Hinweis 1: Die Abkürzung u.Z.= unserer Zeitrechnung entspricht der Bedeutung von "nach Christus" Hinweis 2: ungesicherte Angaben sind mit einem (?) gekennzeichnet
| Zeit | Ereignisse | zum Aufstand des Thomas |
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| 726 bis 843 | Bilderstreit Theologischer Streit in der Christenheit über die Frage, ob die Heiligenbilder selbst als heilig mit zu verehren seien oder als Götzenbilder abzulehnen und zu zerstören sind. |
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| 780 bis 797 | Konstantin VI. ( ∗ 770; † 797) "herrschte" bis 790 unter der Regentschaft seiner Mutter Irene, von 790 bis 792 allein, ab 792 bis 797 "zusammen" mit Irene |
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| 787 | Unter Irene wird auf dem 7. ökumenischen Konzil (II. Nicaenischen Konzil) die "Bilderverehrung" wieder eingeführt. Im Jahr 754 hatte dagegen ein Konzil den "Bilderdienst" für verboten erklärt. | |
| 797 bis 802 | Kaiserin Irene. Vermutlich wegen groszügiger Steuererleichterungen während ihrer Regentschaft beim Volk sehr beliebte Kaiserin. |
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| 800 | Kaiserkrönung Karls des Großen in Rom. Diese Krönung war aus Sicht der Byzantiner eine Usurpation. Daher sandte Karl der Große eine Delegation mit Heiratsvorschlägen nach Konstantinopel. Dort wurde Irene jedoch 802 durch eine Palastrevolte gestürzt. Seit dem bestimmte das Zweikaiserproblem die Politik zwischen Ost und West. |
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| 802 bis 811 | Nikephoros I. Seine "zehn Übeltaten", zu denen u.a. Zwangsumsiedlungen, Aufhebung der Steuererleichterungen und Erhöhung bisheriger Steuern sowie Militärdienst für arme Bauern zählten, machten ihn möglicherweise tatsächlich beim Volk unbeliebt. |
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| 803 | 19.7. bis 8.9. Usurpationsversuch des Bardanas Turkos unter Beteiligung des Thomas, der dem Bardanes in die Verbannung folgt |
Thomas folgt Bardanes in die Verbannung |
| 805 | Abfall Venedigs von Byzanz | |
| 806 | Militärische Niederlagen zwingen Byzanz zu einem demütigenden Frieden mit Harun al Raschid. | |
| 809 | Der Tod Harun al Raschids vermindert die arabische Bedrohung für Byzanz zu einem bloßen Grenzkrieg | |
| 813 bis 820 | Leo V. | Thomas wird Chef der Förderatentruppen im Anatolikon (25.12. (?)) |
| 815 | "Bilderstürmersynode" Leos V. | |
| 820 bis 829 | Michael II. | |
| 821 | Anfang / Frühjahr |
Thomas erhebt sich in Kleinasien, kämpft siegreich gegen den Armeniaken-Strategen, wehrt die Araber ab. |
Frühjahr / Sommer |
Thomas schließt Vertrag mit den Arabern, wird in Antiocheia vom dortigen Patriarchen zum Kaiser gekrönt. |
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Sommer / Herbst |
Thomas gewinnt die Flotte und läßt in Attaleia weitere Kriegs- und Transportschiffe bauen. | |
November |
Thomas setzt bei Abydos über den Hellespont und marschiert auf Konstantinopel; der Ex-Stratege Gregorios Pterotos schließt sich ihm an. |
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Dezember |
Thomas beginnt die Belagerung Konstantinopels zu Wasser und zu Lande, wird abgeschlagen, bezieht Winterquartier vor der Stadt. |
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| 822 | Frühjahr |
Thomas greift die Hauptstadt erneut an, wird wieder zurückgeschlagen. Der Angriff ist besonders verlustreich für die Flotte. |
Sommer / Herbst |
Fortsetzung der Belagerung ; die griechische Flotte kommt Thomas zu Hilfe; Gregorios Pterotos läuft zu Michael über. |
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Oktober / November |
Thomas kämpft bei Keduktu gegen die Bulgaren. Die Schlacht gegen das Heer des Bulgarenkhans Omurtag endet unentschieden, schwächt aber die Aufständischen. Es gibt Vermutungen, das die Bulgaren von Michel II. in's Land gerufen wurden. | |
Dezember |
Thomas bezieht Winterquartier in Diabasis. | |
| 823 | April / Mai |
Michaels Ausfall gegen Thomas, dessen Heer flieht; Thomas leistet in Arkadiopolis weiter Widerstand, andere Kämpfer organisieren den Widerstand in anderen Städten. |
Oktober |
Arkadiopolis ausgehungert; Thomas wird ausgeliefert und grausam getötet. |
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| 824 | spätestens März |
Die letzten Thomas-Anhänger werden bezwungen. |
| Brief Michaels II. an Ludwig den Frommen (10.April),
