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Bauernproteste in Europa nach 1789

Jahr Ereignis Hinweise / Bemerkungen
1775 Der "Mehlkrieg" in Frankreich gilt als Vorbote der Französischen Revolution von 1789.
Die Bauern im Tal der Oise und in der Pariser Umgebung erstürmen Getreidemärkte und Speicher. Der Bauernaufstand wird mit 25000 Soldaten niedergeschlagen, dennoch muß der König Ludwig XVI. das Gesetz zur Liberalisierung des Getreidehandels zurücknehmen!
Auslöser ist die Missernte von 1774. Aber die Ursachen sind in den Getreidespekulationen durch die Großpächter, Kornhändler, Müller und Bäcker zu suchen. Ein Gesetz über die "Liberalisierung" des Getreidehandels verschärft die Situartion!
1784 bis 1793 Bauernaufstand in Schaumburg-Lippe (?) Einfluß der französischen Unruhen und der Französischen Revolution auf Niedersachsen
1789 Bauernrevolten in Süd- und Zentralfrankreich.
In den Departements Drome, Lot, Dordogne, Basses-Alpes u.a. dringen bewaffnete Bauern gegen Grundherren und Klöster vor.
Einen Präzedenzfall stellt das Eindringen bewaffneter Bauern in der Stadt Troyes dar: Die Bauern brechen Korn- und Salzspeicher der Wucherer auf, fordern die Festsetzung der Brotpreise und töten bekannte Handelswucherer. Die bürgerliche Nationalgarde schlägt die Revolte nieder!
Vorrangig werden Grundbücher und Steuerunterlagen vernichtet. Die Aktionen und Forderungen richten sich insbesondere gegen Wucherer, gegen die Verzehrsteuer und gegen die Salzsteuer.
1789 Bauernrevolten in der Niederlausitz und im Spreewald,
angespornt durch die Französische Revolution.
Sie richten sich gegen Jagdtprivilegien und gegen eine Umwandlung von Naturalabgaben in Geldzinns.
1790 Fortsetzung der bewaffneten Erhebungen in Frankreich gegen Grundherren, Wucherer und Klöster.
(Departements: Correze, Cantal, Charente-Inferieure ua.)

1790 Sächsischer Bauernaufstand
Bauernerhebungen im Elbsandsteingebirge und im Erzgebirge in Deutschland.
Die sozialen Widersprüche spitzten sich durch den strengen Winter 1789/90 und die darauf folgende Dürre zu. Die Revolten betreffen vorrangig das Elbsandsteingebirge und das Erzgebirge.
Betroffene Gebiete: Stolpen, Dresdner-, Radeberger-, Dippoldiswalder- und Torgauer Gegend sowie Teile der Lausitz. Im Raum Königstein und in der Oberlausitz werden Dienste verweigert. Die Erhebung beginnt mit Wildvertreibungen. Höhepunkte sind Schloßerstürmungen und die Entwaffnung des Militärs.
Der Einsatz einer militärischen Übermacht des Königs beendet den Aufstand.
Die Forderungen der Bauern werden u.a. vom Rebellen aus Liebstadt Christian Benjamin Geißler formuliert:

- Abschaffung der Jagtprivilegien,
- Abschaffung der Frondienste,
- keine Umwandlung der Naturalabgaben in Geldabgaben (!).

