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Bauernproteste in Europa nach 1789


Jahr Ereignis Hinweise / Bemerkungen
1775 Der "Mehlkrieg" in Frankreich gilt als Vorbote der Französischen Revolution von 1789.
Die Bauern im Tal der Oise und in der Pariser Umgebung erstürmen Getreidemärkte und Speicher. Der Bauernaufstand wird mit 25000 Soldaten niedergeschlagen, dennoch muß der König Ludwig XVI. das Gesetz zur Liberalisierung des Getreidehandels zurücknehmen!
Auslöser ist die Missernte von 1774. Aber die Ursachen sind in den Getreidespekulationen durch die Großpächter, Kornhändler, Müller und Bäcker zu suchen. Ein Gesetz über die "Liberalisierung" des Getreidehandels verschärft die Situartion!
1784 bis 1793 Bauernaufstand in Schaumburg-Lippe (?) Einfluß der französischen Unruhen und der Französischen Revolution auf Niedersachsen
1789 Bauernrevolten in Süd- und Zentralfrankreich.
In den Departements Drome, Lot, Dordogne, Basses-Alpes u.a. dringen bewaffnete Bauern gegen Grundherren und Klöster vor.
Einen Präzedenzfall stellt das Eindringen bewaffneter Bauern in der Stadt Troyes dar: Die Bauern brechen Korn- und Salzspeicher der Wucherer auf, fordern die Festsetzung der Brotpreise und töten bekannte Handelswucherer. Die bürgerliche Nationalgarde schlägt die Revolte nieder!
Vorrangig werden Grundbücher und Steuerunterlagen vernichtet. Die Aktionen und Forderungen richten sich insbesondere gegen Wucherer, gegen die Verzehrsteuer und gegen die Salzsteuer.
1789 Bauernrevolten in der Niederlausitz und im Spreewald,
angespornt durch die Französische Revolution.
Sie richten sich gegen Jagdtprivilegien und gegen eine Umwandlung von Naturalabgaben in Geldzinns.
1790 Fortsetzung der bewaffneten Erhebungen in Frankreich gegen Grundherren, Wucherer und Klöster.
(Departements: Correze, Cantal, Charente-Inferieure ua.)

1790
Sächsischer Bauernaufstand
Bauernerhebungen im Elbsandsteingebirge und im Erzgebirge in Deutschland.
(auch: kursächsischer Bauernaufstand). Die sozialen Widersprüche spitzten sich durch den strengen Winter 1789/90 und die darauf folgende Dürre zu. Die Revolten betreffen vorrangig das Elbsandsteingebirge und das Erzgebirge.
Betroffene Gebiete: Stolpen, Dresdner-, Radeberger-, Dippoldiswalder- und Torgauer Gegend sowie Teile der Lausitz. Im Raum Königstein und in der Oberlausitz werden Dienste verweigert. Die Erhebung beginnt mit Wildvertreibungen. Höhepunkte sind Schloßerstürmungen und die Entwaffnung des Militärs.
Der Einsatz einer militärischen Übermacht des Königs beendet den Aufstand.
Die Forderungen der Bauern werden u.a. vom Rebellen aus Liebstadt Christian Benjamin Geißler formuliert:

- Abschaffung der Jagtprivilegien,
- Abschaffung der Frondienste,
- keine Umwandlung der Naturalabgaben in Geldabgaben (!).


Ausstrahlung der Ideen der Französischen Revolution auf den Bauernaufstand in Sachsen.
1790 bis 1794
Bauernunruhen in der Lausitz
(Deutschland)
Vorausgegangen waren die Hungerjahre 1771 und 1772, die sich 1789 und 1790 wiederholten.
Karte der Bauernunruhen in der Oberlausitz und der Herrschaft Leuthen
1792 Der Charakter der Bauernerhebungen in Frankreich hat sich geändert. Der "Krieg gegen die Schlösser" wird in Angriffen auf die Besitzungen der Emigranten geführt. Eidverweigernde Priester werden vertrieben. Es finden Hausdurchsuchungen bei reichen Bürgern nach Waffen und Lebensmitteln statt.
(besonders betroffene Departements: Haute-Vienne, Correze, Lot, Tarn, Cantal, Haute-Garonne, Puy-de-Dome, Rhone-etLoire, Haute-Loire, Lozere, Ardeche, Gard, Var u.a.)
Die Aufstände sind eindeutig prorevolutionäre Erhebungen.
1793 Bauernaufstand in der Vendee
(Frankreich) unter den Losungen:
Den Frieden! Den Frieden!
Kein Los-Ziehen!
Republik der Königsmörder und Wucherer!
Die Bauern liefern sich dramatische Kämpfe mit den republikanischen Truppen!
Sie sind aufgestanden gegen die Aushebung von 300 000 Mann für die Revolutionsarmee (das sog. Los-Ziehen),
gegen die Privatisierung von Gemeindeländereien,
gegen Wucherer, Großpächter und Getreidehändler!
Genauer betrachtet war es ein Krieg der republikanisch gesinnten neureichen Bourgeoisie gegen das aufmüpfige Landvolk, das sich um die Ergebnisse der Revolution betrogen sah. Der Name Vendee wird zum Begriff für Konterrevolution.
1796 bis 1797 Bauernaufstände in Rußland.
In 32 Gouvernements revoltieren die Bauern.
Mit der Thronbesteigung Zar Pauls I. 1796 verbreitet sich ein Gerücht über eine mögliche Bauernbefreiung.
1797 Bauern-Revolte im Hochstift Paderborn.
(Deutschland)
Warburg klagt mit anderen Städten gegen das Privileg der Steuerfreiheit von Adel und Klerus. Die damit verbundene Bauernrevolte in Wormeln wird mit militärischer Gewalt niedergeworfen.
Auslöser sind die Zehnt-Forderungen des dortigen Zisterzienserinnenklosters
1800 Bauernrevolte in Georgenhausen und Haxthausen (Hessen). Vermutlich immer noch Einfluß der Französichen Revolution.
1809 Aufstand der Bauern in Tirol
Nach hartnäckigem Widerstand kann der Aufstand nur mit großen Aufwendungen der franz. Truppen niedergeschlagen werden.
Andreas Hofer wurde am 20.2.1810 in Mantua standrechtlich erschossen.
Unter Führung von Andreas Hofer und des Bauern Josef Speckbacher richtet sich der Partisanenkampf der Bergbauern gegen die napoleonische Fremdherrschaft und gegen die bayrische Besatzung. Ausplünderung und Maßnahmen gegen den Katholizismus führten zum Tiroler Volksaufstand.
Ein Auslöser waren Rekrutierungsverordnungen.
1809 Deutschland (Franken)
Die Bauern des ehemaligen Deutschordengebietes um Mergentheim wehren sich gegen die Rekrutierung für das württembergische Heer und rotten sich zusammen.    (?)
(?)
1819 Hungerrevolten von Bauern in Preußen und an der Ostseeküste (?) (?)
(keine Quellenangaben)
1830 Landarbeiter-Aufstand in Süd-England.
Unorganisierte Einzelaktionen (z.B.Wilddiebstahl u. spontane Meutereien) gehen über in gewaltsame Zerstörungen von landwirtschaftlichen Maschinen und gemeinsam vorgetragenen Lohnforderungen.
Die Periode 1815...1850 ist gekennzeichnet von einer außergewöhnlichen Verarmung und Ausbeutung der Bevölkerung Englands. Von dieser Verelendung ist das Land"proletariat" ebenso betroffen wie die Arbeiter in den Städten.

Hinweis:
Report of the Poor Law Commissioners on the agricultural disturbances of 1830
zu finden unter:    http://www.historyhome.co.uk/peel/poorlaw/report.htm
1830 Unruhen der Landbevölkerung Preußen, Sachsen, Hessen, Östereich.
Zollunruhen in Hanau und Fulda.
Blutbad von Södel in der Wetterau.
Zollstationen werden zerstört. Ein "Schwarzes Corps" revoltierender Bauern marschiert zwischen Büdingen und Schoten. Mehrere Tausend Demonstranten erstürmen Steuerämter, vernichten Akten und zerstören die Gebäude.
Teuerungen, Verbrauchssteuern, Arbeitsmangel, zu niedrige Löhne, zu hohe Abgaben, Willkür der Polizei und der Verwaltungen verbitterten die durch"Reformen" verarmte Bevölkerung. Nicht Verfassungspolitik und nicht Freiheitsrechte, sondern unmittelbare Sorgen der ärmeren Volksschichten waren die Gründe für die Aufruhr. Ursachen siehe:"Der Hessische Landbote" .
1831 "Cholera"-Aufstand Ost-Slowakischer Bauern Ausbreitung der Pest in Galizien und Hygiene-Maßnahmen der Behörden lösen den Aufstand aus (?)
1839 Erster Rebecca-Aufstand in Wales (England). Bauern reißen Zollschranken nieder. Kampf gegen Kornzölle als eine der Forderungen der Chartisten-Bewegung. Die Aufhebung der Kornzölle in England wird erst 1846 erreicht.
1839 Bauernrevolten in Rußland (?) Bauernrevolten in zwölf Gebieten ?
1841 bis 1845 Bauernunruhen in Rußland (?) Die Bauernunruhen sollen im Zusammenhang mit den Reformen Kisseljows stehen.
HW: 1841 Erhebung von Arbeitsleuten im Ural.
1846 Im polnischen Galizien wird ein Bauernaufstand durch östereischiche Truppen niedergeschlagen. Antifeudale Erhebung der Bauern.
1848 Bauernunruhen in Rußland (?) mögliche Faktoren:
  - Mißernte im Jahr 1848
  - Nachrichten über die Revolutionen in Europa
    dringen nach Rußland
  - Berichte über den Bauernaufstand
    im benachbarten Galizien verbreiten sich
1848 In den lombardischen Provinzen Italiens kämpft die Landbevölkerung spontan
zusammen mit der "Mailänder Revolution".
Der Kampf geht um ein neues Agrarrecht.
1848 Bauernunruhen in der Vojvodina (Serbien ?) Die Unruhen richten sich gegen deutsche und ungarische Grundherren.
1848 Bauernunruhen und Aufstände in Deutschland
während der Bürgerlichen Revolution von 1848/49:
  - Sachsen
  - Schlesien
  - Oberlausitz
  - Mecklenburg
  - Baden
  - Nassau
  - Hessen
   Die Nassauer Bauernrevolte   
Am 4.März besetzen 30000 Bauern Wiesbaden. Eine Losung an die Adligen gerichtet:"Schwefelt die Dachse aus!" Die Bauern erreichen die Abschaffung der Gemeindeordnung, die Absetzung von Schultheißen und Förstern. Man stellte Pacht-u. Steuerzahlungen ein und bildete in den Dörfern eigene Sicherheitsausschüsse.Die Jagdfreiheit wurde wieder hergestellt.
1850 Bauernaufstand im Nordwesten Bulgariens (?) (?)
1853 / 1854 Deutschland (Baden) (?)
Katholisch gesinnte Bürger und Bauern erheben sich gegen die antikirchlichen Pläne der großherzoglichen Regierung; das tauberfränkische Badenland wird daraufhin von badischen Truppen besetzt.    (?)
(?)
1855 Bauernrevolte in Rußland.
Im Gouvernement Kiew erheben sich die Bauern.

