2.)Notizen zur Frage: Aktualität von Zimmermanns Volksausgabe "Der Grosse Deutsche Bauernkrieg"? 3.)Notizen zur Entwicklung der historischen Darstellungen des Deutschen Bauernkrieges |
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Friedrich Engels schrieb im Februar 1870 ironisch über den ehemaligen Abgeordneten der Frankfurter Nationalversammlung, das der nach 1848 "...freilich etwas gealtert haben " soll (4). W.Zimmermann im Jahre 1869 ? Wir haben es hier mit einem Gegensatz zu tun, dessen Ursachen sicher noch nicht vollständig definiert werden können. Neben einem grandiosen Entwicklungssprung der Informationstechnologie einerseits sehen wir auf der anderen Seite eine nahezu unterentwickelte Volksbildung verbreitet, die mehr aus Astrologie und Unwissenheit besteht als aus natur- und gesellschaftswissenschaftlichen Kenntnissen. Nicht ohne Grund versuchen die "Gutsituierten" ihren Vorsprung in der Bildung zu halten, indem sie die unteren Schichten erneut von wirklich notwendigen Kenntnissen auszuschließen versuchen. Und damit wären wir wieder bei dem alten liberalen Demokraten Zimmermann, der sein Buch über den Bauernkrieg auch deswegen schrieb, weil er den arbeitenden Volksschichten deutlich machen wollte, das sie sich in ihrem eigenen Interesse Bildung, also auch historische Bildung verschaffen müssen! Zimmermann begann sein Buch zu schreiben, während der Pauperismus in Deutschland grassierte. Er sah in der großen Bewegung von 1525 "nichts plötzlich Herreinbrechendes und nichts Zufälliges" und kritisierte die Historiker hinsichtlich ihrer Einäugigkeit: "Die Geschichtsschreibung ging lange an diesem großen Ereignisse entweder mit halb abgewandtem Gesicht vorüber, oder die es berührten, mißhandelten dasselbe aus Mangel eines unparteiischen, eines höheren Standpunktes. Selbst diejenigen Bearbeiter der Einzelpartien, die eine freiere Gesinnung hinzubrachten, behandelten ihren Gegenstand fast zaghaft, ohne das Wesen deselben, die großen Sünden der Herrschenden einer- und das aus tausend Wunden blutende Herz des zur Verzweiflung getriebenen Volkes andererseits nackt aufzudecken."(5) Seine Berichte über die Kämpfe beginnt er so: "Durch das ganze Mittelalter hin war von Zeit zu Zeit das Landvolk gegen adelige und geistliche Herren aufgestanden, teils zur Wahrung seiner alten, ursprünglichen Freiheit, teils zu Abwehr der Willkür, welche gewaltsam die Lasten der Unfreien schwerer, die Hörigen zu Leibeigenen machen wollte. Dieser Kampf zeigt sich durch ganz Europa auf vielen Punkten. ... " (6). Im deutschen Mittelalter zur Zeit des Grossen Deutschen Bauernkrieges ging es eben um diese grundsätzliche Frage: der gesellschaftlichen Anerkennung der von den Bauern - sprich: den eigentlichen Produzenten der Lebensmittel - geleisteten Arbeit! Die von den Herrschenden "rechtlich" gestellten "Rück"forderungen an Grund und Boden aus der dem Besitz der Allgemeinheit, die Ausdehnung der Abgabepflichten und Steuern, der zunehmende Aberglaube und die merkwürdige massenhafte Propaganda des Weltuntergangs gehören zu den Eigentlichkeiten dieser Zeit und Zimmerman erkennt sie als Methoden zur Unterdrückung der Bauern. Zimmermann verrät uns auch alle anderen Tricks der Herrschenden, alle ihre Finten und hinterhältigen Saubeutelleien, Betrügereien, von kleinen geringfügigen Schuftigkeiten angefangen bis hin zu den blutigsten Verbrechen und Massakern! Deswegen scheint er heute nicht mehr "aktuell" zu sein, ist er "wissenschaftlich gesehen" heute schon wieder überholt. Dabei scheint manches längst wieder gang und gäbe, dieses falsche Auslegen von Gesetzen, diese Schaffung "neuer" Zuständigkeiten für Kommunen- und Staatsbesitz, diese "Irrtümer" bei der regulären Bezahlung, dieses gegenseitige Ausspielen der Untertanen. Vielleicht lohnt es sich doch wieder, desöfteren nach dem alten Zimmermann zu greifen und nachzuschauen in der Frage: "Wie haben die das damals gemacht?"