der für ihn beim Römischen Papst vermitteln sollte. Darin berichtet M. über die Zerschlagung des Aufstandes. |
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| um 824 | Araber erobern das byzantinische Kreta | |
| 1825 | Ludwig der Fromme versammelt alle fränkischen Bischöfe auf dem Konzil in Paris, die die Wiedereinführung des Bilderverbots im Osten verurteilen. |
| Bardanas Turkos vermögender Stratege des Themas Anatolikon, meuterte gegen Kaiser Nikephorus. Sein Versuch einer gewaltsamen Erringung des Kaiserthrons scheiterte, zieht sich danach in ein Kloster zurück, wurde aber trotz garantierter Sicherheit im Kloster überfallen und geblendet, verbrachte den Rest seines Lebens mit strengen asketischen Übungen. Einer seiner treusten Anhänger wurde Thomas, der Rebell. |
| Irene ,(auch: Eirene)(Regentin 792 u.Z. bis 797 u.Z. und Kaiserin 797 u.Z. - 802 u.Z.) Überzeugte Anhängerin der Bildverehrung, erleichterte das Leben des Volkes von schweren Steuerbelastungen. Unter Irene wurde 787 auf dem 7.ökumenischen Konzil die Bilderverehrung wieder eingeführt. Die ideologische Trennung der christlichen Kirche in östliche und westliche (päpstliche) Kirche konnte sie nicht mehr rückgängig machen - der damalige Bilderstreit trennte beide Kirchen bis zum heutigen Tag. |
| Khan Krum (Bulgarenkhan 803 - 814) |
| Konstantin V.(Kaiser 741 - 775) Sohn Leos III. Das von ihm einberufene Konzil erklärt 754 den Bilderdienst für verboten. Unter seiner Herrschaft begann die Säkularisation der Klöster, die Gelderlöse daraus gingen nach Konstantinopel. |
| Konstantin VI.(770 - 797 (?)) Sohn der Irene (?), soll 797 geblendet und in der Verbannung gestorben sein. Der Anführer der Aufständischen, Thomas, hat sich entweder diesen Namen zugelegt oder sich unter diesem Titel zum Kaiser krönen lassen. |
| Leo III. (Kaiser 717 - 741), auch: Leon geschr. begründete als Günstling der byzantinischen Militäraristokratie eine neue Dynastie. Er ließ um 726 die Christus-Ikone vom Bronzetor des Kaiserpalastes entfernen und forderte 730 die Vernichtung aller Heiligenbilder und die Übertünchung der Wandmalereien in den Kirchen. |
| Leo V. (Kaiser 813 - 820), auch: Leon geschr. als Leo der Armenier einer der Meuterer gemeinsam mit und unter Bardanes Turkos, den er in aussichtsloser Lage verläßt. Unter Michael I. Stratege des Themas Anatolikon, Verlierer in der Schlacht 813 gegen die Bulgaren, von seinen Truppen jedoch zum Kaiser Leo V. ausgerufen. Unterhielt mit Ludwig dem Frommen Beziehungen, um einen Krieg um Venedig zu vermeiden. |
| Ludwig der Fromme (814 - 840) Sohn Karls des Großen |
| Michael I. (Kaiser 811 - 813) wurde 813 u.Z. von Leo V. gestürzt. |
| Michael II. (Kaiser 820 - 829) Michael aus Amorion, Michael, der Stammler, Meuterer unter Bardanes Turkos gegen Nikephoros, nach dem Überlaufen zum Kaiser von N. mit Palast belohnt, verhalf aber Leo zur Ursupation und wurde von dem zum General der Exkubitengarde erhoben. Später von Leo wegen Majestätsbeleidigung eingekerkert und zum Tode verurteilt, putschte sich Michael II. noch am Hinrichtungstag (24.Dezember 820) und noch in Ketten selbst zum Kaiser! Dabei wurde Leo V. in der Kirche des Heiligen Stephanos ermordet. Michael II. entschied sich nach seiner Machtübernahme tendentiell für die Bilderstürmer, untersagte jedoch eine weitere Auseinandersetzung um die Bilderfrage. |
| Nikephorus I. (Kaiser 802 bis 811) erst Finanzminister, später Kaiser, unter seiner Herrschaft die "zehn Übeltaten", erweitert die Herdsteuer (Kapnikon), befiehlt Umsiedlungen bäuerlicher Bevölkerung auf Slawenland, verliert den Krieg gegen die Bulgaren unter Khan Krum, fällt in der Schlacht von 811 u.Z. |
| Thomas, der Slawe (Kaiser Konstantin VI. 821 - 823)(auch: Thomas der Slawonier) von den Zeitgenossen Thomas, der Rebell genannt, erhob sich 821 in Antiochia selbst zum Kaiser. Wegen seiner soldatischen Haltung anerkannt und in freundlicher Gewährung der Paulikianer in seinen Reihen konnte er ein Heer von 80.000 Mann unterschiedlichster religiöser Herkunft zusammenbringen. Nach gescheitertem Sturm auf die Haupstadt verschanzte er sich mit Getreuen in der Festung Arkadiopolis. Nach Aushungerung der Festung fiel er durch falsche Versprechungen Michaels in die Hände seiner Feinde und wurde auf besonders grausame Art ermordet. |
| Exkubiten kaiserliche Wachmannschaft, die den Palast schützte und in der Haupstadt stationiert wurde. Diese Truppen konnten auch in den Feldzügen eingesetzt werden. |
