Notizen zur Widerspiegelung
des Deutschen Bauernkrieges in der Kunst

I. Reformationszeit   ♦   II. 19. Jahrhundert   ♦   III. 20. Jahrhundert   ♦   IV. 21. Jahrhundert        


Hinweis: Diese Seite befindet sich noch in Bearbeitung. Ungesicherte Angaben sind mit (?) gekennzeichnet.



I.) Reformationszeit

Bauern vor Gericht  Holzschnitt des Petrarca-Meisters 1519/20
Bauern vor Gericht
Holzschnitt des Petrarca-Meisters 1519/20

Es ist bekannt, das Künstler, die gewillt und fähig zum Parteiergreifen sind, soziale Auseinandersetzunge früher erkennen oder zumindestens voraus ahnen. Betrachtet man den Hozschnitt (links) und die Federzeichnung (unten), beide Arbeiten wenige Jahre vor dem Ausbruch des Deutschen Bauernkrieges angefertigt, findet man darin wichtige Aussagen über den sozialen Zustand in den deutschen Landen und über die Lage der Bauern. Es ist unmöglich zu glauben, das solche Realitäten von den fürstlichen und kirchlichen Zeitgenossen nicht war genommen wurden.

Weinende Bäuerin  Federzeichnung  Albrecht Dürer  um 1515

Weinende Bäuerin
Federzeichnung von Albrecht Dürer
zum Gebetbuch Kaiser Maximilians I. , um 1515

Seine unmittelbare Widerspiegelung fand der Große Deutsche Bauernkrieg von 1525/1526 vor allem in einem damals neuen Medium. Drucke zeigten die Aufständischen als Opfer, als Gefangene, Gefolterte und als Hingerichtete. Aber die Künstler sahen auch Ursachen der Gewaltausbrüche. Die Bauern verteidigten ihre Rechte. Der Holzschnitt des ⇒ Jörg Breu erzählt vom amtlichen Vorgang der Verkündung eines Ablasses und dem anschließenden Einkassieren der Münzen. Der Mißbrauch amtlicher Einrichtungen der Kirche nahm solche Ausmaße an, das die Bauern in manchen Gebieten einfach zur Selbsthilfe griffen. Die Federzeichnung (unten rechts) des ⇒ Niklaus Manuel Deutsch von 1525 gibt uns heute darüber Kentnis.

Jörg Breu 1530
Ein Münzmeister, der gefragt wird wohin das viele geprägte Geld ginge ...
Bildausschnitt
Holzschnitt von Jörg Breu d.Ä. um 1530 Schlossmuseum Friedenstein Gotha

Der vermutliche Schüler Holbein d.Ä. zog mehrere Jahre durch Bayern und Österreich. Breu d.Ä. zählt zu den charaktervollsten Meistern der Dürergeneration. Gestaltete um 1520 auch die Orgelflügel der Fugger-Kapelle. In seiner von ihm verfassten Chronik der Stadt Augsburg schimmert Gesellschaftskritik durch und Genugtuung zur Bilderstürmerei.

Niklaus Manuel Deutsch 1525

Bauern hängen einen Ablaßkrämer
Federzeichnung von
Niklaus Manuel Deutsch 1525.

Mit dieser Grafik hat sich der alte Reisläufer aus Bern was geleistet! Er söldnerte schon beim Kriegszug in der Lombardei und überlebte 1522 die ⇒ Schlacht von Bicocca, in der die Schweizer Pikeniere der modernen Schießtechnik der Kaiserlichen unterlagen. Angst kannte der Manuel Deutsch also nicht. Als Anhänger Zwinglis blieb er der Reformation und der Bauernsache treu, bewies es in seinen Bildern und Dichtungen.

Vierhundertfünfzig Jahre später wird der Maler Werner Tübke das freche Spottbild als Anregung zu einem Gemälde nutzen.

Der Ablaßhandel allein reichte als Ursache für die Bauernhändel nicht aus. Die Forderungen des aufsässigen Gemeinen Mannes fixierten sich in den historisch gewordenen → Zwölf Artikeln. Jene fanden als Drucke ihre breite Verteilung im Lande. Manche zeitgenössische Künstler wählten als Themen ihrer Holzschnitte und Stiche die bewaffneten Bauern, ihre Fahnen und ihre Zeichen. Sie berichteten von deren Arbeit und den Kämpfen und von ihren Feinden. Selbst Niederlagen verschwiegen sie nicht.
Überliefert sind vor allem Arbeiten der Brüder Beham. Bartel und Sebald Beham bekundeten sich als Parteigänger des Thomas Müntzer und des Karlstadt. Sie leugneten die Rechtmäßigkeit weltlicher Obrigkeit und lehnten die Sakramente der Taufe und des Abendmahls ab. Beide und der mit ihnen befreundeten Maler Georg Pencz wurden von der Stadt Nürnberg als Sympathisanten der Bauernbewegung angeklagt. Die von Sebald Beham dargestellten Bauern tragen ständig ihre Waffen, auch bei der Arbeit und beim Tanzvergnügen.

Erhard Schoen 1525

Bauern, Handwerker und Landsknechte
schlagen auf
Ritter, Mönch und Papst ein
Holzschnitt von
Erhard Schoen
um 1525
(Abb. rechts)




Hans Sebald Beham
Acker Concz und Klos Wuczer im Bauernkrieg 1525(Graphik 1544)



Hans Sebald Beham
Das Bauernfest oder Die zwölf Monate: Juni
Bildausschnitt (Kupferstich 1546)

In der Stadt Augsburg erschienen historisch wertvolle Illustrationen, deren Autor uns bis heute unbekannt geblieben ist. Da er auch die Holzschnitte für die deutsche Übersetzung eines Werkes von Francesco Petrarca (1304-1374) schuf, benennt und ehrt ihn die Kunstgeschichte mit dem Namen ⇒ Petrarca-Meister. Unter den weiteren Mitarbeitern an der Übersetzung dieser philosophischen Schrift des Begründers des Humanismus tauchen solche Namen auf wie Georg Spalatin und Sebastian Brant. Das Werk des Petrarca-Meisters umfasst über 700 Holzschnitte in mehr als 200 Druckschriften. Man vermutet, das der Petrarca-Meister selbst nicht in Augsburg sondern am Oberrhein lebte und arbeitete und um 1523, also noch vor dem Ausbruch der Kämpfe starb. Erhalten gebliebene Exemplare stammen aus Schriften um 1520, manche erst in Auflagen ab 1530 und später. Aus ihnen geht die Vertrautheit des Künstlers mit dem realen Leben in der Stadt und auf dem Land hervor. Der Petrarca-Meister schilderte realistisch die Gegensätze von arm und reich und er klagte Habgier und Wucher an. Seine Sympathien galten den Bauern und den Handwerkern, nicht den Adligen und nicht der Geistlichkeit. Selbst der Kaiser wurde ermahnt, seine Pflichten gegenüber dem Reich zu erfüllen und sein Volk nicht allein zu lassen. Bis heute sind Drucke von ihm noch allseits bekannt, so Bilder aus dem Trostspiegel, aus dem Glücksbuch und sein sogenannter Ständebaum. Mit unbestechlichem Verstand und scharfem Blick sah der Petrarca-Meister die gewaltsame Zuspitzung des Konfliktes zwischen den Bauern und den Adligen voraus. Die (unten abgebildete) Arbeit selbst wurde erst um 1530 veröffentlicht.