Ausstrahlung der Ideen der Französischen Revolution auf den Bauernaufstand in Sachsen.
1790 bis 1794 Bauernunruhen in der Lausitz Vorausgegangen waren die Hungerjahre 1771 und 1772, die sich 1789 und 1790 wiederholten.
Karte der Bauernunruhen in der Oberlausitz und der Herrschaft Leuthen
1792 Der Charakter der Bauernerhebungen in Frankreich hat sich geändert. Der "Krieg gegen die Schlösser" wird in Angriffen auf die Besitzungen der Emigranten geführt. Eidverweigernde Priester werden vertrieben. Es finden Hausdurchsuchungen bei reichen Bürgern nach Waffen und Lebensmitteln statt.
(besonders betroffene Departements: Haute-Vienne, Correze, Lot, Tarn, Cantal, Haute-Garonne, Puy-de-Dome, Rhone-etLoire, Haute-Loire, Lozere, Ardeche, Gard, Var u.a.)
Die Aufstände sind eindeutig prorevolutionäre Erhebungen.
1793 Bauernaufstand in der Vendee
(Frankreich) unter den Losungen:
Den Frieden! Den Frieden!
Kein Los-Ziehen!
Republik der Königsmörder und Wucherer!
Die Bauern liefern sich dramatische Kämpfe mit den republikanischen Truppen!
Sie sind aufgestanden gegen die Aushebung von 300 000 Mann für die Revolutionsarmee (das sog. Los-Ziehen),
gegen die Privatisierung von Gemeindeländereien,
gegen Wucherer, Großpächter und Getreidehändler!
Genauer betrachtet war es ein Krieg der republikanisch gesinnten neureichen Bourgeoisie gegen das aufmüpfige Landvolk, das sich um die Ergebnisse der Revolution betrogen sah. Der Name Vendee wird zum Begriff für Konterrevolution.
1796 bis 1797 Bauernaufstände in Rußland.
In 32 Gouvernements revoltieren die Bauern.
Mit der Thronbesteigung Zar Pauls I. 1796 verbreitet sich ein Gerücht über eine mögliche Bauernbefreiung.
1797 Bauern-Revolte im Hochstift Paderborn.
(Deutschland)
Warburg klagt mit anderen Städten gegen das Privileg der Steuerfreiheit von Adel und Klerus. Die damit verbundene Bauernrevolte in Wormeln wird mit militärischer Gewalt niedergeworfen.
Auslöser sind die Zehnt-Forderungen des dortigen Zisterzienserinnenklosters
1800 Bauernrevolte in Georgenhausen und Haxthausen (Hessen). Vermutlich immer noch Einfluß der Französichen Revolution.
1809 Aufstand der Bauern in Tirol
Nach hartnäckigem Widerstand kann der Aufstand nur mit großen Aufwendungen der franz. Truppen niedergeschlagen werden.
Andreas Hofer wurde am 20.2.1810 in Mantua standrechtlich erschossen.
Unter Führung von Andreas Hofer und des Bauern Josef Speckbacher richtet sich der Partisanenkampf der Bergbauern gegen die napoleonische Fremdherrschaft und gegen die bayrische Besatzung. Ausplünderung und Maßnahmen gegen den Katholizismus führten zum Tiroler Volksaufstand.
Ein Auslöser waren Rekrutierungsverordnungen.
1809 Deutschland (Franken)
Die Bauern des ehemaligen Deutschordengebietes um Mergentheim wehren sich gegen die Rekrutierung für das württembergische Heer und rotten sich zusammen.    (?)
(?)
1819 Hungerrevolten von Bauern in Preußen und an der Ostseeküste (?) (?)
(keine Quellenangaben)
1830 Landarbeiter-Aufstand in Süd-England.
Unorganisierte Einzelaktionen (z.B.Wilddiebstahl u. spontane Meutereien) gehen über in gewaltsame Zerstörungen von landwirtschaftlichen Maschinen und gemeinsam vorgetragenen Lohnforderungen.
Die Periode 1815...1850 ist gekennzeichnet von einer außergewöhnlichen Verarmung und Ausbeutung der Bevölkerung Englands. Von dieser Verelendung ist das Land"proletariat" ebenso betroffen wie die Arbeiter in den Städten.