| Griechisches Feuer Diese Waffe wird einer Erfindung des syrischen Architekten Kallinikos zugeschrieben und soll erstmalig 678 u.Z. eingesetzt worden sein, als sich Konstantinopel gegen die Araber verteidigte. Sie bestand aus brennbaren und zugleich anhaftenden, mit Wasser nicht löschbaren Material, das aus Druckbehältern geschleudert wurde. Der Grundstoff dürfte Erdöl gewesen sein. |
| Ikone Wichtig dabei ist, das echte Ikonen aus geweihten Materialien hergestellt sind, das ihre Anfertigung selbst eine liturgische Handlung ist, auf die sich der Maler spirituell vorbereiten muß. Beim Betrachten des Bildes durch den Gläubigen stellt die Ikone ein Fenster zwischen der hiesigen und der göttlichen Welt dar, es ist damit auch ein Moment der Andacht gegeben, der über das normale Betrachten eines realistischen Bildes hinaus geht. Bilderstürmer 815 (Bild 3) IkonoklastEiner, der Ikonen zerstört, zumindest ihre Verehrung ablehnt und bekämpft. Es gibt mehrere Religionen, die Götterdarstellungen, deren Bildnisse oder Bilder überhaupt ablehnen b.z.w. sogar verbieten. |
| Ikonodule Bilderverehrer, Bilderdiener |
| Ikonophile Bilderfreund |
| Kapnikon Herdsteuer, eine nach Haushalten erhobene Steuer, die vom 8. bis zum 10. Jahrhundert in einheitlicher Höhe zusätzlich zur Grundsteuer und anderen Abgaben und Leistungen gefordert wurde. (Hinweis: Siehe auch für fouage im Aufstand der Jacquerie 1358). (Extra-Notiz: Es ist erstaunlich, wie sich eine Steuerart über Jahrhunderte hält und über Kontinente verbreitet. Auch klingt die Herdsteuer wie eine moderne Energie-Steuer, also einer Steuer auf etwas, das die Menschen immer benötigen. Dieser Gedanke ist erweiterbar auf Wassersteuer u.s.w. - und bedeutet damit grundsätzliche Steuererhebungen immer auf Dinge, die die Menschen unbedingt benötigen - das bietet erst die Voraussetzung für ihre fortgesetzte Anhebung!) |
| Nomos georgikos Aufzeichnungen des Gewohnheitsrechtes auf dem Land, wahrscheinlich aus dem 8.Jahrhundert (?), darin wird beschrieben, wie die Besitzverhältnisse geregelt wurden. Die Slaweneinwanderung nach Byzanz brachte freie Gemeinden mit freien bäuerlichen Besitz, so das die Sklaverei-Verhältnisse durch höhere Produktivität abgelöst wurden. Die Bauern besaßen Land in Privatbesitz, durften es aber nicht verkaufen. Wiesen, Weiden, Wälder und nicht aufgeteilter Boden waren Gemeindeeigentum. Aber bereits Pächter (Mortitai) werden erwähnt und freie Lohnarbeiter (Misthotoi). (8) |
| Paulikianer Sekte, die neben Teilen des Evangeliums nur die Schriften des Apostels Paulus gelten ließ. Diese Bewegung entstand Ende des 6. Jahrhunderts in Armenien und verbreitete sich im 8. und 9. Jahrhundert in Kleinasien. Ihre Anhänger forderten die Wiederherstellung der urchristlichen Kirche und eine gewisse soziale Gleichheit. Entscheidend für die Betrachtung hier ist ihre sozial-politische Ausrichtung. Sie repräsentierte vorrangig die bäuerlich-plebejischen Strömungen. Die menschliche Arbeit bestimmte nach ihren Grundsätzen den sozialen Status des Einzelnen. Reichtum. besonders der der Kirche, war für sie eine Ausgeburt des Teufels. Die Welt bestand ihrer Ansicht nach aus zwei Teilen: Gottesreich = die Welt des Guten; Teufelsreich = die Welt des Bösen. (8) Zentrum des Kampfes der Paulikianer gegen die byzantinische Zentralregierung war die Festung Tephrike in Kleinasien. Erst 872 u.Z. eingenommen von Truppen des Basileios I. waren die Paulikianer besiegt, konnte sich aber noch im 10.Jahrhundert auf dem Balkan als Häresie halten und beeinflußte dort das Bogomilentum der Bulgaren. Selbst im zeitgenössischen Frankenreich Ludwigs des Frommen finden sich mit dem Bischof Clausius von Turin (7) als Magister der Gelehrtenschule in Aquitanien (814 / 820 (?)) paulikianische Ansichten in Westeuropa. Religionstheoretisch betrachtet, ist zu vermuten, das die Paulikianer eine Fortsetzung der Ebioniten (4) bildeten, die im 4.Jahrhundert vor allem in den östlichen Randgebieten des Byzantinischen Reiches als Häretiker der orthodoxen Kirche auftraten. Vermutlich haben Auseinandersetzungen zu den Inhalten des Alten und Neuen Testaments zu den Spaltungen geführt, wobei merkwürdigerweise besonders die sozialkritischen Momente des Neuen Testaments angegriffen wurden. Wahrscheinlich stammen daher (?) die Ablehnungen der Christusbilder und der Marien-Verehrung. Es ist