Titelseiten der 1.Auflage 1841 und der 2.Auflage 1856 sowie der Volksausgaben von Zimmermanns "Der Große Deutsche Bauernkrieg" im Dietz-Verlag von 1952 und 1980 |
| Thomas Zweifel | Ratschreiber der Reichsstadt Rothenburg, zeitgenössischer Chronist | |
| Martin Cronthal | würzburgischer Chronist | |
| Johann Herolt | Pfarrer in Reinsberg, zeitgenössischer Chronist | |
| Michael Eisenhart | Mönch in Rothenburg o.d.T. | |
| Hans Fridell | zeitgenössischer Chronist (?) | |
| Nicolaus Thoman | Nicolaus Thoman, Chronist der Weißenhorner historie (?) | |
| Georg Schwarzerdt | Georg Schwarzerdt, städtischer Beamter im kurpfälzischen Bretten Georg Schwarzerdt: Nachricht von dem Bauernaufruhr oder bäurischen Krieg (1514-1526) (?) |
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| Johannes Cochläus (1479-1552) |
Geistiger Vater der bis ins 19.Jahrhundert verbreiteten katholischen Bauernkriegsdarstellung, die die alleinige
Ursache für diese Kämpfe in den aufrührerischen Predigten Luthers sieht. Siehe: Ein kurzer Begriff von Aufruhren und rotten der bauern in hohem deutschland 1525 von Johannes Cochläus |
Bild von Cochläus BBKL |
| Martin Luther (1483-1546) |
L. gab den Rahmen für die protestantische Geschichtsschreibung des Bauernkrieges vor. Nach L. mißbrauchten die Bauern den Begriff des "Evangeliums". (Hinweis: Der englische Reformator Wyclif hatte zur Zeit des "John Ball-Aufstandes" 1381 die Bauern seinerseits nie beschuldigt, auch wenn er den Aufstand selbst ablehnte.) |
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| Georg Spalatin (1484-1545) |
Menschen um Luther WebLexicon |
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| Johannes Herolt |
(Der protestantischen Geschichtsschreibung zuzuordnen.) | |
| Johannes Sleidan |
(Der protestantischen Geschichtsschreibung zuzuordnen.) | |
| Philipp Melanchthon (1497-1560) |
(Der protestantischen Geschichtsschreibung zuzuordnen.) | Melanchthon-Jahr 1997 |
| Huldrich Zwingli (1484-1531) |
(Der protestantischen Geschichtsschreibung zuzuordnen.) | Im Laufe der Zeiten ändern Worte ihre Bedeutung...
Vorrede "an die Kandidaten der Sprachen" von Huldrich Zwingli, von Zürich, 24. Februar 1526 |
| Valerius Anshelm = Valerius Ryd (1475-1547) |
Schweizer Chronist Im Auftrag des Rats verfaßte A. von 1529-1546 eine Chronik der Stadt Bern von den ältesten Zeiten bis 1526, seit 1477 selbständig mit starker Benutzung des Berner Archivs und eigener Erlebnisse, gewandt und lebendig geschrieben. (nach Leopold von Rankes Urteil eine der besten Chroniken unserer älteren Literatur) Nach ihm ((10) Seite 256) geht die Zahl der geschätzten Todesopfer des Bauernkrieges in die 130000. |
BBKL über die Berner Chronik |
| Jakob Holzwart | Schrieb ((10) seite:256) eine Geschichte des Bauernkrieges, bezifferte die Zahl der beim Aufstand gefallenen Bauern auf 100000 . Wichtiges Zitat von ihm ((10)Seite 276): "denn schon waren alle Gebiete des öffentlichen Schulwesens ins Abgleiten geraten. Die Jugend wird auf das elendeste vernachlässigt, und zugleich erleben alle ehrbaren Künste und Wissenschaften ihren Schiffbruch. Es besteht mit Sicherheit die Gefahr, daß einmal eine solche Barbarei entsteht, wie sie niemals in Deutschland bestanden hat. Aber es wäre noch kein Anlaß, über den Untergang der Wissenschaften zu klagen, wenn nicht zugleich mit Wissenschaften und Künsten auch alle heiligen, ehrbaren und bürgerlichen Gesetze, die guten Sitten, Gebräuche und Gewohnheiten und die Kenntnis aller Kräfte der Naturund der Heilmittel zu Grunde gingen und aufgehoben wären. Ebenso aber sehen wir es im gewissem Maß geschehen, daß allmählich durch den Verfall der Bildung auch die Menschen in ihrem Sinn wilder werden..." |