Hinweis:
Report of the Poor Law Commissioners on the agricultural disturbances of 1830
zu finden unter:    http://www.historyhome.co.uk/peel/poorlaw/report.htm
1830 Unruhen der Landbevölkerung Preußen, Sachsen, Hessen, Östereich.
Zollunruhen in Hanau und Fulda.
Blutbad von Södel in der Wetterau.
Zollstationen werden zerstört. Ein "Schwarzes Corps" revoltierender Bauern marschiert zwischen Büdingen und Schoten. Mehrere Tausend Demonstranten erstürmen Steuerämter, vernichten Akten und zerstören die Gebäude.
Teuerungen, Verbrauchssteuern, Arbeitsmangel, zu niedrige Löhne, zu hohe Abgaben, Willkür der Polizei und der Verwaltungen verbitterten die durch → "Reformen" verarmte Bevölkerung. Nicht Verfassungspolitik und nicht Freiheitsrechte, sondern unmittelbare Sorgen der ärmeren Volksschichten waren die Gründe für die Aufruhr. Ursachen siehe: "Der Hessische Landbote" .
1831 "Cholera"-Aufstand Ost-Slowakischer Bauern Ausbreitung der Pest in Galizien und Hygiene-Maßnahmen der Behörden lösen den Aufstand aus (?)
1839 Erster Rebecca-Aufstand in Wales (England). Bauern reißen Zollschranken nieder. Kampf gegen Kornzölle als eine der Forderungen der Chartisten-Bewegung. Die Aufhebung der Kornzölle in England wird erst 1846 erreicht.
1839 Bauernrevolten in Rußland (?) Bauernrevolten in zwölf Gebieten ?
1841 bis 1845 Bauernunruhen in Rußland (?) Die Bauernunruhen sollen im Zusammenhang mit den Reformen Kisseljows stehen.
HW: 1841 Erhebung von Arbeitsleuten im Ural.
1846 Im polnischen Galizien wird ein Bauernaufstand durch östereischiche Truppen niedergeschlagen. Antifeudale Erhebung der Bauern.
1848 Bauernunruhen in Rußland (?) mögliche Faktoren:
  - Mißernte im Jahr 1848
  - Nachrichten über die Revolutionen in Europa
    dringen nach Rußland
  - Berichte über den Bauernaufstand
    im benachbarten Galizien verbreiten sich
1848 In den lombardischen Provinzen Italiens kämpft die Landbevölkerung spontan
zusammen mit der "Mailänder Revolution".
Der Kampf geht um ein neues Agrarrecht.
1848 Bauernunruhen in der Vojvodina (Serbien ?) Die Unruhen richten sich gegen deutsche und ungarische Grundherren.
1848 Bauernunruhen und Aufstände in Deutschland
während der Bürgerlichen Revolution von 1848/49:
  - Sachsen
  - Schlesien
  - Oberlausitz
  - Mecklenburg
  - Baden
  - Nassau
  - Hessen
   → Die Nassauer Bauernrevolte
Am 4.März besetzen 30000 Bauern Wiesbaden. Eine Losung an die Adligen gerichtet:"Schwefelt die Dachse aus!" Die Bauern erreichen die Abschaffung der Gemeindeordnung, die Absetzung von Schultheißen und Förstern. Man stellte Pacht-u. Steuerzahlungen ein und bildete in den Dörfern eigene Sicherheitsausschüsse.Die Jagdfreiheit wurde wieder hergestellt.
1850 Bauernaufstand im Nordwesten Bulgariens (?) (?)
1853 / 1854 Deutschland (Baden) (?)
Katholisch gesinnte Bürger und Bauern erheben sich gegen die antikirchlichen Pläne der großherzoglichen Regierung; das tauberfränkische Badenland wird daraufhin von badischen Truppen besetzt.    (?)
(?)
1855 Bauernrevolte in Rußland.
Im Gouvernement Kiew erheben sich die Bauern.

1857 Bauernbewegung in Andalusien (Spanien)
(Juni-Juli (?))

1860 Italiens Süden, im Mezzogiorno und in Sizilien herrscht Ausnahmezustand.
Die Bauern solidarisieren sich mit den "Rothemden"und ebnen den Weg der "Tausend" Garribaldis.
Nach der Niederlage folgen 1868 die Einführung der Mahl-Steuer und eine Verteuerung der Lebensmittel.
Die Landbevölkerung reagiert mit Auswanderungswellen.
Unzufriedenheit über die Agrarreform,
Ablehnung der Einführung der Mahl-Steuer und
bäuerliche Stimmungen gegen den Einheits-Staat.
1861 Spontane Bauernunruhen im Kursker Gebiet Rußlands.
Die Aufhebung der Leibeigenschaft durch Zar Alexander II. bringt den Bauern keine wirkliche Befreiung.
Die Erhebungen richten sich gegen den Landraub und den Waldfrevel .
1861 Bauernrevolten in Andalusien u. Valladolid (Spanien)
(Juni-Juli (?))

