vielen Berichten aus byzantinischer Zeit nur die Ansichten der Sieger überliefert, ein Sachverhalt, der fast bei allen Bauernkämpfen in der Geschichte zutrifft. Die byzantinische Bauernschaft widersetzte sich noch lange hartnäckig einer Hörigmachung. Hundert Jahre später sollte es ein Aufstand des Basileios Kupferhand beweisen.

Die Zeit der Bilderstürmerei in Byzanz war also von zahllosen Bürgerkriegen und Aufständen gekennzeichnet. Diese schwerwiegenden Unruhen führten auf Dauer zum Machtverlust herrschender Militärhierarchien. Gleiches galt bei ihren Kontrahenten in der oströmischen Priesterschaft. Um dem gänzlichen Machtverlust zu entgehen, beendeten beide Parteiungen ihren religiösen Disput. Aber dieser scheinbar nur theologische Streit führte schließlich zu Spaltungen in der gesamten christlichen Kirche. Die Frage, ob dieser Streit von außen in die Christenheit getragen wurde, bleibt bis in die heutige Zeit unbeantwortet. Um 720 u.Z. erließ Kalif Yazîd II. ein strenges Bilderverbot in seinem Omayyaden-Reich, dem auch seine christlichen Untertanen unterworfen wurden. Papst Gregor III. exkommuniziert daraufhin 731 u.Z. alle Bilderstürmer. Gewollt oder ungewollt wurde so ein Schisma zwischen der östlichen und der westlichen Kirche eingeleitet. Eine ähnliche Situation gestaltete sich in der frühen Neuzeit. Mit den Bildersturm-Bewegungen in Europa eröffnete sich die Spaltung der West-Kirche in katholische und protestantische Richtungen.














Karte
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II. Zeittafel der Ereignisse
Zeit Ereignisse zum Aufstand des Thomas
726 bis 843 Bilderstreit
Theologischer Streit in der Christenheit über die Frage, ob die Heiligenbilder selbst als heilig mit zu verehren seien oder als Götzenbilder abzulehnen und zu zerstören sind.
780 bis 797 Konstantin VI. ( ∗ 770; † 797)
herrschte bis 790 unter der Regentschaft seiner Mutter Irene, von 790 bis 792 allein, ab 792 bis 797 gemeinsam mit Irene
787 Unter Irene wird auf dem 7. ökumenischen Konzil (II. Nicaenischen Konzil) die "Bilderverehrung" wieder eingeführt. Im Jahr 754 hatte dagegen ein Konzil den "Bilderdienst" für verboten erklärt.
797 bis 802 Kaiserin Irene.
Vermutlich wegen groszügiger Steuererleichterungen während ihrer Regentschaft beim Volk sehr beliebte Kaiserin.
800 Kaiserkrönung Karls des Großen in Rom.
Diese Krönung war aus Sicht der Byzantiner eine Usurpation. Daher sandte Karl der Große eine Delegation mit Heiratsvorschlägen nach Konstantinopel. Dort wurde Irene jedoch 802 durch eine Palastrevolte gestürzt. Seit dem bestimmte das Zweikaiserproblem die Politik zwischen Ost und West.
802 bis 811 Nikephoros I.
Seine "zehn Übeltaten", zu denen u.a. Zwangsumsiedlungen, Aufhebung der Steuererleichterungen und Erhöhung bisheriger Steuern sowie Militärdienst für arme Bauern zählten, machten ihn möglicherweise tatsächlich beim Volk unbeliebt.
803 19.7. bis 8.9.
Usurpationsversuch des Bardanas Turkos
unter Beteiligung des Thomas, der dem Bardanes in die Verbannung folgt
Thomas folgt Bardanes in die Verbannung
805 Abfall Venedigs von Byzanz
806 Militärische Niederlagen zwingen Byzanz zu einem demütigenden Frieden mit Harun al Raschid.
809 Der Tod Harun al Raschids vermindert die arabische Bedrohung für Byzanz zu einem bloßen Grenzkrieg
813 bis 820 Leo V. Thomas wird Chef der Förderatentruppen im Anatolikon (25.12. (?))
815 "Bilderstürmersynode" Leos V.
820 bis 829 Michael II.
821

Anfang / Frühjahr

Thomas erhebt sich in Kleinasien,
kämpft siegreich gegen den Armeniaken-Strategen,
wehrt die Araber ab.

Frühjahr / Sommer

Thomas schließt Vertrag mit den Arabern,
wird in Antiocheia vom dortigen Patriarchen zum Kaiser gekrönt.

Sommer / Herbst

Thomas gewinnt die Flotte und läßt in Attaleia weitere Kriegs- und Transportschiffe bauen.