neue Ergänzung: Rustica seditio totius fere Germaniae von Jacob Holzwart In: Franz Ludwig Baumann (Hg.): Quellen zur Geschichte des Bauernkrieges in Oberschwaben. Stuttgart 1876, S.682/683 Internet 6.1.2009 |
| Lorenz Fries (1489-1550) |
Der Bauernkrieg ist eine Folge des sündhaften Lebens, eine "Sintflut ... des Blutes", also schlimmer als die Astrologen-Vorhersage, er ist eine Warnung an die Herren und eine Lehre für die Untertanen. Seine Hauptwerke "Die Würzburger Bischofs-Chronik" und "Die Geschichte des Bauernkriegs in Ostfranken", die der wissenschaftlichen historischen Forschung als wertvolles Quellenmaterial dienen, durften zu seinen Lebzeiten nicht veröffentlicht werden. |
Deutsche Enzyklopädie Textband der Fries-Chronik |
| Johannes Kessler (1502-1574) |
reformatorischer Theologe. Selbst Protestant, distanziert er sich jedoch
von Luthers Schrift "Wider die räuberischen und mörderischen Rotten der Bauern".
Seine Sichtweise ist von Christoph Schappeler beeinflußt, dem Mitautor der "Zwölf Artikel",
der aus St.Gallen stammte und dort nach dem Bauernkrieg Zuflucht suchte. Ergänzung: Die Chronik von Kessler basiert auf der von Cochläus. |
Gedenktafel |
| Georg Friedrich Sartorius |
Von dem Göttinger Professor erschien 1795 die Bauernkriegsmonographie unter dem Eindruck der Französischen Revolution, ein Mahnschreiben an die Obrigkeit, dem Volksaufstand zuvorzukommen. Unterdrückung des Volkes provoziere die Rebellion. Der Bauernkrieg war kein Werk Luthers sondern kam aus den Gebrechen der weltlichen und kirchlichen Ordnung der Zeit. Wenngleich der Bauernkrieg die natürliche Folge der Mißstände war, so fehlte es den Bauern doch an Bildung und Sittlichkeit. Roh, feige und rachsüchtig, wurden sie leichte Beute für Gaukler und Fanatiker. |
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| Wilhelm Zimmermann | (Fazit siehe oben Punkt 2.) Hinweis 1: Zimmermann setzt den Gegensatz Luther-Münzer etwa so: anders als Luther scheitert Müntzer, weil er seiner Zeit voraus dachte, sich aber in dem getäuscht hatte, was das Volk 1525 leisten konnte. Hinweis 2: Für eine heutige Untersuchung ist aber nicht mehr der Gegensatz Luther---Müntzer interessant, sondern die Unterschiede zwischen Müntzer und Gaismaier! (HHL) |
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| Leopold von Ranke (1795-1886) |
Seine konservativ-protestantische Beurteilung geht so: Die anwachsende Bedrückung der letzten Jahre und die Verfolgung der evangelischen Lehre ließ die Unruhen ausbrechen. Das es nicht ganz so arg kam, ist ein Verdienst Luthers. Aber einmal ausgebrochen, gab es für die Rachsüchtigen kein Halten mehr, das sei nun einmal die Natur des Menschen. Rache, Schwärmerei und Fanatismus wirkten in der verworrenen Menge der Bauern. Gilt als Vater einer "ideologiefreien" Geschichtsschreibung. |
Historikergalerie des Instituts für Geschichtswissenschaften der Humboldt-Universität zu Berlin Ranke - einer der Großen aus dem Unstruttal |
| Johannes Janssen (1829-1891) |
Kehrt zur katholischen Aufassung zurück, das die Umtriebe der Protestanten die Wirren der Zeit hervorbrachten. | Wikipedia |