1881 Bauernaufstand in Serbien (?)
1888 Bauern-Unruhen in Rumänien (?)
1892 Landarbeiteraufstand in Andalusien (Spanien)
Aufrührerische Landarbeiter und Bauern dringen in die Stadt ein, besetzen sie und werden nach kurzer Zeit wieder zurückgeschlagen.
Umgebung von Jerez de la Frontera
1893 bis 1894 Bewegung der Fasci siciliani auf Sizilien
Die sozialistische Bewegung von Arbeitern, Bauern und Tagelöhnern breitete sich auf ländliche Gebiete aus. Am 20. Januar 1893 endete eine symbolische Landbesetzung durch 500 Bauern in Caltavuturo in einem Massaker, als Soldaten und Carabinieri 13 Dorfbewohner töteten und 21 verwundeten.
Am 4. Januar 1894 wurde in ganz Sizilien der Ausnahmezustand ausgerufen. 40 000 Soldaten marschierten ins Unruhegebiet. Neben den Anführern der Bewegung wurden auch mittellose Bauern, Studenten und Sympathisanten massenweise verhaftet. Etwa tausend Personen wurden ohne Gerichtsverfahren in die Verbannung geschickt, es gab standrechtlichen Erschießungen.
Fasci siciliani
Auf dem Land und in den Städten Siziliens begannen sich ab 1893 Bauern, Handwerker und Intellektuelle in der Fasci dei Lavoratori zu vereinen, um die Mafia und die Staatsmacht herauszufordern, die den Hunger der Bevölkerung verantwortete. Der Traum von Gerechtigkeit und Freiheit zielte darauf ab, mit diesem Kampf das Projekt einer besseren Gesellschaft aufzubauen. Unter denjenigen, die sich der Fasci dei Lavoratori anschlossen, stachen Frauen hervor, die danach strebten, durch Solidarität das soziale Wohlergehen durchzusetzen. Sie versuchten, moralische und soziale Werte wiederherzustellen, die der Gemeinschaft ein neues Gefühl der Menschenwürde vermitteln konnten.
Die sizilianischen Faszien wurden von der örtlichen Mafia und der nationalen Regierung unterdrückt. In den Gefängnissen des Landes waren mehr als einhundert Tote, mehrere hundert Verwundete und über dreitausendfünfhundert eingesperrt. Um zu verstehen, warum die Fasces in ländlichen Zentren eine solche Verbreitung hatten, genügt es, die Bedingungen zu berücksichtigen, unter denen sich die Bauernschaft dreißig Jahre nach der erzwungenen Einheit befand. In Sizilien kam die neue Verkündung von Gesetzen (des Feudalismus) sogar im Vergleich zum kontinentalen Süden zu spät und wurden dann lange Zeit nicht angewendet.
1902 Bauernrevolten in Rußland.
In den Gouvernements Charkov und Poltava werden Bauernaufstände blutig niedergeschlagen.
Die Bauern müssen seit 1861 (Abschaffung der Leibeigenschaft) immer noch das Land abbezahlen, das sie selbst bearbeiten. Hungersnöte 1891 und 1892 verschärften die Lage der Bauern weiter.
1905 werden sich die Unruhen erneut fortsetzen.
1905 1906 Bauernaufstände in Rußland
während der

Revolution von 1905-1907

Beispiele für kurzzeitige "Bauernrepubliken":
Nikolajewski Gorodok,
Republik Stary Bujan und
Republik Markowo.

Die brutale Niederschlagung erhält besondere Bedeutung für die spätere Große Sozialistische Oktoberrevolution von 1917.
Zur Wiederherstellung der "Ruhe im Land" mobilisiert die Zarenregierung in Petersburg vor allem Kosaken-Regimenter.
1907 Bauernaufstand in Rumänien Die Bodenreform Cuzas brachte den Bauern kein Land, da die Großgrundbesitzer durch Verschärfung der Ablösebedingungen die kaum lebensfähigen Höfe in neue Abhängigkeit trieben. Die brutale Niederschlagung kostete 11000 Tote.
1907 Massenproteste der Weinbauern in Süd-Frankreich.
Die Regierung in Paris muß Militär in das Languedoc / Roussilon entsenden.
Die Unruhen erfassen immer breitere Bevölkerungsschichten.
Preisverfall, hohe Kreditzinsen und Billigwein-Konkurrenz aus Übersee führen viele Bauern in den Ruin.
Der Protest richtet sich auch gegen Machenschaften der Wucherer und Banken.
1917
Grosse Sozialistische Oktoberrevolution
in Rußland

Am 26.10.(8.11.) verabschiedete der II.Gesamtrussische Sowjetkongress unmittelbar nach seinem ersten Gesetzesbeschluß (Dekret über den Frieden) das Dekret über den Grund und Boden. Damit wurden 150 Millionen Hektar Land verstaatlicht und an die Bauern übergeben. Bisherige Besitzer waren die Zarenfamilie, Gutsbesitzer und Kirche.

Als wenige Beispiele führender Bauerngeneräle der Roten Armee können hier genannt werden:

      W.I.   Tschapajew ,
      M.W. Frunse,
      W.K. Blücher (Galen),
      S.M.  Budjonny
kurzer Hinweis: Auf dem VI.Parteitag der Bolschewiki (26.Juli-3.August) wurde der Kurs zum bewaffneten Aufstand beschlossen. Dabei stand der Charakter der Revolution zur Debatte: Proletarische Revolution oder Bauernrevolution? Bucharin ging von einer Bauernrevolution aus, die zur proletarischen Revolution wird, wenn die Arbeiter Europas sie unterstützen. Stalin betonte, das die Arbeiter auch für eigene Forderungen kämpfen. Preobraschenski forderte die Machtergreifung zur Friedensherstellung.
Der Parteitag beschloß den Aufstand mit: "Die richtige Losung kann heute nur völlige Beseitigung der Diktatur der konterrevolutionären Bourgeoisie lauten. Nur das revolutionäre Proletariat ist - unter der Bedingung seiner Unterstützung durch die ärmste Bauernschaft - imstande, diese Aufgabe zu erfüllen"
Es werden die Verstaatlichung des Bodens, der Banken und der Großindustrie gefordert sowie die Einführung einer Arbeiterkontrolle über Produktion und Verwaltung.
1917 1918 Gewaltsame Bauernunruhen in der Ukraine und Bessarabien
Bodenreform (2.12.1917) des Sfatul Tarii (Gesetzorgan des unabhängigen Bessarabiens) (?)
Das in der Ukraine errichtetes Marionettenregime aus Großgrundbesitzern und reichen Bauern unter General Pawlo Skoropadski, das sich auf deutsches Militär stützte, versuchte, Grund und Boden an die Großgrundbesitzer zurückzugeben. Gegen die Ausplünderung des Landes durch Lebensmittellieferungen an die Mittelmächte kam es bald zu einer gewalttätigen Bauernbewegung, die von den nach Rußland geflüchteten ukrainischen Kommunisten unterstützt wurde.
1918 Von Januar bis Mai 1918 stand Helsinki und Südfinnland im Zeichen einer Revolution
von Arbeitern und landlosen Kleinbauern.
Die Revolutionsregierung in Finnland beschließt am 31.Januar ein Gesetz, demzufolge die bäuerlichen Pächter das Land zum Eigentum erhalten.
(Hinweis: 1922 schwächt eine Bodenreform den Grundbesitz des schwedischen Adels.)
1918 bis 1920 Spanien: Landbesetzungen und Massenstreiks der Landarbeiter in Andalusien.
Agrargewerkschaften werden gegründet. Streikkomitees übernahmen die lokalen Verwaltungen. Großgrundbesitzer flüchteten in die Großstädte.
Regierungstruppen wurden in den Süden gesendet und unterdrückten die sog. anarchistischen Bewegungen. Uneinigkeit führte zur Niederlage.
Nachrichten über eine Bauernrevolution in Rußland lösten Streikwellen in der Landwirtschaft aus.
Die wichtigsten Forderungen der Landarbeiter:
    • Abschaffung der Akkordarbeit
    • Aushandlung der Löhne
    • Anerkennung der Gewerkschaften
1919 In Mittel- und Süditalien und in Sizilien nehmen Bauern brachliegende Ländereien der Großgrundbesitzer in Besitz.
Die Regierung versucht Truppen dagegen einzusetzen, die sich jedoch oft weigern, gegen die Bauern vorzugehen.
Initiatoren der Bewegung waren demobilisierte Soldaten.
Am 2.9.1919 muß die Regierung ein Gesetz erlassen, das nichtbestelltes Land bäuerlichen Genossenschaften zur vorübergehenden Nutzung übergeben werden kann.
Hinweise:
- Teuerungswellen und Spekulationen mit Lebensmitteln. In den Städten kam es zu Zusammenstößen mit der Polizei und zu Überfällen auf Lebensmittellager.
- Einfluß der Umsetzung des Dekretes über den Grund und Boden von 1917 in Rußland.
1920 Die "Bludenzer Bauernrevolte" in Östereich.
Großbauern verweigern Zwangsabgaben an die Städte, die dort die Nachkriegs-Not lindern sollen.
1926 Winzermobilmachung in Süddeutschland. Massenproteste der Weinbauern im Moseltal.
Tausende Winzer erstürmen das Finanzamt, die Finanzkasse und das Zollamt in Bernkastel. Massiver Polizeieinsatz unterdrückt die Unruhen. Die Anführer werden verurteilt.
Inflation,Missernten, Importpolitik der Regierung, Weinsteuern und Kreditsperren bringen die Weinbauern in eine Hungersnot! (mehr dazu hier)
1928
Bauernunruhen in der Weimarer Republik
In Schleswig-Holstein kommt es zu Bauernunruhen und
Steuer-Streiks, die ihren Höhepunkt in
Bombenanschlägen z.B. in Lüneburg und Berlin (am 1.9.1929 auf das Berliner Reichstagsgebäude) finden.
Der Widerstand richtet sich