Verhandlung aufständischer Bauern mit einem Adligen Holzschnitt des Petrarca-Meisters
Verhandlung aufständischer Bauern mit einem Adligen
Holzschnitt des Petrarca-Meisters
1519/1520

Mit Recht beriefen sich die Bauern auf Christus und die Evangelien. Sie hielten sich für die wahren Anhänger Christi und fragten: "Als Adam grub und Eva spann, wo war denn da der Edelmann?". Schließlich schufen sie die Existenzgrundlagen für alle Menschen dieser Feudalgesellschaft. Die fortschrittlichsten Künstler griffen diese Lebensansicht auf und so findet sie sich in ihren Werken auch als politische Polemik. Manche Drucke trugen sogar den Charakter von Kampfschriften, hüben wie drüben, und sie fanden ihre Verbreitung vor allem auf Märkten und in Trinkstuben. So wurde politische Propaganda erstmalig (massen-)schriftlich ausgetragen. Die zugehörige Religionstheorie, zuerst entwickelt im → Hussitentum, formulierten massentauglich solch mutige Streiter wie Luther, Zwingli oder Calvin. Tapfere Kerle wie Müntzer und Gaismair organisierten schließlich ihre Bauernheere. Doch 1525 wirkte im Unterschied zur hundert Jahre zurück liegenden Hussitenzeit ein neues Medium: die Druckerpresse. Die Feststellung, das der deutsche Bauernkrieg gewissermaßen vom ersten Medienspektakel der europäischen Geschichte begleitet wurde, ist nicht von der Hand zu weisen.



Holbein
Christus wird von der Papstkirche verfolgt
Holzschnitt von Hans Holbein d.J.
Flugblatt, 1.Hälfte 16.Jhdt.


Abbildungen selbstbewußter kämpferrischer Bauern finden wir in den Randzeichnungen zum Gebetbuch Kaiser Maximilians. ⇒ Dürer, der Arbeiten dafür geliefert hatte, entwarf nach der Niederlage der Aufständischen für sie auch eine → Gedenksäule - aus Hochachtung. Von anderen Zeitgenossen ist dergleichen nicht überliefert. Viele Künstler brachten ihre Sympathien für die Bauernsache in Anspielungen oder Allegorien in ihre Werke ein, denn der Terror der Sieger machte auch vor hochbegabten Schöpfern nicht halt. In Würzburg ließ man die Hände → Tilmann Riemenschneiders verstümmeln, in Pforzheim → Jörg Ratgeb von Pferden auseinander reißen. Die Gerechtigkeit hatte ihren Kampf verloren und sich schlafen gelegt, so beschrieb Beham in seinem Kupferstich den Lauf der Welt. Dieses Zeugnis der Parteinahme ⇒ Behams für die geschlagenen Bauern zeigt die in Ketten gelegte ermüdete Gerechtigkeit. Ihr wird vom Fuchs (also von Luther - so nannte Müntzer den gefeierten Reformator) das Schwert geraubt. Von nun an sind den Künstlern die Hände gebunden...

Der Welt Lauf
Barthel Beham
Kupferstich 1525

Barthel Beham - Der Welt Lauf - 1525
Die Hände des Sebastian  Holzplastik (Detail) Tilman Riemenschneider
Die Hände des Sebastian
Holzplastik (Detail)
Tilman Riemenschneider

Mit fortschreitenden Jahrzehnten wurde das Bauernkriegsdrama überlagert von religiös gefärbten Themen. Der Gemeine Mann durfte und konnte keinen Einfluß mehr nehmen auf die politische Entwicklung. Eine Folge davon war der Schmalkaldische Krieg (1546-1547), den die Geschichtsschreibung zeitweilig als Ersten teutschen Krieg titulierte. Mit ihm schob sich konfessionelle Intoleranz in den Vordergrund und überdeckte die sozialen Gegensätze. Das lag durchaus im Interesse der Landesfürsten, die mit ihrer Unfähigkeit die deutschen Länder langfristig in den Ruin führten. Folgerichtig benannten manche Historiker den späteren Dreißigjährigen Krieg als Zweiten deutschen Krieg.





II.) 19. Jahrhundert

Jahrhunderte lang schien das Thema des deutschen Bauernkrieges vergessen. Politik und somit auch die Kunst wurden von der feudalen Übermacht bestimmt. Die Feudalherren, der Adel und der Klerus, entschieden über Wohl und Wehe der Kunst und der Künstler. Der Klarheit des frühbürgerlichen Humanismus, die in den deutschen Landen heimatlos geworden waren, begegnete man vorerst nur in den hervorragenden Bildern der niederländischen Kunst.
In Deutschland meldet sich das Thema des Bauernkrieges zuerst wieder in der Literatur! Deswegen sei hier ein kurzer Exkurs abseitig von der Bildenden Kunst erlaubt. Intellektuelle Anstöße zur Diskussion der nationale Frage im deutschen Kleinstaatenwesen bot der Deutsche Bauernkrieg mit Goethes ⇒ Götz von Berlinchingen. 1773 geschrieben, fand das Drama mit der Weimarer Aufführung von 1804 weitläufigeres Interesse. 1795 erschien in Leipzig bereits der erste deutsche Bauernkriegsroman ⇒ Der Bund des armen Konrads [neu erschienen 2016 im Engelsdorfer Verlag Leipzig]. Der Verfasser blieb lange Jahre unbekannt. Auch die großen Zeitgenossen Goethe und Schiller rätselten über die Urheberschaft. Niemand vermutete gar eine Frau als Autorin. 1806 ließ Christiane Benedicte Naubert (1752-1819), vom Puplikumserfolg angeregt, das Buch in dem umgearbeiteten Briefroman Die Gräfin von Fronsberg als eine "vaterländische Geschichte aus den Zeiten des Mittelalters" erneut auflegen. Es ist fraglich, ob die Schriftstellerin auf das ebenfalls 1795 erschienene Geschichtsbuch des Göttinger Professors Sartorius schon zurück greifen konnte. Die Allgemeine Literatur-Zeitung rezensierte jedenfalls seinen Versuch einer Geschichte des deutschen Bauernkrieges noch im gleichen Jahr, schließlich zählte Georg Sartorius zu den Freunden Goethes.
1826 erzielte Wilhelm Hauff mit seinem Sagenroman ⇒ Lichtenstein literarischen Erfolg. Der berüchtigte Adlige Georg Truchsess von Waldburg erschien hier bereits als negativer Held der Handlung. Ein Jahr später soll ein Baron ⇒ Helmuth Wilhelm von Normann (?) das Stück Der deutsche Bauernkrieg. Ein Trauerspiel veröffentlicht haben. Zeitgemäße Anklage der Zustände spricht hier sein Bauernführer Metzler aus: des Bauern jetz'ge lage sey ungerecht - Gott wisse nichts von Knechtschaft!