| Friedrich Engels | "Der deutsche Bauernkrieg"; geschrieben im Sommer 1850. Erstmalig veröffentlicht in: "Neue Rheinische Zeitung. Politisch-ökonomische Revue", Fünftes und Sechstes Heft, Mai bis Oktober 1850. Engels ordnet die Kämpfe in das von Zimmermann bereits angeführte europäische fortschrittliche Geschehen ein mit dem Satz: "Auch das deutsche Volk hat seine revolutionäreTradition.." (...) , ein Satz, der in der modernen Geschichtsschreibung so gut wie nicht mehr angeführt wird! Die entscheidende Entwicklung ist die der entstehenden "Industrie", die daraus resultierenden Klasseninteressen trennen die politischen Lager in katholisch-reaktionäre, bürgerlich-reformierende und revolutionäre Plebejer. Die Ideologien werden durch die jeweiligen theologischen Auslegungen gestellt, die oppositionelle konnte nur die Form der Ketzerei annehmen. Reformation und Bauernkrieg bildeten Stufen eines einheitlichen Geschichtsprozesses. Das Bürgertum hatte objektives Interesse wirtschafspolitische Grenzen zu überwinden (Wendel Hipplers Reichsreformprogramm), hat diese Interessen aber gleichsam verraten. Die lokale Borniertheit und divergierenden Interessen von Bürgern und Bauern führten in die Niederlage und damit in die Zersplitterung Deutschlands. Von Engels in London geschrieben für die Auswertung der Revolution von 1848/49. Engels stützte sich dabei auf Zimmermanns Werk, zeigte wie dieser Analogien zu 1525, aber weitreichender den Zusammenhang von sozialer und nationaler Frage. Modernes politisches Ziel war für Engels eine einheitliche, zentralisierte deutsche Republik. 1884 plante er die völlige Umarbeitung des Werkes, die aber nicht mehr zustande kam. Für Engels wurde der deutsche Bauernkrieg zum "Angelpunkt der ganzen deutschen Geschichte". |
Seitenzahlen verweisen auf: Karl Marx - Friedrich Engels - Werke, Band 7,S. 327-413 Dietz Verlag, Berlin/DDR 1960 Nach der letzten von Friedrich Engels besorgten Ausgabe von 1875. Auf Abweichungen von der Erstveröffentlichung wird in Fußnoten verwiesen. --------------------------------- Nebenstehend das Titelblatt des dritten Abdrucks von Engels' "Der deutsche Bauernkrieg" in der Ausgabe von 1908 (Berlin) |
| Franz Mehring |
Der 1908 verfaßte Leitfaden für Lehrende und Lernende entstand aus Jahre zuvor gehaltenen Vorträgen an
einer Parteischule der Sozialdemokratischen Partei. Zum Verständnis der wechselnden Zeiten muß der "moderne Arbeiter ohnehin wissen, was es mit diesen Männern ..." wie
Luther und Müntzer auf sich hatte. (Vorbemerkung von Mehring, Berlin - Steglitz Januar 1910) Mehring benutzt eine starke Anlehnung an F. Engels, insbesondere die Übernahme der Einteilung in die drei Interessengruppen. (Siehe Friedrich Engels) Beschreibung der Markgenossenschaft und des Übergangs zur Geldwirtschaft. Die Bauern sind nicht gescheitert, weil sie überholte Forderungen stellten, sondern weil sie sie verfrüht stellten, ihnen fehlte der nationale Boden, weil es eine deutsche Nation im modernen Sinne des Wortes noch nicht gab. Provinzelle Zersplitterung ruinierte die ganze Bewegung. ... Hauptwaffe der Fürsten war der Verrat,..., weil die Bauern in jahrhundertelanger Knechtschaft zu verelendet worden waren, um den handgreiflichen Lug und Trug zu durchschauen.(S.37) Nach dem Bauernkrieg flammen die Scheiterhaufen und die... allmählich, aber unaufhaltsam fortschreitende Verarmung Deutschlands wurde eine neue Stütze der Fürstenherrschaft...(S.39) |
Franz Mehring, Deutsche Geschichte vom Ausgange des Mittelalters Verlag JHW Dietz NACHF Berlin 1947 |