anzunehmen, das sich die generelle Verneinung einer Bilddarstellung daraus entwickelte, wie sie später z.B. im Islam fast vollständig gefordert wird, das trifft aber auch auf andere religiöse Spielarten zu. Der Name Paulikianer bezieht sich auf den Apostel Paulus, der eine Art Rechts-Verständnis in die Kirchenlehre einbringt, aus der sich später etwa das Kirchenrecht entwickelte, in seiner Zuspitzung sogar die Prädestination - eine Art des "Auserwählt seins", die sich ebenfalls in anderen Religionen findet. Die orthodoxe Kirche stellt dagegen die Schöpfung, die Wiedergeburt und die Auferstehung, ebenso die Verehrung der Gottesmutter Maria in die Zentren der Anbetungen, die insgesamt den Menschen auch als Bestandteil des Kosmos betrachten. |
| Stratioten Wehrbauern, oft ehemalige Soldaten, die für ihren Dienst beim Militär Boden zugesprochen bekamen. |
| Thema (Plural: Themen) im Byzantinischen identisch für Heer, aber vom 7.Jahrhundert an der Begriff für einen größeren Verwaltungsbezirk, an dessen Spitze ein Stratege stand. Im europäischen Bereich von Byzanz gab es zeitweilig 12 und im asiatischen 14 Themen. |
| Stratege Feldherr; Oberbefehlshaber der Truppen seines Themas; später Verwaltungsoberhaupt (einschl. militärisch) seines Themas. |
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1.) Die Lage der Bauern und die Bewegung der Bilderstürmer Das aus dem Beginn des 8.Jahrhunderts überlieferte Ackerbau-Gesetz (Nomos georgikos) spiegelt die Agrarverhältnisse in Byzynz wider. Zu dieser Zeit erfuhr die byzantinische Dorfgemeinschaft eine starke Differenzierung. Das frühere Gemeindeeigentum ging in Form einzelner Landanteile nach und nach in den Privatbesitz der Bauern über.(1) Diese freien Bauern und die Wehrbauern (Stratioten) bildeten den militärischen und steuerlichen Rückhalt des byzantinischen Staates. Daneben gab es halbfreie Bauern, Dorfarme (Halbpächter, Zehntbauern) und Sklaven, die auf den großen Gütern des Hof- und Militäradels und der Klöster arbeiteten. Die soziale Lage der Bewohner Kleinasiens war gefährdet durch eine in diesem Jahrhundert charakteristische permanente Kriegsbedrohung. Byzanz, das heißt, der Rest des oströmischen Reiches, der bereits zum Tributszahler an einfallende Völker herabgesunken war, befand sich in einer Zangen-Situation: vom Norden her bedrohten die Bulgaren das Land, vom Süden gefährdeten die Einfälle des sich ausbreitenden arabischen Kalifats die Bevölkerung. So standen die Menschen unter ständiger Gefahr ihrer Verschleppung in die Sklaverei, des Raubes ihrer Ernten und des Viehs. Auch aus diesem Grund entwickelte sich die starke Organisationsform der Stratioten und die enge Verbindung von militärischen und wirtschaftlichen Verwaltungseinheiten (Themen ) hat darin ihre Ursache. Die Bauern beherrschten den Umgang mit Waffen und besaßen militärische Kenntnisse und Fähigkeiten. Ihre relative Freiheit geriet jedoch nach und nach durch permanente Erhöhungen der Abgaben und Steuern (z.B. der Kapnikon ) unter Druck. Die Provinz-Fürsten entwickelten eigene größere Besitzungen und eigenes politisches Bestreben gegenüber der Zentralgewalt des Kaisers in Konstantinopel. Nun vollzog sich eine permanente Aneignung von Bodenflächen durch den Adel. Ein weiteres charakteristische Merkmal für diese Zeit in Byzanz zeigte das übermäßige Anwachsen der politischen und wirtschaftlichen Macht der Kirche und deren Klöster. So bereicherten sich die "Bilderstürmerkaiser" Leo III. (717-741) und Konstantin V. (741-775) auf Kosten der Kirche , indem sie Klosterschätze konfiszierten und deren Ländereien gegen Kriegsdienstleistungen ehemaligen Soldaten in Nutzung gaben. Der Bilderstreit ist eine historische Epoche in Byzanz, die nicht nur einseitig religiös oder einseitig sozial erklärt werden kann. Hier verwoben sich religiöses Gedankengut mit sozialen Widersprüchen, wie es später immer wieder in der Geschichte passieren wird, in Byzanz aber sind ihre Bedeutungen den Zeitgenossen noch unklar. Effekte der Bilderstürmerei hatte es schon im alten Ägypten gegeben, aber dort waren eindeutige "Bereinigungen" der gewollten Geschichtsschreibung einer Thronabfolge die realen Hintergründe. So klar war die Situation in Byzanz nicht. Denn wir finden zwar die bäuerisch-plebejischen Schichten vorrangig auf der Seite der Bilderstürmer, aber die Kaiser Leo III. und Konstantin V. muß man ebenfalls dazu zählen, und beide sind