November

Thomas setzt bei Abydos über den Hellespont und marschiert auf Konstantinopel;
der Ex-Stratege Gregorios Pterotos schließt sich ihm an.

Dezember

Thomas beginnt die Belagerung Konstantinopels zu Wasser und zu Lande,
wird abgeschlagen, bezieht Winterquartier vor der Stadt.
822

Frühjahr

Thomas greift die Hauptstadt erneut an, wird wieder zurückgeschlagen.
Der Angriff ist besonders verlustreich für die Flotte.

Sommer / Herbst

Fortsetzung der Belagerung ;
die griechische Flotte kommt Thomas zu Hilfe;
Gregorios Pterotos läuft zu Michael über.

Oktober / November

Thomas kämpft bei Keduktu gegen die Bulgaren. Die Schlacht gegen das Heer des Bulgarenkhans Omurtag endet unentschieden, schwächt aber die Aufständischen. Es gibt Vermutungen, das die Bulgaren von Michel II. in's Land gerufen wurden.

Dezember

Thomas bezieht Winterquartier in Diabasis.
823

April / Mai

Michaels Ausfall gegen Thomas, dessen Heer flieht;
Thomas leistet in Arkadiopolis weiter Widerstand, andere Kämpfer organisieren den Widerstand in anderen Städten.

Oktober

Arkadiopolis ausgehungert;
Thomas wird ausgeliefert und grausam getötet.
824

spätestens März

Die letzten Thomas-Anhänger werden bezwungen.
Brief Michaels II. an Ludwig den Frommen (10.April), der für ihn beim Römischen Papst vermitteln sollte.
Darin berichtet M. über die Zerschlagung des Aufstandes.
um 824 Araber erobern das byzantinische Kreta
1825 Ludwig der Fromme versammelt alle fränkischen Bischöfe auf dem Konzil in Paris, die die Wiedereinführung des Bilderverbots im Osten verurteilen.





III. Namenverzeichnis
Bardanas Turkos vermögender Stratege des Themas Anatolikon, meuterte gegen Kaiser Nikephorus. Sein Versuch einer gewaltsamen Erringung des Kaiserthrons scheiterte, zieht sich danach in ein Kloster zurück, wurde aber trotz garantierter Sicherheit im Kloster überfallen und geblendet, verbrachte den Rest seines Lebens mit strengen asketischen Übungen. Einer seiner treusten Anhänger wurde Thomas, der Rebell.
Irene (auch: Eirene) Regentin 792 u.Z. bis 797 u.Z. und Kaiserin 797 u.Z. - 802 u.Z.
Überzeugte Anhängerin der Bildverehrung, erleichterte das Leben des Volkes von schweren Steuerbelastungen. Unter Irene wurde 787 auf dem 7.ökumenischen Konzil die Bilderverehrung wieder eingeführt. Die ideologische Trennung der christlichen Kirche in östliche und westliche (päpstliche) Kirche konnte sie nicht mehr rückgängig machen - der damalige Bilderstreit trennte beide Kirchen bis zum heutigen Tag.
Khan Krum (Bulgarenkhan 803 - 814)
Konstantin V. (Kaiser 741 - 775)
Sohn Leos III. Das von ihm einberufene Konzil erklärt 754 den Bilderdienst für verboten. Unter seiner Herrschaft begann die Säkularisation der Klöster, die Gelderlöse daraus gingen nach Konstantinopel.
Konstantin VI. (770 - 797 (?))
Sohn der Irene, soll 797 geblendet und in der Verbannung gestorben sein. Thomas, der Anführer der Aufständischen, hat sich entweder selbst auch diesen Namen zugelegt oder sich unter diesem Titel ebenfalls zum Kaiser krönen lassen.
Leo III. (Kaiser 717 - 741), auch: Leon geschr.
begründete als Günstling der byzantinischen Militäraristokratie eine neue Dynastie. Er ließ um 726 die Christus-Ikone vom Bronzetor des Kaiserpalastes entfernen und forderte 730 die Vernichtung aller Heiligenbilder und die Übertünchung der Wandmalereien in den Kirchen.
Leo V. (Kaiser 813 - 820), auch: Leon geschr.
als Leo der Armenier einer der Meuterer gemeinsam mit und unter Bardanes Turkos, den er in aussichtsloser Lage verläßt.
Unter Michael I. Stratege des Themas Anatolikon, Verlierer in der Schlacht 813 gegen die Bulgaren, von seinen Truppen jedoch zum Kaiser Leo V. ausgerufen. Unterhielt mit Ludwig dem Frommen Beziehungen, um einen Krieg um Venedig zu vermeiden.
Ludwig der Fromme (814 - 840) Sohn Karls des Großen
Michael I. (Kaiser 811 - 813), wurde 813 u.Z. von Leo V. gestürzt.
Michael II. (Kaiser 820 - 829)
Michael aus Amorion, Michael, der Stammler, Meuterer unter Bardanes Turkos gegen Nikephoros, nach dem Überlaufen zum Kaiser von N. mit Palast belohnt, verhalf aber Leo zur Ursupation und wurde von dem zum General der Exkubitengarde erhoben. Später von Leo wegen Majestätsbeleidigung eingekerkert und zum Tode verurteilt, putschte sich Michael II. noch am Hinrichtungstag (24.Dezember 820) und noch in Ketten selbst zum Kaiser! Dabei wurde Leo V. in der Kirche des Heiligen Stephanos ermordet.
Michael II. entschied sich nach seiner Machtübernahme tendentiell für die Bilderstürmer, untersagte jedoch eine weitere Auseinandersetzung um die Bilderfrage.
Nikephorus I. (Kaiser 802 bis 811)
erst Finanzminister, später Kaiser, unter seiner Herrschaft die "zehn Übeltaten", erweitert die Herdsteuer (Kapnikon), befiehlt Umsiedlungen bäuerlicher Bevölkerung auf Slawenland, verliert den Krieg gegen die Bulgaren unter Khan Krum, fällt in der Schlacht von 811 u.Z.
Thomas, der Slawe (Kaiser Konstantin VI. 821 - 823)(auch: Thomas der Slawonier)
von den Zeitgenossen Thomas, der Rebell genannt, erhob sich 821 in Antiochia selbst zum Kaiser. Wegen seiner soldatischen Haltung anerkannt und in freundlicher Gewährung der Paulikianer in seinen Reihen konnte er ein Heer von 80.000 Mann unterschiedlichster religiöser Herkunft zusammenbringen.
Nach gescheitertem Sturm auf die Haupstadt verschanzte er sich mit Getreuen in der Festung Arkadiopolis. Nach Aushungerung der Festung fiel er durch falsche Versprechungen Michaels in die Hände seiner Feinde und wurde auf besonders grausame Art ermordet.