Ein Subrector am Progymnasium zu Rothenburg an der Tauber befasste sich in den Dreißiger Jahren erneut wissenschaftlich mit dem Thema Bauernkrieg. Heinrich Wilhelm Bensen (1798-1863) forschte nach weiteren bedeutenden Quellen und so konnte er die Feldpredigt des Thomas Müntzer veröffentlichen. Seine Geschichte des Bauernkrieges in Ostfranken erschien 1840 in Erlangen.
Der Abgeordnete Dr.Wilhelm Zimmermann (1807-1878), auch → Bauernkriegszimmermann genannt, zählt ebenfalls zur Kategorie wissenschaftlich arbeitender Historiker. Dank seiner lebensnahen und berührenden Schreibweise avancierte er in der sich formierenden Arbeiterschaft zu einem viel gelesenen Autor. 1841/1843 ging seine Allgemeine Geschichte des großen Bauernkrieges in Druck. Zimmermann geißelte indirekt die brandaktuelle Problematik des Pauperismus in den deutschen Landen. Die mit der Industrialisierung einhergehende allgemeine Verarmung betraf nicht nur die vielen in engsten Verhältnissen lebenden Stadtbewohner. Fast schlimmer noch erging es den Bauern, als aus der Dorfarmut die neue Arbeiterklasse unfreiwillig hervorwuchs. Im Gegensatz zur Mehrzahl der Historiker stellte sich Zimmermann mit seiner Geschichtsauffassung beherzt auf die Seite der Aufständischen. Das mag keinen geringen Einfluß darauf gehabt haben, das er folgerichtig ein Mandat für die Frankfurter Nationalversammlung errang.
1857 schrieb Ferdinand Lassalle den ⇒ Franz von Sickingen. Vierzig Jahre später wurde das Stück ⇒ Florian Geyer Gerhart Hauptmann's in Berlin aufgeführt.
Julius Wolff, der Autor des 1894 veröffentlichten Werkes Das Schwarze Weib - Roman aus dem Bauernkrieg [⇒ Projekt Gutenberg] wird zu den sogenannten Butzenscheibendichtern gezählt. Der Sohn eines Tuchfabrikanten war Mitglied einer Freimaurerloge, Zeitungsherausgeber und 1910 Ehrenbürger der Stadt Quedlinburg.
Historisch noch nicht entgültig belegt ist die Identität des Bürstenmachers ⇒ Wilhelm Hugo Klink, der 1899 in Württemberg die erste Anarchistenorganisation gründete, mit dem Autor eines zu Ehren der Schwarzen Hofmännin im Mai 1912 verfassten Dramas aus dem Bauernkrieg in vier Aufzügen. Um 1900 gab es auch einen freien Gewerkschaftsverein, bei dem ein Wilhelm Klink zeitweilig den Vorsitz führte.
Der heute nahezu unbekannte ⇒ Rober Schweichel (1821-1907) konnte 1899 in Stuttgart sein Hauptwerk Um die Freiheit. Geschichtlicher Roman aus dem deutschen Bauernkriege 1525 veröffentlichen. Das Buch erlebte mehrere Auflagen, so im Internationalen Arbeiterverlag 1926 , bei Weichert 1950 in Berlin und 1953 bei Rütten & Loening. Schweichelt soll, seinem vermutlichen Vorbild Lassalle nacheifernd, ebenfalls einen Arbeitervein gegründet haben. Zu seinen Freunden zählten Wilhelm Liebknecht und August Bebel.



Zurück zu den Werken der Bildenden Kunst. Hier setzte die Rezeption des Bauernkrieges etwas zeitversetzt ein. Wahrscheinlich begann sie 1844 durch ⇒ Gustav Ferdinand Metz (1817-1853) mit seinem Gemälde Graf Helfenstein, im Bauernkrieg gefangen. Eine noch heute umstrittene Episode aus dem Jahr 1525, die → Blutrache zu Weinsberg steht im Zentrum des Bildes. Gefangennahme des Grafen Helffenstein (1844 von Gustav Ferdinand Metz) Die Parteinahme des Malers scheint sich zu Gunsten des Ludwig von Helfenstein anzudeuten. Dieser Ritter in deutschen und französischen Militärdiensten ausgebildet, den Bauernstand verachtend, traute den Aufmüpfigen, die er abfällig "Roßmucken" nannte, keinesfalls zu, ein befestigtes Schloß zu erobern. Nach dem gewaltätigen Sturm jedoch bot er als Gefangener in treuherziger Ritterlichkeit 30.000 Gulden für sein Leben, allein die Bauern hatten schon zuviele Opfer bringen müssen. Im Hintergrund des Bildes sind die drohenden Spieße zu sehen, durch die jene Adligen in Weinsberg gleich gejagt würden.
Auf alle Fälle ist des Malers Mitleid für die leidende Gattin, immerhin eine Tochter des Kaisers Maximilian, deutlich erkennbar. Der mitleidslose Bauer schwenkt die Axt gegen seine eigene Nachgiebigkeit. Auf der gegenüberliegenden Seite ist es aber eine Bäuerin, die die Fahne des Bundschuhs vorran führt, ein Motiv, das im Französischen wesentlich unzüchtiger bereits 1830 bei Delacroix im Zentrum stand. Diese Fahnenschwingende ist vermutlich Margarethe Renner, Schwarze Hofmännin genannt. Sie war eine Kampfgefährtin des Jacob Rohrbach und eine leidenschaftliche Anführerin der revoltierenden Bauern. Sie zieht gewissermaßen den Haufen zur Hinrichtungsstätte. Für 1844 in deutschen Landen eine ziemlich bemerkenswerte Aussage trotz aller germanischen Rührseligkeit.


"Graf Helfenstein, im Bauernkrieg gefangen"
Gustav Metz (1817-1853) wahrscheinlich 1844

Fünfundreißig Jahre widmete ⇒ Fritz Neuhaus (1852-1922) seine Aufmerksamkeit dem gleichen historischen Vorgang. Die Situation ist zugespitzter, es geht nicht mehr um die Gefangennahme, es geht um das Aufspießen, das unmittelbar bevor steht. Der adlige Held reckt sich den wilden Bauern entgegen und schützt dabei noch seine leidend-schmachtende Gattin. Die rohen Bauern sind kräftig und stark, aber nur wütender Pöbel, der mit Spießen sticht und Steine schmeißt. Im Künstlerlexikon von 1882 wird das Bild als für die Malerei etwas zu unruhige Szene (!) kritisiert.