1857 Bauernbewegung in Andalusien (Spanien)
(Juni-Juli (?))

1860 Italiens Süden, im Mezzogiorno und in Sizilien herrscht Ausnahmezustand.
Die Bauern solidarisieren sich mit den "Rothemden"und ebnen den Weg der "Tausend" Garribaldis.
Nach der Niederlage folgen 1868 die Einführung der Mahl-Steuer und eine Verteuerung der Lebensmittel.
Die Landbevölkerung reagiert mit Auswanderungswellen.
Unzufriedenheit über die Agrarreform,
Ablehnung der Einführung der Mahl-Steuer und
bäuerliche Stimmungen gegen den Einheits-Staat.
1861 Spontane Bauernunruhen im Kursker Gebiet Rußlands.
Die Aufhebung der Leibeigenschaft durch Zar Alexander II. bringt den Bauern keine wirkliche Befreiung.
Die Erhebungen richten sich gegen den Landraub und den Waldfrevel .
1861 Bauernrevolten in Andalusien u. Valladolid (Spanien)
(Juni-Juli (?))

1881 Bauernaufstand in Serbien (?)
1888 Bauern-Unruhen in Rumänien (?)
1892 Landarbeiteraufstand in Andalusien (Spanien)
Aufrührerische Landarbeiter und Bauern dringen in die Stadt ein, besetzen sie und werden nach kurzer Zeit wieder zurückgeschlagen.
Umgebung von Jerez de la Frontera
1902 Bauernrevolten in Rußland.
In den Gouvernements Charkov und Poltava werden Bauernaufstände blutig niedergeschlagen.
Die Bauern müssen seit 1861 (Abschaffung der Leibeigenschaft) immer noch das Land abbezahlen, das sie selbst bearbeiten. Hungersnöte 1891 und 1892 verschärften die Lage der Bauern weiter.
1905 werden sich die Unruhen erneut fortsetzen.
1905 1906 Bauernaufstände in Rußland
während der

Revolution von 1905-1907

Beispiele für kurzzeitige "Bauernrepubliken":
Nikolajewski Gorodok,
Republik Stary Bujan und
Republik Markowo.

Die brutale Niederschlagung erhält besondere Bedeutung für die spätere Große Sozialistische Oktoberrevolution von 1917.
Zur Wiederherstellung der "Ruhe im Land" mobilisiert die Zarenregierung in Petersburg vor allem Kosaken-Regimenter.
1907 Bauernaufstand in Rumänien Die Bodenreform Cuzas brachte den Bauern kein Land, da die Großgrundbesitzer durch Verschärfung der Ablösebedingungen die kaum lebensfähigen Höfe in neue Abhängigkeit trieben. Die brutale Niederschlagung kostete 11000 Tote.
1907 Massenproteste der Weinbauern in Süd-Frankreich.
Die Regierung in Paris muß Militär in das Languedoc / Roussilon entsenden.
Die Unruhen erfassen immer breitere Bevölkerungsschichten.
Preisverfall, hohe Kreditzinsen und Billigwein-Konkurrenz aus Übersee führen viele Bauern in den Ruin.
Der Protest richtet sich auch gegen Machenschaften der Wucherer und Banken.
1917
Grosse Sozialistische Oktoberrevolution
in Rußland

Am 26.10.(8.11.) verabschiedete der II.Gesamtrussische Sowjetkongress unmittelbar nach seinem ersten Gesetzesbeschluß (Dekret über den Frieden) das Dekret über den Grund und Boden. Damit wurden 150 Millionen Hektar Land verstaatlicht und an die Bauern übergeben. Bisherige Besitzer waren die Zarenfamilie, Gutsbesitzer und Kirche.

Als wenige Beispiele führender Bauerngeneräle der Roten Armee können hier genannt werden:

      W.I.   Tschapajew ,
      M.W. Frunse,
      W.K. Blücher (Galen),
      S.M.  Budjonny
kurzer Hinweis: Auf dem VI.Parteitag der Bolschewiki (26.Juli-3.August) wurde der Kurs zum bewaffneten Aufstand beschlossen. Dabei stand der Charakter der Revolution zur Debatte: Proletarische Revolution oder Bauernrevolution? Bucharin ging von einer Bauernrevolution aus, die zur proletarischen Revolution wird, wenn die Arbeiter Europas sie unterstützen. Stalin betonte, das die Arbeiter auch für eigene Forderungen kämpfen. Preobraschenski forderte die Machtergreifung zur Friedensherstellung.
Der Parteitag beschloß den Aufstand mit: "Die richtige Losung kann heute nur völlige Beseitigung der Diktatur der konterrevolutionären Bourgeoisie lauten. Nur das revolutionäre Proletariat ist - unter der Bedingung seiner Unterstützung durch die ärmste Bauernschaft - imstande, diese Aufgabe zu erfüllen"
Es werden die Verstaatlichung des Bodens, der Banken und der Großindustrie gefordert sowie die Einführung einer Arbeiterkontrolle über Produktion und Verwaltung.
1917 1918 Gewaltsame Bauernunruhen in der Ukraine und Bessarabien
Bodenreform (2.12.1917) des Sfatul Tarii (Gesetzorgan des unabhängigen Bessarabiens) (?)
Das in der Ukraine errichtetes Marionettenregime aus Großgrundbesitzern und reichen Bauern unter General Pawlo Skoropadski, das sich auf deutsches Militär stützte, versuchte, Grund und Boden an die Großgrundbesitzer zurückzugeben. Gegen die Ausplünderung des Landes durch Lebensmittellieferungen an die Mittelmächte kam es bald zu einer gewalttätigen Bauernbewegung, die von den nach Rußland geflüchteten ukrainischen Kommunisten unterstützt wurde.
1918 Von Januar bis Mai 1918 stand Helsinki und Südfinnland im Zeichen einer Revolution
von Arbeitern und landlosen Kleinbauern.
Die Revolutionsregierung in Finnland beschließt am 31.Januar ein Gesetz, demzufolge die bäuerlichen Pächter das Land zum Eigentum erhalten.
(Hinweis: 1922 schwächt eine Bodenreform den Grundbesitz des schwedischen Adels.)
1918 bis 1920 Spanien: Landbesetzungen und Massenstreiks der Landarbeiter in Andalusien.
Agrargewerkschaften werden gegründet. Streikkomitees übernahmen die lokalen Verwaltungen. Großgrundbesitzer flüchteten in die Großstädte.
Regierungstruppen wurden in den Süden gesendet und unterdrückten die sog. anarchistischen Bewegungen. Uneinigkeit führte zur Niederlage.
Nachrichten über eine Bauernrevolution in Rußland lösten Streikwellen in der Landwirtschaft aus.
Die wichtigsten Forderungen der Landarbeiter:
    • Abschaffung der Akkordarbeit
    • Aushandlung der Löhne
    • Anerkennung der Gewerkschaften
1919 In Mittel- und Süditalien und in Sizilien nehmen Bauern brachliegende Ländereien der Großgrundbesitzer in Besitz.
Die Regierung versucht Truppen dagegen einzusetzen, die sich jedoch oft weigern, gegen die Bauern vorzugehen.
Initiatoren der Bewegung waren demobilisierte Soldaten.
Am 2.9.1919 muß die Regierung ein Gesetz erlassen, das nichtbestelltes Land bäuerlichen Genossenschaften zur vorübergehenden Nutzung übergeben werden kann.
Hinweise:
- Teuerungswellen und Spekulationen mit Lebensmitteln. In den Städten kam es zu Zusammenstößen mit der Polizei und zu Überfällen auf Lebensmittellager.
- Einfluß der Umsetzung des Dekretes über den Grund und Boden von 1917 in Rußland.
1920 Die "Bludenzer Bauernrevolte" in Östereich.
Großbauern verweigern Zwangsabgaben an die Städte, die dort die Nachkriegs-Not lindern sollen.
1926 Winzermobilmachung in Süddeutschland. Massenproteste der Weinbauern im Moseltal.
Tausende Winzer erstürmen das Finanzamt, die Finanzkasse und das Zollamt in Bernkastel. Massiver Polizeieinsatz unterdrückt die Unruhen. Die Anführer werden verurteilt.
Inflation,Missernten, Importpolitik der Regierung, Weinsteuern und Kreditsperren bringen die Weinbauern in eine Hungersnot! (mehr dazu hier)
1928
Bauernunruhen in der Weimarer Republik
In Schleswig-Holstein kommt es zu Bauernunruhen und
Steuer-Streiks, die ihren Höhepunkt in
Bombenanschlägen z.B. in Lüneburg und Berlin (am 1.9.1929 auf das Berliner Reichstagsgebäude) finden.
Der Widerstand richtet sich