Bildersturm im Jahr 815
Bilderstürmer
im Jahr 815
IV. Begriffe und Worterklärungen
Exkubiten kaiserliche Wachmannschaft, die den Palast schützte und in der Haupstadt stationiert wurde. Diese Truppen konnten auch in den Feldzügen eingesetzt werden.
Griechisches Feuer Diese Waffe wird einer Erfindung des syrischen Architekten Kallinikos zugeschrieben und soll erstmalig 678 u.Z. eingesetzt worden sein, als sich Konstantinopel gegen die Araber verteidigte. Sie bestand aus brennbaren und zugleich anhaftenden, mit Wasser nicht löschbaren Material, das aus Druckbehältern geschleudert wurde. Der Grundstoff dürfte Erdöl gewesen sein.
Ikone Ein in der Andacht benutztes Bild, das Heilige darstellt.
Wichtig dabei ist, das echte Ikonen aus geweihten Materialien hergestellt sind, das ihre Anfertigung selbst eine liturgische Handlung ist, auf die sich der Maler spirituell vorbereiten muß. Beim Betrachten des Bildes durch den Gläubigen stellt die Ikone ein Fenster zwischen der hiesigen und der göttlichen Welt dar, es ist damit auch ein Moment der Andacht gegeben, der über das normale Betrachten eines realistischen Bildes hinaus geht.
Ikonoklast Einer, der Ikonen zerstört, zumindest ihre Verehrung ablehnt und bekämpft.
Es gibt mehrere Religionen, die Götterdarstellungen, deren Bildnisse oder Bilder überhaupt ablehnen b.z.w. sogar verbieten.
Ikonodule Bilderverehrer, Bilderdiener
IkonophileBilderfreund
Kapnikon Herdsteuer, eine nach Haushalten erhobene Steuer, die vom 8. bis zum 10. Jahrhundert in einheitlicher Höhe zusätzlich zur Grundsteuer und anderen Abgaben und Leistungen gefordert wurde.
(Hinweis: Siehe auch für fouage im Aufstand der Jacquerie 1358). (Extra-Notiz: Es ist erstaunlich, wie sich eine Steuerart über Jahrhunderte hält und über Kontinente verbreitet. Auch klingt die Herdsteuer wie eine moderne Energie-Steuer, also einer Steuer auf etwas, das die Menschen immer benötigen. Dieser Gedanke ist erweiterbar auf Wassersteuer u.s.w. - und bedeutet damit grundsätzliche Steuererhebungen immer auf Dinge, die die Menschen unbedingt benötigen - das bietet erst die Voraussetzung für ihre fortgesetzte Anhebung!)
Nomos georgikos Aufzeichnungen des Gewohnheitsrechtes auf dem Land, wahrscheinlich aus dem 8.Jahrhundert (?), darin wird beschrieben, wie die Besitzverhältnisse geregelt wurden. Die Slaweneinwanderung nach Byzanz brachte freie Gemeinden mit freien bäuerlichen Besitz, so das die Sklaverei-Verhältnisse durch höhere Produktivität abgelöst wurden.
Die Bauern besaßen Land in Privatbesitz, durften es aber nicht verkaufen. Wiesen, Weiden, Wälder und nicht aufgeteilter Boden waren Gemeindeeigentum. Aber bereits Pächter (Mortitai) werden erwähnt und freie Lohnarbeiter (Misthotoi). (8)
Paulikianer Sekte, die neben Teilen des Evangeliums nur die Schriften des Apostels Paulus gelten ließ. Diese Bewegung entstand Ende des 6. Jahrhunderts in Armenien und verbreitete sich im 8. und 9. Jahrhundert in Kleinasien. Ihre Anhänger forderten die Wiederherstellung der urchristlichen Kirche und eine gewisse soziale Gleichheit.