Die Blutrache zu Weinsberg von Fritz Neuhaus 1879

Die Blutrache zu Weinsberg
Fritz Neuhaus 1879

Thomas Münzers letzter Gang von Friedrich Wilhelm Martersteig.
Das Bild gehört dem ⇒ Stadtmuseum Naumburg und ist im Naumburger Rathaus zu sehen.
(Foto: ⇒ Dr. Siegfried Wagner)
Thomas Münzers letzter Gang  von Friedrich Wilhelm Martersteig

Ein ⇒ Naumburger Kunstverein sammelte 1856 Spenden für den Kauf des Gemäldes Münzers Gang zur Richtstätte von ⇒ Friedrich Wilhelm Martersteig (1814-1899). Es sollte den Grundstock für eine Naumburger Gemäldegalerie legen. Das Bild hängt seither im Rathaus der Stadt. In seiner Darstellung sind die Rollen gegenüber den vorher gezeigten Bildern verändert: das Mitleid gehört den Aufständischen, von denen einer noch wütend die Fäuste reckt. Münzer gleicht einem Christus auf dem Kreuzgang. Die Frauen der Deliquenten sind zu bedauern und selbst ein Adliger scheint um Vergebung zu bitten. Die Funktion der neugierigen Zaungäste ist nicht ganz klar, vielleicht die Darstellung der ewigen Zeitgenosssen, die niemals aktiv in das Geschehen eingreifen wollen.
Martersteig, der in Paris die Historienmalerei studierte, wandte sich vornehmlich den Themen der Reformation zu. Von 1849 bis zu seinem Lebensende war er Mitglied der Preußischen Akademie der Künste in Berlin an der Sektion für die Bildenden Künste. Martersteig schuf mehrere Gemälde zum Leben Martin Luthers, zur Schweizer Geschichte und zur Verurteilung des → Jan Hus. Zu seinem Schaffen zählt auch das Werk Pariser Barrikade von 1848. Viele seiner Bilder gelten als verschollen, sein Ölgemälde Luther auf dem Reichstage zu Worms von 1847 tauchte 2010 im Kunsthandel von Sotheby’s London kurzzeitig auf.


III.) 20. Jahrhundert

Eine epochemachende Sammlung von Grafiken zu den Erhebungen von 1524/25 wurde von einer Frau geschaffen. Käthe Kollwitz (1867-1945) arbeitete von 1903 bis 1908 an den sieben Radierungen ihres großen Zyklus "Bauernkrieg". Zuvor entstanden in den Jahren 1893-1898 die Arbeiten zum "Weberaufstand" unter dem Eindruck von Gerhart Hauptmanns Stück "Die Weber". Es handelte sich bei beiden Zyklen um die gleiche soziale Problematik. Die nebenstehende Abbildung zeigt den "Losbruch" (1903) aus dem Zyklus "Bauernkrieg". In ungeheuerlicher Dynamik wird die Entladung des jahrzehntelangen aufgestauten Zorns der Bauern deutlich. Da gibt es kein Halten mehr, auch kein Nachdenken und keine Vernunft. Es scheint nur ein Ziel zu geben: Rache! Und dieses Wort scheint die Frau, die dem Betrachter den Rücken zuwendet, den Stürmenden zuzuschreien...
Zur Entstehungsgeschichte des Zyklus Bauernkrieg schrieb die Künstlerin im Jahre 1907 in einem Brief an ⇒ Paul Göhre: »Die Motive zu den Bauernkriegsblättern sind nichts literarisch irgendwo Hergeholtes. Nachdem ich das kleine Blatt mit der darüber fliegenden Frau gemacht hatte, beschäftigte mich dasselbe Thema noch länger, und ich hoffte es einmal so darstellen zu können, daß ich damit fertig wäre. Damals las ich den Zimmermannschen Bauernkrieg, und da wurde von der schwarzen Anna erzählt, einer Bäuerin, die die Bauern angetrieben hat. Ich machte nun das große Blatt, mit dem losbrechenden Bauernhaufen. Auf dieses hin bekam ich den Auftrag zum Zyklus. Alles schloß sich nun an dies schon fertige Blatt an...«




Aus dem Zyklus  Bauernkrieg Der Losbruch  1903  von Käthe Kollwitz
Aus dem Zyklus Bauernkrieg. Der Losbruch (1903) von Käthe Kollwitz
Losbruch Entwurf Käthe Kollwitz 1901
Losbruch Entwurf Käthe Kollwitz 1901
Losbruch Entwurf Käthe Kollwitz um 1902
Losbruch Entwurf Käthe Kollwitz um 1902
Losbruch Skizze Käthe Kollwitz  um 1902
Losbruch Skizze Käthe Kollwitz um 1902



Die ursprüngliche Idee der Käthe Kollwitz von 1899

Aufruhr Käthe Kollwitz 1899
Aufruhr Käthe Kollwitz 1899
Der Deutsche Bauernkrieg  Franz Wilhelm Seiwert 1932

Ein figuratives Bild zum Bauernkrieg entwarf ⇒ Franz Wilhelm Seiwert (1894-1933) im Jahr 1932. Er gehörte zu jenen Künstlern aus dem Rheinland, die sich mit konstruktivistischer Formensprache den Themen der proletarischen Kunst annäherten. Es ist offensichtlich, das Seiwert in seiner Menschendarstellung die individuellen Züge eleminierte und mit chiffreartigen Zeichen arbeitete. Das Bild trägt den Titel:"Der Deutsche Bauernkrieg" und wurde 1972 aus Mitteln der Von der Heydt-Stiftung für das Museum in Wuppertal erworben. Seiwert, der den Dadaismus als »bürgerlichen Kunstbetrieb« ablehnte, blieb jedoch dem Abstrakten treu. Es mag auch an seinem privaten Schiksal gelegen haben, er war als Opfer einer Überdosis von Rötgenstrahlen sein Leben lang gekennzeichnet.
Andere Darstellungsmethoden und Formen für das gleiche Thema nutzte eine Künstlerin aus Sachsen.




Tilman Riemenschneider Bildausschnitt Lea Grundig 1954

Die mißhandelten Hände des gefolterten → Tilman Riemenschneider sind das zentrale Thema einer Radierung Lea Grundigs, offenbar ganz bewußt in Traditionsfortsetzung der Radierungen der Kollwitz, deren Kunst sie seit etwa 1930 bewunderte. Das zeigt der hier links abgebildete Ausschnitt aus "Tilman Riemenschneider". Diese Arbeit, 1958 auf der 4.Deutschen Kunstausstellung gezeigt, ist eine von mehreren Radierungen zum Thema Deutscher Bauernkrieg. Interessant ist vor allem der Gegensatz der Hände zur Figur im Hintergrund, die noch gesund und kräftig erscheinen als Hände des Schnitzers in einer auf gewisse Weise angelegten Nachbildung. Diese solll vermutlich eines der ungesicherten Selbstbildnisse Riemenschneiders zitieren, zumindest aber die Hände eines Heiligen! Eine dieser Grafiken (die hier leider nicht mit abgebildet werden konnte) kennzeichnete die Künstlerin eigenhändig mit: "Zum Deutschen Bauernkrieg" Tilmann Riemenschneider Lea Grundig 1954 früher Zustand.
Ihre Affinität zu Werken des Hieronymus Bosch wird am Zitat (rechts) deutlich sichtbar. Der nebenstehende Ausschnitt der Arbeit von 1956 "Verbrennung des Jäcklein Rohrbach" zeigt ihre Abrechnung mit der Dummheit der Leichtgläubigen, die selbst betrogen und ausgeplündert werden: hier sehen diese den Qualen des Jäcklein Rohrbachs zu, bei Hieronymus Bosch jene der Kreuztragung Christi. Lea Grundigs Rohrbach ist kein strahlender Held im Untergang, sondern eine gequälte Kreatur in den Flammen.