| Wilhelm Stolze |
Neubelebung der religiös-konfessionellen Diskussion des Reformationszeitalters | |
| Günther Franz (1902-1992) |
(1933): Das "göttliche Recht" der Bauern wird auf wyklifsche und hussitische Gedanken zurückgeführt, die Vorjahrzehnte sind mitzuzählen, der Bauernkrieg selbst ist der End- und Höhepunkt der Erhebungen seit Ende des 13.Jahrhunderts. Die Bauern kämpften um den Erhalt der dörflichen Autonomie . Ihr genosssenschaftliches Rechtsverständnis stand gegen neuzeitlichen, obrigkeitlichen Herrschaftsanspruch. Der Bauernkrieg war eine politische Revolution der Bauern und er war ein Glied im Kampf der Deutschen um das Reich. Franz betont aber, das es sich nicht um eine Vorwegnahme der Ideen des 19.Jahrhunderts handelte, sondern um ursprüngliches deutsches Staatsdenken. Die Bauern waren nicht von Fanatikern Verführte sondern handelten mit vollem Rechtsbewußtsein! |
Wikipedia |
| Ernst Walder |
(1954 westliche ?) Forschung wandte sich den politischen Zielen des Bauernkrieges zu. | |
| Horst Buszello | (1969), orientierte auf die politischen Ziele des Bauernkrieges, | Bücher von H.B. |
| David Warren Sabean | Untersucht wirtschaftliche und soziale Ursachen (1972) | |
| Rudolf Endres | Untersucht wirtschaftliche und soziale Ursachen (1973) | |
| Heiko A. Obermann | Verhältnis Bauernkrieg und Reformation (1974) | |
| Peter Blickle | 1975: "Die Revolution von 1525". Träger der Revolution ist nicht der Bauer sondern der "gemeine Mann" = alle nichtprivilegierten Bauern, Bürger, Bergknappen etc., die fortschrittliche Ziele verfolgen und auch teilweise erreichen. Für den Landwirt hatte sich langfristig die Lage bis zur Krise verschlechtert, die Herrschaften reagierten auf Pest 1348 und Bevölkerungswachstum bei wenig Agrarfläche, so das die Spannungen, zusätzlich durch kapitalistischen Gewinngeist forciert, in negative Folgen für die unteren Bevölkerungsschichten ausarteten. Man kämfte um Ausweitung des kommunalen Prinzips, die Reformation lieferte dafür die Denkstrukturen, und mit der Niederlage erlitt die Gemeindereformation den Todesstoß von der Fürstenreformation! Damit war der Weg frei für den Territorialismus als politische Gestaltungskraft... (Hinweis 1:Gestaltungs"kraft", die sich in der Folgezeit ausschließlich nur im Aneinanderreihen von Kriegen zeigen konnte! HHL) (Hinweis 2: Bei P.B. sind für die Bauern "bibelgemäßes Leben" auf Erden "brüderliche Liebe" und "gemeinerchristlicher Nutzen" anstelle von Habgier und Eigennutz. Deswegen hatten die Bauern recht, denn wo Luther nur Kreuz und Leiden gebot, forderte der gemeine Mann die tätige Umgestaltung der Welt unter christlichen Normen, wobei sie sich auf Zwingli aus Zürich berufen konnten. HHL: Nutzen für die Interpretationsproblematik statt Luther--Müntzer die Frage nach Müntzer--Gaismaier stellen . |
Kommunalismus Bücher von P.B. |
| M.M. Smirin |
Der Moskauer Historiker prägt den Begriff der "Volksrevolution", die neben dem bürgerlichen.gemäßigten lutherischen Lager und dem bürgerlich-radikalen Zwingli-Lager die dritte Kraft der
Bauern und Plebejer darstellte. Diese revolutionäre Bewegung wurde am deutlichsten von Müntzer und Gaismaier ausgesprochen. (Hinweis: der "gemeine Mann" des Blickle ist sowohl Bauer als auch Bürger und Knappe etc.- ihnen geht es um eine Gemeindereform auf Basis ihrer kommunalen Erfahrungen. Ihre Lehre geht von Luther und Zwingli aus...HHL) |
Weltgeschichte. Bd. 4. Red.: M. M. Smirin [u.a.]