Entscheidend für die Betrachtung hier ist ihre sozial-politische Ausrichtung. Sie repräsentierte vorrangig die bäuerlich-plebejischen Strömungen. Die menschliche Arbeit bestimmte nach ihren Grundsätzen den sozialen Status des Einzelnen. Reichtum. besonders der der Kirche, war für sie eine Ausgeburt des Teufels. Die Welt bestand ihrer Ansicht nach aus zwei Teilen: Gottesreich = die Welt des Guten; Teufelsreich = die Welt des Bösen. (8)
Zentrum des Kampfes der Paulikianer gegen die byzantinische Zentralregierung war die Festung Tephrike in Kleinasien. Erst 872 u.Z. eingenommen von Truppen des Basileios I. waren die Paulikianer besiegt, konnte sich aber noch im 10.Jahrhundert auf dem Balkan als Häresie halten und beeinflußte dort das Bogomilentum der Bulgaren. Selbst im zeitgenössischen Frankenreich Ludwigs des Frommen finden sich mit dem Bischof Clausius von Turin (7) als Magister der Gelehrtenschule in Aquitanien (814 / 820 (?)) paulikianische Ansichten in Westeuropa.
Religionstheoretisch betrachtet, ist zu vermuten, das die Paulikianer eine Fortsetzung der Ebioniten (4) bildeten, die im 4.Jahrhundert vor allem in den östlichen Randgebieten des Byzantinischen Reiches als Häretiker der orthodoxen Kirche auftraten. Vermutlich haben Auseinandersetzungen zu den Inhalten des Alten und Neuen Testaments zu den Spaltungen geführt, wobei merkwürdigerweise besonders die sozialkritischen Momente des Neuen Testaments angegriffen wurden. Wahrscheinlich stammen daher (?) die Ablehnungen der Christusbilder und der Marien-Verehrung. Es ist anzunehmen, das sich die generelle Verneinung einer Bilddarstellung daraus entwickelte, wie sie später z.B. im Islam fast vollständig gefordert wird, das trifft aber auch auf andere religiöse Spielarten zu.
Der Name Paulikianer bezieht sich auf den Apostel Paulus, der eine Art Rechts-Verständnis in die Kirchenlehre einbringt, aus der sich später etwa das Kirchenrecht entwickelte, in seiner Zuspitzung sogar die Prädestination - eine Art des "Auserwählt seins", die sich ebenfalls in anderen Religionen findet. Die orthodoxe Kirche stellt dagegen die Schöpfung, die Wiedergeburt und die Auferstehung, ebenso die Verehrung der Gottesmutter Maria in die Zentren der Anbetungen, die insgesamt den Menschen auch als Bestandteil des Kosmos betrachten.
Stratioten Wehrbauern, oft ehemalige Soldaten, die für ihren Dienst beim Militär Boden zugesprochen bekamen.
Thema im Byzantinischen identisch für Heer,
aber vom 7.Jahrhundert an der Begriff für einen Verwaltungsbezirk, an dessen Spitze ein Stratege stand. Im europäischen Bereich von Byzanz gab es zeitweilig 12 und im asiatischen 14 Themen.
Stratege Feldherr; Oberbefehlshaber der Truppen seines Themas; später Verwaltungsoberhaupt (einschl. militärisch) seines Themas.




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Notizen über Bauernkriege  •  begonnen 21.10.2007  •  Stand: 04.10.2016  •  Hans Holger Lorenz  •  WB To