Gemälde zum Grossen Deutschen Bauernkrieg von Max Lingner 1951-1955

Max Lingner, der noch selbst am Kieler Matrosenaufstand von 1918 beteiligt war, und bereits 1928 auf Anraten der Kollwitz nach Frankreich ging, wurde weltbekannt durch seine wunderbaren Zeichnungen aus den Lebensbereichen der Pariser Banlieue. Weniger bekannt ist sein spätes Werk zum Deutschen Bauernkrieg, an dem der Künstler trotz schwerer Krankheit von 1951 bis 1955 arbeitete. Lingner verleugnete nie seine politischen Einstellung zu den arbeitenden Menschen. Seine Bilder bleiben in der Wirklichkeit verwurzelt, in seinen Großdarstellungen ist eine Monumentalisierung der Menschen unverkennbar. Lingner vermochte beides, minimale Darstellung in einfachem Schwarz-Weiß und großartige Farbgestaltung in der Heroisierung.

Gemälde zum Grossen Deutschen Bauernkrieg von Max Lingner 1951-1955 (unvollendet)

Seit 1945 gingen die deutschen Künstler getrennte Wege in »Ost« und »West«. Auf die Ursachen sei hier nicht weiter eingegangen. Da die Künstler im Osten Deutschland sich auch quantitativ mehr mit dem Landleben und auch mit den Bauernkämpfen von 1525 befassten, steht zuvorderst die Betrachtung ihrer Arbeiten. Der Sozialistische Realismus, in der DDR 1949 zur Staatskunst avanciert, zeigte sich durchaus in der Lage, entgegen allen antikonzeptionellen Verissen durch seine Gegenseite, das neue bäuerliche Leben und Arbeiten künstlerisch zu widerspiegeln. Das sollen hier nur einige Beispiele andeuten.

Bauer Rehn 1952
Curt Querner
Bauer Rehn 1952
Kunstarchiv Beeskow
Steinleser 1984
Günter Neubauer
Steinleser 1984
Kunstarchiv Beeskow
Dorfweg 1984
Bernhard Heisig
Dorfweg 1984
Kunstarchiv Beeskow

Das geht auch aus den Arbeiten jener Künstler hervor, die im ⇒ Kunstarchiv Beeskow untergebracht wurden und so einem neoliberalen Bildersturm entgingen:
Curt Querner, Märzabend bei Karsdorf, 1953 Erich Fraaß, Zirkelstein und Friedenskrone, o.J. H. Reinhold, Dorf, 1953 Herbert Bergmann-Hannak, Volksgut Blankenfelde, 1958 Gabriele Mucchi, Volksgut Buch, 1958 Wolfgang Speer, Feldbaubrigadier, 1960 Paul Michaelis, Gespräch im Frühjahr 1960, 1961 Hermann Schepler, Dörfliches Erntefest, o.J. Hermann Schepler, Bauernhof, 1964 Tom Beyer, Landschaft mit Kornfeld, o.J. Heinz Wodzicka, Fahrt zur Ernte, 1967 Werner Haselhuhn, Abgeerntete Felder, 1974 Werner Haselhuhn, Traktoristen, 1970/71 Walter Womacka, Bodenreform, 1972 Rudolf Graf, Rast auf dem Feld, 1973 Renate Niethammer, Landbriefträger, 1974 Heinz Mäde, Kartoffelernte – Frühschicht, 1976 Günter Horn, Friedrich (Schweinestall), 1979 Günther Brendel, Alt-Wustrow, 1983 Heide-Marlis Lautenschläger, Rübenhacker, 1984 Karlheinz Wenzel, Jugendbrigade im Gewächshaus, 1985/86 Günter Richter, Letzter Sommer für Eythra, 1986 Wolfram Schubert, Ernte in Potzlow, 1986 Dieter Rex, Erntelandschaft, 1987 Christian Heinze, Das Brot, 1986 Wolfgang Wegener, Staudengärtnerei „Förster“ im Winter, 1988 Jürgen Parche, Gehöft bei Roter Krug, 1989 Jürgen Parche, Meisterin in der Kälberaufzucht, 1989

Zur Bodenreform von 1945 Arno Mohr Landverteilung Auch in der sowjetischen Besatzungszone stand man im Herbst 1945 vor der schwierigen Aufgabe, die Produktion in Gang zu setzen und auf Friedenswirtschaft umzustellen sowie die Arbeit in der Landwirtschaft sofort und ohne Zeitverzug zu beginnen. Entsprechende Befehle gab die SMAD heraus. Kurz darauf erließen die Provinzialverwaltungen entsprechende Verordnungen. In allen Gemeinden wurden Bodenreformkommissionen gewählt. Bis zum Frühjahr 1946 verteilten diese über 2,1 Mio Hektar an 165 000 Bauern und 180 000 andere Landlose. Dabei konnten 210 000 Neubauernstellen geschaffen werden. Von dieser Umverteilung des Bodens waren der Grundbesitz von Städten und Gemeinden, von Kirchen und von Schulen ausgenommen! Die Allmenden blieben erhalten! (Ein ähnlich demokratisch angestrebter Versuch scheiterte in den deutschen Westzonen schließlich 1949.) Unabhängig von den noch heute vorherrschenden propagandistisch eingefärbten Pro- und Contra-Erläuterungen dieser lebensnotwendigen und gut organisierten Agrarmaßnahme muß darauf verwiesen werden, das in drei asiatischen Ländern (Japan, Südkorea, Taiwan) von 1947 bis 1951 unter US-amerikanischer Ägide ebenfalls Bodenbesitzreformen durchgeführt wurden. In Ost-Deutschland wurde die dringende Notwendigkeit der Verhinderung einer Hungerkatastrophe verbunden mit der Hoffnung vieler auf einen wirtschaftlichen Neuanfang. Und mit solidarischer Hilfe aus dem Ausland war nicht zu rechnen.
Dieser Tatsache widmete sich das Bild von Arno Mohr. In seiner optimistischen, ja auch fröhlichen Darstellung sind Macher am Werk, da wird zielstrebig geplant und gearbeitet. Im wahrsten Sinn des Wortes werden Pflöcke für die Zukunft eingeschlagen und neue Häuser gebaut. Was sollte 1945 dagegen einzuwenden sein?

Dem geschichtlichen Thema des Kampfes der Bauern um 1525 widmeten sich fortan eine ganze Reihe weiterer Künstler. Es stellte sich hervoragend in Verbindung zum progressiven Teil der deutschen Geschichte - der deutschen Arbeiterbewegung. So zählte zu den ersten Werken nach 1945 das Gemälde Florian Geyer (1947) von ⇒ Bert Heller, der 1951 auch Thomas Müntzer darstellte und 1956 das Filmplakat für den Müntzer-Film der FEFA entwarf.

Am speziellen Thema des Bauernkrieges wurde in der DDR mit geradezu klassenkämpferischer Treue gearbeitet. Noch heute können die von klarer Aussagekraft und Schönheit bestimmten 115 Zeichnungen von ⇒ Hans Baltzer begeistern, die viele Auflagen der Zimmermannschen Volksausgabe des "Der Grosse Deutsche Bauernkrieg" vom Dietz-Verlag zieren. Das jetzt zu den Klassikern zählende Werk Wilhelm Zimmermanns durfte in keiner Bibliothek fehlen.