nicht bäuerlicher Herkunft und hatten dabei ganz andere Absichten verfolgt. Andererseits verteidigten vor allem orthodoxe Kirche und beispielsweise Kaiserin Irene die Bildverehrung. Rein religionstheoretisch betrachtet, ist die Ablehnung der bildlichen Darstellung von Göttern sehr weit zurückliegend, aus instinktiven Ängsten hervorgegangen und eher in primitiven Religionsgründungen zu finden. Es entstand daraus in Verbindung mit Machtansprüchen innerhalb einer menschlichen Gesellschaft eine religiös erscheinende Forderung, die sogar so extreme Formen annehmen kann, das bildliche Darstellungen der Natur und gar des Menschen überhaupt verboten wurden. Im Grunde handelt es sich dabei jedoch um eine unterordnende Zuweisung an die sich unterzuordnenden Schichten. Doch es zeigte sich auch eine andere Seite der Zuspitzung: Aus dem Wunsch heraus, die umgebende Welt darstellen zu wollen, entwickelten sich nicht nur Kunstformen sondern auch Anbetungsformen! Letztere setzten dann sogar eine bildliche Darstellung voraus. Nun konnte es passieren, das diese Anbetungsformen zur Farce ausarteten, zumindest aus Sicht der extrem ausgebeuteten und sozial gefährdeten Schichten, das sich diese in ihrer Verteidigung, Abwehr und in ihrer Unwissenheit gleich ganz gegen die bildnerischen Darstellungen richteten. Dieser Fall dürfte in etwa im Byzanz des 8.Jahrhunderts eingetreten sein, denn wir haben die unglaubliche Bereicherung der Klöster einerseits, denen sich die extrem gefährdeten arbeitenden Schichten andererseits gegenübergestellt und machtlos ausgeliefert sahen. Da lieferte eine Sekte, die in irgendeiner Form ideologische Überlieferungen bereit hielt, die Grundlagen für die Bildersturmbewegung dieser Zeit: die Ebioniten, die im vierten Jahrhundert eher aus starrköpfigen sektiererischen Gründen die Christussymbole ablehnten und eine Verehrung der Maria nicht gestatten lassen wollten. Das taten sie in völliger Unkenntnis darüber, welche ideologische Revolution sich im Neuen Testament über die Rolle Gottes und die Würde des Menschen gegenüber dem Alten Testament vollzogen hatte. Denn diese ideologische Revolution des Christentums stellte gegenüber der generell menschenverachtenden Sklaverei eine völlige religiöse Umkehr dar. Aus, wenn man so will, rückschrittlichem Blickwinkel stellten diese Ebioniten im vierten Jahrhundert und fern von der gesellschaftlichen Zivilisation die Forderung nach Rückehr zum Urchristentum auf, die sich dreihundert Jahre später in der neuen Sekte der Paulikianer wieder fand. Deren Forderung nach richtigem Christentum aber entstand aus einem ganz anderen gesellschaftlichen Blickwinkel: nämlich der Abneigung vor falschen Anbetungszwängen der Bilder durch die Herrschenden! |
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2.)Die Lage des Reiches Die Kämpfe gegen die Bulgaren und Araber brachten ein Mehr an sozialem Zündstoff. Hatte die Kaiserin Irene noch mit großzügigen Steuererleichterungen Zuspitzungen vermeiden können, so brachte ihr Nachfolger Nikephorus, der übrigens vorher Finanzminister war, das Unheil der "zehn Übeltaten". Der kam nämlich auf die Idee von "wirksamen Sparmaßnahmen", um die Kriege gegen Bulgaren und Araber besser finanzieren zu können. So beschrieb der Mönch Theophanes in seiner Chronik die "zehn Übeltaten"(3): Aufhebung aller Steuererleichterungen, Neuveranlagung und Erhöhung der laufenden Steuern, Einforderung der Herdsteuer (Kapnikon auch von den abhängigen Bauern auf den klösterlichen Gütern, die Überführung von Kirchenschätzen und Boden in die kaiserliche Verwaltung, die Verpflichtung auch der ärmeren Bauern zum Militärdienst und eine Zwangsumsiedlung ländlicher Bevölkerung in die slawischen Gebiete (im Winter 809/810 u.Z.). Die Antwort auf diese Aktion blieb nicht aus, der Bulgarenkhan Krum (803-814) brachte den Byzantinern 811 u.Z. eine vernichtende Niederlage bei - Kaiser Nikephoros fiel in dieser Schlacht. Die Hauplast dieses verlorenen Krieges trug wie immer das Volk, das nun die feindlichen Truppen auf eigegen Territorium zu versorgen hatte. In diese Zeit der "zehn Übeltaten" fällt jedenfalls der Versuch eines gewissen Bardanes Turkos, der als Stratege des Themas Anatolikon sehr hohe Funktionen ausübte und einen tatsächlichen Kaisersturz gegen Nikephorus versuchte. Sein Unternehmen scheiterte jedoch beim Marsch auf Konstantinopel, nicht zuletzt deshalb, weil ihm einige Getreue (Leo der Armenier und Michael - beide später selbst Kaiser) ziemlich charakterlos im Stich ließen. Insofern handelte es sich tatsächlich um im alten Byzanz nicht unübliche Umstürze - Usurpationen genannt und vier von fünf Thronwechsel zwischen 802 bis 820 betreffend. Einer der Anhänger ging jedoch mit Bardanes in die Verbannung: Thomas der Slawe. Der hatte offenbar als ziemlich hoher Offizier bei seinem Strategen den Umgang mit den Truppen gelernt.Bardanes brachte ihm wohl mit dem Kriegshandwerk auch die erforderliche Gerechtigkeit beim Verteilen der Beute und die Vorbildwirkung der Askese bei. |