   gegen die massenweisen Zwangsversteigerungen der Höfe,
   gegen zu hohe Steuern und
   gegen die teuren Kredite.
1929 Lapua-Bewegung in Finnnland.
Im November gehen aufgebrachte Bauern im Ort Lapua (schwedisch: Lappo) gewaltsam gegen ein Treffen finnischer Kommunisten vor. Die Bauern kämpften vorher im "Freiheitskrieg" auf Seiten der Weißen.
Aus den Anhängern entwickelte sich eine finnische faschistische Organisation. Höhepunkt ist der Marsch auf Helsinki im Juli 1930. Das Ende der Lapua-Bewegung datiert mit dem Waffenstillstandsabkommen Finnlands mit der Sowjetunion 1944.
(ND v.28./29.2.2004)
Den ökonomischen Hintergrund für diese Bewegung bildete die große Unzufriedenheit der Bauern mit den für ihre Höfe gravierenden Folgen der Weltwirtschaftskrise
1931 Bauernrevolte in Spanien (Castilblanco/Sevilla).
Auf dem Land häufen sich die gewaltsamen Zusammenstöße zwischen verarmten Bauern und republikanischen Regierungstruppen. Blutige Unterdrückung der Bauern in Castilblanco.
Bauern wollen die von der Regierung versprochene Landreform selbst in die Tat umsetzen.
1933 Rebellierende Bauern von Casas Viejas in Spanien.
Bauern besetzen ein Landgut nach zwei Jahren Wartezeit auf Reform und werden von der Guardia Civil überfallen und getötet. Dieses Massaker treibt die Bauern auf die Seite der politischen Reaktion im Spanischen Bürgerkrieg (1936-1939).
Die republikanische Regierung will die Landbesitzer nicht enteignen und beharrt auf Pläne, das Land der Großgrundbesitzer von den Bauern über jahrzehntelange "Pachten" aufkaufen zu lassen, ähnlich den preußischen Reformen aus dem 19.Jahrhundert!
1934 Größter Landarbeiterstreik in der bisherigen Geschichte Spaniens.
Die Regierung reagiert mit 7000 Festnahmen und Zerschlagung von Arbeiterorganisationen.
Der Anteil der Landarbeiter an den Arbeitslosen Spaniens betrug 60 %.
Das Parlament, beherrscht von Monarchisten, Großgrundbesitzern und der CDEDA (= Vereinigung katholisierender Parteien), betreibt eine Politik der "Reaktion durch Unterlassung", Reformgesetze werden gestoppt. Angesiedelte Landarbeiter werden wieder vom Boden vertrieben, die Löhne gesenkt. Beispiellose Repressionen führen zur Radikalisierung und Destabilisierung der Zweiten Spanischen Republik.
1936 Revolte der Tabakbauern in Griechenland.
Als sich Soldaten mit den streikenden Tabakbauern verbünden, kommt es zu schweren Auseinandersetzungen mit der Staatsmacht.
(HL-HW: noch Material beschaffen)
1949 und 1950 Bauernrevolten in Süd-Italien.
Tagelöhner und Landarbeiter besetzen bei Melissa unbebautes Land. Ihre gewaltsame Vertreibung kostete Todesopfer, die eine Empörung in ganz Italien hervor rief.
Zur Überwindung der Ungleichheit der Nord/Süd-Gebiete sollten Gelder des Marshallplanes eingesetzt werden.
Aber die Mittel dienten nicht der Abschaffung des Latifundiensystems und nicht der Verteilung von Land an selbständige Bauern! Der industrielle Aufbau im Norden erhielt Priorität vor der notwendigen Bodenreform im Süden, die durch Immobilienspekulationen verhindert wurde.
1960 1961 Bauernunruhen in Frankreich (Finestere).
Der sog. "Artischocken-Krieg" richtet sich gegen die großen Gemüsehändler.
1970 Gewalttätige Unruhen in Süd-Italien.
In Kalabrien kommt es zu Revolten gegen die "Mitte-Links-Regierung" .
In der Stadt Reggio und im Umland werden Barikaden errichtet, Eisenbahnlinien gesperrt, Postämter und Büros abgefackelt. Streiks gegen den Willen der Gewerkschaften! In den Bergen paramilitärische Lager. In die Zehntausende gehenden Aufständische sind vor allem Jugendliche und eine Vielzahl der Gelegenheitsarbeiter, die nur zur Ernte Lohn erhalten! Etwa noch 12000 Menschen wohnten in Baracken, die 1908 (!) nach einem Erdbeben errichtet wurden. Es herrschen noch "Halbpacht" und Agrarmafia!
Auf den Schnellzug Rom-Messina kostet ein Bobenanschlag Tote und Verletzte.