Zeichnung von Hans Baltzer
Zeichnung von Hans Baltzer (1950?)
Müntzer-Standbild in Mühlhausen Foto April 2007 Hans Holger Lorenz Den bildenden Künstlern wurde stets genügend Raum und Material gelassen, wie die vielen Arbeiten der DDR-Zeit beweisen. Beispiele bieten das Thomas-Müntzer-Standbild 1956 in Mühlhausen von ⇒ Will Lammert und die Ölgemälde von Wilhelm O. Pitthan "Thomas Müntzer predigt" 1958 und "Thomas Müntzer setzt den ewigen Rat ein" 1960.

Thomas Müntzer predigt von Wilhelm  Pitthan 1958
Thomas Müntzer predigt (1958) Gemälde von Wilhelm Pitthan
Thomas Müntzer setzt den ewigen Rat ein Gemälde von Pitthan 1960
Thomas Müntzer setzt den ewigen Rat ein (1960) Gemälde von Pitthan
Thomas Müntzer Plastik von Franz Eisele

Thomas-Müntzer-Plastik aus rotem Sandstein von Franz Eisele an einem Eckhaus in Halberstadt. Die auch nach Müntzer benannten Straße gehörte zu jenen nach 1956 entstandenen Wohnungskomplexen, die für die im Krieg zerstörte Halberstadt neu errichtet wurden.

Ein interessantes Detail der kunstgeschichtlichen Widerspiegelung des Bauernkrieges findet sich in seltenen Buchausgaben der DDR-Verlage, die graphische Darstellungen direkt vom Stock gedruckt enthielten. Der Graphiker Karl-Georg Hirsch, den man seit 1969 zur dritten Generation der Leipziger Schule zählen kann, schuf zur Sonderausgabe des Werkes von Friedrich Engels "Der deutsche Bauernkrieg" Holzstiche von ausdrucksvoller Dynamik. Die Holzstecher hatten an der Hochschule für Grafik und Buchkunst ihr Zentrum und speziell in einer Klasse diese Technik gelehrt.

Bauernkrieg Holzstich von Karl-Georg Hirsch Bauernkrieg Holzstich von Karl-Georg Hirsch Bauernkrieg Holzstich von Karl-Georg Hirsch

Bauernkrieg - Holzstiche von Karl-Georg Hirsch

Beinahe möchte man das Bauernkriegspanorama »Frühbürgerliche Revolution in Deutschland« von Werner Tübke als retardierenden Höhepunkt der DDR-Rezeption betrachten. Tübkes Studien dazu begannen bereits 1976. Entstanden in elf Jahren, am 16.10.1987 signierte der Künstler das Wandbild, ist es in Deutschland das großarigste Monument über den sozialen Kampf der Bauern in der Frühen Neuzeit. Und es zeigt eine gewisse Ehrlichkeit in seiner Deutung der Geschehnisse in der Historie. So hält bei Tübke (siehe Bildausschnitt links) der Thomas Müntzer die (Bundschuh-) Fahne bereits gesenkt, die Schlacht ist offenbar verloren, das Morden an den geschlagenen Bauern beginnt. Der Müntzer von Hans Baltzer (Anfang der 1950er gezeichnet) schwört noch zuversichtlich seine Bauern auf ihre Fahne ein, auch wenn einige seiner Mitstreiter bereits den Kopf gesenkt halten angesichts der Übermacht des Feindes. Alle wissen wofür und wogegen sie kämpfen, der optimistische Münzer hat es ihnen in seiner → Feldpredigt einfach gesagt.

Feldpredigt von Thomas Müntzer Zeichnung von Hans Baltzer Ausschnitt zur Feldpredigt von Thomas Müntzer aus Frühbürgerliche Revolution von Werner Tübke
Panorama Bad Frankenhausen
Panorama Bad Frankenhausen
Link zum Monumentalbild
"Frühbürgerliche Revolution in Deutschland"

Der Vorschlag für ein Panorama der Bauernkämpfe während der Frühen Neuzeit kam 1972 von ⇒ Edith Brandt, der damaligen verantwortlichen Funktionärin für Wissenschaft und Kultur des Bezirks Halle. Der Kultur-Minister der DDR, Hans-Joachim Hoffmann griff die Idee mit Blick auf den nahenden 450. Jahrestag zum Bauernkrieg sofort auf und im Wissen um die Interessen des geschichtssüchtigen Malers Werner Tübke favorisierte er ihn 1973 als Ausführenden. Aber es war noch ein weiter Weg voller Widerstände und Anstrengungen bis zur Fertigstellung des Werkes 1987 und seiner Eröffnung im Herbst 1989.
Gerade dieses Jahr 1989 fordert die Erlaubnis über ein Nachdenken zum Verlauf in der Geschichte ein. Von einem sozial engagierten Publikum ist eine Erklärung durchaus erwünscht. Innerhalb seiner elfjährigen Arbeit konnte in der Vorstellungswelt des Künstlers auch Skepzis ihren Raum gewinnen. Tübke hat zugeben müssen, das ihn zunehmend der Zeitbegriff irritierte. Die Diskussion über seinen Ablaßhändler deutete es bereits an. Der staatstragenden Weltanschauung einer stetig aufwärtsstrebenden Geschichtsentwicklung schien sich ein fatalistischer Kreislauf wiederholender Sozialtragödien zu überlagern, immerhin ist das Panorama ein Rundbild und liefert so für schlichte Gemüter eine simple Vorlage.
Aber ganz so kleinlich dachte Tübke sicher nicht. Er bevorzugte das Komplizierte, das Komplexe und verpackte es gern in Anspielungen und Symbolismen. Das tat er fast in allen seinen Werken. Beispielsweise gestattet es schon die Frage, welche Gründe ihn bewegten, den → Nithardt Grünewald nicht in seiner Künstlerversammlung unten im Zentrum des Bildes aufzuführen, um Tübkes Komplexität zu betonen.
Die Problematik Gibt es überhaupt einen Fortschritt?, die jeder Betrachtung der Historie inne wohnt, ist mit seinem wunderbaren Werk offen zu neuer Debatte frei gegeben. Und wenn zeitweilig Fortschritt überhaupt von manchen Historikern in Frage gestellt wird, erhält der Besucher des Panoramas in Bad Frankenhausen, allein mit der Tatsache, das ein so kleines Land wie die DDR ihren bäuerischen Vorfahren ein solches Ensemble errichten konnte, eine richtungsweisende Antwort.

Verspottung eines Ablaßhändlers - Werner Tübke 1976

Verspottung eines Ablaßhändlers
Werner Tübke 1976

Tübke zitiert 1976 eine Arbeit des Nikolaus Emanuel Deutsch aus dem Jahr 1525 (siehe oben). In den Vorbereitungs-Arbeiten zum Bauernkriegs-Panorama studierte er einzelne Szenen und man kann an einer Bleistiftzeichnung, heute in Besitz der Kunsthalle Rostock, die Genauigkeit erkennen, mit der der Künstler vorging. [Im Internet unter: ⇒ artnet.] Das darauf hin entstandene Gemälde »Verspottung eines Ablaßhändlers« (1976) rief noch im gleichen Jahr lebhafte Diskussionen hervor. Wollte Tübke ein Gleichniss provozieren? Jedenfalls übernahm er wesentliche Teile dieses Gemäldes in eine Szene des großen Panoramas.