   gegen die massenweisen Zwangsversteigerungen der Höfe,
   gegen zu hohe Steuern und
   gegen die teuren Kredite.
1929 Lapua-Bewegung in Finnnland.
Im November gehen aufgebrachte Bauern im Ort Lapua (schwedisch: Lappo) gewaltsam gegen ein Treffen finnischer Kommunisten vor. Die Bauern kämpften vorher im "Freiheitskrieg" auf Seiten der Weißen.
Aus den Anhängern entwickelte sich eine finnische faschistische Organisation. Höhepunkt ist der Marsch auf Helsinki im Juli 1930. Das Ende der Lapua-Bewegung datiert mit dem Waffenstillstandsabkommen Finnlands mit der Sowjetunion 1944.
(ND v.28./29.2.2004)
Den ökonomischen Hintergrund für diese Bewegung bildete die große Unzufriedenheit der Bauern mit den für ihre Höfe gravierenden Folgen der Weltwirtschaftskrise
1931 Bauernrevolte in Spanien (Castilblanco/Sevilla).
Auf dem Land häufen sich die gewaltsamen Zusammenstöße zwischen verarmten Bauern und republikanischen Regierungstruppen. Blutige Unterdrückung der Bauern in Castilblanco.
Bauern wollen die von der Regierung versprochene Landreform selbst in die Tat umsetzen.
1933 Rebellierende Bauern von Casas Viejas in Spanien.
Bauern besetzen ein Landgut nach zwei Jahren Wartezeit auf Reform und werden von der Guardia Civil überfallen und getötet. Dieses Massaker treibt die Bauern auf die Seite der politischen Reaktion im Spanischen Bürgerkrieg (1936-1939).
Die republikanische Regierung will die Landbesitzer nicht enteignen und beharrt auf Pläne, das Land der Großgrundbesitzer von den Bauern über jahrzehntelange "Pachten" aufkaufen zu lassen, ähnlich den preußischen Reformen aus dem 19.Jahrhundert!
1934 Größter Landarbeiterstreik in der bisherigen Geschichte Spaniens.
Die Regierung reagiert mit 7000 Festnahmen und Zerschlagung von Arbeiterorganisationen.
Der Anteil der Landarbeiter an den Arbeitslosen Spaniens betrug 60 %.
Das Parlament, beherrscht von Monarchisten, Großgrundbesitzern und der CDEDA (= Vereinigung katholisierender Parteien), betreibt eine Politik der "Reaktion durch Unterlassung", Reformgesetze werden gestoppt. Angesiedelte Landarbeiter werden wieder vom Boden vertrieben, die Löhne gesenkt. Beispiellose Repressionen führen zur Radikalisierung und Destabilisierung der Zweiten Spanischen Republik.
1936 Revolte der Tabakbauern in Griechenland.
Als sich Soldaten mit den streikenden Tabakbauern verbünden, kommt es zu schweren Auseinandersetzungen mit der Staatsmacht.
(HL-HW: noch Material beschaffen)
1949 und 1950 Bauernrevolten in Süd-Italien.
Tagelöhner und Landarbeiter besetzen bei Melissa unbebautes Land. Ihre gewaltsame Vertreibung kostete Todesopfer, die eine Empörung in ganz Italien hervor rief.
Zur Überwindung der Ungleichheit der Nord/Süd-Gebiete sollten Gelder des Marshallplanes eingesetzt werden.
Aber die Mittel dienten nicht der Abschaffung des Latifundiensystems und nicht der Verteilung von Land an selbständige Bauern! Der industrielle Aufbau im Norden erhielt Priorität vor der notwendigen Bodenreform im Süden, die durch Immobilienspekulationen verhindert wurde.
1960 1961 Bauernunruhen in Frankreich (Finestere).
Der sog. "Artischocken-Krieg" richtet sich gegen die großen Gemüsehändler.
1970 Gewalttätige Unruhen in Süd-Italien.
In Kalabrien kommt es zu Revolten gegen die "Mitte-Links-Regierung" .
In der Stadt Reggio und im Umland werden Barikaden errichtet, Eisenbahnlinien gesperrt, Postämter und Büros abgefackelt. Streiks gegen den Willen der Gewerkschaften! In den Bergen paramilitärische Lager. In die Zehntausende gehenden Aufständische sind vor allem Jugendliche und eine Vielzahl der Gelegenheitsarbeiter, die nur zur Ernte Lohn erhalten! Etwa noch 12000 Menschen wohnten in Baracken, die 1908 (!) nach einem Erdbeben errichtet wurden. Es herrschen noch "Halbpacht" und Agrarmafia!
Auf den Schnellzug Rom-Messina kostet ein Bobenanschlag Tote und Verletzte.
Bemerkenswert die Presse-Darstellungen: aus anfänglicher "Aufruhr der Kanaillen und Schlampen!" wurde sehr schnell der "Volksaufstand gegen die Geknechteten!", nach dem Faschisten die Leitung der Kämpfe vollständig bestimmten!
Wahlversprechen der "Mitte-Links"-Regierung für die ländliche Region wurden nicht eingehalten. 300 Fabrikarbeitsplätzen standen 20000 in den Verwaltungen gegenüber bei gleichzeitigem Verfall der öffentlichen Einrichtungen, der Krankenhäuser und des Schulwesens!
80 Prozent der in der Landwirtschaft Beschäftigten waren Saison-Arbeiter! Dem vorherrschenden Großgrundbesitz standen Zwergbetriebe mit weniger als 12 ha gegenüber. Es herrschte Halbpacht (mezzadria). Großgrundbesitzer und Lokalpolitiker regelten gemeinsam die kommunalen Belange.
1970 Bundesrepublik Deutschland
Zehntausend Bauern aus Schleswig-Holstein und Niedersachsen demonstrieren durch die Innenstadt von Hamburg unter der Losung
Wir Bauern sind verzagt - Ertl hat versagt.
In einer Post-Aktion hatten sie dem Bundeskanzler bereits mit vier Zentner Weizen in Säcken von je zwei Pfund ratenweise die Amtsstube zugestellt.
Die Berichterstattung über die Proteste gestaltet sich weitgehend diffamierend und abwertend.
Die Bauern beklagen, das die Preise für landwirtschaftliche Produkte sinken, während die Löhne (der Verbraucher) und die Verbraucherpreise weiter steigen. Siehe Beispiel:
  • 1951 :     1 kg Weizen 46 Pf. 1 kg Brot 51 Pf.
  • 1970 :     1 kg Weizen 37 Pf. 1 kg Brot 1,51 Mark
Der Brotpreis ist innerhalb von 19 Jahren um fast 200 % gestiegen, der Weizenpreis nur um 20 %.
Die Bauern fordern weiterhin eine Anhebung des Altersgeldes (!) auf 300 Mark ( bisher 175 Mark).
Der Protest richtet sich auch dagegen, das nach EWG-Plan die 1.340.000 landwirtschaftlichen Betriebe bis 1980 auf 215.000 Höfe reduziert werden sollen.
1971 Bundesrepublik Deutschland
(Januar) 20.000 Landwirte demonstrieren in Stuttgart. (?)
Etwa 10.000 Bauern blockieren im Februar die Grenze zu Dänemark. (?)
(März) 10.000 Bauern demonstrieren in Oldenburg. (?)
Am 24. März demonstrieren 40.000 Landwirte in Bonn.
(?)
1971 Belgien
Im Februar sollen belgische Landwirte ihre Kühe in eine Sitzung des Ministerrates getrieben haben. (?)
(?)
1971 bis 1972 Bundesrepublik Deutschland
Sogenannter Milchkrieg im bayerischen Weiding (Januar 1971 bis April 1972). (?)
Landwirte fordern von den Milchwerken Weiding höhere Preise.
1975 Bundesrepublik Deutschland
"Nai hämm'r gsait" (Nein haben wir gesagt) - unter dem alemannischen Motto organisierten Bauern und Bürger den Widerstand gegen den geplanten Bau eines Kernkraftwerkes.
Hunderte von Winzer und Bauern mit ihren Traktoren stellten sich den anrückenden Baumaschinen entgegen. Die Protestler besetzen im Februar den Bauplatz, Tage später mußten sie Polizisten mit Hundestaffeln und Wasserwerfern weichen. Nach einer Kundgebung bewegten sich 28 000 Menschen auf das mit Stacheldraht eingezäunte Gebiet zu, etliche überwanden die Absperrung.
Aus den spontanen Protesten wurde eine breite Bewegung, die erfolgreich verhinderte, dass am Kaiserstuhl ein Atomkraftwerk gebaut wurde. Später wuchs daraus die Anti-Atombewegung der Bundesrepublik Deutschland.
1978 Bundesrepublik Deutschland (Franken)
Im Zeichen des Bundschuhs leisten Bauern im Raum Boxberg Widerstand gegen eine geplante Teststrecke einer großen Automobil-Firma.      (?)
Hinweis: Es existiert ein Kabinettsbeschluß (19.12.1979) der die Zusage der Landesregierung beinhaltet, das Land der Firma im Falle des Scheitern des Projektes abzukaufen.(?)
1990 Bauernprotest in Nordostdeutschland (?)
(Templin ?)
Zitat:
Die Bundesregierung hat am Freitag die Streiks und Bauernproteste in der DDR gegen unsoziale Konditionen der Währungsunion und des Staatsvertrages verurteilt. Regierungssprecher ... erklärte vor der Bundespressekonferenz, die Organisatoren dieser Streiks seien „teilweise genau die Kräfte, die die gegenwärtigen Verhältnisse da drüben verursacht haben“. Der Minister räumte ... ein, daß es in „bestimmten Bereichen“ in der DDR „Unsicherheiten und Befürchtungen“ gebe, die jedoch auch auf „Unkenntnis der Zusammenhänge, des tatsächlichen Verhandlungsstandes und der tatsächlichen Absichten“ im Zusammenhang mit dem Staatsvertrag zurückzuführen seien. nordkurier 12.Mai 1990
1992 Große Bauerndemonstration in der Schweiz.
Vor dem Bundeshaus demonstrieren 15000 Bauern, die sich ausdrücklich auf ihre aufständischen Vorfahren im Bauernkrieg von 1653 berufen.
Die Schweizer Bauern sehen sich als Verlierer der globalen Liberalisierung im Agrarbereich. Sie erhalten weltweit die höchste staatliche Unterstützung, ohne diese Beihilfen sind sie international nicht konkurrenzfähig. Der fortschreitende Abbau der landwirtschaftlichen Subventionen im Rahmen des GATT (heute WTO,Welthandelsorganisation) und der EU stellt die Bauern vor enorme Probleme. Wer die Liberalisierung unterstützt, wird deshalb als Landesverräter bezeichnet.
Ergänzung: am 31. Mai 1993, versammeln sich beim Denkmal für den Berner Bauernführer Niklaus Leuenberger 5000 Personen zu einer „Bauernlandsgemeinde“. Protestiert wird gegen den Abbau des Preis- und Zollschutzes der Schweizer Landwirtschaft durch den Staat.
1999 In Polen sperren militante Bauerngruppen die Hauptstraßen im Süden des Landes Widerstand richtet sich gegen die "Reformen" der Regierung , die den Rückgang der Höfe bewirkt. Gleichzeitig kann die Landwirtschaft nicht die Arbeitslosen aus der Industrie aufnehmen. Proteste auch gegen korrupte Zoellner , die Abgaben erpressen.
1999 Frankreichs Bauern wollen sich für US-Strafzölle rächen.
Weil ihnen von den USA Strafzölle auf Roquefort, Pastete und Trüffel aufgezwungen wurden, belagern französischen Bauern McDonald s-Filialen, verwüsten deren Baustellen und rufen zum Boykott auf (im südfranzösischen Roquefort-Departement Aveyron).
"Wir sind direkt von dem Handelskrieg um das hormonbehandelte Rindfleisch betroffen. Wir sind Opfer der amerikanischen Erpressung", sagt der Vorsitzende des Verbandes der Schafsmilchproduzenten. Mit "Erpressung" meint er die hundertprozentigen US-Strafzölle auf EU-Produkte, die Washington Ende Juli wegen der Weigerung der Europäer verhängte, hormonbehandeltes Rindfleisch zu importieren. In Frankreich sind vor allem Roquefort-Käse, Gänseleberpastete und Trüffel betroffen. (Berliner Zeitung 1999 23.8.1999 ?)
2003 Bauernwiderstand gegen Massentötungen von Rindern in Schleswig-Holstein (BRD)
Etwa 350 Bauern blockieren einen Hof in Nordhastedt um eine Kälberschlachtung zu verhindern.
Sie fordern eine "Kohortenlösung", d.h. im BSE-Fall nicht eine "Keulung" der gesamten Herde, sondern nur des betroffenen Tieres, seiner Familie und seines Jahrgangs.
Der Widerstand in Schleswig-Holstein richtet sich nicht nur gegen die meist grünen Naturschützer, die hier laut Aussage eines Kehdinger Bauern "das Land beherrschen wie einst die Gutsherren". Der wachsenden Unmut richtet sich auch gegen die staatlichen grünen BSE-Maßnahmen - vor allem um die existenzzerstörenden Massentötungen von Rindern zu verhindern.
(Quelle)
2004 Mehr als 500 Milchbauern aus dem Rheinland und Rheinland-Pfalz haben 6. April vor der Hauptverwaltung der Unternehmensgruppe Tengelmann in Mülheim an der Ruhr demonstriert.
Wie der Rheinische Landwirtschafts-Verband (RLV) mitteilt, war die Demonstration der Landwirte vor der Tengelmann-Zentrale Teil einer Reihe von bundesweiten Bauernprotesten gegen niedrige Milchpreise und Preisdumping. In den vergangenen zwei Wochen hatten nordrhein-westfälische Bauern bereits vor den Zentralen der Metro in Düsseldorf und Aldi-Nord in Essen demonstriert.
Ihr Protest richtete sich gegen niedrige Milchpreise und die Existenz gefährdende Preispolitik der Lebensmittel-Discounter. Zur Tengelmann-Gruppe gehört unter anderem der Discounter „Plus“.
Die demonstrierenden Bauern forderten den gesamten Lebensmitteleinzelhandel in einer Resolution auf, der Milch- und Ernährungswirtschaft endlich ein fairer Partner zu sein. Die wertevernichtende Preisdruckpolitik müsse endlich beendet werden, so die klare Forderung der Landwirte. Nach Ansicht der Bauern sind durch den Preiskampf der letzten Jahre nicht nur tausende Existenzen von Milcherzeugern und deren Familien bedroht. Gefährdet sind auch viele tausend Arbeitsplätze im vor- und nachgelagerten Bereich. Nicht zuletzt steht der Erhalt der Kulturlandschaft auf dem Spiel.
2005 Bauern verwüsten Lidl-Märkte in Frankreich
Französische Bauern haben am Donnerstag in Südfrankreich die Auslagen mehrerer Lidl-Märkte verwüstet, da dort ausländisches Obst angeboten wurde. Etwa 30 Bauern griffen der Polizei zufolge die Lidl-Märkte in Cavaillon, Thor und Isle sur la Sorgue an und warfen Obst auf die Straße.
Der Bauernverband FDSEA warf der deutschen Discountkette vor, Obst aus dem Ausland dem französischen Angebot vorzuziehen. "Lidl weiß, dass französische Birnen auf dem Markt sind", klagte der FDSEA-Generalsekretär des Départements Gard. Trotzdem habe Lidl südafrikanische Birnen ins Angebot genommen. Ferraud kündigte weitere Aktionen an. Lidl, mit mehr als 1200 Läden in Frankreich Marktführer im Lebensmittel-Discount, gab zu den Vorkommnissen keinen Kommentar ab. (Handelsblatt 28.07.2005)
2007 Spanien: Bauernprotest gegen EU-Politik
Mehrere zehntausend Bauern haben am 14.04 in Madrid gegen die Agrarpolitik der Europäischen Union protestiert. Nach Angaben der Organisatoren zogen rund 40000 Menschen durch das Zentrum der spanischen Hauptstadt vor das Landwirtschaftsministerium.
Die Demonstranten forderten, bei der Ausarbeiten der Agrarpolitik von der EU konsultiert zu werden. Der Präsident des Bauernverbands ASAJA, Pedro Barato, erklärte, es bestehe eine große Differenz zwischen dem Preis, den die Bauern für ihre Produkte erzielten, und dem Preis, den die Verbraucher bezahlten.
"Junge Welt" v. 16.04.2007 S.2
2007 Bundesrepublik Deutschland:
Großdemonstration von Milchbauern
Freising. Rund 25 000 Milchbauern haben am Mittwoch bundesweit für höhere Erzeugerpreise für Milch demonstriert. Die Aktion sei ein voller Erfolg gewesen, sagte der Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes Deutscher Milchviehhalter (BDM), Rolf Schuster.
Der Verband hatte zu den zweistündigen Protestaktionen vor 100 Molkereien im gesamten Bundesgebiet aufgerufen, um so die bis Ende Mai laufenden Preisverhandlungen zwischen den Molkereien und dem Lebensmitteleinzelhandel zu begleiten. Schwerpunkte der Aktion waren Müllermilch in Aretsried, Humana Milchunion in Everswinkel und Nordmilch in Zeven. Der BDM fordert eine Erhöhung des Erzeugerpreises für Milch um rund 48 Prozent auf 40 Cent je Kilogramm. So sollen kostendeckende Milchpreise und damit die Existenz der Milchbauern gesichert werden. In den vergangenen zehn Jahren ist der Preis, den die Molkereien an die Landwirte zahlen, dem Verband zufolge von 35 auf 27 Cent je Kilogramm Milch gesunken. (ddp/jW) (Junge Welt, 10.5.2007 S.9)
2007 Bundesrepublik Deutschland
Erneute Protestdemonstration der Milchbauern
Mehr als 10.000 Landwirte aus dem gesamten Bundesgebiet forderten auf einer Demonstration in München mehr Geld für ihre Milch.
Nach der bundesweiten Preissteigerung für Milch-und Lebensmittelprodukte im Juli/August für die Bevölkerung setzen die Bauern als Produzenten ihre Proteste fort, weil die Gelder offenbar garnicht oder zu wenig kostendeckend zu ihnen gelangen.
(Internet am 15.8.2007 (∉))
2008 Französischer Bauernführer im Hungerstreik für Genmais-Verbot.
Der durch spektakuläre Aktionen gegen einen US-amerikanischen Konzern und gegen die Fast-Food-Schwemme bekannt gewordene französische Bauernführer José Bové ist jetzt aus Protest gegen den Anbau von Genmais in den Hungerstreik getreten. Er will zusammen mit 15 Anhängern den Anbau von genmanipulierten Mais stoppen. Der Bauernführer stand in Frankreich des öfteren vor Gericht, weil er häufig im Kampf gegen die Gentechnik mit den Gesetzen und der Logik der Genfraßbarone aneckt.
Der Regierung Sarkozy wirft der Bauernführer schnöden Wortbruch vor, weil sie in der EU keine Initiative für ein Verbot der gentechnisch veränderten Gewächse ergreife. Sarkozys Regierung hatte im Oktober selbst angekündigt, dass bis Februar "kein Genmais mehr angebaut" und ein neues Gesetz erarbeitet werde. Auch habe die Regierung Sarkozy zugesagt, bei der Europäischen Kommission eine Genehmigung zu erwirken, um Genmais zu verbieten. Das entsprechende Schreiben sei aber bisher nicht nach Brüssel abgeschickt worden.
Die Aussaat der Maissorte MON 810 des US- "Bio"-Technologiekonzerns Monsanto ist in der EU erlaubt. Laut Umfragen votiert jedoch auch die Mehrheit der Franzosen gegen Genpanschereien bei Lebensmitteln. Globalisierungskritiker verlangen nun, dass der "politische Wille der Franzosen respektiert wird".
Trotz massiver Proteste und Kritik vom Bundesamt für Naturschutz (BfN) hat der deutsche Landwirtschaftsminister der Firma Monsanto erlaubt, dass deren genmanipulierter Mais MON810 dieses Jahr wieder angebaut werden darf. Das BfN hatte als Fachbehörde erklärt, der "Überwachungsplan" für den Genmais sei unzureichend. Seehofer entschied jedoch, die erst im Frühjahr 2007 erlassenen Handelsbeschränkungen für MON810 wieder aufzuheben. Q:www.linkszeitung.de am 7.1.2008
2008 Massenstreik von Saisonarbeitern in Griechenland. Dreitägiger Massenstreik ausländischer "Erntehelfer" richtete sich gegen schlechte Arbeitsbedingungen und erzwang einen höheren Tageslohn.
2008 Schweizer Bauernorganisationen sprechen sich bei der Regierung gegen Importe aus. NZZ online am 19.4.08
2008 Bundesrepublik Deutschland
Bauern verschenken in Halle öffentlich 10.000 Stück Butter.
Protestaktion gegen sinkende Milchpreise
Die Erzeuger wollen die Konsumenten dafür sensibilisieren, dass durch Preissenkungen eine kostendeckende Produktion von Milch- und Milcherzeugnissen nicht mehr möglich sei. Zahlreiche Arbeitsplätze in der Landwirtschaft stünden dadurch auf dem Spiel. Auch die Hallesche Tafel, die Lebensmittel an Bedürftige verteilt, hat Butter kostenlos bekommen.
Mitteldeutsche Zeitung.