Verlag: VEB Dt. Verl. d. Wissenschaften
Label: VEB Dt. Verl. d. Wissenschaften
Hersteller: VEB Dt. Verl. d. Wissenschaften
Autoren: Evgenij M. Zukov, Wolfgang Müller
Autor: Evgenij M. Zukov, Wolfgang Müller
Medium: Unbekannter Einband
Erscheinungsdatum: 1964 prüfen prüfen |
| Epstejn | E. entwickelt seine Thesen in Diskussion mit Smirin und ist insofern interessant, weil er feststellt,
das die eigentlichen Träger der kapitalistischen Entwicklung nicht ein kapitalistisch gesonnenes oder auch
radikales Bürgertum gewesen seien, sondern Großunternehmen, Handelskompanien und Monopole! (HL: So abwegig ist das nicht, denn man schaue auf die Fugger, Welser, Paumgartner, Hochstetter und Stockl usw.... Und man betrachte z.B. die Handelstechnik des Fürkaufs. Die Verquickungen bäuerlicher Interessen und die der tatsächlisch schon kapitalistisch ausgebeuteten Bergknappen - sowie auch deren Gegensätze - werden im Tiroler Bauernkrieg besonders sichtbar! Insofern hat E. recht.) |
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| Tschaikowskaja | Sie verwirft die Konstruktion von Epstejn (eine bürgerliche Revolution ohne Bürgertum?) mit der Festlegung: Der Bauernkrieg war ein Bauernaufstand im Zeitalter entstehender kapitalistischer Verhältnisse. | |
| Gerhard Pfeiffer |
(1990): Die Bauernkriegsforschung entwickelt sich zur Abstraktion fern von der Realität. "Die Mentalität unterdrückter Volksmassen, daneben schlicht Terror hielt die Bauernhaufen zusammen, trotzdem sie ökonomisch sicher nicht homogen waren...Überhaupt: Eine Gesamtbilanz des Bauernkrieges wäre eine theoretische Abstraktion, denn das, was Engesls als Lokalborniertheit und eigensinnigen Provinzialismus bezeichnete, macht gerade das Wesen des Bauernkrieges aus." ((7) S.22) |
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| Alfred Meusel Johannes Nichtweiß |
(1952)Meusel: Auseinandersetzung mit Luther und Müntzer ((8) S.41) In den 1950er Jahren verwenden beide den Begriff der "Frühbürgerlichen Revolution". ((8) S.42) |
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| Max Steinmetz |
Mitte des 15.Jahrhunderts setzt die sog. 2.Leibeigenschaft ((9) S.223) ein, eine erneute Fesselung des Bauern an den Boden, um dem Feudalherren höhere Erträge zu sichern und den Übergang zu kapitalistischen Bewirtschaftungsformen zu bringen (HHL: letzteres wirklich?). Damit wurde der Fortschritt gehemmt, die Produktionsverhältnisse blieben gegenüber Nachbarländern zurück. Der einheitliche Markt war durch territoriale Zersplitterung verhindert, die feudalen Kräfte zementiert. Luther verwandelt die Krise in eine revolutionäre Situation und einigte zunächst alle Kräfte gegen die rückständigste Macht, die römische Kirche. Nach dem Reichstag von Worms zerfällt die Gesellschaft in vier Lager: - das katholisch-konservative (Bayern,Österreich) - das lutherisch-gemäßigte mit Kursachsen - die zwinglianisch-bürgerliche Gruppe - die revolutionäre Bewegung der Bauern u. Plebejer (mit Müntzer und Gaismaier) Im Verlauf des Krieges bilden sich zwei Flügel: - ein gemäßigter ("Zwölf Artikel", "Heilbronner Programm", markanter Vertreter Wendel Hipler) - ein radikaler ("Schwarzwälder Artikelbrief", "Tiroler Landesordnung", Gaismair, Müntzer) Der Bauernkrieg scheitert wegen geringer Verbindungen der Massen, der bürgerlichen Schwankungen und der Kompromißbereitschaft der Bauern mangels politischer Erfahrungen! 1975 teilt Steinmetz die Aufstandsgebiete nach Ursachen ein (davon fünf fragwürdige-HHL). Steinmetz verknüft die richtige These von der "Offensive" der Feudalherren zur 2.Leibeigenschaft aber irrtümlich mit der ursprünglichen Akkumulation , was für den Deutschen Bauernkrieg eben nicht zutrifft. (Insofern ist auch der Begriff der "frühbürgerlichen" Revolution erneut diskutierenswert- HHL) |