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3.)Konstantinopel, Haupstadt des Reiches Die Haupstadt Konstantinopel bildete die politische Zentrale des Landes, nicht aber seine wirtschaftliche. Steuern und Abgaben flosser hierher, blieben nicht in den Provinzen und so sind die Ziele von Unruhen oft die Zentral-Gewalten, der Kaiser, sein Palast, seine Wachen in der Hauptstadt. Auch Thomas wird als Ziel später die Haupstadt einnehmen wollen. Aber im Zentrum der Macht herrschen Kämpfe um den Thron vor. Seine gewaltsame Erringung - die Usurpation ist fast ein normaler Vorgang geworden. In den 18 Jahren Von 802 bis 820 sind vier von fünf Thronwechsel Usurpationen gewesen! Die wohl spannenste ist die des Michaels II. , der erst mit Bardanes Turkos und Leo gegen Michael I. putscht, mitten im Aufstand Bardanes im Stich lässt aber Leo zur Macht verhilft, dann von diesem eingekerkert wird und in der Weihnachtsnacht am 24.Dezember 820 seinen größten Coup startet. Eigentlich zum Tode verurteilt, gelingt es ihm durch Erpressung Mitverschworene zu gewinnen, lässt Leo V. am Weihnachtsfeiertag in der Kirche des Heiligen Stephanos ermorden und sich anschließend in der Hagia Sophia, noch die Ketten seiner Gefangenschaft tragen müssend, zum Kaiser erheben! Es ist offenbar die Zeit großer Unzufriedenheit da draußen auf den Dörfern. Verbirgt ist die Tatsache, das Losungen derart "Rache für die Ermordung des Kaisers!" Anklang fanden. Es ist durchaus denkbar, das der ehrgeizige Offizier Thomas diese Gunst der Stunde nutzen wollte. Seine Chancen stiegen dadurch, das er bekannt war für Unbestechlichkeit und asketische Erziehung. Thomas war es, der nach dem mißlungenem Aufstandsversuch des Bardanes alle angebotenen Ämter ausschlug, keine Palastgeschenke annehmen wollte und lieber ins Exil ging. Ihm haftete nicht die Schmach des Verrats eines Michaels an. Und er hatte einen Sinn für taktische Momente ausgeprägt. Die Rivalität zwischen zwei Themen, dem benachbarten Armeniakon und seines eigenem, dem Anatolikon ausnutzend, erledigte er mit seinen Aufständischen diesen Zwiespalt in einer Schlacht, die ihm nicht viel Mühe gemacht haben soll, da das gegenüberstehende Heer defacto zu ihm überlief. Auf diese Weise soll ihm auch ganz Kleinasien zugefallen sein. Und so hieß es in einer Chronik: "...weder von den neu angesiedelten noch von den einheimischen oder benachbarten Völkern, noch von denen niederen Standes, die stets ihren Herren hassen; es gab überhaupt keine, die zu verschiedenen Zeiten ihm nicht zuliefen und folgten, die einen zu Lande, die anderen zu Wasser... "(S18). In der späteren Geschichtsschreibung hat die Aufzählung der Rebellen die Aufständischen zu diskreditieren, weil darin "fremdartige vielscheckige Bestien" aufgezählt werden. Die 80.000 Mann, die Thomas zusammenbrachte, waren alanischer und slawischer Herkunft, es waren Sarazenen dabei und Hunnen, Armenier und Perser, Goten sollen es gewesen sein und Georgier, Ägypter und Chaldäer u.s.w. Aber die Historienschreiber erreichen aus heutiger Sicht damit nur das Gegenteil: denn wenn es so war, tritt nicht eine nationale oder eine religiöse Komponente in den Vordergrund dieses Aufstandes, sondern eine soziale! Und wenn es eine übergroße Mehrheit war, die den Aufständischen freiwillig zulief, dann muß berücksichtigt werden, das die übergroße Mehrheit der Bevölkerung dieser Zeit Leute vom Land waren - eben Bauern! |