Der große deutsche Bauernkrieg Triptychon von Heinz Zander 1970/1971

Der große deutsche Bauernkrieg
Triptychon
von Heinz Zander 1970/1971

Zu Beginn der 1970er Jahre begann Heinz Zander sich mit Themen der Dürer-Zeit zu befassen. Im Gegensatz zu Tübke, schloß der ebenfalls zur Leipziger Schule zählende Künstler einen gewissen Grünewald nicht aus seinen Betrachtungen der Renaissance aus. 1971 entstand sein Gemälde "Matthias Grünewald". Zander setzte an der Formensprache des Künstlers aus der Frühen Neuzeit an und wollte dessen mystische Ausdrucksstärke erreichen. 1974 beendete der Künstler sein großes Polyptychon "Der große deutsche Bauernkrieg II". Aber seine Suche nach dem Untergründigen, das Forschen in der Sprache des Symbolhaften wird diesen rastlosen Maler nicht mehr los lassen, sein Interesse galt später zunehmend der mittelalterlichen Mystik.

Auf den 450. Jahrestag zum Bauernkrieg folgten die Luther-Ehrungen im Jahr 1983. Martin Luthers Wirken, wesentlicher Bestandteil deutscher Kultur, blieb umstritten. In der DDR gab es durchaus Debatten zur Position des großen Reformers in den historischen sozialen Auseinandersetzungen. Die Diskussionen liefen auf den verschiedensten Ebenen. Die Ideen des Helmut Brade, ein eigenwilliger Grafiker, prägten viele Kulturplakate der DDR. Seine Arbeiten wurden zuweilen als supermodern und dunkel geheimnisvoll beschrieben. Sie zogen ebenso die Aufmerksamkeit der internationalen Fachwelt auf sich. Eine sehr umstrittene Arbeit zeigt die nebenstehende Abbildung des Siebdrucks Denkzettel von 1983. Das Poster ist Teil des Mappenwerks "Martin Luther und unsere Zeit".Die Grafikmappe entstand zur Luther-Ehrung der DDR im Jahr 1983 und erschien im Auftrag des Bezirkes Halle und der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg. Es soll wegen seiner symbolträchtigen Aussage in der DDR jedoch verboten gewesen sein.
Das Poster galt einem Text von Wilhelm Bartsch. Die Arbeit gehört zum Bestand des Museums Schloss Moritzburg Zeitz.

Die Abbildung findet man im museum-digital
Abbildung

Die umstrittene Arbeit von Helmut Brade:
Denkzettel, Siebdruck 1983

Auch die Künstler im Westen Deutschlands beschäftigten sich mit den Figuren und den Ereignissen der Bauernkriegszeit. Nicht selten erschienen ihre Darstellungen als kritische Metaphern an den gesellschaftlichen Zuständen in der damaligen BRD aber auch übergreifend an politischen Verhältnissen der beiden deutschen Staaten. Die künstlerischen Rezeptionen fielen einerseits auf regionalen Ebenen so in Franken und Schwaben als Widerstände des gemeinen Mannes aus, andererseits überregional als Widerspiegelungen einer Zeit der Glaubenskriege und Religionsstreitereien. Manche beschritten dabei ausgesprochen experimentelle Wege. Als ein bemerkenswertes Beispiel sei hier die Die Schwarze Hofmännin von Dieter Erich Klumpp (1982-1986) erwähnt. Der Künstler wollte, dass in der Skulptur der Bauernkrieg als historischer Rahmen mit zum Ausdruck kommt. Klummp studierte, wie man durchaus erkennen kann, bei Alfred Hrdlicka die Bildhauerei. Der hatte mit graphischen Arbeiten einen eigenen Zyklus zum Bauernkrieg geschaffen.

Dieter E. Klumpp Die Schwarze Hofmännin (1982-1986)
Die Skulptur entstand mit Unterstützung des Vereins der Museumsfreunde und der Kreissparkasse Heilbronn.


Diese Bronzeskulptur zum Armen Konrad auf dem Marktplatz von Beutelsbach erinnert an den Bauernaufstand im Jahre 1514 und an die historische Wasserprobe der zur Steuerhebung gefälschten Gewichte. Der wortgewaltige Gaispeter bewies mit diesem Schwabenstreich am Ufer der Rems den Widerstandswillen des Volkes.

Denkmal für Peter Gais (Gaispeter)
von Fritz Nuss


Zum Lesetext über die historischen Wasserprobe beim
berühmten ⇒ Zimmernann.


Mit einem herrlichen Humor grüßt der historische Held von Untergrombach die Gäste des Ortes. Der Bauer und Landsknecht Joß Fritz führte den Bundschuhaufstand am Oberrhein an. Der außerordentlch widerspenstige und ausdauernde Rebell kämpfte für die Abschaffung der Leibeigenschaft, die Verteilung der Kirchengüter an das Volk und wollte keinen Herrn außer Kaiser und Papst über die Bauern dulden. Der Joß-Fritz-Brunnen wurde 1989 von der damaligen Raiffeisenbank Bruchsal gestiftet.

Grieshaber
Farbholzschnitt 1966
Tod und Bauer


Seit 1987 wird vond der Grieshaberstiftung Reutlingen auch der Jerg-Ratgeb-Preis verliehen.
Denkmal in Sulmingen für Ulrich Schmid, dem Anführer des Baltringer Haufens.
Foto mit freundlicher Erlaubnis von F.Liesch,
Verein "Baltringer Haufen - Freunde der Heimatgeschichte"
Foto Juli 2008 Hans Holger Lorenz

Bauernkriegsdenkmal
in Würzburg (1989)
Rainer Krämer-Guille
Hans-Joachim Hummel
Adalbert Zimmermann

Wunderbar, modern und doch die Tragik der Bauernkämpfe nicht verschweigend, so wirkt das Denkmal am Neutorgraben der Festung Marienburg. Dieser Edelstahlskörper versucht sich voller Verzweiflung mit Wucht und Wut durch die Festungsmauern zu stemmen. Fest verwurzelt ist sein Rammbock im Boden, es waren die Bodenständigen, die hier anstürmten, Bauern, die sonst lieber ihre Erde bearbeiten. Wenn man sie denn ließe, wenn man ihnen nicht alles Erarbeitete nehmen wollte. Vergeblich aber ihre Anstrengungen.
Hier endete Welle um Welle des Angriffs der Wütenden. Hier könnte der Florian Geyer selbst gestanden haben, keuchend vor Zorn und Erschöpfung!