Die Kosten für Futter und Energie sind seit Herbst 2007 drastisch gestiegen, die Großhandelsketten wollen jedoch ihre Gewinnspannen nicht schmälern und belassen die neuen starken Belastungen beim Produzenten.
2008 Mai 2008:
Bundesrepublik Deutschland
Deutsche Milchbauern drohen mit Lieferstopp



Juli 2008:
"Erster Lieferstopp der Milchproduzenten in der europäischen Geschichte"
In fünf EU-Ländern – Niederlande, Belgien, Luxemburg, Österreich, Deutschland sowie in der Schweiz – traten die Milchviehhalter gleichzeitig in Lieferstreik.

(Q:Badische Zeitung im Internet am 3.7.2008)
Die deutschen Milchbauern haben aus Protest gegen Dumpingpreise einen Lieferstopp angekündigt. Sie wollen den Molkereien keine Milch mehr verkaufen. Der Bundesverband Deutscher Milchviehhalter erklärte, dadurch könne es in den nächsten Tagen zu Engpässen kommen. Er empfahl sozialen Einrichtungen wie Krankenhäusern und Kindergärten, ausreichend Frischmilch einzukaufen. Der Bundeslandwirtschaftsminister erklärte sich mit den Milchbauern solidarisch.
Die Bauern wollen von den Molkereien wegen der gestiegenen Produktionskosten mindestens 40 Cent pro Liter Milch. Derzeit bekommen sie oft nicht einmal 30 Cent. (mdr 27.5.08 (∉) )
Seit dem Lieferboykott hat sich für die Bauern wenig geändert. Was der Verbraucher beim Einkauf merkt, kommt beim Erzeuger nicht an. rbb online (∉)

Eine Internetabfrage ergab am 30.7.08 9.45 Uhr zur Frage: Was halten Sie von dem Streik der Milchbauern? bei 6.056 abgegebenen Stimmen folgende Ergebnisse:
    Kann ich gut verstehen, die bekommen ja nicht viel ab vom Gewinn = 78% (4717 Stimmen)
    Ich finde, ich zahle schon genug für Milch = 19% (1176 Stimmen)
    Ist mir egal = 3% (163 Stimmen)