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4.) Die Belagerung Konstantinopels Den Aufständischen kam allerdings zugute, das viele kleine Volksstämme an den Rändern der Riesenreiche und in den Bergen verborgen lebten und gute Gründe hatten, ihre Freiheit gegen tatsächliche Versklavung zu verteidigen. Gerade bei diesen waren Ideale des Urchristentums überliefert, die Ansprüche einer verweltlichten Kirche nicht dulden wollten und mit dieser Ablehnung zugleich die offizielle Bilderverehrung ignorierten. Es ist durchaus möglich, das Thomas zu dieser Frage selbst keine wirkliche Einstellung besaß, aber den Vorteil einer massenwirksamen Anerkennung der paulikianischen Lehre erfaßte und sie für seine Zwecke nutzte. Zugleich traf er mit diesem ideologischen Kompromiß eine wirtschaftliche Entscheidung. Er verschaftte sich die Einnahmen der von der Zentralgewalt gesandten Steuereintreiber, schlug sie in die Flucht und zahlte damit seine Truppen aus. Das muß den Bauern zumindest gelegen gewesen sein, den so blieben Plünderungen oder Requirierungen aus. Und noch eine historische Überlieferung ist entscheidend für die Frage: Bauernkrieg oder Offiziers-Meuterei? Es wird berichtet, das sich die Landleute freiwillig in Massen und in der Hauptarbeitszeit in die Feldlager begaben! Dieser breite Zustrom ist nur so zu erklären, das Thomas Ziele vorgab, die ihren Hoffnungen und Sehnsüchten entsprach. Das strategische Geschick des Thomas läßt sich daraus ablesen, das er mit der Verweigerung der Steuerlieferungen nach Konstantinopel begann und nicht mit einer eigenen Erhebung zum Kaiser. Er zog mit seinen Aufständischen auch nicht gleich gegen Konstantinopel sonder marschierte durch Kleinasien in ein Gebiet hinein, das den Arabern zwar tributpflichtig war, aber einem christlichen Patriarchen unterstand. Hier in Antiocheia ließ er sich von diesem Christen zum Kaiser krönen (Konstantin VI. (?)), oder gab sich als Kaiser Konstantin VI. aus, der wahrscheinlich 797 gestorben war nach Blendung und Verbannung. War er es oder nicht? Diese Frage bleibt offen - wichtig ist die Kaiserkrone nur in Bezug auf Erklärung der "Rechtmäßigkeit" seines nun beginnenden Feldzuges gegen Konstantinopel. Er zog so als ein Kaiser los, der seine Haupstadt wiederhaben wollte. Die Truppen des Rebellen näherten sich Konstantinopel von zwei Seiten, der Landseite her entlang der Mauer bis zum Blachernenpalast und von der Seeseite her mit einer Flotte, die aber die Eiserne Kette, die den Hafen schützte, wahrscheinlich nicht überwinden konnte. Auch das Kalkül des Thomas, das sich auf eventuelle Verbündete in der Stadt orientierte, ging nicht auf. Die Bewohner Konstantinopels, religionstreu und von einer Prozession unter "dem lebensspendenden Kreuzesholz" angefeuert verteidigten mit den Mauern ganz sicher auch ihre vorteilhafteren Lebensbedingungen, mit denen sie an den zetralisierten Steuereinnahmen aus den Provinzen partizipierten. Die Verteidiger operierten geschickt mit Wurfgeschossen und Maschinen und schlugen die Aufständischen zurück, die ihr Kriegsmaterial unterhalb der Mauern zurückließen. Auch die Flotte der Rebellen blieb erfolglos und hatte offenbar taktische Schwierigkeiten beim Einsatz des Griechischen Feuers, denn ein Sturm erschwerte dafür die Bedingungen. Der aufkommende strenge Winter zwang beide Parteien zur Unterbrechung der Kampfhandlungen und Thomas belagerte die Stadt um im Frühjahr erneut anzugreifen. Doch auch diese neuen Versuche schlugen fehl. Dabei war Verrat und Bestechung im Spiel, eine Flucht der Soldaten von den Schiffen auf das Festland und der Kampfesmut der Truppen Michaels, die nach einer Niederlage keine Gnade zu erwarten hatten. Die Rufe der Aufständischen an die Flottenstützpunkte in Griechenland wurden jedoch erhört und eine neue Flotte von über 350 Schiffen mit Griechischem Feuer bewaffnet, kam ihnen zu Hilfe. Doch die Marine des Kaisers war schneller, zerstreute diese Armada und durchbrach damit den Belagerungsring um die Hauptstadt. Die Lage vor Konstantinopel wurde für Thomas unhaltbar. Wohl hatte er Steuererleichterungen den Bauern versprochen und Gelder unter den Armen verteilt. Und sicher zeigte sich ein großer Zulauf aus allen Landesteilen zu seinem Heer, aber es waren eben Aufständische und keine professionellen Soldaten, ein weiterer Aspekt, der darauf schließen läßt, das es sich eher um einen Bauernaufstand als um eine militärische Meuterei handelte. Ein weiterer Umstand erzwang die Aufgabe der Belagerung: im Norden hatten die Bulgaren des Khans Omurtag byzantinisches Gebiet überfallen und Thomas ahnte eher als er wirklich wissen konnte, das hier geheime Abkommen zwischen Kaiser Michael und dem Bulgarenkhan in Aktion traten.Es ist historisch auch nicht überliefert, es sind spätere