Das Denkmal aus unverwüstlichem Edelstahl wurde 1989 errichtet. Die Künstlern Rainer Krämer-Guille und Hans-Joachim Hummel arbeiteten zusammen mit dem Schlosser Adalbert Zimmermann an diesem Werk, zu dem auch eine Schrifttafel gehört. Auf ihr ist in Großbuchstaben geschrieben:

Zum Gedenken an den Bauernkrieg von 1525
Im Mai 1525 scheiterte unter grossen Verlusten der Sturm der Bauern auf die Festung Marienberg.
Dieser Fehlschlag leitete die vernichtenden Niederlagen der Bauernhaufen in den folgenden Wochen ein.
In blutigen Strafgerichten nahmen die Landesfürsten Rache an den Bauern und unterdrückten deren in 12 Artikeln zusammengefassten Forderungen nach persönlicher Freiheit und Mässigungen bei den herrschaftlichen Steuer- und Fronforderungen
Über den Aufrührer Hans Böheim, am 19.Juli 1476 als Ketzer in Würzburg verbrannt, zwei seiner Mitstreiter waren zuvor enthauptet worden, findet sich in der Stadt auf dem Schottenanger eine kleine vorzügliche Stele. Sie erinnert an seine Predigten, die sich als sehr frühe Vorankündigung der sozialen Auseinandersetzungen von 1525 offenbaren sollten.

Der Pfeifer von Niklashausen wurde bereits 1493 in Hartmann Schedels Weltchronik erwähnt und es gibt kunstgeschichtliche Analysen, die vermuten, das selbst Albrecht Dürer und Sebastian Brant dem mutigen Mann in ihren Werken ein Denkmal setzten.
Foto Juli 2008 D.Lorenz






IV.) 21. Jahrhundert
Der Ratgeb-Altar (2003-2004) von Hans Kloss, beeindruckendes Beispiel für aufrichtiges Engagement von Künstlern für das historische Thema, gehört seit 2005 zur Sammlung Würth in Schwäbisch Hall. Man könnte es auch als das erste Kunstwerk im 21. Jahrhundert nennen, das sich dem deutschen Bauernkrieg widmet und über das Schicksal des Malers → Jörg Ratgeb berichtet. Dieser begnadete Künstler, dessen innigste Bitte an seinen Fürsten zur Freigabe der ihm liebsten Menschen aus der Leibeigenschaft abschlägig behandelt wurde, stand fest auf Seiten der Bauern. Seine Bestrafung für die Teilnahme am Aufstand sollte noch über die grausame Hinrichtung durch Vierteilung hinausgehen. Alle seine Kunstwerke sollten vernichtet, sein Name ausgelöscht sein für alle Zeiten. Der Totalverlust an Zeichnungen und Entwürfen, den wir heute konstatieren müssen, läßt den Eindruck entstehen, das die primitiven Schergen Erfolge vermelden konnten. Aber auch am Anfang des 21. Jahrhunderts wird sich seiner erinnert und der farbenprächtige Ratgeb-Altar (hier leider so nicht dargestellt) von Hans Kloss kann es beweisen.

Ausschnitt Ratgeb-Altar
von Hans Kloss 2004


Das aussagekräftige und
schön gestaltete moderne
→  Bronzedenkmal
des "trauretten Bauern"
von Peter Brauchle
zum Gedenken an den
Pfälzer Bauernkrieg 1525 in Nußdorf (Landau).
Das Motiv zitiert überzeugend den Dürerschen →
Entwurf einer Gedächtnissäule

Bauernkriegsdenkmal in Nußdorf Detail Aus Anlass des 1200jährigen Dorfjubiläums der Gemeinde Nußdorf / Pfalz gestaltete der Künstler ⇒ Peter Brauchle den »trauretten Bauren« nach der Zeichnung von Albrecht Dürer. Damit soll auch an den Beginn des Bauernkrieges in Nußdorf am Sonntag Quasimodogeniti (23.April) 1525 und den Zug des Nußdorfer Haufens gedacht werden, der zusammen mit Bauern aus benachbarten Gegenden bis zur Schlacht bei Pfeddersheim führte, in der etwa 8000 Bauern ihr Leben ließen.
Der aufmerksame Betrachter kann erkennen, wie sorgsam der Künstler die Details behandelte und damit auf die damalige soziale Situation der Bauern aufmerksam macht. Das Schwert in seinem Rücken ist eine eindeutige Aussage.

Bauernkriegsdenkmal in Nußdorf Detail

Hier sitzt kein "sozial Schwacher", heute der mediale Begriff für Arme. Ein starker arbeitsgewohnter Mensch, den trotz aller Schinderei die Armut kennzeichnet, hält hier inne. Ihm sollte alle Sympathie gehören.
Die Skulptur aus Bronze und Sandstein wurde finanziert durch Spenden von Nußdorfer Bürgerinnen und Bürgern.

Nach viereinhalbjährigem Gerangel um Bildhauer, Standort, Inschrift und Form eines Monuments konnte im September 2006 auf Initiative des Kultur- und Museumsvereins Horb ein Sebastian-Lotzer-Denkmal in Horb am Neckar enthüllt werden. Der Bildhauer Markus Wolf aus Stuttgart schuf aus Granit eine Art Lanzenspitze und versah die Vorderseite mit einem starken Zitat aus den Zwölf Artikeln: Darum erfindt sich mit der Geschrift, daß wir frei seien und wöllen sein. Auf der ⇒ Rückseite ist zu lesen: Sebastian Lotzer von Horb schuf im März 1525 mit den zwölf Artikeln ein Monument in der Geschichte der Menschen- und Freiheitsrechte. Nach der Niederschlagung der Erhebung des gemeinen Mannes floh er nach St. Gallen, wo sich seine Spur im Nichts verliert. Lotzer, in der Geschichtsschreibung eher verleugnet als zu aufmüpfiger Insurgent, katholisch angefeindet als Protestant, protestantisch negiert als falscher Interpret des Evangeliums, handelte als drei große

Bauernhaufen (Baltringer, Allgäuer, Bodenseebauern) bereit standen. Da entwarf der Mitverfasser der 12 Artikel die Bundesordnung, die Bauern stimmten zu und warteten zu lange auf die Einschätzung von Gelehrten. Derweil erklärte einer ihrer Gegner: Wir werden gegen die Bauern bald solchen Ernst gebrauchen, dass ihr höllisch Evangelium in kurzen Tagen erlöschen wird. Die ausgreifende These, das der Kirschnermeister Sebastian Lotzer, durch sein Wirken an den → Zwölf Artikeln und der → Bundesordnung zwei Verfassungsdokumente in der Geschichte der Menschenrechtsbewegung entwarf, ist nicht von der Hand zu weisen. Das Evangelium wurde über die bestehenden Herrenvorrechte gesetzt und die Freiheit eingefordert.


Der Bildhauer Lutz Ackermann ließ 2008 seine Stele ohne Titel vor dem Sebastian-Lotzer- Haus in Horb am Neckar aufstellen.




Diese Seite befindet sich noch in Bearbeitung - Fortsetzung folgt!



www.bauernkriege.de zum Grossen Deutschen Bauernkrieg Bauernrevolten in Europa Quellen und Literatur Impressum


Notizen Bauernkrieg Kunstgeschichte / beg. 1.März 2006 / Stand: 6. Junli 2017 / Hans Holger Lorenz / (III) WB