Siehe auch Beitrag Milchbauern berichten
2008 Bulgarien
Bauern blockieren Straßen wegen eingefrorener EU-Subventionen.
Die Milchbauern demonstrierten gegen die Streichung von Subventionen in Millionenhöhe, die die Kommission beschlossen hatte, um Sofia für sein Scheitern bei der Bekämpfung der Korruption und des organisierten Verbrechens zu bestrafen.
Q: Euractiv 22.8.2008 aus Internet am 8.2.2009 - HL
2008 Frankreich
Milchbauern protestieren gegen Preisverfall.Weitere Demonstrationen sind angesagt.
Im Westen und Südwesten Frankreichs stoppten aufgebrachte Bauern Dutzende Milchlaster und blockierten die Zufahrten zu Molkereien. Mehrere Supermärkte waren Ziele von Bauernprotesten gewesen.
Laut dem Kleinbauernverband Modef verlangen die Bauern einen höheren Erzeugerpreis von 38 Cent pro Liter. Dieser Preis liege zurzeit nur noch bei 33 bis 34 Cent und solle auf 30 Cent gesenkt werden.
(Schweizer Bauer am 4.11.2008 , agrarheute am 6.11.2008 , kurier.at Artikel vom 04.11.2008 )
2008 Frankreich: Schäfer fordern mehr Hilfen
Schäfer haben mit etwa 100 Schafen vor dem Eiffelturm in Paris für mehr staatliche Hilfe protestiert.
Die Schafzüchter beklagen steigende Kosten und Konkurrenz aus Neuseeland
Q:www.proplanta.de
2009 Bauerndemonstrationen in Lettland
In der Küstenregion Vidzeme demonstrierten in fünf Städten 2.000 Landwirte, weitere 1.000 in anderen Provinzen. Vor allem die Milchbauern wollten mit der Aktion auf ihre schwierige Lage in der herrschenden Wirtschaftskrise aufmerksam machen. Hunderte Traktoren und Landwirtschaftsfahrzeuge blockierten Straßen und Wege.
Die Agrarverbände fordern von der Regierung Hilfszahlungen. Im lettischen Agrarbereich ist der Milchsektor am stärksten von der Wirtschaftskrise betroffen. Hunderten Molkereibetrieben droht der Konkurs.
Q: Informationszentrum für Landwirtschaft 28.01.2009
2009 Bauernunruhen in Griechenland
In der Hafenstadt Piräus kam es zu Auseinandersetzungen zwischen demonstrierenden Bauern und der Polizei, die setzte Tränengas und Schlagstöcke ein. Drei Demonstranten wurden verhaftet. Die Bauern durchbrachen mit ihren Fahrzeugen die Absperrungen.
Die Auseinandersetzungen dauern seit zwei Wochen.
Dabei besetzten die Bauern mit ihren Traktoren Grenzübergänge zu Mazedonien bei Evzonoi- Bogorodica, über den ein großer Teil des Lkw- Verkehrs von und nach Mitteleuropa fließt. Die Grenze zur Türkei bei Kipoi-Ipsala sowie die Übergänge zu Bulgarien blieben durchgehend versperrt. Der Verkehr stand an insgesamt 20 wichtigen Verkehrsknotenpunkten auf dem griechischen Festland und der Insel Kreta still. Die Bauern blockierten zudem weiterhin die Übergänge Promahon, Exohi und Ormenion-Svilengrad an der Grenze zu Bulgarien. Allein bei Promahon-Kulata warteten 250 Lastwagen auf 10 Km Länge, die meisten aus Drittstaaten.
Die Nord-Süd-Verkehrsverbindung zwischen Athen und der Hafenstadt Thessaloniki war an mehreren Stellen gesperrt.
Die Bauern fordern angesichts sinkender EU-Subventionen und fallender Weltmarktpreise Hilfen vom Staat. Sie hätten in den vergangenen zehn Jahren 24 Prozent ihres Einkommens verloren.
Q: euronews 02.02.09 / Informationszentrum für Landwirtschaft 23.1.09 / www.proplanta.de
2009 Bulgarien
Bauern protestieren gegen Agrarpolitik.
Nach dem Vorbild von Massenprotesten griechischer Bauern haben auch in Bulgarien Landwirte Blockaden errichtet, um ihre Forderungen nach höheren Preisen durchzusetzen.
In Südbulgarien protestierten Tabakerzeuger gegen die Agrarpolitik der Regierung.
Die Milchbauern forderten die Regierung des Landes auf, die heimische Milchproduktion vor Importen zu schützen. Bei Stara Sagora forderten Milchbauern aus Südbulgarien auch den Rücktritt des Landwirtschaftsministers.
Q: agrarheute.com am 4.2.09
2009 Bundesrepublik Deutschland
Mehr als tausend Bauern zogen gemeinsam mit Umwelt- und Entwicklungsorganisationen vor dem Europäischen Patentamt in München auf. Der US-Agrarkonzern Monsanto hatte 2005 beim Europäischen Patentamt das Schweinezucht-Patent angemeldet.
Die Bauern sehen in dem Patent den "Sündenfall".
Deutsche Welle 15.04.2009 / www.tagesschau.de/inland/schweinepatent102.html Tagesschau 15.04.2009 (∉) / greenpeace magazin 15.04.2009 (∉)
Die Teilnehmer des Protestmarsches fordern ein gesetzliches Verbot von Patenten auf Leben. Rund 5000 Privatpersonen sowie etwa 50 Verbände hatten sich dem Sammeleinspruch gegen das Patent "EP 1651777" angeschlossen. Vor knapp neun Monaten wurde das Patent erteilt, am 15.4.2009 läuft die Einspruchsfrist ab. Herkömmliche Zuchtmethoden wie Selektion und Kreuzung dürften nicht patentierbar werden. Eine Monopolisierung der Zucht durch Großkonzerne wird befürchtet und damit eine wesentliche Einschränkung für die Bauern.

Die Kritik am Patent führte erstmalig zu einer Protest-Koalition von Landwirten und Umweltschützern! Mit Hilfe von Patenten auf Saatgut und Tierzucht könne die gesamte Lebensmittelproduktion kontrolliert werden!
2009 Österreich
In Linz gingen 4.000 Bauern auf die Straße, um für höhere Preise für ihre Produkte zu demonstrieren, in Innsbruck etwa hundert Milchbauern. Sie haben um die Konsumenten als Verbündete geworben. Im Einsatz waren Kühe und Traktoren. Salzstangerl und Milchprodukte wurden gratis verteilt.
Sprechchöre wie "Lebt der Bauer lebt das Land, lebt das Land lebt die Wirtschaft, lebt die Wirtschaft leben wir alle" waren zu hören.
(DiePresse 27.4.09)
Auf der Forderungsliste standen neben gerechten Preise unter anderem mehr Geld für die Bewerbung von österreichischen Produkten und ein Verbot von Kunstkäse.
Milchbauern sind eigentlich nicht Teil vom Markt. Der Markt beginne erst bei den Molkereien, bei denen die Milch abgeliefert werde. Im Vergangenen Jahr habe man noch protestiert, weil der Milchpreis auf 42 Cent pro Liter gefallen sei. Damals betrug der Stundenlohn für die Bauern zwischen drei und fünf Euro. Mit dem jetzigen Preisverfall sei er im Minus, erklärte ein Sprecher.

Übersicht der Proteste der europäischen Milchbauern
2009 Bundesrepublik Deutschland
Rund 10.000 Bauern haben am 29.04.2009 in Stuttgart und Hannover gegen niedrige Milchpreise protestiert.
Der Milchpreis liegt derzeit unter 20 Cent, die Bauern fordern etwa das Doppelte.
Die Kundgebungen in Hannover und Stuttgart waren Teil europaweiter Bauernproteste.
Eine Anpassung der Produktion an die Nachfrage sei nötig, weil die knapp 100.000 deutschen Milchbauern in der Handelskette mit etwa 300 Molkereien und zehn großen Einzelhandelsketten das schwächste Glied seien. "Wir haben es hier mit einer vollkommen verrückten Politik zu tun, die gerade dabei ist mit der Liberalisierung der landwirtschaftlichen Märkte zu scheitern", wurde geäußert.
proplanta am 29.04.2009.
2009 Bundesrepublik Deutschland
Vor dem Kanzleramt in der Hauptstadt Berlin campierten mehrere Tage mehr als 200 Bäuerinnen, um einen Milchkrisengipfel zu erzwingen. Sie fordern ein Minimum von 40 Cent pro Liter Milch und protestieren gegen die Belastung durch die Agrardieselsteuer.
Mehrere Milchbäuerinnen traten für fünf Tage in den Hungerstreik vor dem Bundeskanzleramt.
Q: yahoo-Nachrichten 17.5.2009)

Hinweis: Der Filmbeitrag des Bayerischen Fernsehens, bisher unter der Adresse
www.br-online.de/bayerisches-fernsehen/rundschau/hungerstreik-milchproduzentinen-milchpreis-ID1242312858454.xml
wurde aus dem Netz aus unbekannten Gründen entfernt.
(∉)

Weitere Details zu den Bäuerinnen-Protesten im Jahresbericht 2009 der Landfrauen
Die Milchbäuerinnen müssen befürchten, dass 30.000 Höfe in der Bundesrepublik vor dem Ruin stehen. Angesichts des massiven Rückgangs der Milchpreise schlachten die Bauern in Deutschland verstärkt ihre Kühe. Im März seien 15,6 Prozent mehr Tiere auf der Schlachtbank gelandet als im Vorjahresmonat (Statistische Bundesamt Wiesbaden). Dabei handelt es sich um eine "auffallende" Entwicklung.

Die Demonstranten fordern ein Minimum von 40 Cent pro Liter Milch und protestieren gegen die Belastung durch die deutsche Agrardieselsteuer.
(Q:n-tv 15.5.2009)
2009 Frankreich
Mit landesweiten Demonstrationen haben Bauern in Frankreich (19.5.09) gegen den Preisverfall bei Milch protestiert. Daran beteiligten sich tausende Bauern unter anderem in der Bretagne, im Elsass und im Loire-Tal.
Viele brachten ihre Kühe und Trecker mit, um ihrer Wut vor den Präfekturen Luft zu machen. Vereinzelt wurden Milchwagen auf den Straßen entleert. Die Demonstranten fordern EU-Hilfen.
(Q: Landeszeitung für die Lüneburger Heide 19.5.2009)
Der Zorn der Milchbauern richtet sich gegen unabgesprochene (?) Preissenkungen der industriellen Abnehmer um 30 Prozent. Die Industrie begründet ihr Vorgehen mit einem Überangebot, zahlreiche Bauern fürchten wegen des Preisverfalls um ihre Existenz. Sie erhalten derzeit etwa 21 Cent je Liter Milch, rund 30 Prozent weniger als im März.
( AD HOC NEWS 19.5.2009)
2009 Bundesrepublik Deutschland - Berlin
Mit einem Sternmarsch nach Berlin haben am 25. Mai tausende Bauern auf ihre prekäre wirtschaftliche Situation aufmerksam gemacht. Etwa 1000 Fahrzeuge rollten zur Siegessäule am Großen Stern. Sie kamen über die Heerstraße, die Bornholmer Straße, die Frankfurter Allee und den Lichtenrader Damm in die Hauptstadt. Die Traktoren waren mit Transparenten ausgestattet, die die Forderungen des Berufsstandes zum Ausdruck brachten.
Der Milchpreis ist dramatisch gefallen - auf ein Niveau, das es vor über 30 Jahren gab! Um einen Liter Diesel kaufen zu können, muss der Landwirt inzwischen 4 Liter Milch verkaufen.