Bemerkenswert die Presse-Darstellungen: aus anfänglicher "Aufruhr der Kanaillen und Schlampen!" wurde sehr schnell der "Volksaufstand gegen die Geknechteten!", nach dem Faschisten die Leitung der Kämpfe vollständig bestimmten!
Wahlversprechen der "Mitte-Links"-Regierung für die ländliche Region wurden nicht eingehalten. 300 Fabrikarbeitsplätzen standen 20000 in den Verwaltungen gegenüber bei gleichzeitigem Verfall der öffentlichen Einrichtungen, der Krankenhäuser und des Schulwesens!
80 Prozent der in der Landwirtschaft Beschäftigten waren Saison-Arbeiter! Dem vorherrschenden Großgrundbesitz standen Zwergbetriebe mit weniger als 12 ha gegenüber. Es herrschte Halbpacht (mezzadria). Großgrundbesitzer und Lokalpolitiker regelten gemeinsam die kommunalen Belange.
1970 Bundesrepublik Deutschland
Zehntausend Bauern aus Schleswig-Holstein und Niedersachsen demonstrieren durch die Innenstadt von Hamburg unter der Losung
Wir Bauern sind verzagt - Ertl hat versagt.
In einer Post-Aktion hatten sie dem Bundeskanzler bereits mit vier Zentner Weizen in Säcken von je zwei Pfund ratenweise die Amtsstube zugestellt.
Die Berichterstattung über die Proteste gestaltet sich weitgehend diffamierend und abwertend.
Die Bauern beklagen, das die Preise für landwirtschaftliche Produkte sinken, während die Löhne (der Verbraucher) und die Verbraucherpreise weiter steigen. Siehe Beispiel:
  • 1951 :     1 kg Weizen 46 Pf. 1 kg Brot 51 Pf.
  • 1970 :     1 kg Weizen 37 Pf. 1 kg Brot 1,51 Mark
Der Brotpreis ist innerhalb von 19 Jahren um fast 200 % gestiegen, der Weizenpreis nur um 20 %.
Die Bauern fordern weiterhin eine Anhebung des Altersgeldes (!) auf 300 Mark ( bisher 175 Mark).
Der Protest richtet sich auch dagegen, das nach EWG-Plan die 1.340.000 landwirtschaftlichen Betriebe bis 1980 auf 215.000 Höfe reduziert werden sollen.
1971 Bundesrepublik Deutschland
(Januar) 20.000 Landwirte demonstrieren in Stuttgart. (?)
Etwa 10.000 Bauern blockieren im Februar die Grenze zu Dänemark. (?)
(März) 10.000 Bauern demonstrieren in Oldenburg. (?)
Am 24. März demonstrieren 40.000 Landwirte in Bonn.
(?)
1971 Belgien
Im Februar sollen belgische Landwirte ihre Kühe in eine Sitzung des Ministerrates getrieben haben. (?)
(?)
1971 bis 1972 Bundesrepublik Deutschland
Sogenannter Milchkrieg im bayerischen Weiding (Januar 1971 bis April 1972). (?)
Landwirte fordern von den Milchwerken Weiding höhere Preise.
1975 Bundesrepublik Deutschland
"Nai hämm'r gsait" (Nein haben wir gesagt) - unter dem alemannischen Motto organisierten Bauern und Bürger den Widerstand gegen den geplanten Bau eines Kernkraftwerkes.
Hunderte von Winzer und Bauern mit ihren Traktoren stellten sich den anrückenden Baumaschinen entgegen. Die Protestler besetzen im Februar den Bauplatz, Tage später mußten sie Polizisten mit Hundestaffeln und Wasserwerfern weichen. Nach einer Kundgebung bewegten sich 28 000 Menschen auf das mit Stacheldraht eingezäunte Gebiet zu, etliche überwanden die Absperrung.
Aus den spontanen Protesten wurde eine breite Bewegung, die erfolgreich verhinderte, dass am Kaiserstuhl ein Atomkraftwerk gebaut wurde. Später wuchs daraus die Anti-Atombewegung der Bundesrepublik Deutschland.
1978 Bundesrepublik Deutschland (Franken)
Im Zeichen des Bundschuhs leisten Bauern im Raum Boxberg Widerstand gegen eine geplante Teststrecke einer großen Automobil-Firma.      (?)
Hinweis: Es existiert ein Kabinettsbeschluß (19.12.1979) der die Zusage der Landesregierung beinhaltet, das Land der Firma im Falle des Scheitern des Projektes abzukaufen.(?)
1990 Bauernprotest in Nordostdeutschland (?)
(Templin ?)
Zitat:
Die Bundesregierung hat am Freitag die Streiks und Bauernproteste in der DDR gegen unsoziale Konditionen der Währungsunion und des Staatsvertrages verurteilt. Regierungssprecher ... erklärte vor der Bundespressekonferenz, die Organisatoren dieser Streiks seien „teilweise genau die Kräfte, die die gegenwärtigen Verhältnisse da drüben verursacht haben“. Der Minister räumte ... ein, daß es in „bestimmten Bereichen“ in der DDR „Unsicherheiten und Befürchtungen“ gebe, die jedoch auch auf „Unkenntnis der Zusammenhänge, des tatsächlichen Verhandlungsstandes und der tatsächlichen Absichten“ im Zusammenhang mit dem Staatsvertrag zurückzuführen seien. nordkurier 12.Mai 1990
1992 Große Bauerndemonstration in der Schweiz.
Vor dem Bundeshaus demonstrieren 15000 Bauern, die sich ausdrücklich auf ihre aufständischen Vorfahren im Bauernkrieg von 1653 berufen.
Die Schweizer Bauern sehen sich als Verlierer der globalen Liberalisierung im Agrarbereich. Sie erhalten weltweit die höchste staatliche Unterstützung, ohne diese Beihilfen sind sie international nicht konkurrenzfähig. Der fortschreitende Abbau der landwirtschaftlichen Subventionen im Rahmen des GATT (heute WTO,Welthandelsorganisation) und der EU stellt die Bauern vor enorme Probleme. Wer die Liberalisierung unterstützt, wird deshalb als Landesverräter bezeichnet.
Ergänzung: am 31. Mai 1993, versammeln sich beim Denkmal für den Berner Bauernführer Niklaus Leuenberger 5000 Personen zu einer Bauernlandsgemeinde. Protestiert wird gegen den Abbau des Preis- und Zollschutzes der Schweizer Landwirtschaft durch den Staat.
1996 Schweiz
Auf dem Bundesplatz in Bern demonstrieren rund 15 000 Bauern gegen die Freihandelsverträge. Brennende Gegenstände werden an die Fassade des Bundeshauses geworfen, Äpfel, Steine, Kartoffeln, Flaschen und Mehlsäcke fliegen gegen die Polizei, die Wasserwerfer und Tränengas einsetzt.
Die Bauern wollen auf ihre kritische Lage aufmerksam machen: 30 Prozent Einkommensverlust und zwei Milliarden Franken weniger Erlös für ihre Produkte.
1999 In Polen sperren militante Bauerngruppen die Hauptstraßen im Süden des Landes Widerstand richtet sich gegen die "Reformen" der Regierung, die den Rückgang der Höfe bewirkt. Gleichzeitig kann die Landwirtschaft nicht die Arbeitslosen aus der Industrie aufnehmen. Proteste auch gegen korrupte Zoellner , die Abgaben erpressen.
1999 Frankreichs Bauern wollen sich für US-Strafzölle rächen.
Weil ihnen von den USA Strafzölle auf Roquefort, Pastete und Trüffel aufgezwungen wurden, belagern französischen Bauern McDonald s-Filialen, verwüsten deren Baustellen und rufen zum Boykott auf (im südfranzösischen Roquefort-Departement Aveyron).
"Wir sind direkt von dem Handelskrieg um das hormonbehandelte Rindfleisch betroffen. Wir sind Opfer der amerikanischen Erpressung", sagt der Vorsitzende des Verbandes der Schafsmilchproduzenten. Mit "Erpressung" meint er die hundertprozentigen US-Strafzölle auf EU-Produkte, die Washington Ende Juli wegen der Weigerung der Europäer verhängte, hormonbehandeltes Rindfleisch zu importieren. In Frankreich sind vor allem Roquefort-Käse, Gänseleberpastete und Trüffel betroffen. (Berliner Zeitung 1999 23.8.1999 ?)
2003 Bauernwiderstand gegen Massentötungen von Rindern in Schleswig-Holstein (BRD)
Etwa 350 Bauern blockieren einen Hof in Nordhastedt um eine Kälberschlachtung zu verhindern.
Sie fordern eine "Kohortenlösung", d.h. im BSE-Fall nicht eine "Keulung" der gesamten Herde, sondern nur des betroffenen Tieres, seiner Familie und seines Jahrgangs.
Der Widerstand in Schleswig-Holstein richtet sich nicht nur gegen die meist grünen Naturschützer, die hier laut Aussage eines Kehdinger Bauern "das Land beherrschen wie einst die Gutsherren". Der wachsenden Unmut richtet sich auch gegen die staatlichen grünen BSE-Maßnahmen - vor allem um die existenzzerstörenden Massentötungen von Rindern zu verhindern.
(Quelle)

Fortsetzung der Tabelle Bauernproteste in Europa seit der Jahrtausendwende 1999/2000       Europa 2000

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Notizen über Bauernproteste / Dipl. Ing. Hans Holger Lorenz / 28. Januar 2021 / (I)/WB - To