Historienschreiber, die dies vermuteten und sicher nicht grundlos. Tatsache ist, das es zur Schlacht zwischen den Aufständischen und den Bulgaren in der Nähe von Selymbria kam, die jedoch unentschieden ausging. Omurtags Leute kehrten mit reicher Beute heim, das Heer des Thomas blieb ungeschlagen aber geschwächt in Kampfstellung. Aber die Aufständischen, so sehr sie das Ereignis auch als Sieg feierten, waren nun schon über zwei Jahre ihren Feldern und Höfen fern! Dieser Zustand der Truppe wird eine entscheidende Rolle spielen, als Thomas im Mai 823 dem Heer Michaels gegenüber stand und einen taktischen Fehler beging: scheinbar sollten seine Bauern vor den Kaiserlichen fliehen um sie in eine Falle zu locken. Aus der angedeuteten Flucht wurde eine wirkliche Panik und Thomas mußte sich in die Festung Arkadiopolis zurückziehen und unvorbereitet verschanzen. Die Belagerung dauerte bis zum Oktober 823. In dieser Zeit konnte Thomas Frauen und Kinder evakuieren und Vertraute in die Festung Bizye entsenden. Aber als sich die hungernden Kämpfer lieber freiwillig von den Mauern zu Tode stürzten, mußte Thomas aufgeben und ließ sich gegen Versprechungen des Kaisers zu einer Amnestie für die Eingeschlossenen ausliefern. Er starb einen grausamen Tod. Erst wurden ihm Hände und Füße abgeschlagen und dann wurde er am Folterholz erdrosselt. Andere Quellen berichten, das er gepfählt worden sein soll. Doch der Widerstand der Aufständischen war noch nicht am Ende. Der getreue Anastasios hielt noch die Feste Bizye, bis zu seiner Auslieferung und auch er starb einen grausamen Tod. Nach der Niederlage der Stadt Herakleia, die auf Seiten der Aufständischen kämpfte, ließ Michael große Siegesparaden feiern und die Gefangenen auf Pferderennen durch die Arena zu Tode schleifen. Und dennoch war sein Sieg immer noch nicht vollständig! Immer noch kämpften Getreue auf den Festungen Saniana und Kabala. Paulikianer stellten nun die Mehrzahl der Kämpfer und offenbar zogen sich die Kämpfe bis in das Frühjahr 824 hin. |
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| 5.) Folgen der Niederschlagung der Volksbewegungen Der Aufstand des Thomas wurde niedergeschlagen, die Paulikanerbewegung erst später um 872 grausam unterdrückt. Das diese Kämpfe sehr viele Chronisten fanden, spricht für ihre soziale Bedeutung. Es ist nicht unglaubhaft, das sich nach der Niederlage die feudale Abhängigmachung der freien Bauern durch den Großgrundbesitz und dem städtischen Wucherkapital beschleunigte. Mit dem Auflösungsprozeß der freien Dorfgemeinschaft gingen immer mehr Bodenparzellen an die "Mächtigen" (Dynatoi) in der Gemeinde. Hatten diese neuen Reichen anfangs nur Betrug zur Bereicherung benutzt, wechselten sie jetzt zu Erpressung und Gewalt, um ihren Landbesitz zu erweitern. Den schließlich besiegten Paulikianern wurde das Land einfach geraubt und den sich entwickelnden Großgrundbesitzern zugeschlagen. Aus den freien Gemeindebauern und den Stratioten wurden schließlich Hörige und Nebensiedler, die hohen Naturalzins zu entrichten hatten und Frondienste leisten mußten. Damit aber war die Wehrhaftigkeit freier Bauern nicht mehr gegeben. Die Araber konnten erfolreiche Eroberungen machen. Konstantinopel ließ durch Befehle aus Verteidigungsgründen die Themen verkleinern, auch um den provinziellen Themenadel ökonomisch gegenüber der Zentralgewalt zu schwächen. Aber dieser Landadel hatte sich bereits am bäuerlichen Besitz saniert. Die starke Ausbreitung des Aufstandes hatte zugleich dazu geführt, das die Mächtigen sich angesichts der Gefahr vor weiteren sozialen Bewegungen einigten und die internen Auseinandersetzungen über die Bilder-Frage beilegten, nachdem sie die Paulikianer endgültig 872 besiegt hatten. Hiermit sind viele Indizien aufgeführt, die dafür sprechen, das es sich beim Aufstand unter Thomas um einen Bauernaufstand handelte. Genauso gut kann man Erklärungen für eine ziemlich große Offiziersrevolte geben. Das war aber nicht Anliegen dieser vorliegenden Interpretation. Offenbar liegen uns mit den vielen Berichten aus dieser Zeit ausschließlich nur die Ansichten der Sieger vor. Das sich die byzantinische Bauernschaft jedoch immer wieder hartnäckig der Hörigmachung kämpferisch widersetzte, zeigte nur hundert Jahre später der Aufstand des Basileios Kupferhand - aber das ist schon wieder eine andere Geschichtsstunde wert.... |
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