Q: Rinderzucht BB

Bild der Demonstration

Berlin business
2009 Belgien
Milchbauern lösen in Brüssel Verkehrschaos aus.
Hunderte Bauern haben eine Nacht nahe des EU-Ratsgebäudes verbracht. Mit Traktoren und angezündeten Strohballen brachten die Bauern ihren wütenden Protest zum Ausdruck. Die Polizei setzte Tränengas ein.
(Q: merkur-online am 19.6.2009)
Zu geringe Erlöse und wachsende Verschuldungen gefährden die Existenz der modern eingerichteten Höfe und die hochqualifizierte Arbeit der Bauern.
Die Schere zwischen den Preisen der Industrie-Produkte und der Lebensmittelproduktion wird markant sichtbar.
Gesellschaftlich wird die eigentlich sozial sehr nachhaltig wirkende Arbeit der Bauern zu gering geschätzt und Wert-messend zu wenig anerkannt.
2009 Belgien
In der Wallonie schlossen sich viele Landwirte einer Protestaktion an, die aus einen Milchlieferungsboykott und kostenloser Verteilung von Milch bestand. Außerdem pumpten die Bauern etwa 36.000 Liter Milch in ihre Güllewagen und verteilten diese auf Feldern.
(Q: Belgischer Rundfunk (∉), Westdeutsche Allgemeine Zeitung v.17.09.2009 (∉) )
2009 Frankreich / Bundesrepublik Deutschland
Gemeinsame Aktion von deutschen und französischen Bauern auf der Rheinbrücke zwischen Straßburg und Kehl.
Etwa 200 Bauern protestierten gegen den Verfall der Milchpreise. Die Landwirte sperrten mit etwa 90 Traktoren die Brücke. Zwei Pappkühe, eine schwarz-rot-gold bemalt und eine mit den Farben der französischen Trikolore, trugen sie dem Protest voran. Die Demonstranten kippten zwei Kannen Milch in den Rhein. Anschließend gossen sie ein Dutzend Güllefässer Milch auf ein Feld nahe Kehl. Die Brücke wurde mehr als eine Stunde lang für den Verkehr gesperrt.
Hannoversche Zeitung 20.09.2009 (∉)
Die realen Produktionspreise für Milch sind weit höher als die sogenannten Erzeugerpreise, die seit den vergangenen Monaten als stark gesunken gelten. Die europäischen Milchbauern fordern daher Maßnahmen der EU zur besseren Regulierung des Marktes.
2009 Bundesrepublik Deutschland
Mit dem Vergießen von Milch protestierten Landwirte gegen das Milch-Preisdiktat großer Einzelhandelsketten. Landwirte von mehr als 20 Milchviehbetrieben aus der brandenburgischen Uckermark und aus Mecklenburg-Vorpommern haben gegen die aus ihrer Sicht zu niedrigen Milchpreise protestiert. Sie kippten über 100.000 Liter Milch auf einen Acker in der Nähe der Gemeinde Dedelow in Mecklenburg. Die Bauern forderten von der Politik die Begrenzung der Milchquote und das Ende der sogenannten Saldierung. rbb-Nachrichten   24.09.2009 (∉)
Die deutschen Milchbauern demonstrieren seit über einem Jahr für höhere Erzeugerpreise. Derzeit erhalten sie rund 20 Cent pro Liter, gefordert werden 40.
Bei ihren europaweiten Protesten gegen die aus ihrer Sicht zu niedrigen Milchpreise haben Landwirte in den vergangenen Wochen offenbar mehrere Millionen Liter Milch auf ihre Felder gekippt. Insgesamt hätten die Bauern aus acht Ländern rund 40 Millionen Liter weggeschüttet, erkärte der Vorsitzende des Bundesverbandes Deutscher Milchviehhalter.
Nach BDM-Angaben bekommen Landwirte derzeit 22 Cent je Liter Milch. Für eine kostendeckende Produktion seien jedoch je nach Region und Betriebsgröße zwischen 35 und 45 Cent erforderlich. Die Branche steht kurzfristig vor einer massiven Pleitewelle. Es werde ein Drittel der deutschen Milchproduzenten vom Markt verschwinden. Bereits in den vergangenen Wochen sind Hunderte Höfe pleitegegangen. In Großbetrieben gibt es zunehmend Entlassungen und Gehaltskürzungen.
(B2B Berlin Brandenburg GmbH 24.09.2009)
2009 Bauernproteste in Frankreich
Mehr als 50 000 Bauern haben mit Straßensperren gegen den Preisverfall ihrer Produkte und für Staatshilfen u.a. auf der Pariser Prachtallee Champs-Élysées demonstriert und legten den Verkehr einen halben Tag lang lahm. Protestaktionen in 23 Städten blockierten zeitweise Zufahrtsstraßen. In Poitiers kippten Bauern 1000 Kubikmeter Erde im Stadtzentrum aus. Mehrere Autobahnen wurden gesperrt. Mainpost 16.10.2009
Der Bauernverband FNSEA verlangte in der "beispiellosen Krise der Landwirtschaft" 1,4 Milliarden Euro nach dem Vorbild der Hilfen für die Autohersteller und Banken. 2008 seien die Einnahmen der Bauern um ein Fünftel eingebrochen!
Betroffen sind die Getreidebauern ebenso wie die Obstbauern und Winzer.
Die Landwirtschaft erlebt ihre schwerste Krise seit 30 Jahren.
Der Bauernverband verlangte Soforthilfe des Staates sowie die völlige Freistellung der Landwirte von der CO2- Steuer auf Treibstoffe und der Benzinsteuer.