M.Steinmetz; Deutschland von 1476 bis 1648 (Von der frühbürgerlichen Revolution bis zum Westfälischen Frieden) VEB Deutscher Verlag der Wissenschaften Berlin 1965 |
| Gerhard Brendler | (1988) Die Leitfigur des 16.Jahrhunderts heißt Luther und nicht Müntzer! Aber eben das ist bitter und ungerecht... Luther fordert nicht nur "Zurück zur Bibel!" sonder stellt auch die "Wespennestfrage der Reformation": die üppige, hochmütige und habgierige Kirche liest nicht nur falsch in der Bibel, sie legt diese auch falsch aus! Das ist mehr als bisher (Hussitentum), aber noch nicht Müntzer. Weil: Das Wesen von Rebellionen als Ur- und Frühform der Revolution subjektiv weder das Alte noch das Neue will, sondern sie will das "ewig Gültige" und macht damit den Weg frei für das "sonst noch nie Dagewesene". Luther ist der Anstoß nach dem "geistigen Durchkämpfen" von 1 1/2 Tausend Jahren Kirchengeschichte. Über das "noch nie Dagewesene" wird Müntzer fabulieren. HHL: Brendler ist die ausgefeilteste Analyse der Frage: Luther - Müntzer, und damit am Schluß der Möglichkeiten. Die nächst zu stellende Frage heißt aber: Müntzer - Geismeier! |
Gerhard Brendler Thomas Muentzer - Geist und Faust VEB Deutscher Verlag der Wissenschaften Berlin 1989 siehe auch |
| Manfred Bensing | Erforschte besonders den thüringischen Bauernkrieg und die Rolle des Thomas Müntzers. Als die Fürsten durch eine "Reformation von oben" den unruheschwangeren Bewegungen zuvor kommen wollen und evangelische Prediger ihrer Wahl durchsetzen, wird innerhalb von zwei Wochen Thüringen vom Aufstand erfaßt. Dabei kommen Müntzers weitreichende Verbindungen zur Wirkung. Bensing macht über zwanzig Personen namhaft, die als enge Vertraute Müntzers gelten können. |
Manfred Bensing in Wikipedia |
| Dietrich Lösche | Analyse der Wahl und der Zusammensetzung des Ewigen Rates von Mühlhausen (16.März 1525) | Das Stadtarchiv von Mühlhausen |
| Elisabeth Schwarze Manfred Straube Wieland Held |
Erforschung ländlicher Sozialstruktur des Thüringer Bauernkrieges | |
| Ernst Engelberg | "frühbürgerliche Revolution eine europäische Erscheinung" (?) |
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| Hans-Jürgen Goertz Werner Troßbach Heinz Kamnitzer Doris Stockmann Rudolf Quietzsch Manfred Straube Günter Vogler |
| Verbindungen | ||
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Hier kann man in der 2.Auflage von 1856 lesen: | Google-Buchsuche in |
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Link für die Verbindung zur Zimmermann-Gedenkstätte in Dettingen | www.literaturland-bw.de |
| Link zum Biographisch-Bibliographischem Kirchenlexikon | Kirchenlexikon über Wilhelm Zimmermann | |
| Link zu einem Bild von Wilhelm Zimmermann? Hinweis: In der Zeitung "Die Gartenlaube" (Leipzig 1869 S.293) ist ein Bild mit der Bezeichnung Wilhelm Zimmermann(1807-1878) erschienen. Er wäre demnach 62 Jahre alt. 1848 zeigt ein ähnliches Bild das Gesicht des Edurad Zimmermann, da wäre Wilhelm Z. im Alter von 41 Jahren, mit der Darstellung durchaus vereinbar. |
Wikipedia | |
| Link zu einem Bild von Eduard Zimmermann |
Lebenslauf |
| Hinweis: 1847 arbeitete der Mitorganisator des Hambacher Festes von 1832 Johann Georg August Wirth in Karlsruhe an der Geschichte der deutschen Staaten von der Auflösung des Reiches bis auf unsere Tage. Wirth starb am 26.Juli 1848. Von den 4 vorgesehenen Bänden schrieb Wilhelm Zmmermann Band 3 und Band 4 fort, etwa 1847-1853 (ebenfalls in Karlsruhe ?). |
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