HL: ein Landwirt erklärte, das ausgerechnet am Welternährungstag die Bauern auf ihre Notlage aufmerksam machen müssen, zeige die Widersprüchlichkeit des globalen Wirtschaftsdenkens!
2009 Spanien
Mit einer Großdemonstration haben etwa 100 000 spanische Bauern die Hauptstadt Madrid lahmgelegt und für den Erhalt der Landwirtschaft demonstriert.
Zu ihr hatten drei große Bauernverbände aufgerufen.
(Q: 21.11.2009   euronewsKölner Stadtanzeiger )
Die Branche steckt in der schlimmsten Krise seit 25 Jahren, innerhalb von fünf Jahren fielen in Spaniens Agrarsektor mehr als 120 000 Jobs weg. Am wichtigsten seien Garantien, dass man verkaufen könne, was man produziert habe. Die EU solle Direkthilfen für die Landwirtschaft beibehalten. Bauern erhielten nur einen kleinen Teil von dem Geld, das der Verbraucher für Agrarprodukte zahle. Viele Bauern sagten, sie könnten nicht mehr kostendeckend arbeiten und sprachen sich für Einfuhrbeschränkungen aus.
Ein Kilogramm Oliven zu produzieren kostet dreimal mehr als man beim Verkauf bekomme, erzählte ein Bauer aus der Extremadura im Südwesten des Landes.
2012 Bundesrepublik Deutschland
23 000 Menschen demonstrierten am 21. Januar in Berlin gegen Lebensmittelskandale, Gentechnik im Essen, Tierquälerei und für eine bäuerliche ökologische Zukunftslandwirtschaft. Verbraucher, Umwelt- und Tierschützer, Imker und Bauern zogen unter der Losung "Wir haben es satt! - Bauernhöfe statt Agrarindustrie" zum Kanzleramt und verlangten eine Neuausrichtung der Landwirtschaftspolitik.
Über 90 Organisationen aus den Bereichen Landwirtschaft, Umwelt-, Tier-, Verbraucherschutz und Entwicklungszusammenarbeit hatten zur Demonstration aufgerufen.
Q: www.wir-haben-es-satt.de Internet am 27.01.2012
Die Veranstalter werfen der Bundesregierung vor, bei der Reform der EU-Agrarpolitik die Agrarindustrie zu bevorzugen statt die Forderungen der Zivilgesellschaft durchzusetzen:
  • Agrarzahlungen sind an ökologische, soziale und Tierschutzkriterien zu koppeln
  • Faire Regeln durchsetzen statt Agrarmärkte liberalisieren
  • Heimisches Futter statt Gentechnik-Soja fördern
  • Spekulationen mit Lebensmitteln beenden
  • Alle Subventionen für den Agrarexport sind zu stoppen
Zitat einer Teilnehmerin: "Die Politik hat schrankenlose Spekulationen auf Lebensmittel erst möglich gemacht. ... Für das Menschenrecht auf Nahrung müssen Spekulation und der Agrospritboom ausgebremst werden."
2012 Bundesrepublik Deutschland
Milchbauern demonstrieren vor einer Molkerei in Waren/Müritz.
Die Bauern fordern eine kontinuierliche Anpassung der Milchpreise, da seit Jahren die Kosten für Kraftstoffe, Futter und Dünger steigen (deren Preise haben sich seit 2005 etwa verdoppelt!).
Teilnehmer bekundeten u.a. ihre Sympathie für jene Bauern, die im Jahr 2009 mit ihren Traktor eine Pilgerfahrt nach Rom absolvierten und die Alpen überquerten um einen Bittbrief an den Vatikan zu übergeben. Märkische Allgemeine, 8/9.09.2012 und Märkische Allgemeine, Dosse Kurier, 21.07.2009
Die Anteile am Verkaufspreis von 51 Cent pro Liter Milch belaufen sich wie folgt: 25 Cent Rohmilchpreis für den Bauern, 1,1 Cent Transport, 15,5 Cent Molkerei (Verarbeitung, Verpackung, Lagerung), 1,8 Cent Grüner Punkt, 4,1 Cent Handelsspanne, 3,5 Cent Staat (Mehrwertsteuer). Märkische Allgemeine 8/9.09.2012
2012 Griechenland
Bauern in Kreta protestieren und behindern Verkehr.
Die Proteste richten sich gegen Einsparungspolitik der Regierung und gegen Rentenkürzungen.
(Hinweis: ohne quellengestützte Angaben, Nachricht von N24 am 05.10.12)
2012 Bundesrepublik Deutschland
Thesenanschlag an der Erfurter Michaeliskirche
Ein Imker aus Tonndorf schlägt in Begleitung von Bauern Thesen an die Kirchentür der Erfurter Michaeliskirche.
Thüringer Allgemeine 21.11.2012
Die Protestaktion richtet sich, laut Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft, gegen die Landvergabepraxis der Evangelischen Kirche Mitteldeutschland, die bäuerliche Betriebe sowie Neueinsteiger in die Landwirtschaft benachteilige. Kleine bäuerliche Betriebe und Neugründungen haben bei der Pachtvergabe der 80.000 Hektar das Nachsehen. Ökologische Landwirtschaft, nachhaltiges Wirtschaften, Tierschutz, Artenvielfalt und Sozialarbeit werden bei der Pachtvergabe, welche sich nur an Maximalgewinn orientiert, nicht berücksichtigt.
Ostthüringer Zeitung 21.11.2012 TLZ
Hinweis für weitere Recherchen: Erfurter Erklärung des Thüringer Bauernverbandes
2012 Europäische Union - Brüssel
Europäische Milchbauern haben (26.11.2012) in Brüssel gegen die ihrer Ansicht nach zu niedrigen Milchpreise protestiert. Die Demonstranten kamen vor allem aus Deutschland, Frankreich und den Niederlanden. Insgesamt 2500 Teilnehmer zogen mit 1000 Traktoren durch die Europahauptstadt und blockierten Verkehrswege. Vor dem EU-Parlament errichtete die Polizei Stacheldrahtsperren, Demonstranten warfen Eier und Feuerwerkskörper. Die Polizei setzte Pfefferspray, Gummiknüppel, Wasserwerfer und Tränengas ein. Um dagegen einen Brand auf dem Milchmarkt zu löschen, versprühten die Demonstranten 15.000 Liter Milch, weil Milch billiger als Wasser sei.
Der durchschnittliche Literpreis in Europa liegt derzeit bei 30 Cent, kostendeckend wären jedoch 40 Cent. Die Landwirte könnten ihre Betriebskosten so nicht länger decken. In der EU gebe es ein Überangebot an Rohmilch, ohne Regulierungsmaßnahmen könnten wenige marktbeherrschende Handelskonzerne den Molkereien immer mehr Preiszugeständnisse diktieren.
Eine vollständige Liberalisierung des Milchmarktes, wie sie die EU anstrebt, sei Utopie. Die Bauernverbände befürchten, dass nach dem Ende der Milchquote 2015 ohne weitere Reglementierung keine wirtschaftliche Produktion mehr möglich wäre.
Westdeutsche Zeitung 26.11.2012, nachrichten yahoo 26.11.2012, tagesschau 27.11.2012
2013 Griechenland
Aus Protest gegen hohe Treibstoffpreise blockierten hunderte Bauern an mehreren Stellen kurzzeitig die wichtigsten Autobahnen des Landes. Blockiert waren unter anderem die Nord-Süd-Achse zwischen Athen und der nordgriechischen Hafenstadt Thessaloniki sowie die Ost-West-Autobahn, die die griechisch-türkische Grenze mit der westgriechischen Hafenstadt Igoumenitsa verbindet.
Die Bauern fordern niedrigere Preise für Treibstoffe und Steuererleichterungen, da sie sonst nicht mehr mit Gewinn produzieren könnten.
schweizerbauer 11.2.13
2013 Griechenland  -  Schüsse auf Landarbeiter
Vorarbeiter einer Erdbeerplantage, deren Besitzer ein berüchtigter Kaufmann ist, schossen in die protestierende Menge von 200 Erntehelfern aus Bangladesch. Es gab (vermutlich) einen Toten und über dreißig Verletzte.
Auf ihrer Demonstration in der westgriechischen Kleinstadt Manolada forderten die Landarbeiter ihren Lohn der letzten sechs Monate ein.
Die örtliche Gewerkschaft spricht von einem "Sklavenbasar" in Manolada, der dort seit Jahren existiert.
(Q: VER.DI Publik 03 Ι 2013 S.8 u.a.)
2013 Bundesrepublik Deutschland
Weil die Bundesregierung Vorschläge für die EU-Milchmärkte in Brüssel "blockiert", haben Milchbauern aus ganz Europa am 3. und 4. Juni 2013 in Berlin demonstriert und symbolisch die Mauern der deutschen Politik eingerissen. Damit sollte gezeigt werden, das "Kriseninstrumente wie z.B. der freiwillige Produktionsverzicht notwendig für den Milchmarkt" sind.
(Hinweis: Der Autor der Web-Seite hält die sog. Kriseninstrumente für ökonomisch zweifelhafte Lösungsansätze)
Als Symbol dafür, dass "die deutsche Bundesregierung bei der Reform der Gemeinsamen EU-Agrarmarktordnung gegen Lösungen für den Milchmarkt mauert", haben die Milchbauern des EMB eine rund 50 Meter lange Mauer aus Stroh vor dem Bundeskanzleramt in Berlin zum Einsturz gebracht. In Verbindung mit einer ebenso eindrucksvollen Aktion der europäischen Bäuerinnen am Vortag wurde darauf aufmerksam gemacht, dass die Milchviehhalter in Europa angesichts der anhaltenden Krise ums blanke Überleben kämpfen. Die Kosten der Milchproduktion in Europa sind seit 2009 nicht mehr gedeckt. Tausende Betriebe haben deshalb bereits aufgegeben oder sind akut in ihrer Existenz bedroht.
Q: European Milk Board (EMB) ist ein europäischer Dachverband von Milchviehhalter-Organisationen, er vertritt 19 Organisationen aus 14 europäischen Ländern mit zusammen rund 100.000 Erzeugern. In den Mitgliedsländern werden 75 % der europäischen Milch produziert.
2013 Frankreich
In der Bretagne protestierten Bauern zusammen mit Mitarbeitern von großen Fleisch- und Nahrungsmittelkonzernen gegen neue Steuern. Bauern, Transportunternehmer und Gewerbetreibenden demolierten die mit Kameras ausgerüsteten Schranken einer privaten Firma, die ab 1. Januar 2014 die Kontrollen zur Erhebung der Ökosteuer durchführen sollte. Bei den Protesten wurden mehrere Menschen schwer verletzt, die Polizei setzte Gummigeschosse ein.
Q: AFP 29.10.13 ; welt.de 29.10.13; taz.de 28.10.13 siehe auch: ARTE Sendung 26.1.14 ⇒ arte-video
Die Regierung begründet eine neue Maut für Lastwagen damit, den umweltschädlichen Transport auf der Straße einzudämmen. Die von Landwirtschaft bestimmte Region ist derzeit aber vom Preisverfall ihrer Produkte stark betroffen. Erhoben wird die Abgabe nicht auf den ohnehin gebührenpflichtigen Autobahnen, sondern dem restlichen Straßennetz. Rund 15.000 Kilometer Landstraßen wären betroffen. Pro Jahr sollte die Steuer rund 1,2 Milliarden Euro einbringen. Nach den heftigen Protesten setzte die französische Regierung die Einführung dieser Ökosteuer vorerst aus, damit zum dritten Mal, sie sollte schon ab dem 20. Juli 2013, dann ab dem 1. Oktober 2013 und schließlich ab dem 1. Januar 2014 gültig sein.
2014 Bundesrepublik Deutschland
Anläßlich des Auftakts der Agrarindustrieschau Grüne Woche fand bereits zum vierten Mal eine Demonstration mit 20000 bis 25000 Teilnehmern (Städter, Landwirte, Imker, Umweltschützer u.a.) unter dem Motto »Wir haben es satt! Gutes Essen. Gute Landwirtschaft. Für Alle!« in Berlin statt. Im Aufruf klagten die Organisatoren an, daß weltweit 840 Millionen Menschen Hunger leiden, obwohl genug Nahrung für alle vorhanden sei.
Die vielfältigen Forderungen lauteten u.a.: • Förderung bäuerlicher Betriebe, • Abkehr von Gentechnik, Qualzucht und Patentierung von Lebewesen, • Gegen Höfe- und Imkersterben, • Gegen kommerzialisierte Saatzucht, • Gegen Landgrabbing
Viele Stimmen drückten ihre Besorgnis über ein Freihandelsabkommen mit den USA aus und forderten mehr Unterstützung für eine unabhängige Landwirtschaft in regionalen Kreisläufen.Q: Bauernzeitung 4/14, JW 20.1.14
2014 Griechenland
Tausende griechische Bauern demonstrieren in Athen gegen hohe Besteuerung und teure Treibstoffpreise.
Aus allen Landesteilen kommend zogen sie durch das Stadtzentrum. Die Demonstranten skandierten: "Die Grundlage der griechischen Wirtschaft wird entwurzelt".
Die Bauernverbände, die mit Autobahnblockaden drohen, fordern unter anderem Preissenkungen bei Treibstoffen und Steuererleichterungen.
Q: finanzen.net 19.2.14 14:53 Uhr,    t-online  ,  europeonline
2014 Frankreich
Französische Schäfer trieben eine kleine Schafherde in den Louvre. Zur Belustigung der Touristen und Bestürzung des Personals drängte ein Dutzend Schafe durch die weltberühmte Galerie.
Der Protest richtete sich gegen die EU-Agrarpolitik. Die französischen Bauern protestieren gegen die zunehmende Industrialisierung der Landwirtschaft und die Pläne zur Reform der EU-Agrarpolitik.
(Q: ⇒ euronews 28.03.2014)
2014 Bundesrepublik Deutschland
Mit einer Demonstration vor der Agrarministerkonferenz in Cottbus haben Schäfer auf ihre Probleme aufmerksam gemacht. Schäfer aus ganz Deutschland demonstrierten vor dem Tagungshotel des Agrarminister-Treffens. Kritiker industrieller Landwirtschaft unterstützten sie.
Um 15 Prozent sollen die Fördergelder für die Schafwirtschaft in Brandenburg gekürzt werden. Das würde für viele Schäfer das Aus bedeuten. Sie fordern eine gerechte Bezahlung ihrer Arbeit.
Q: 03.04.2014 rbb AKTUELL und Lausitzer Rundschau 4.4.14
2014 Europa
Brüssel: Bauern aus mehreren Staaten der Europäischen Union fanden in Brüssel zusammen und protestierten gegen weiter sinkende Milchpreise bei zu hohen Erzeugerpreisen.
Tausende Milch-Bauern in Europa befürchten die Abschaffung der Milchquote im nächsten Jahr.
(Quelle: → euronews am 11.12.2014)
2015 Frankreich
Bei Protesten gegen sinkende Preise für Fleisch und Milch haben sich die Landwirte in Nordfrankreich heftige Auseinandersetzungen mit der Polizei geliefert. In der Stadt Saint-Lo zündeten sie vor der Präfektur Reifen und Stroh an und schütteten Jauche aus. Die Polizei setzte Tränengas ein.
Französische Landwirte protestieren seit Wochen gegen sinkende Preise für Schweinefleisch. Die Bretonische Börse dafür blieb tagelang geschlossen. Ein im Juli von der Regierung beschlossenes Hilfsprogramm ist für die Bauern unzureichend. (Q: jW 20.08.2015)
2015 Europa: BRD-Dänemark-Frankreich
Nach Bauernprotesten in mehreren europäischen Ländern wehren sich auch deutsche Landwirte gegen den Preissturz bei der Milch. Bauern starteten in Schleswig-Holstein - unterstützt von dänischen Kollegen - und in Niedersachsen mit mehr als 50 Tratoren Staffelfahrten quer durch Deutschland. Auch in Sachsen-Anhalt gingen Landwirte auf die Straße. Proteste hat es bereits in Frankreich, Belgien und Dänemark gegeben.
Ziel ist eine große Protestkundgebung am 1. September in München. Im Zuge der EU-Agrarreform wurde die Milchquote zum 1. April abgeschafft.
Die Nachfrage in wichtigen Abnehmerländern wie China ist gesunken, auch wirkt Russlands Agrarboykott als Antwort auf westliche Sanktionspolitik. (Q: jW 25.u.26.8.15)
2015 Europa: Brüssel
Tausende Bauern aus europäischen Staaten demonstrierten in Brüssel und protestierten gegen den Preisverfall bei den Agrarprodukten. Sie blockierten mit ihren Traktoren das EU-Viertel. Die belgische Polizei setzte Wasserwerfer gegen die Demonstranten ein.
Erst lang andauernde energische Proteste der europäischen Bauern mit nunmehr gemeinsamen Aktionen zwang die EU-Behörden zu Beratungen über praktische Hilfen. Die Behörden befürchten sogenannte Butterberge und Milchseen. Angesichts der Herausforderungen, vor denen Europa steht, eine recht zweifelhafte Argumentation.
Die EU orientiert seit Jahren, die Agrarpolitik stärker am Markt ausrichten, einige wirtschaftliche Folgen scheinen sich dabei jedoch verhängnisvoll in der Landwirtschaft auszuwirken.
In Deutschland sehen 80 000 Milchbauern ihre Existenz bedroht. Ein dänischer Bauer erklärte, das 86 Prozent der dänischen Milchbauern wirtschaftlich fast am Ende sind. 20 000 französische Viehzüchter sind von der Pleite bedroht. Eine Bäuerin aus Litauen berichtete, das der Preis für fünf Liter Milch dem Preis für ein Liter Wasser entspricht.
Ursachen der Preisstürze seien u.a. das russische Einfuhrverbot für europäische Agrarprodukte als Antwort auf die Sanktionspolitik und die gesunkene Nachfrage aus China.
Der europäische Bauernverband Copa Cogeca hält die Maßnahmen der EU-behörde für unzureichend.
⇒  euronews
⇒  euronews
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⇒  ZDF-heute
2015 Schweiz
In Bern demonstrierten Bauern gegen die neue Agrarpolitik. Dazu hatte die Internet-Gruppe Swiss Agri Militant (SAM) aufgerufen. Der Schweizer Bauernverband (SBV) erklärte zustimmend, das die Agrarreform ständig veränderte Bedingungen für die Bauern schaffe und Preise für die Bauern verschlechtere.
Die Bauern verlangen, im Haushalt 2016 keine Kürzungen in der Landwirtschaft mehr zu gestatten.
Auch das ⇒ Schoggigesetz soll erhalten bleiben. Bei dem aktuell starken Franken wäre es falsch, das Gesetz aufzugeben, es unterstütze im besonderen die Schweizer Milchbauern.
Q: topagrar-online 28.10.15, Agra-Europe Nr. 44 (26.10.2015) S. 28, ⇒  Agra-Europe 26.10.2015
2015 Griechenland
Tausende Landwirte, Fischer und Viehzüchter demonstrierten in Athen gegen ein weiteres geplantes sog. Kürzungspaket der Regierung. Über 5000 Bauern, allein aus Kreta mehr als 2000 Landwirte, nahmen an den Protesten teil. Der Kundgebung schlossen sich auch Bauern an, die ihre Produkte auf dem Wochenmarkt anboten. Bei dem Versuch der Kundgebungsteilnehmer, in den Hof des Parlaments vorzudringen, kam es ist es zu Rangeleien mit den Ordnungshütern, die mit Orangen und anderen Gegenstände beworfen wurden, woraufhin die Polizei Tränengas einsetzte.
Eine von der Regierung geplante "Reform" sieht unter anderem die Verdopplung des Steuersatzes auf 26 Prozent vor. Alle Einnahmen, darunter auch Entschädigungen im Falle von Unwetterschäden (!), sollen besteuert werden. Der Dieseltreibstoff für ihre Fahrzeuge ist bereits erheblich verteuert worden.
Q: ⇒  griechenland.net 18.11.15
2015 Schweiz
Erneute Demonstration von 10 000 Bauern in Bern. Auf der Kundgebung übergaben Vertreter des Schweizer Bauernverbandes ein Forderungskatalog an die Bundeskanzlei. Weil die Landesregierung kein Verständnis für die Situation der Bauern zeige, brauche es diese Kundgebung. Die bewilligte Veranstaltung verlief friedlich, stellenweise kam es zu Verkehrsbehinderungen.
Mit der Agrarpolitik 2014 bis 2017 habe der Bund den Bauern zusätzliche Aufgaben auferlegt. Zugleich wolle der Bundesrat den landwirtschaftlichen Zahlungsrahmen für die Jahre 2018 bis 2021 um insgesamt rund 800 Millionen Franken kürzen. Schon im Bundesbudget 2016 sollen zu Lasten der Bauern 100 Millionen Franken eingespart werden. 2015 müssten die Bauern voraussichtlich einen Einnahmenverlust von elf Prozent hinnehmen.
Q: ⇒  Schweizer Radio und Fernsehen SRF 27. November 2015  ◊  ⇒  Aargauer Zeitung 27.11.2015
2016 Griechenland
Mit mehr als 6 000 Traktoren haben Bauern seit Tagen im ganzen Land an strategisch wichtigen Punkte Blockaden errichtet, um jeweils für Stunden den Verkehr auf den Autobahnen lahmzulegen.
Stundenweise blockierten sie u.a. die Grenze zu Bulgarien, dabei wurden 1 300 Landmaschinen gezählt. Es wird nicht ausgeschlossen, dass die Landwirte eine Dauerblockade des Übergangs in Promachona beschließen. Blockadepunkte befinden sich auch zwischen Patras und Pyrgos, in Lakonia und Argolida auf dem Peleponnes. In Iraklion auf Kreta wurde das Gebäude der örtlichen landwirtschaftlichen Versicherungsanstalt umstellt, in Thessaloniki, Rhodos (Stadt) und anderen Städten legten Traktoren für Stunden den Verkehr in den Innenstädten lahm. In der Regionalverwaltung von Komotini wurde der griechische Landwirtschaftsminister für mehrere Stunden festgehalten.
Die Proteste der Bauern setzen sich über längere Zeit fort: Etwa 10 000 Bauern blockierten erneut landesweit wichtige Straßenverbindungen und Grenzübergänge. Sie protestieren gegen die von der Regierung und der sog. Troika aus EZB, EU und IWF geplanten Kürzungen ihrer Renten um etwa 15 Prozent. Die großen Wochenmärkte in Athen wurden von den Bauern nicht beliefert. Das wenige Obst und Gemüse, das die Händler vorrätig hatten, verschenkten sie. Auch Seeleute streikten und brachten den Fährbetrieb zum Erliegen.
Die Bauern wehren sich gegen die geplante Rentenreform, durch die ihre Sozialversicherungsbeiträge in den kommenden Jahren um teilweise mehrere hundert Prozent erhöht werden.
Das von der Regierung und ausländischen Gläubigern beschlossene Paket sieht auch für andere Berufsgruppen Schlechterstellungen bei Leistungen und Erhöhungen bei den Abgaben vor. Die Bauern sind daher nicht die einzigen, die gegen die Kürzungen protestieren.
Q: 3sat-text 22.01.16 Nr. 129 ∗∗∗ JW 22.01.16 ⇒ junge welt
Die Einnahmen der Rentenkassen waren in den vergangenen Jahren stark zurückgegangen, da die Arbeitslosenquote auf rund 25 Prozent anstieg. Weitere Streiks sind angekündigt.
Q: 28.01.16 JW (dpa/jW) ∗∗∗ 03.02.16 ⇒ euronews
2016 Bundesrepublik Deutschland
In zahlreichen Städten gab es Protestaktionen der Bauern. In Dresden und in Richtung Bautzen fuhren Landwirte mit Traktoren in Kolonne. Mit etwa 30 Traktoren haben über 100 Landwirte in Coswig gegen Dumpingpreise von Discountern protestiert. Auch in Schwerin und Stralsund demonstrierten Bauern für höhere Erzeugerpreise. Ihre Forderung: Landwirte müssen einen höheren Anteil vom Verkaufspreis der Lebensmittel erhalten und dürfen nicht mehr nur Restgeldempfänger sein.
Ursache des Protestes: Die Erlöse aus dem Verkauf von landwirtschaftlichen Produkten, wie etwa Milch, Schweine und Weizen seien zu niedrig.
1971 blieb den Bauern noch ein Anteil von 46 Prozent des Ladenpreises. Bei Eiern waren es sogar 84%, bei Kartoffeln 62%, bei Milch und Milcherzeugnissen 57%, bei Fleisch und Wurstwaren 43% und beim Brot 19%. 40 Jahre später hat sich der Bauernanteil am Ladenpreis auf 23% halbiert. Vom Brotpreis erhalten die Getreidebauern etwa 5%, bei Kartoffeln 15% und bei Milchprodukten um 40%.
Q: 23.3.16 ⇒  ZDF Heute,     23.3.16 ⇒ sz-online
2016 Bundesrepublik Deutschland
Aus Protest gegen niedrige Milchpreise haben rund 50 Bauern vorübergehend das Zentrallager eines Discounters im niedersächsischen Hesel (Landkreis Leer) blockiert.
Mit Treckern verhinderten sie in einer Nacht, dass Waren aus- oder angeliefert werden konnten. Lkw-Lieferungen am Abend und am Morgen seien aufgehalten worden. Ein Polizeisprecher sprach von einer friedlichen Situation. Die Aktion habe die Versorgung nicht beeinträchtigt.
Mit der Aktion wollten die Milchbauern gegen die aktuell bestehenden Billigpreise für Milch protestieren. Dumping-Preise für Milch bei Discountern seien mitverantwortlich für die extrem niedrigen Milch-Erzeugerpreise. Derzeit bekommen die Landwirte im Schnitt nur etwa 20 bis 25 Cent je Liter von den Molkereien ausgezahlt. Um die Kosten decken zu können, gelten mindestens 35 Cent als nötig. Der Milchpreis schwankt regional und saisonal. Die Niedrigpreise würden immer mehr Betriebe zum Aufhören zwingen, hinzu komme, dass sich niemand für die Probleme der europäischen Milchbauern interessiere. "Dagegen wollten wir einfach ein Zeichen setzen."
Der deutsche Staat hat im ersten Halbjahr 2016 einen Haushaltsüberschuss von 18,5 Mrd. € erzielt.
Q: ⇒  Hannoversche Allgemeine 22.08.2016, ⇒  epochtimes 22.08.2016 ⇒  Handelsblatt 24.08.2016
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Notizen über Bauernproteste / Dipl. Ing. Hans Holger Lorenz / 24. August 2016 / (I)/WB - To